Martin-Pollich.jpg Martin Pollich, auch Mellerstadt oder lux mundi („Licht der Welt“) genannt; andere Namenskonventionen: Marti Polich, Martinus Polichius (* um 1455 in Mellrichstadt; † 27. Dezember 1513 in Wittenberg) war Philosoph, Mediziner, Theologe und Gründungsrektor der Universität Wittenberg.
Am Ende des 15. Jahrhunderts grassierte in Europa die Syphilis als Seuche. Die Ärzte standen zur damaligen Zeit der Franzosenpest oder Spanische Grippe, wie sie damals genannt wurde, ratlos gegenüber. 1497 erschien eine Schrift, des Arztes Leoniceno aus Venedig der mit der überkommenen Vorstellung brach, das die Konstellation der Planeten die Gesundheit beeinflussten. Stattdessen wies er Wege zur rationellen Bekämpfung der Seuche, die Pollich als Unterrichtslektüre in seinen Vorträgen aufnahm. Sein Kollege in der medizinischen Fakultät Simon Pistoris stellte daraufhin Gegenthesen (1498) gegen Leoniceno und Pollich auf. Daran entzündete sich ein gelehrter Disput. Pollich wollte sich nicht mehr die törichten Äußerungen seines Kollegen Pistoris anhören müssen, der Gebete empfahl und Gottvertrauen gegen die unheilbare Krankheit, statt des Suchens nach wirksamer Medizin zu widmen. Experimente mit neuer Arznei lehnte Pistoris ab, als Eingriff in das Werk des Schöpfers und sperrte sich gegen die Erprobung mit Quecksilber. Als Pistoris das Ringen um seinen Standpunkt aufgab, ging Pollich zwar als Sieger aus der Disputation hervor. Jedoch schlugen ihm nun neue Anfeindungen, der Anhänger der scholastischen Lehre entgegen, den er selbst einst angehört hatte.
Sein einstiger Schüler und Freund der Theologieprofessor Konrad Wimpina forderte ihn 1500 mit der Streitschrift „Poesie“ über die neue hummanistische Richtung heraus. Pollich geriet dabei mit dem Theologen Konrad Wimpina in einen erbitterten schriftlichen Streit, über das Verhältnis von Poesie und Theologie zur Dichtkunst. In den Werken „Apologetius“ und „Palillogia“, hatte sich Wimpina an einen unbekannten humanistischen Literaten gewendet, den er beschuldigte in seinen Gedichten „Poesie“, sich über die Theologie zu heben. Zu jener Zeit galt die Theologie als höchste Stufe des Geisteslebens und mit dieser Unterstellung versuchte Wimpina Menschen davor abzuschrecken, sich mit humanistischen Studien zu beschäftigen. Nun kann man nicht Disputationen mit moderner Streitkultur vergleichen. Sie vollzog sich damals heftiger und war von „ausfälligen Aktionen“ mitgeprägt. Als Wimpina Pollich als Gotteslästerer und Beschimpfer der Leipziger Universität denunzierte, reagierte dieser verärgert und beschimpfte Wimpina wiederum als „zweibeiniger Esel“ und „niederträchtigen, lügenhaften Schurken“. Dies war für Pollich in der Sache jedoch wenig förderlich und so konnte er in Leipzig seine neuen Ideen nicht durchsetzten.
Damit man Studenten für die Universität Wittenberg gewinnen konnte, ließ Friedrich der Weise Handzettel verteilen, in denen die Erlassung der Studiengebühren für 3 Jahre angeboten wurden. Zudem berief sich der Kurfürst bei der Universitätsgründung auf ein in Italien geltendes Recht und setzte damit durch, dass jeder der in Wittenberg studierte rechtlich den Adligen gleichgestellt wurde. Im Zusammenhang mit den großen Aushängeschildern der Lehrkörperschaft, entwickelte sich die Universität stetig zu einem Anziehungsmagnet für Studenten, die aus allen Teilen Europas nach Wittenberg strömten. Pollich der zeitlebens Vizekanzler der Universität blieb, hielt an der medizinischen, philologischen und theologischen Fakultät Vorlesungen, sorgte sich nebenbei um die Nahrungsversorgung der Studenten, um die Einrichtung einer Druckerei für die Universität und richtete 1508 eine Apotheke ein. 1503 konnte er als erster die Promotion als Doktor der noch scholastischen Theologie erhalten. Bereits 1508 machte er Bekanntschaft mit einem jungen Augustinermönch, der als Magister Atrium von Staupitz für die Dozentur der aristotlischen Ethik von Erfurt nach Wittenberg berufen wurde, kennen. Als dieser nach einem Aufenthalt in Rom 1512 die Nachfolge von Staupitz antrat, war Pollich von Martin Luthers Begabung so sehr überzeugt und sagte vier Jahre vor dessen reformatischen Auftreten von ihm: „Der Mönch wird alle Docktors irre machen, eine neue Lehr aufbringen, und die ganze römische Kirche reformieren, denn er legt sich auf der Propheten und Apostel Schrift, und stehe auf Jesu Christi Worte: Das kann keiner, weder mit Philosophie, noch Sophisterei, Skotisterei, Albertisterei, Thomisterei und dem ganzen Tartaret, umstoßen und niederfechten!“ Dies erlebte Pollich nicht mehr. Er verstarb am 27. Dezember 1513 und wurde in der Wittenberger Stadtkirche begraben und ihm dort ein Epitaph errichtet dessen Text Georg Spalatin verfasste. Zum Gedenken an den einstigen Gründungsrektor befindet sich am Standort seines einstigen Wohnhauses eine Gedenktafel.
Mann | Deutscher | Evangelischer Theologe (15. Jh.) | Evangelischer Theologe (16. Jh.) | Mediziner (15. Jh.) | Mediziner (16. Jh.) | Philosoph der Renaissance | Philosoph der Frühen Neuzeit | Geboren 1452 | Gestorben 1513
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Martin Pollich".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world