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Martina Navrátilová (* 18. Oktober 1956 als Martina Šubertová in Řevnice bei Prag/Tschechoslowakei) ist eine US-amerikanische Profi-Tennisspielerin. Sie gilt als eine der besten Tennisspielerinnen aller Zeiten. Unvergessen sind die Duelle der Serve-und-Volley-Spezialistin mit der Grundlinienspielerin und Sandplatzspezialistin Chris Evert, der anderen großen Spielerin der siebziger und achtziger Jahre.

Erfolge


Martina Navratilova gewann in ihrer nahezu beispiellosen Karriere unter anderem eine Rekordzahl von insgesamt 167 WTA -Turnieren im Einzel und 176 Titeln im Doppel ( Rekord ). Mit insgesamt 18 Einzeltiteln bei Grand-Slam-Turnieren wird sie nur von Margaret Smith Court ( 24 ), Steffi Graf ( 22 ) und Helen Wills Moody ( 19 ) übertroffen. Navratilova gewann 9 Einzeltitel in Wimbledon (Rekord) und siegte zwischen 1982 und 1987 sechs mal in ununterbrochener Folge (Rekord). Navratilova hält auch zusammen mit Billie Jean King die Bestmarke für die Gesamtzahl an Siegen in Einzel-, Doppel- und Mixed-Konkurrenzen (20). Sie siegte des weiteren vier mal bei den US Open (1983, 1984, 1986 und 1987), zweimal bei den French Open (1982 und 1984) und war drei mal bei den Australian Open (1981, 1983 und 1985) siegreich. Navratilova errang sechs aufeinanderfolgende Grand-Slam-Siege im Einzel ( Rekord ) und gewann zusammen mit ihrer Partnerin Pam Shriver den Grand Slam im Damen-Doppel. In der Addition aller Einzel-, Doppel- und Mixed-Erfolge bei allen vier Grand Slam - Turnieren kommt Navratilova auf insgesamt 58 Siege und wird hier nur von der Australierin Margaret Smith Court übertroffen. Navratilova stand auch nahezu 20 Jahre unter den ersten fünf Tennisspielerinnen der Weltrangliste . Nach ihrem überraschenden Comeback in Doppel- und Mixed-Konkurrenzen im Jahr 2000 dauert ihre Karriere noch immer an.

Karriere


1956-1971: Die Anfänge in der Tschechoslowakei

Martina Navratilova wurde 1956 als Martina Šubertová in Prag in der damaligen Tschechoslowakei geboren. Im Alter von drei Jahren vollzogen ihre Eltern die Scheidung. 1962 heiratete ihre Mutter Jana Miroslav Navrátil und zog mit ihrer Tochter nach Revnice. Martina übernahm den Namen ihres Stiefvaters und hieß fortan Martina Navratilova. Über ihn, der auch ihr erster Trainer wurde, kam die kleine Martina erstmals mit dem Tennissport in Berührung. Das Talent lag in der Familie. Großmutter Agnes Semanska vertrat als Tennisspielerin vor 1945 die Farben ihres Landes. Stiefvater Miroslav drängte das kleine Mädchen, nicht abwartend, sondern aggressiv zu spielen und so oft wie möglich ans Netz vorzurücken. Er, ein großer Bewunderer des Rasentennis in Wimbledon , weckte so eine langanhaltene Leidenschaft, die die weitere Karriere der Ausnahmespielerin bestimmte. 1964 im Alter von 8 Jahren spielte Navratilova ihr erstes Turnier und erreichte das Halbfinale. In den nächsten Jahren folgten zahlreiche Siege im Juniorenbereich. In Prag sah sie als Zuschauerin den grossen zweifachen Grand Slam - Gewinner Rod Laver . Navratilova beschloss, Tennisprofi zu werden.

1972-1976: Erste Erfolge und Emigration

1972 mit 15 Jahren wurde Martina NAvratilova erstmals tschechoslowakische Meisterin - ein Erfolg, den sie in den kommenden beiden Jahren wiederholen konnte. 1973 erreichte sie den ersten Platz der nationalen Rangliste. Im selben Jahr setzte die 16-jährige ein erstes Ausrufezeichen, sie erreichte das Finale des Juniorenturniers in Wimbledon. Navratilova wurde Profispielerin. Als sportliches Aushängeschild gehörte sie seit 1973 zu den wenigen Privilegierten, die das kommunistische Land zur Ausübung ihres Sports verlassen durften. Martina war begeistert von den Möglichkeiten, den Freiheiten und dem Überfluss, den die westlichen Länder in jeder Hinsicht boten. Besonders angetan hatten es ihr die USA, die sie im selben Jahr erstmals besuchte. Im Herbst kamt es in Akron / Ohio zu einer denkwürdigen Begegnung: Navratilova traf beim dortigen WTA-Turnier erstmals auf die amerikanische Weltranglistenerste Chris Evert. Navratilova war chancenlos. Aber dieses erste Zusammentreffen stellte nur den Auftakt dar zu einer der beindruckendsten Rivalitäten in der Geschichte des Sports. Navratilovas Begeisterung für das "Land der unbegrenzten Möglichkeiten" barg auch Schattenseiten: den bekennenden Fast-Food-Fan Navratilova plagten zunehmend offensichtliche Gewichtsprobleme. Trotzdem erweckte das Potential der Tennisspielerin schnell das Augenmerk der Experten. Die Linkshänderin, deren Markenzeichen ein ungemein harter Aufschlag sowie ein präzises Serve-und-Volley-Spiel waren, bestach durch eine für den Damen-Circuit ungewohnt aggressive Spielweise. Der bekannte amerikanische Sportjournalist Bud Collins bezeichnete Navratilova respektvoll, aber durchaus auch zweideutig, als "The Great Wide Hope" des Damentennis. Das Jahr 1975 brachte einen ersten Durchbruch bei den Grand Slam - Turnieren: die Tschechoslowakin erreichte das Einzelfinale der Australian Open und der French Open , wobei sie jeweils Evonne Goolagong und Chris Evert unterlag. An der Seite ihrer späteren Dauerrivalin gewann Navratilova das Doppelfinale der French Open und somit den ersten von insgesamt 31 Grand Slam-Titeln. Noch waren die Kräfteverhältnisse zwischen der amerikanischen Grundlinienspielerin, dem Liebling der Massen, und der Serve-und-Volley-Spezialistin aus der Tschechoslowakei eindeutig verteilt: Evert, das nun 21jährige, ehemalige "Wunderkind" des Tennissports, war die dominierende Spielerin der mittleren und späten siebziger Jahre. Beide Spielerinnen trafen in den Folgejahren insgesamt 80 mal aufeinander und ihr erbitterter Kampf um die Krone des Damentennis prägte die nächsten 15 Jahre.

Im Halbfinale der US Open unterlag Navratilova erneut der Weltranglisten-Ersten Chris Evert. Sie beantragte politisches Asyl in den Vereinigten Staaten und erhielt eine Greencard.

1976 errang Navratilova an der Seite von Chris Evert erstmals die Doppelkrone in Wimbledon - Auftakt einer Rekordsammlung von insgesamt 20 Titeln in der "Ruhmeshalle" des Tennissports.

1978-1980: Jahre der Orientierung und erste Grand Slam-Siege im Einzel

Das Jahr 1978 markierte den endgültigen Durchbruch: Die 22jährige Martina Navratilova errang den ersten Einzelsieg in Wimbledon. Im Finale des bedeutendsten Tennisturnieres der Welt bezwang sie Doppel-Partnerin und Weltranglisten-Erste Chris Evert in 3 Sätzen. Diese war seit dem Abgang von Margaret Smith Court Mitte der 70er Jahre die unumschränkte Herrscherin der Courts und dominierte die Konkurrenz nahezu nach Belieben. Mit der Wimbledon-Krone errang Martina nicht nur ihren ersten von insgesamt achtzehn Einzeltiteln bei Grand Slam - Turnieren - sie erklomm auch erstmals kurzzeitig den ersten Platz der Tennis-Weltrangliste . 1979 gelang es ihr , den Triumph in Wimbledon gegen die Amerikanerin Billie Jean King zu wiederholen. Trotz dieser ersten großen Erfolge war Navratilova noch weit davon entfernt, jene Athletin zu sein, die in den Folgejahren als nahezu unbesiegbar galt.

Das Jahr 1980 war eher von persönlichen Widrigkeiten geprägt. Bei den großen Tennisturnieren blieb Navratliova erfolglos. Nachdem Gerüchte um eine Affäre mit der Bestsellerautorin Rita Mae Brown in der Boulevardpresse die Runde machten, bekannte sich die Tennisspielerin erstmals offen zu ihren lesbischen Neigungen.

1981: Wendepunkt: Der Wandel zur professionellen Athletin

1981, nach einer Wartezeit von 5 Jahren, wurde die 25jährige Martina Navratilova schliesslich amerikanische Staatsbürgerin. Im Finale der Australian Open sicherte sie sich ihren dritten Grand Slam Einzeltitel und erreichte erstmals das Endspiel der US Open , in dem sie der jungen Tracy Austin im Tiebreak des dritten Satzes unterlag. 1981 markierte einen Wendepunkt im Leben der Tennisspielerin: Martina Navratilova begann mit wissenschaftlicher Akribie an sämtlichen Aspekten ihrer Tenniskarriere zu arbeiten, um so ihr Potential vollständig auszuschöpfen. Hierbei ging sie für das Tennis neue und revolutionäre Wege. Navratilova war die erste Spielerin, die neben dem eigentlichen Training auf dem Platz die immense Bedeutung der athletischen Grundlagen, die Bedeutung von Fitness-, Kraft-, der Beweglichkeit sowie des Lauf- und Sprinttrainings erkannte. Zur Verbesserung ihrer Fitness verpflichtete Navratilova den amerikanischen Basketball-Star Nancy Lieberman . Ein Ernährungsexperte erstellte einen speziellen, auf die Erfordernisse des Tennis abgestimmten Ernährungsplan. Zudem war Navratilova die erste Spielerin, die einen professionellen Trainer verpflichtete, der sich rund um die Uhr nur mit einer Spielerin beschäftigte.

Sie leitete so indirekt einen Prozess der Professionalisierung ein, der die gesamte Szene nachhaltig veränderte.

1982-1987: Ungebrochene Dominanz und ewiges Duell mit Chris Evert

Schon 1982 begann sich die Umorientierung der Martina Navratilova zu absoluter Professionalität auszuzahlen: körperlich und mental in absoluter Bestform gewann die Neu-Amerikanerin nicht weniger als 15 WTA - Turniere im Einzel und 14 im Doppel. Aus der hochtalentierten, aber übergewichtigen Spielerin wurde eine Athletin, die mit ihrer akribischen Ernährungs- und Trainingsplanung das eigene Tennisspiel auf ein nicht gekanntes Niveau führte. Hierdurch setzte sie auch Maßstäbe für andere. Navratilova siegte erstmals auf der ungeliebten langsamen Asche der French Open, erneut auf heiligem Rasen in Wimbledon und im Dezember bei den Australian Open. Unterlegene Gegnerin in den letzteren Finals war Chris Evert, die beherrschende Spielerin der vergangenen Jahre. Sie musste zusehen, wie die zuvor unterlegene Rivalin an ihr vorbeizog: bis zum Jahre 1981 hatte Evert von 44 Duellen nicht weniger als 28 gewonnen. Nun wendete sich das Blatt: Evert fiel auf den zweiten Platz der Weltrangliste zurück. Die Rivalität dieser beiden vom Spielsystem, aber auch von der Persönlichkeit her so gegensätzlichen Spielerinnen, erreichte in der Folge im Kampf um die Vorherrschaft ihren Höhepunkt. Beide standen sich zwischen 1982 und 1987 nicht weniger als zehn mal im Finale eines Grand Slam-Turniers gegenüber, wobei Navratilova siebenmal gewann. Bis zu Everts Rücktritt im Jahre 1989 trafen beide 80 mal aufeinander, wobei 43 Siege an Navratilova und 37 Triumphe an Evert gingen. Das Resultat dieser sportlichen Rivalität, die zunehmend auch mit einer respektvollen Freundschaft einherging, zwang auch Evert auf ein neues sportliches Niveau. Angesichts der neuen Fähigkeiten der Gegnerin war nun auch sie gezwungen, sich athletisch und spielerisch weiterzuentwickeln. Ein Umstand, der die gestürzte Königin 1985 für eine kurze Zeit auf den Thron zurückbrachte. Im Rückblick sind sich beide einig, dass ihre Rivalität beide auf die höchste Stufe ihres könnens führte. Evert wird später sagen: "Wir haben beide das Beste aus uns herausgeholt, was möglich war". Und Martina Navratilova wird erklären: "Es wird nie mehr eine solche Rivalität geben wie die unsrige. Es gab vor uns niemals eine solche. Und es wird nach uns keine Rivalität mehr geben, die mit der unsrigen vergleichbar sein wird".

1983 aber begann eine Phase der nahezu ungebrochenen Dominanz der Martina Navratilova: nach ihrer Achtelfinal-Niederlage bei den French Open 1983 siegte die Amerikanerin in Wimbledon, New York und Melbourne (damals noch am Jahresende im Dezember ausgetragen). Mehr noch: Navratilova gewann insgesamt 15 Turniere im Einzel und 13 im Doppel. Die Jahresbilanz lautete auf 86 Siege und nur eine Niederlage - ein bis heute unübertroffener Jahresrekord für Männer wie Frauen. Mit dem Gewinn der French Open in Paris vollendete sie auch einen "unechten", da nicht in einem Kalenderjahr zustande gekommenen Grand Slam. Navratilova gewann im Anschluß erneut in Wimbledon und verteidigte ihren Titel bei den US Open in New York. Der Erfolg bei den US Open 1984 war ihr sechster Grand-Slam Triumph in Folge (ein weiterer Rekord). Mit der Halbfinal-Niederlage gegen Helena Sukova bei den Australian Open desselben Jahres endete schließlich nach 74 Einzelsiegen in Folge die längste je im Tennis erzielte Siegesserie. Navratilova verpasste denkbar knapp die Chance, alle vier Grand Slam Turniere innerhalb eines kalendarischen Jahres zu gewinnen und so einen historischen Grand Slam zu vollenden.

Trotz dieser vergebenen Möglichkeit hielt die nahezu ungebrochene Dominanz der Amerikanerin erst einmal an: zwischen 1982 und 1984 verlor sie insgesamt nur 6 Einzelspiele. Mit ihrer Doppel-Partnerin Pam Shriver gelang ihr der Grand Slam im Damen-Doppel sowie die Rekordzahl von 109 Siegen zwischen 1983 und 1985. Navratilova war über drei Jahre lang auch unangefochtene Weltranglisten-Erste in der Doppelkonkurrenz.

Zwischen 1985 und 1987 erreichte Martina Navratilova die Endspiele aller elf Grand Slam Turniere, an denen sie teilnahm und von denen sie sechs gewinnt.

Bemerkenswert war der Umstand, dass Navratilova zwar insgesamt die Szene dominierte. Doch ihre Rivalin Chris Evert - Gegnerin in fast allen Endspielen - blieb ihr dicht auf den Fersen. Evert gewann auch in dieser Zeit mindestens einen Grand Slam - Titel pro Jahr. Mit ihrem Sieg bei den French Open 1985 gelang es ihr noch einmal, die alte Rivalin vom Thron zu stoßen und diese für einige Wochen auf den zweiten Platz zu verdrängen. Nach 156 aufeinanderfolgenden Wochen ging die unumschränkte Vorherrschaft der Martina Navratilova zu Ende - ein Rekord, den erst die junge Steffi Graf brechen konnte.

1987-1989: Eine neue Gegnerin - der Verlust der Weltranglistenführung an Steffi Graf

Zwischen 1982 und 1987 führte Navratilova insgesamt 331 Wochen und 156 Wochen in ununterbrochener Folge die Weltrangliste der Tennis-Damen an - ein bis dahin unübertroffener Rekord. Martina Navratilova und Chris Evert dominierten nach Belieben. Platz 1 und 2 der Weltrangliste waren auf Jahre unantastbar an die beiden Amerikanerinnen vergeben. 1985 aber machte die Kunde von einem "Wunderkind" aus Deutschland die Runde, welches die Vorrangstellung der 29jährigen Navratilova nachhaltig bedrohte. Die sechzehnjährige Steffi Graf konnte zwar noch keines der Duelle gegen die Amerikanerinnen gewinnen, stieß aber zum Jahresende mit ihrem Power-Spiel von der Grundlinie, einem harten Aufschlag und einer furchterregenden Vorhand schon auf Platz 6 der Weltrangliste vor. Graf war die erste Spielerin, die Navratilova im Bereich von Athletik und Schnelligkeit nicht nachstand. Noch einmal war die Amerikanerin Teil eines erbitterten und leidenschaftlichen Duells um die Vorherrschaft im Damen-Tennis. Wieder bestand der große Reiz in den spielerischen und persönlichen Unterschieden: Serve-und-Volley gegen Grundlinienspiel. Alt gegen jung. Die auch außerhalb des Platzes offensiv auftretende Amerikanerin gegen die stille verschlossene Deutsche. Auf Nachfrage wurde Martina Navratilova nicht müde zu betonen, dass hier ihre Nachfolgerin zu besichtigen sei. Schon 1986 spürten die beiden Spitzenspielerinnen den Atem der jungen Graf im Nacken, die bis auf Platz drei vorrückte und im Mai 1986 im Endspiel der German Open von Berlin ihren ersten Sieg über Navratilova verbuchen konnte. 1987 verdrängte sie Chris Evert auf Platz 3. Im Finale der French Open in Paris musste sich die Weltranglistenerste in einem dramatischen Dreisatz-Match der jungen Deutschen beugen. Zwar gelang es der Amerikanerin noch, ihre Gegnerin auf den schnelleren Böden von Wimbledon und der US Open desselben Jahres niederzuhalten. Doch es verdeutlichte sich, dass die athletische Deutsche mit ihrem schnellen Grundlinienspiel, ihrer Vorhand und ihrem immensen Siegeswillen die Mittel besaß, um Navratilovas Vormachtstellung endgültig zu beenden. Deren 8. Sieg in Wimbledon über Graf brachte die langersehnte Einstellung des Uralt-Rekordes an Einzeltiteln im Mekka des Tennissports. Bei den US Open gelang Navratilova ein weiterer sporthistorischer Erfolg: als dritte Person der Tennisgeschichte konnte sie Einzel, Doppel und Gemischtes Doppel beim selben Grand Slam-Turnier für sich entscheiden. Doch die Verhältnisse insgesamt kippten: Trotz der zwei Grand Slam-Siege Navratilovas, der nur ein Titel Grafs in Paris gegenüberstand, gelang es der Deutschen aufgrund ihrer bemerkenswerten Konstanz, die Amerikanerin von der Spitze der Weltrangliste zu verdrängen. Für Navratilova begannen ungewohnte, weil sieglose Jahre bei den bedeutendsten Turnieren der Welt.

1989 standen sich beide letztmals als Nummer 1 und Nummer 2 in Grand Slam-Finals gegenüber. Graf gewann in Wimbledon und bei den US Open in drei Sätzen.

1990-1994: Rekorde für die Ewigkeit und Rücktritt

Trotz Grafs Siegeszug der vorangegangen Jahre war Martina Navratilova überzeugt, die Kraft für noch einen weiteren Sieg an der Church-Road in sich zu tragen. Im Jahre 1990 ergab sich diese Gelegenheit: Titelverteidigerin Graf strauchelte früh und Martina Navratilova ergriff die Chance: Sie gewann, nun 33-jährig noch einmal in Wimbledon. Sie schlug Zina Garrison deutlich mit 6:4 und 6:1 und wurde mit 9 Siegen alleinige Rekordhalterin beim bedeutendsten Tennis-Turnier der Welt. Obgleich dies Navratilovas letzter Einzeltitel blieb, gelang es ihr in den Folgejahren noch zwei Mal, in große Finals einzuziehen. Schlagzeilen machten auch private Bekenntnisse: schon 1981 hatte die Amerikanerin in einem Interview mit der New York Daily News die Öffentlichkeit über ihre Homosexualität in Kenntnis gesetzt. Nun, 1991, erschien Martina Navratilovas Autobiografie mit dem Titel "So bin ich", in der sie sich offensiv zu diesem Umstand bekannte. Bei den US Open unterlang sie der neuen Weltranglisten-Ersten Monica Seles. 1992 fielen weitere Rekorde: mit ihrem 158. Einzelsieg bei einem Grand Prix-Turnier übertraf Martina die Bestmarke ihrer alten Rivalin Chris Evert. Im Finalspiel der Paris Indoor Championships besiegte sie 36-jährig die Weltranglisten-Erste Monica Seles . Navratilova ist die älteste Spielerin, der ein solcher Erfolg gelang. 1994 erreichte die 37jährige Amerikanerin noch einmal das Endspiel auf dem heiligen Rasen in England, wo sie sich der Spanierin Conchita Martinez geschlagen geben musste. 1994 gab Martina Navratilova ihren Rücktritt von der Profi-Tour bekannt. Im Jahre 2000 wurde sie in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen.

2000-2006: Ein spätes Comeback und neue Rekorde

Im Jahr 2000 , sechs Jahre nach dem ersten Rücktritt und im Alter von nun 44 Jahren, entschloss sich Martina Navratilova überraschend zu einem Comeback in Doppel- und Mixed -Wettbewerben.

2002 gewann sie das WTA-Turnier in Madrid im Doppel zusammen mit Natalja Zwerewa und brach damit den Rekord von Billie Jean King als älteste Siegerin eines WTA-Turniers. Im WTA-Turnier im englischen Eastbourne startete die 45-jährige Martina Navratilova im Jahr 2002 auch bei den Einzelmatches. Dabei besiegte sie die um fast 20 Jahre jüngere und an Nummer 22 der Weltrangliste geführte Russin Tatjana Panowa in einem 96 Minuten dauernden Dreisatzspiel. Den Auftritt in Eastbourne deutete Navratilova indessen nicht als Comeback im Einzel, sondern als Einlösung einer verlorenen Wette mit ihrer Trainerin Gieselle Tirado.

Im Jahr 2003 gewann sie mit ihren Siegen im Mixed mit Leander Paes bei den Australian Open und in Wimbledon als älteste Spielerin überhaupt ein Grand Slam-Finale. Durch den erstmaligen Gewinn der Australian Open im Mixed wurde Martina Navratilova die dritte Spielerin (Männer und Frauen), die sämtliche Titel in Einzel, Doppel und Mixed bei allen vier Grand Slam -Turnieren errang. Für den Gewinn dieses sog. "Super Slams" wurde die 46-jährige Ausnahmespielerin beim WTA-Turnier in Amelia Island/Florida von der WTA ausgezeichnet. Ihr Sieg beim Mixed in Wimbledon brachte ihr zudem die Einstellung des Rekordes von Billie Jean King, die wie Navratilova auf insgesamt 20 Titel in sämtlichen Bewerben kommt. Mit nun 58 Grand Slam - Titeln insgesamt ist sie die in dieser Kategorie zweiterfolgreichste Spielerin aller Zeiten hinter Margaret Smith Court (62).

Ihr Auftritt im Fed Cup 2004 machte sie zur ältesten jemals angetretenen Spielerin in diesem Wettkampf. Im Mai errang sie in Wien an der Seite von Lisa Raymond ihren 174. Doppeltitel. Mit der selben Partnerin erreichte sie auch das Halbfinale der French Open. Mit ihrem Erstrundensieg gegen Catalina Castano in Wimbledon holte sie sich einen weiteren Rekord: mit 47 Jahren und 8 Monaten wurde sie die älteste siegreiche Spielerin im Einzel. Im Doppel erreichte sie dasselbe Ergebnis wie schon in Paris. Die erneute Teilnahme an der Fed Cup-Begegnung gegen Österreich (die USA verloren das Match) bescherte ihr an der Seite der eher unbekannten Spielerin Jill Craybas ihre überhaupt erste Niederlage in einem Fed Cup-Spiel nach 38 Siegen in Folge. Bei den olympischen Spielen 2004 in Athen erreichte sie zusammen mit ihrer Partnerin Lisa Raymond das Viertelfinale.

2005 : Auch wenn sie eigentlich ihre Karriere mit ihrem Antritt bei Olympia beenden wollte, trat sie inzwischen auch 2005 in der Doppel- und Mixedkonkurrenz an. Bei den Australian Open gelangte sie in der Doppelkonkurrenz bis ins Viertelfinale, wo sie zusammen mit ihrer Doppelpartnerin Daniela Hantuchová gegen die späteren Sieger Alicia Molik/Svetlana Kuznetsowa verlor. Im Mixed kam sie zusammen mit Max Mirny bis ins Halbfinale. Bei den French Open wurde sie zusammen mit Leander Paes erst im Finale des Mixed-Wettbewerbes gestoppt. In Wimbledon und bei den US Open erreichte sie zusammen mit der deutschen Spielerin Anna-Lena Grönefeld das Halbfinale. Mit Grönefeld gelang es ihr in Toronto, ihren 175. Turniersieg in der Doppelkonkurrenz erringen.

2006 : Nach einem emotionalen, aber relativ erfolglosen Auftritt in ihrer alten Heimat Prag errang Navratilova im Mai beim Turnier in Straßburg an der Seite von Liezel Huber (Südafrika) ihren 176. Doppeltitel. Gegnerinnen im Endspiel waren die Deutsche Martina Müller und die Rumänin Andreea Vanc.

Grand Slam Bilanz


Grand Slam-Siege im Einzel (18)

1978 Wimbledon Chris Evert 2-6, 6-4, 7-5 1979 Wimbledon Chris Evert 6-4, 6-4 1981 Australian Open Chris Evert 6-7, 6-4, 7-5 1982 French Open Andrea Jaeger 7-6, 6-1 1982 Wimbledon Chris Evert 6-1, 3-6, 6-2 1983 Wimbledon Andrea Jaeger 6-0, 6-3 1983 U.S. Open Chris Evert 6-1, 6-3 1983 Australian Open Kathy Jordan 6-2, 7-6 1984 French Open Chris Evert 6-3, 6-1 1984 Wimbledon Chris Evert 7-6, 6-2 1984 U.S. Open Chris Evert 4-6, 6-4, 6-4 1985 Wimbledon Chris Evert 4-6, 6-3, 6-2 1985 Australian Open Chris Evert 6-2, 4-6, 6-2 1986 Wimbledon Hana Mandliková 7-6, 6-3 1986 U.S. Open Helena Suková 6-3, 6-2 1987 Wimbledon Steffi Graf 7-5, 6-3 1987 U.S. Open Steffi Graf 7-6, 6-1 1990 Wimbledon Zina Garrison 6-4, 6-1

Verlorene Finals bei Grand Slam-Turnieren im Einzel (14)

Jahr Turnier Gegnerin Resultat 1975 Australian Open Evonne Goolagong 6-3, 6-2 1975 French Open Chris Evert 2-6, 6-2, 6-1 1981 U.S. Open Tracy Austin 1-6, 7-6, 7-6 1982 Australian Open Chris Evert 6-3, 2-6, 6-3 1985 French Open Chris Evert 6-3, 6-7, 7-5 1985 U.S. Open Hana Mandliková 7-6, 1-6, 7-6 1986 French Open Chris Evert 2-6, 6-3, 6-3 1987 Australian Open Hana Mandliková 7-5, 7-6 1987 French Open Steffi Graf 6-4, 4-6, 8-6 1988 Wimbledon Steffi Graf 5-7, 6-2, 6-1 1989 Wimbledon Steffi Graf 6-2, 6-7, 6-1 1989 U.S. Open Steffi Graf 3-6, 7-5, 6-1 1991 U.S. Open Monica Seles 7-6, 6-1 1994 Wimbledon Conchita Martinez 6-4, 3-6, 6-3

Alle Grand-Slam-Ergebnisse im Einzel

Turnier 1973 1974 1975 1976 1977 1978 1979 1980 1981 1982 1983 1984 1985 1986 1987 1988 1989 1990 1991 1992 1993 1994 2004 Career
Australian Open - - F - - - - HF S F S HF S - F HF VF - - - - - - 3
French Open VF VF F - - - - - VF S 4r S F F F 4r - - - - - 1r 1r 2
Wimbledon 3r 1r VF HF VF S S HF HF S S S S S S F F S VF HF HF F 2r 9
US Open 2r 4r HF 1r HF HF HF 4r F VF S S F S S VF F 4r F 2r 4r - - 4

Rekorde


  • 167 Siege bei WTA- und Grand-Slam-Turnieren (Einzel)
  • 176 Siege bei WTA- und Grand-Slam-Turnieren (Doppel)
  • 9 Siege in Wimbledon (Einzel)
  • 6 Einzelsiege in Wimbledon in ununterbrochener Folge (1982-1987)
  • 20 Siege in Wimbledon (Einzel, Doppel, Mixed)
  • längste Siegesserie im Einzel (74)
  • längste Siegesserie im Damen-Doppel mit Pam Shriver (109/ 1983-1987)
  • Gewinnerin des Grand Slam im Damendoppel mit Pam Shriver
  • 380 gespielte Turniere im Einzel, 1650 absolvierte Matches und 1438 Siege

Ehrungen


  • 2000: Aufnahme in die International Tennis Hall of Fame in Newport/ Rhode Island/ USA

Werke


  • Navratilova, Martina: Being Myself
  • Navratilova, Martina: Tennis: My Way.
  • Navratilova, Martina: So bin ich. (1995)
  • Navratilova, Martina: The Shape of Your Life: My 6-Step Diet and Fitness Plan for Achieving Your Personal Best Whatever Your Age-Or Your Challenge.

Literatur


  • Blue, Adrienne: Martina. The Lives and Times of Martina Navratilova
  • Howard, Johnette: The Rivals: Chris Evert vs. Martina Navratilova. Their Epic Duels and Extraordinary Friendship

Weblinks


Frau | US-Amerikaner | Tennisspieler (USA) | Tennisspieler (Tschechien) | Geboren 1956

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