Martin Luther King, jr. (* 15. Januar 1929 in Atlanta, Georgia; † 4. April 1968 in Memphis, Tennessee) war ein US-amerikanischer Baptistenpastor und Bürgerrechtler. Er zählt zu den wichtigsten Vertretern im Kampf gegen die weltweite Unterdrückung der Schwarzen und für soziale Gerechtigkeit. King, der immer die Gewaltlosigkeit predigte, wurde dreimal tätlich angegriffen, überlebte mindestens ein Bombenattentat und wurde zwischen 1955 und 1968 mehr als 30 Mal inhaftiert. Am 4. April 1968 wurde er in Memphis, Tennessee erschossen.
King jrs. Großvater mütterlicherseits, Williams (*1863), war Sohn von Sklaven und trat 1894 in die Ebenezer-Gemeinde ein. Dieser Kirchengemeinde wohnten alle nachfolgenden Generationen bei. James King, der Großvater väterlicherseits, hatte auf Baumwollplantagen bei Stockbridge gearbeitet, etwa 20 Kilometer von Atlanta entfernt.
Der Name Martin Luther war für den Vater und später für den Sohn Ausdruck tiefen religiösen Empfindens. Zusammen mit seinen Eltern lebte er bis 1941 in der Auburn Avenue 501, einer Straße, in der fast ausschließlich wohlhabende Schwarze wohnten.
Wie alle Schwarzen wurde auch er durch die damalige Rassentrennung in den Südstaaten der USA diskriminiert. Diese trennte alle Bereiche des täglichen Lebens in schwarz und weiß: Schulen, Kirchen, öffentliche Gebäude, Busse und Züge, selbst Toiletten und Waschbecken. King empfand schon früh solche Segregation als große Ungerechtigkeit, vor allem geprägt durch die väterliche Erziehung. Im Alter von 14 Jahren fuhr er von Atlanta nach Dublin, Georgia, um dort an einem Redner-Wettbewerb teilzunehmen, den er auch gewann. Schon damals setzte er sich öffentlich sowohl für die Desegregation wie auch die Stärkung der USA als Nation ein:
Am 18. Juni 1953 heiratete er Coretta Scott Williams. Die Hochzeit fand in Scotts Elternhaus in Marion, Alabama statt und wurde von Kings Vater geleitet. King und Scott hatten zusammen vier Kinder:
Alle vier haben eines gemeinsam: sie alle engagieren sich wie ihr Vater für Bürgerrechte, wenn auch ihre veröffentlichten Texte und Reden thematisch voneinander abweichen.
Coretta Scott King starb am 30. Januar 2006 im Alter von 78 Jahren in Rosarito Beach, Mexiko.
Danach wollte King trotz seines tiefen Glaubens eigentlich kein Prediger werden, entdeckte jedoch auf dem College endgültig das Reden für sich und belegte vordere Plätze bei Studentenwettbewerben, in denen es um politische Reden ging. Von Vater und Professoren schließlich überzeugt, besuchte er das Crozer Theological Seminary in Chester, Pennsylvania, um Theologie zu studieren. Er las Plato, John Locke, Jean-Jacques Rousseau, Aristoteles, Henry David Thoreau und Walter Rauschenbusch, der ihn insofern beeinflusste, als das King die Rolle und Verantwortung eines Predigers für sich neu definierte:
Zudem beschäftigte er sich intensiv mit verschiedenen Theorien zu Gesellschaftsformen und las etwa Karl Marx, der ihn stark beeinflusste, obwohl er ihn größtenteils ablehnte:
Außerdem wurde er noch stark von Mahatma Gandhi beeinflusst, dessen Erfolge mittels Gewaltlosigkeit und Nächstenliebe ihn tief beeindruckten. King sagte einmal über Gandhi:
Später las er noch Pazifismus-kritische Texte von Reinhold Niebuhr. Diese konnten ihn zwar nicht vom gewaltfreien Widerstand abbringen, veränderten jedoch sein Weltbild:
Martin Luther King jr. hatte mehrere Angebote für die Zeit nach seinem Studium. Er wählte aber nicht den „einfachen“ Weg, sondern entschied sich für eine Pfarrerstelle im Süden des Landes. So wurde er im darauf folgenden Jahr Pastor der Dexter Avenue Baptist Church in Montgomery (Alabama). 1955 wurde ihm der Titel eines „Doctor of Philosophy“ verliehen.
Der gewaltlose Widerstand endete 1956 mit dem Erfolg, dass der Oberste Gerichtshof jede Art von Rassentrennung in den Bussen der Stadt Montgomery verbot. Der „Montgomery Bus Boykott“ war ein großer Sieg für die Unterstützung des gewaltfreien Protests und Kings Verdienste dabei führten dazu, dass er 1957 zum Präsidenten der Southern Christian Leadership Conference (SCLC) gewählt wurde. King reiste in den nächsten Jahren tausende von Meilen durch den Süden der USA und warb vehement dafür, sich gewaltlos und unnachgiebig für Bürgerrechte einzusetzen. 1957 hielt King 208 Reden und schrieb sein erstes Buch, „Schritte zur Freiheit: Die Montgomery Story“ (Original: Stride Toward Freedom: The Montgomery Story). Durch den Erfolg des Boykotts hatte die gewaltlose Bürgerrechtsbewegung, der sich in den folgenden Jahren auch immer mehr Weiße anschlossen, enorm an Bedeutung gewonnen.
1960 kündigte King seine Pastorenstelle in Montgomery, um sich mit seinem Vater ein Pastorat an der Ebenezer Baptist Church in Atlanta zu teilen. Durch dieses neue Amt hatte er mehr Zeit, um sich an der Bürgerrechtsbewegung zu beteiligen. King musste auch gegen fragwürdige Urteile der Justiz ankämpfen: So wurde er zu sechs Monaten Zwangsarbeit in Reidsville, Florida verurteilt, weil er es unterlassen hatte, seinen Führerschein umzumelden, als er von Montgomery nach Atlanta umzog. In diesem Zeitraum wurde King von der New Yorker Universität eine Auszeichnung für seine Arbeit gegen die Rassentrennung verliehen. King wurde von Florida nach New York geflogen, nahm den Preis in Empfang und kehrte anschließend wieder ins Gefängnis nach Reidsville zurück. John F. Kennedy, zu dieser Zeit demokratischer Präsidentschaftskandidat, bot daraufhin der Familie seine Hilfe an. Er setzte sich mit dem Richter in Verbindung, und King wurde gegen Kaution freigelassen. Wenige Tage später wurde Kennedy mit 100.000 Stimmen Mehrheit zum Präsidenten gewählt. Coretta Scott King schrieb später in ihrer Autobiografie, dass diese Intervention Kennedy den Sieg gebracht habe.
Kings großer Einfluss sorgte aber weiter dafür, dass die Gewaltlosigkeit erstmal die einzige realistische Möglichkeit für Veränderungen blieb. Anfang der 1960er Jahre wurde zudem „We shall overcome” zur Hymne der Bürgerrechtsbewegung.
Am 3. April 1963 begannen 30 Freiwillige mit den Sitzprotesten. Diese setzten sich Tag für Tag fort, wobei es abends in Kirchen Treffen der Protestierenden mit King gab. Dort hielt er Reden und versuchte, die Demonstranten zu motivieren. Vor allem durch solche Treffen verstärkte sich der Protest immer mehr, obwohl es von Seiten der Schwarzen auch einige Gegenstimmen gab. Sie waren der Meinung, die Proteste kämen zum falschen Zeitpunkt oder würden die Ruhe stören.
Bald wurde auch King inhaftiert und hatte im Gefängnis von Birmingham ein Kontaktverbot nach draußen, das durch das Eingreifen von Präsident Kennedy aufgehoben wurde. In dieser Zeit schrieb er auch den bekannten Brief aus dem Gefängnis von Birmingham, seine Antwort auf Angriffe von weißen Geistlichen Birminghams. Diese Aktionen förderten die Popularität des Predigers erneut. King wurde nach 8 Tagen mit der entscheidenden Idee aus dem Gefängnis entlassen: er schlug vor, auch Kinder und Jugendliche in den Protest einzubinden. Daraufhin gab es am 2. Mai 1963 über 1.000 Verhaftungen, und es kam einen Tag später zum ersten Mal zu massiver Gewalt von Seiten der Polizei. Am 4. Mai wurden landesweit Bilder von den Ausmaßen der Brutalität abgedruckt und die Öffentlichkeit aufgerüttelt, was den Protesten und der Gewalt jedoch keinen Abbruch tat.
Daraufhin schickte Präsident Kennedy einen Referenten des Justizministeriums nach Birmingham, der geheim und parallel zu den Protesten Verhandlungen zwischen den Leitern der Demonstrationen auf der einen Seite und weißen, mächtigen Geschäftsleuten sowie dem Senior Citizens Commitee (Komitee der Stadtältesten) auf der anderen Seite einleiten sollte. Durch den Druck der anhaltenden Demonstrationen erzielte man am 10. Mai eine Einigung. Diese besagte u. a., dass nun von offizieller Seite die Gleichberechtigung gefördert werde und Hilfeleistungen für freigelassene Demonstranten garantiert werden sollten.
Einen Tag später wurden auf King und seinen jüngeren Bruder Alfred Daniel zwei Bombenattentate verübt, bei denen jedoch niemand verletzt wurde. Die Täter entstammten wahrscheinlich dem Umfeld des Ku-Klux-Klans und wurden nie gefasst. Zudem gab es weitere Unruhen, bei denen 50 Menschen verletzt wurden. Kennedy entsandte 3.000 Bundessoldaten zur Beruhigung in das Krisengebiet, woraufhin sich die Lage entspannte.
Zahlreiche Morde an schwarzen und auch weißen Bürgerrechtlern im Süden der USA erschütterten immer wieder die Öffentlichkeit. Zu nennen sind hier vor allem die Ermordung von Medgar Evers, einem schwarzen Bürgerrechtler aus Mississippi im Juni 1963, ein Bombenanschlag auf die 16th St. Baptist Church in Birmingham im September 1963, bei dem vier Mädchen getötet wurden, und die Entführung und Ermordung von drei Bürgerrechtlern im Frühjahr 1964 in Mississippi. Eine unrühmliche Rolle bei diesen und anderen Morden kommt dem rassistischen Geheimbund Ku-Klux-Klan zu, in dem sich auch Polizisten aus den Südstaaten engagierten.
Am 28. August 1963 demonstrierten friedlich mehr als 250.000 Menschen, darunter 60.000 Weiße und neben King sechs weitere schwarze Führer, auch um die Bürgerrechts-Gesetzgebung Präsident Kennedys zu unterstützen. Hier hielt King seine wohl bekannteste Rede I have a dream. Nach dem Marsch auf Washington begann FBI-Chef Hoover intensiv, King und andere Bürgerrechtler zu bespitzeln.
Martin Luther King erhielt 1964 den Friedensnobelpreis, wobei er das gesamte Preisgeld in Höhe von 54.000 $ einem Fond seiner Bewegung spendete. Das amerikanische Nachrichtenmagazin Time ernannte den Bürgerrechtler zum „Mann des Jahres 1964“.
Zuerst organisierte King mehrere Märsche auf das Gerichtsgebäude von Selma, wobei die Polizei um Sheriff Jim Clark die Demonstrierenden Tag um Tag auseinander trieb und viele von ihnen verhaftete. Nachdem aber ein Polizist den schwarzen Holzfäller Jimmy Jackson erschoss, entschloss sich King, eine großangelegte Demonstration in die nahegelegene Hauptstadt von Alabama, Montgomery, zu organisieren. Nach drei Märschen, wobei die ersten beiden hinter der Stadtgrenze Selmas von der Polizei auseinander getrieben wurden, hatte der dritte Marsch (geschützt von Bundestruppen, die Präsident Johnson entsandt hatte) im März 1965 den gewünschten Erfolg. Allerdings wurden dabei drei Menschen, darunter ein Priester, getötet.
Am 11. August 1965 war in Watts, einem Wohnbezirk im Süden von Los Angeles, Kalifornien ein nicht geplanter, gewalttätiger Aufstand von Schwarzen entbrannt, bei dem vor allem Geschäfte von Weißen zu Schaden kamen. Weitere Städte folgten, wenn auch mit weniger dramatischen Ausschreitungen. Angesichts dieser Unruhen wollte King auch im Norden der Vereinigten Staaten einen gewaltfreien Widerstand forcieren und versuchte es in Chicago. Hier traf er jedoch auf Widerstand von Führern lokaler Schwarzen-Organisationen, die keine Einmischung von King wollten. In der Metropole im Norden der USA waren unverhältnismäßig hohe Mieten in den Stadtteilen, in denen vornehmlich Schwarze wohnten, und mangelnde Ausstattung an den Schulen die Hauptprobleme. Durch einen Mietboykott und Demonstrationen sollten die verantwortlichen Politiker zum Handeln gezwungen werden. Am 10. Juli 1966 kam es zu einem Marsch auf das Rathaus von Chicago, an dem mehr als 45.000 Menschen teilnahmen. Hier wurden konkrete Forderungen gestellt: Doppeltes Budget für alle Schulen, bessere Verkehrsanbindungen für die Ghettos sowie der Bau von neuen Stadtteilen mit niedrigeren Mieten. Es kam zu vielen weiteren Demonstrationen, bis man sich auf ein 9-Punkte Programm einigte, das so gut wie wirkungslos blieb. Am 31. Juli wurde King während einer dieser Demonstrationen von einem Ziegelstein am Kopf verletzt. Auch der Mietboykott hatte keinen Wechsel der Wohnungseigentümer hervorgerufen und die Mieten blieben unverändert.
Während des Marsches herrschte eine starke Gewaltbereitschaft und es wurden heftige Diskussionen zwischen den Führern der jeweiligen Organisationen über das Thema Gewaltanwendung geführt. Auch verkündete Stokely Carmichael während einer Rede zum ersten Mal die „Black Power”-Losung.
Mitte April 1967 führte King eine Demonstration von etwa 200.000 Menschen durch New York City und im Oktober 1967 flog er nach Birmingham, wo er wegen eines früheren Urteils eine Haftstrafe von 5 Tagen ableisten musste.
King wurde so zur persona non grata im Weißen Haus und vor allem auch beim FBI unter Chef Hoover. Die Zusammenarbeit mit der Antikriegsbewegung und deren weißen Führern sowie seine Pläne, unter anderem im Jahr 1968 einen Poor People's March (etwa: Marsch armer Leute) nach Washington zu organisieren, fanden immer mehr Kritiker. Bei diesem Marsch wollte sich King auch für die anderen Minderheiten des Landes einsetzen.
Martin Luther King entschloss sich, angesichts des anstehenden Poor People's March zuerst in Memphis, Tennessee zu demonstrieren und sich nochmals für die (soziale) Gleichberechtigung aller einzusetzen. Außerdem konnte man den Besuch in Memphis als eine Art Test sehen, wie stark die Massen auf ihn reagieren würden.
Am 28. März 1968 endete zum ersten Mal eine von King angeführte Demonstration in Krawallen, Plünderungen und Bränden. Heute ist bekannt, dass das FBI Schwarze als Provokateure einsetzte.
Am 3. April 1968 sagte er in seiner berühmten Rede I 've been to the mountaintop, dass er das Gelobte Land (Original: Promised Land) gesehen habe. Viele deuteten diesen Satz als Todesahnung. King sprach noch einmal mit den Demonstranten, um sie von der Gewaltlosigkeit zu überzeugen und legte den 8. April als neuen Termin für eine Demonstration fest.
Am 4. April 1968 um 18.01 Uhr wurde Dr. King auf dem Balkon des Lorraine Motels erschossen. FBI-Agenten, die ihn observierten, rannten nach dem Schuss sofort zu King und waren die ersten, die Erste Hilfe leisteten - vergeblich. In über 100 Städten kam es nach der Ermordung Kings zu Krawallen, bei denen 39 Menschen ums Leben kamen, 2.000 verletzt und 10.000 Personen verhaftet wurden; Washington D.C. wurde von sehr schweren Unruhen erschüttert. Präsident Johnson sagte eine Reise nach Hawaii ab, wo über den weiteren Verlauf des Vietnamkrieges beraten werden sollte.
Am 8. April 1968 führte Coretta Scott King anstelle ihres Mannes den geplanten Protestmarsch durch Memphis. Etwa 35.000 Menschen nahmen friedlich an ihm teil, den Bewohnern war verboten worden, während des Protestes die Fenster zu öffnen. Präsident Johnson wollte am selben Tag in einer Rede ein umfangreiches Hilfsprogramm für Schwarze in Aussicht stellen. Da sich die Lage aber schon bald nach Kings Tod normalisiert hatte und der Kongress protestierte, wurde die Rede zuerst verschoben und dann gänzlich abgesetzt. Jedoch hat der Kongress später ein Gesetz für die Gleichberechtigung bei den Mietpreisen und dem Erwerb von Wohneigentum verabschiedet.
Martin Luther King jr. wurde am 9. April 1968 unter der Anteilnahme von 50.000 Menschen in Atlanta auf dem South View Cemetery, einem Friedhof für Schwarze, beerdigt. In seinen Sarg waren die letzten Worte seiner Rede I have a dream eingraviert: „Free at last! Free at last! Thank God Almighty, we are free at last!” (etwa: „Endlich frei! Endlich frei! Dank Gott dem Allmächtigen, wir sind endlich frei!”). An einem Trauergottesdienst in der Kirche, in der er als Pfarrer tätig gewesen war, nahmen zu Ehren Kings viele Prominente und mächtige Personen teil: z.B. der damalige Vize-Präsident Hubert H. Humphrey, Robert Kennedy, Richard Nixon oder Nelson Rockefeller.
Seit dem Attentat verstummten nie die Gerüchte über eine Verschwörung, in der die US-amerikanische Regierung verstrickt gewesen sein soll. Verschwörungstheoretiker versuchen zu beweisen, dass Ray, ähnlich wie es von manchen beim John F. Kennedy-Mörder Lee Harvey Oswald vermutet wird, als „Alibi-Täter” missbraucht worden ist, oder, wenn er geschossen hat, Helfer aus Regierungskreisen hatte. Diese Vermutungen gründen sich hauptsächlich auf den von Ray selbst verfassten Verschwörungstheorien, kriminaltechnischen Untersuchungen und Zeugenaussagen wie der Jim Green, eines ehemaligen Sheriffs aus Pemiscot County, Missouri. Diverse offizielle Untersuchungen von US-Justizministerium, Repräsentantenhaus und Staatsanwaltschaft kamen jedoch immer zu dem Ergebnis, dass Ray geschossen habe und es nicht sicher sei, ob er Helfer gehabt habe.
Ray soll lediglich ein unbedeutender Dieb und Einbrecher gewesen sein, der nie einer bewaffneten Straftat überführt worden ist. Oft wurde er während seiner kriminellen Laufbahn schnell und ohne größere Probleme festgenommen, wenn nach ihm gefahndet wurde. Diese Vorgänge stehen im scharfen Kontrast zu seiner Flucht am 4. April 1968: er schaffte es, mehrere Sicherheitskontrollen an Flughäfen zu passieren, indem er Namen von Männern angab, die ihm ähnlich sahen, in ähnlichem Alter waren und einen vergleichbaren Körperbau hatten. Auch soll Ray, nach Aussagen von befreundeten Gefängnisinsassen, nie irgendwelche politischen oder rassistischen Meinungen geäußert haben, weshalb von manchen sein Motiv angezweifelt wird.
Auch sollen zwei weitere, voneinander unabhängige ballistische Untersuchungen ergeben haben, dass weder schlüssig bewiesen werden konnte, dass die gefundene Waffe (eine Remington Gamemaster, Modell 760, Kaliber 30-'06) tatsächlich die Tatwaffe ist, noch dass Ray sie abgefeuert hatte. Zudem fand man im Badezimmer des Motels, von wo aus Ray geschossen haben soll, keinerlei Fingerabdrücke von ihm.
Sheriff Jim Green, der behauptete, Teil einer FBI-geführten Verschwörung zur Ermordung Kings gewesen zu sein, gab an, dass Ray bereits kurz vor seinem Gefängnisausbruch als „Sündenbock” für den Mörder Kings ausgewählt worden ist und während seiner Zeit als Flüchtling stetig vom FBI verfolgt wurde. In dieser Zeit reiste er ein paar Mal nach Kanada und Mexiko und ging danach nach Memphis, wo er als Ablenkung für einen großen Banküberfall fungieren sollte. Der Überfall würde sich, so wurde es laut Green Ray erzählt, einfacher als gewöhnlich abwickeln lassen, solange sich King in Memphis aufhält, da viele Polizisten zu seinem und dem Schutz seiner Gefolgsleute beordert sein würden. Wochen zuvor soll ihn noch ein gewisser „Raoul”, den auch Ray in vielen seiner Theorien als seinen Kontaktmann erwähnte, beauftragt haben, die Tatwaffe in Birmingham, Alabama abzuholen. Green behaupte auch übereinstimmend mit Ray, dass der damalige FBI assistant director Cartha DeLoach die Verschwörung leitete.
Außerdem haben Zeugen, die am Tatort waren, ausgesagt, dass der Schuss nicht direkt vom Motel, sondern von einem Platz hinter einem dichten Buschwerk in der Nähe abgefeuert wurde. Diese Büsche sollen in den folgenden Tagen nach dem Attentat weggeschnitten worden sein.
Eine 18-monatige erneute Untersuchung des Justizministeriums wies die Ergebnisse des Zivilverfahrens 2000 zurück, da sie auf Hörensagen und voreingenommenen Zeugen basiere. Insbesondere die Aussagen des inzwischen verstorbenen Jowers erschienen wenig glaubwürdig, da Bekannte von ihm offenbarten, dass er auf einen Vertrag über die Filmrechte an seiner Geschichte hoffte. Die meisten mit dem Fall vertrauten Experten schenken den Ausführungen des Gerichts ebenfalls keinen Glauben. Zwar gäbe es für eine Verschwörung keine Beweise, es sind allerdings auch nicht alle Ungereimtheiten des Falles restlos aufgeklärt.
Um King öffentlich als Kommunisten zu brandmarken, baute man auf dem Gefühl vieler Segregationisten auf, dass die Schwarzen eigentlich glücklich mit ihrem Los in der Gesellschaft seien, aber von Kommunisten oder anderen „Aufhetzern” zum Protest animiert würden. Führer einiger Schwarzen-Organisationen erwiderten daraufhin, dass oftmals fehlende Bildung und Arbeitsplätze, Diskriminierung und Gewalt die Gründe für die Stärke der Bürgerrechtbewegung seien und dass die Schwarzen die Intelligenz und Motivation hätten, sich autonom zu organisieren.
Später konzentrierte sich das FBI darauf, King durch Enthüllungen in Bezug auf sein Privatleben in Verruf zu bringen. FBI-Überwachungen von King (einige sind inzwischen veröffentlicht worden) zeigen, dass er sich auf zahlreiche außereheliche Affären eingelassen hatte. Berichte über solche Vorkommnisse wurden auch von Kings Weggefährten (inklusive seinem engen Freund Ralph Abernathy) zur Verfügung gestellt. Das FBI verteilte diese Ermittlungsergebnisse an die Exekutive, freundlich gesonnene Journalisten, potenzielle Koalitionspartner, Geldquellen des SCLC und Kings Familie. Es wurden auch anonyme Briefe an King versendet, in denen gedroht wurde, dass private Informationen veröffentlicht würden, wenn er nicht seine bürgerrechtliche Arbeit einstelle.
Schließlich ließ man von Kings persönlichem Leben ab und konzentrierte sich auf nachrichtendienstliche Informationen sowie die Arbeit der Spionageabwehr in Bezug auf die SCLC und die restliche Bürgerrechtsbewegung. Der Großteil der Ergebnisse der Abhörarbeit des FBI ist bis 2027 nicht für die Öffentlichkeit zugänglich.
Solche „textliche Aneignung“ (Original: „textual appropriation“), wie es der King-Gelehrte Clayborn Carson bezeichnete, war offensichtlich eine Angewohnheit, die von Kings früher akademischer Karriere herrührte. So entlieh er große Teile seiner Reden von anderen Pfarrern oder weißen Protestanten, die im Radio predigten. Während einige politische Gegner King aufgrund dieser Erkenntnisse kritisierten, versuchten die meisten Gelehrten, die sich mit King auseinandergesetzt haben, diese „textliche Aneignung” in einen größeren Zusammenhang zu stellen: Keith Miller beispielsweise, der wahrscheinlich herausragendste Experte auf dem Gebiet der Plagiatisierung Kings, argumentiert, dass „solche Praktiken in die Tradition der afro-amerikanischen Volkspredigten fallen und nicht notwendigerweise als Plagiatisierung bezeichnet werden sollten”.
1998 wurde die Alpha Phi Alpha-Vereinigung vom US-Kongress autorisiert, eine Stiftung für die Koordination der Geldbeschaffung und des Designs des Denkmals Martin Luther King, Jr. National Memorial * in Washington D.C. zu gründen. King war prominentes Mitglied dieser akademischen Vereinigung für Afro-Amerikaner. Das Denkmal soll in der Gegend der National Mall nahe eines Abraham- Lincoln-Denkmals errichtet werden.
Seit dem Tod Kings engagierte sich auch seine Ehefrau Coretta Scott King auf Gebieten wie soziale Gerechtigkeit oder Bürgerrechte. Noch im selben Jahr, in dem King ermordet wurde, rief sie das King Center in Atlanta ins Leben. Ziel war es, das Vermächtnis Kings zu bewahren und an sein Engagement für friedliche Konfliktlösung und weltweite Toleranz zu erinnern. Kings Sohn Dexter ist derzeit Präsident und Vorstandsvorsitzender der Centers. *
Auch werden Versuche unternommen, im Jahr 2010 Kings Konterfei auf US-amerikanische Münzen pressen zu lassen, nachdem Bürgerrechtler sich 2000 erfolglos dafür einsetzten, King auf 50-Cent-Münzen oder 20-Dollar-Scheinen zu verewigen.
Die Band U2 schrieb 1984 den Song „Pride (In the Name of Love)“ zu Ehren Kings und seinem Lebenswerk. Der Song enthält allerdings einen historischen Fehler, denn King wurde nicht, wie im Titel impliziert, am Morgen ermordet, sondern abends. Bei Live-Auftritten singt U2-Sänger Bono das Lied mittlerweile in korrigierter Version.
Mit dem Erfolg des „Montgomery Bus Boycotts“ im Jahr 1956 nahm der Einfluss Kings auf die Bürgerrechtsbewegung und die Wirkung seiner Person auf die schwarze Bevölkerung stark zu. War er zuvor hauptsächlich als Pfarrer tätig gewesen, reiste er in den folgenden Jahren mit Unterbrechungen durch die gesamte USA und hielt zahllose Reden (1957 etwa waren es 208). Die Erfolge in Birmingham, die Durchsetzung des Civil Rights Act 1964 und die Ehrung mit dem Friedensnobelpreis machten King zum größten Führer des gewaltlosen Protestes für die Gleichberechtigung der Schwarzen, was sich auch an den 250.000 Beteiligten am von ihm angeführten Marsch auf Washington messen lässt. In diesen Jahren verlor auch die NAACP stark an Bedeutung.
Es gab aber auch sowohl Kritik an der Führungsrolle, die King einnahm, als auch an seinem Prinzip, ausschließlich gewaltfrei zu protestieren. So gründete sich 1960 das Student Nonviolent Coordinating Committee (SNCC), das die Funktion Kings in der landesweiten Bewegung konstruktiv kritisierte. Als 1965 Stokely Carmichael Vorsitzender des SNCC wurde, radikalisierte sich deren politischer Kurs in Richtung eines militanten, schwarzen Nationalismus; Carmichaels Nachfolger änderte den Namen der Vereinigung schließlich in Student National Coordinating Committee. 1964 wurde von Malcolm X die Organization of Afro-American Unity (OAAU) ins Leben gerufen. In seiner Rede am Gründungstag rief er offen zur Beilegung der ausschließlich gewaltfreien Strategien auf und distanzierte sich damit deutlich von King. Mehr als die kleine OAAU, die sich nach dem Tod von Malcolm X 1965 auflöste, beeinflussten jedoch die Reden des bekannten Gründers die Schwarzenbewegung.
1966 formierte sich dann die Black Panther Party, die weniger durch Massenproteste als durch Hilfsleistungen für schwarze Bedürftige versuchte, soziale Ungerechtigkeiten auszugleichen. Außerdem trat sie für „schwarzen Nationalismus” und das ausdrückliche Recht ein, sich selbst zu verteidigen, und grenzte sich damit vom Pazifismus- und Toleranzdenken Kings ab. Dann wurde auf Initiative von Carmichael 1966 auch noch die lose separatistische Black Power-Bewegung ins Leben gerufen, die eine Vereinigung aller Schwarzen und die Bewahrung von „schwarzer Kultur” anstrebte. Auch geriet King häufig mit Roy Wilkins, dem damaligen Führer der NAACP und bekannten Bürgerrechtler aneinander. Trotzdem nahm Wilkins an verschiedenen Demonstrationen, etwa dem Marsch nach Washington teil und äußerte sich kritisch zu militanten Organisationen.
Vor allem durch solche Gruppierungen hatten Kings Ideale und Protestaktionen im Norden der USA einen schweren Stand. Hinzu kam, dass er erst 1966 begann, Demonstrationen in einer nördlichen Stadt, Chicago, zu organisieren. Trotzdem blieb er für viele bis zu seinem Tod die unumstrittene Führungsfigur des gewaltfreien Widerstands.
Durch das Attentat, den gestiegenen Druck von Seiten des FBI (vor allem auf die Black Panther Bewegung) und die politischen Zugeständnisse erlahmte nach 1970 die Bürgerrechtsbewegung in den USA. Das SNCC löste sich 1970 auf, und die Black Panther zeigten sich ab 1981 nicht mehr öffentlich. Die NAACP sowie die SCLC bestehen noch heute.
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