El Greco 036.jpg: Der hl. Martin und der Bettler]]
Der Martinstag als Festtag des Heiligen Martin von Tours (11. November) ist von zahlreichen Bräuchen geprägt. Diese wurzeln in zwei wohl zusammenhängenden Umständen:
Als Brauch übriggeblieben ist heute vor allem das traditionelle Martinsgans-Essen. Es hat seinen Ursprung angeblich in einer Episode aus Martins Leben: Als man ihn zum Bischof von Tours ernennen wollte, versteckte er sich nach einer Legende in einem Gänsestall, weil die hohe Verantwortung ihm Angst machte. Die Gänse schnatterten so laut, dass Martin gefunden wurde. Als „Strafe“ werden daher an seinem Gedenktag die Gänse verspeist. Nach einer anderen Erzählung verwandten die Bürger von Tours eine List: Rusticus ging nämlich zu Martins Versteck und bat diesen, seine kranke Frau zu besuchen. Hilfsbereit, wie Martin nun einmal war, nahm er seine Sachen, um Rusticus nach Hause zu begleiten. Wahrscheinlich sah er ziemlich schmutzig aus - als habe er eine Zeitlang in einem Gänsestall gelebt.
Ein neuerer, aber sehr beliebter Brauch ist der St.-Martins-Zug: Kinder ziehen zum Gedenken an den Heiligen Martin am Martinstag mit Laternen durch den Ort, manchmal begleitet von einem Reiter, der mit einem roten Mantel den Heiligen darstellt. Bei dem Umzug werden Martinslieder gesungen. Die Laternen werden oft vorher im Unterricht der Grundschulen und in Kindergärten gebastelt. Zum Abschluss gibt es häufig ein Martinsfeuer, und die Kinder erhalten einen Weckmann aus Hefeteig mit Rosinen. In einigen Gegenden ziehen die Kinder mit ihren Laternen von Haus zu Haus und werden für das Singen von Martinsliedern mit Süßigkeiten belohnt („Schnörzen“ / „Gripschen“ / „Dotzen“).
In Franken kennt man auch den „Belzermärtl“, den „Pelzmärtel“ (Martin im Pelz) oder den „Nussmärtel“. Im evangelischen Franken bringt mancherorts der Pelzmärtel auch anstatt des Nikolaus Geschenke für die Kinder. Der Name dieser Gestalt geht ganz eindeutig auf den Heiligen Martin zurück, allerdings war der Pelzmärtel keineswegs mit diesem identisch. Seinem Aussehen nach ist er ganz eindeutig ein "Kollege" von Knecht Ruprecht, Pelznickel & Co. Tatsächlich ist er im Gefolge der Reformation aufgetaucht, die den Nikolausbrauch und die Verehrung der Heiligen - also auch des Heiligen Martin - in evangelischen Gegenden abgeschafft hat. Der Pelzmärtel kam dann in Franken gewissermaßen stellvertretend für den Nikolaus und dessen finsteren Begleiter und erinnerte gleichzeitig an den populären Hl. Martin.
In Ostfriesland hat sich der Brauch in eine andere Richtung entwickelt. Dort geht das Martinisingen einen Tag zuvor am 10. November auf Martin Luther zurück.
siehe auch Martinssingen, Mattenherrn | Heiligenfeste | Volkskunde | Tag mit Karnevalsbezug | St. Martin's Day | Sint Marten | Sint-Maarten (feest)
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