Marsianer sind hypothetische, hochzivilisierte Lebewesen auf dem Planeten Mars, deren Existenz ab etwa 1890 vielfach angenommen wurde - auch von bekannten Wissenschaftlern und mehreren Astronomen. Die Vorstellung eines bewohnten Mars kam dem damaligen technischen Aufbruch entgegen und wurde von einigen Medien zu einer Art „Marsfieber“ angefacht. Sie geht auf die Entdeckung der „Canali“ (Rinnen, vulgo „Marskanäle“) zurück (1877 Schiaparelli, 1879 Sternwarte Nizza). Als Canali wurden zarte Linien auf der Marsoberfläche bezeichnet, die später als künstlich angelegte Bewässerungskanäle von den vereisten Polkappen zu den trockenen Äquatorgebieten interpretiert wurden. Eine späte Auswirkung dieses Marsfiebers war die Entdeckung des „Marsgesichts“, das fälschlicherweise als Relikt einer früheren Marszivilisation angesehen wurde.
Zu dieser jahrzehntelangen Fehldeutung – die hinsichtlich der Erwartung niedrigen Lebens bis zum Flug der Raumsonde Mariner 4 1965 bestand – trugen jahreszeitlich-periodische Farbänderungen der Marsebenen zwischen grünlich, grau und rotbraun bei. Heute werden die „Kanäle“ meist als Artefakte der damals nur mittelgroßen Teleskope erklärt, einige entsprechen jedoch vorhandenen Linienstrukturen wie Gelände- und Terrassenstufen, großen Canyons und langen Kraterreihen.
Zum Entstehen der Hypothese von den „Marsmenschen“ trugen die Medien des späten 19. Jahrhunderts wesentlich bei, aber auch bekannte Astronomen wie Camille Flammarion und Percival Lowell. Da die Canali nur in Refraktoren ab etwa 30 cm Öffnung zu erkennen waren, mussten sie wegen der großen Entfernung des Mars über 100 km breit sein und die jährlichen Verfärbungen legten begleitende breite Vegetationsgürtel nahe. Weitere Gründe, Leben am Mars anzunehmen, waren unter anderem:
Angeheizt wurden diese Überlegungen und Spekulationen durch einige US-amerikanische und französische Zeitungen, sowie durch die populärwissenschaftlichen Publikationen von Lowell und Flammarion, aber auch durch die schriftstellerischen Erfolge von Jules Verne.
Die „Marsianer“ waren Anlass zur Etablierung einer neuen Art von Science-Fiction-Literatur, welche schon damals dem Geschmack vieler Zeitgenossen entsprach. Aus einer (schon früher entstandenen) Reihe futuristischer Werke ragen drei besonders hervor:
Auch wenn 1965 die Raumsonde Mariner 4 die Existenz von Marskanälen weitgehend ausschließen konnte - die zahlreichen entdeckten Marskrater und Trockengebiete ließen ähnliche Hypothesen noch lange nicht verstummen. Als Raumsonden tatsächlich Gerinne in ausgetrocknetem Zustand entdeckten, verlagerte sich das öffentliche Interesse am „Roten Planeten“ auf den Nachweis der Existenz von Wasser, was Raumfahrtorganisationen wie ESA und NASA bis heute beschäftigt.
Die „kleinen grünen Männchen“ und andere Übertreibungen der Science-Fiction-Autoren regen bis heute Film und Fernsehen zu verschiedensten Produktionen an, haben aber wissenschaftlich auch manches Gute:
In der forschenden Astronomie und Raumfahrt stehen seit Jahren mehrere Aspekte in Zusammenhang mit möglichem Leben auf dem Mars: die Suche nach Wasser und Wassereis, die dafür notwendigen geologischen Voraussetzungen im Marsgestein, der Nachweis von Hangrutschungen, die Suche nach Lebensspuren im Marsgestein (Bakterien, eventuelle mikroskopische Flechten) und in Meteoriten vom Mars, die Zusammensetzung und Entwicklung der Marsatmosphäre, und nicht zuletzt Planungen zur eventuellen Anreicherung dieser relativ dünnen Atmosphäre.
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