Die Marneschlacht fand vom 5. September 1914 bis 9. September 1914 entlang der Marne östlich von Paris statt. Sie markiert einen ersten Wendepunkt des Ersten Weltkrieges und das Scheitern des Schlieffen-Plans.
Der deutsche Schlieffenplan sah vor, Frankreich in einem schnellen Feldzug zu besiegen, um dann alle Kräfte gegen Russland wenden zu können. Zum Sieg über Frankreich sollte hierbei ein überstarker rechter Flügel führen, der unter Verletzung der Neutralität Belgiens zunächst durch Nordfrankreich und dann weiter schwenken sollte, bis die französischen Truppen an der Rückseite der französischen Festungslinie und der Grenze zur Schweiz eingeschlossen werden. Das Verhältnis der Truppen auf dem defensivem linken und offensivem rechten Flügel sollte dabei 1:7 betragen.
General Helmuth von Moltke, seit 1906 Chef des großen Generalstabs, hatte die deutsche 1. bis 7. Armee an der Westfront in Abänderung des Schlieffenplans im Verhältnis 2:5 verteilt. Am 1. August überschritten die Deutschen die Grenze nach Luxemburg, am 4. nach Belgien. Schon im August kam es zu Irritationen, als die 6. Armee auf dem linken Flügel die Franzosen in ihren Forts angriff, statt im Sinne des Schlieffenplans defensiv zu bleiben. Die 1. bis 5. Armee schwenkten durch Belgien und Nordfrankreich, und standen am 25. August von Verdun bis etwa 50 Kilometer nordöstlich von Paris. Nach den langen Märschen waren die Soldaten allgemein erschöpft. Die Versorgung der Truppen, die sich mindestens 125 Kilometer von der jeweils nächsten intakten Eisenbahnendstation entfernt hatten, war problematisch. Auch die Nachrichtenverbindungen zwischen den Armeen und dem Oberkommando waren schwierig, da die Alliierten auf dem Rückzug auch die Telegrafen- und Telefonleitungen zerstört hatten, was in der kurzen Zeit noch nicht wieder hatte repariert werden können. Dennoch war die Moral gut und es herrschte allgemein Siegeszuversicht. Der französische Plan XVII, der ein offensives Vorgehen in den Ardennen sowie im Elsass vorsah, war gescheitert. Nachdem der General Charles Lanrezak trotz dessen Proteste von dem französischen Oberbefehlshaber Joseph Joffre befohlene Angriff der 5. Armee auf die deutsche 2. Armee unter General Karl von Bülow zurückgeschlagen worden war, befand die 5. Armee sich auf dem Rückzug über die Marne auf die Seine. Joffre befahl die Aufstellung der neuen 6. Armee statt in Amiens weiter nördlich, westlich von Paris. Die Verteidigung von Paris selbst befand sich seit dem 25. August unter dem Kommando von General Joseph Galliéni, die Regierung hatte ihren Sitz am 2. September nach Bordeaux verlegt. Der geschlagenen 5. Armee stellte Joffre die neue 9. Armee unter Foch an die rechte Flanke. Das englische Expeditionskorp (BEF) unter Feldmarschall Sir John French hatte sich bereits Tage zuvor schwer angeschlagen auf die Seine zurückgezogen. Im Unterschied zu den Deutschen konnten sich die Alliierten auf eine weit gehend unzerstörte Verkehrs- und Nachrichteninfrastruktur stützen.
Am 27. August hatte das deutsche Oberkommando einen fünfseitigen Befehl herausgegeben, der noch ein Vorgehen der 1. Armee westlich von Paris auf die untere Seine und ein Abdrängen der französischen Kräfte nach Südosten vorsah. General Alexander von Kluck rückte stattdessen mit seiner 1. Armee östlich von Paris vor, diese Bewegung wurde vom deutschen Hauptquartier in Anerkennung der Realität auf dem Schlachtfeld und insbesondere der vorhandenen eigenen Kräfte nachträglich am 2. September gebilligt. Am 5. September erging ein neuer Befehl, der für die 1. und zweite Armee ein Verharren östlich von Paris mit Front nach Westen zur Abwehr der Kräfte aus der Garnison von Paris und der neugebildeten französischen 6.Armee anordnete. Nach dem Scheitern des Angriffs der 5. Armee hatte Joffre Lanrezak entlassen und durch General Franchet D‘Esperey ersetzt. Seinen Armeen befahl er den Rückzug unter hinhaltendem Widerstand, um einerseits Zeit zur Versammlung der 6. Armee und andererseits Luft zur Vorbereitung eines Gegenangriffs zu gewinnen. Im Verlauf des 4. September drängte General Gallieni Joffre am Telefon, seine Zustimmung zu einem Angriff in die offene Flanke der 1. Armee und Unterstützung dieses Angriffs durch die 5. Armee und das BEF zu geben. Joffre ließ sich überzeugen, und an diesem Abend, dem Vorabend der Marneschlacht, befahl er den Halt des Rückzugs und die Wiederaufnahme der Angriffs für den 6. September.
Beginnend mit der 1., 2. und 3. Armee begann ein allgemeiner deutscher Rückzug auf Verteidigungsstellungen hinter der Aisne. Am 11. September fuhr Moltke selbst zu den Armeestäben, und befahl daraufhin der 4. und 5. Armee, sich dem Rückzug anzuschließen. Durch gute Organisation und geschicktes taktisches Verhalten gelang es den deutschen Armeekommandeuren, dass dieser Rückzug geordnet stattfand. Joffre, am 10. September noch unsicher über die Tatsache, ob er die Schlacht gewonnen hatte, ließ seine Kräfte nur vorsichtig nachstoßen. Zwar wurde er sich am Abend über den Sieg bewusst, und befahl nun energische Verfolgung. Hierzu waren seine Truppen aber zu schwach und zu erschöpft. So erreichten die Deutschen am 12. die Aisnestellungen und besetzten sie. Die Marneschlacht war beendet. Die nachfolgende Schlacht an der Aisne entwickelte sich durch gegenseitige Versuche, den Feind an den Flanken zu umfassen, zum „Wettlauf zum Meer“, bevor die weitgestreckten Fronten im Stellungskrieg verharrten. Dies wurde auf deutscher Seite jedoch nicht mehr von Moltke befehligt, da er unmittelbar nach der Marneschlacht am 14. September seines Postens enthoben und durch Generalleutnant Erich von Falkenhayn, den bisherigen Kriegsminister, ersetzt wurde. Joffre hingegen blieb bis Ende 1916 französischer Oberbefehlshaber.
Mit der lapidaren Meldung vom 13. September1914: „Auf dem westlichen Kriegsschauplatz haben die Operationen, über die Einzelheiten heute noch nicht veröffentlicht werden können, zu einer neuen Schlacht geführt, die günstig steht. Die vom Feinde mit allen Mitteln verbreiteten für uns ungünstigen Nachrichten sind falsch.“ hat die Oberste Heeresleitung den Ausgang der Marneschlacht verschwiegen. Eine Untersuchung der Fahrt des Oberleutnants Hentsch, die dieser 1917 gegen sich selbst durchführen ließ, blieb intern. So begann die für die Öffentlickeit wahrnehmbare Aufarbeitung der Schlacht auf deutscher Seite erst nach dem Kriegsende 1918. Während militärhistorische Kritiker vor allem Moltke die Verantwortung zuschrieben, nahmen völkisch-nationale Kreise zur Untermauerung ihrer Dolchstoßlegende vor allem Hentsch ins Visier. So verstieg sich Ludendorff in seinem antisemitischen Wahn zu der Aussage, Hentsch habe absichtlich seine Fahrt zur 1. Armee verzögert, um erst am 9. anzukommen, da dieser Tag durch die Formel 3x3 bei den Freimaurern Jahwe geweiht sei. Von der ernstzunehmenden Kritik werden den Beteiligten folgende Fehler zugeschrieben: Moltke habe seine Armeen nicht im Griff gehabt, da er in seinem Hauptquartier in Luxemburg zu weit vom rechten Flügel entfernt gewesen sei und, durch ein Gallenleiden geschwächt, auf persönliche Besuche bei den Armeeoberkommandos verzichtete. Die Entsendung der zwei Korps an die Ostfront sei unnötig gewesen, diese Korps hätten zur Verstärkung der rechten Flanke entscheidend beitragen können. Schließlich hätte die Entsendung Hentschs ohne klaren Auftrag, statt sich selbst bei den Armeekommandos von der Situation zu überzeugen und direkt Entscheidungen zu treffen, zu einem unnötigen Rückzug geführt und ein Sieg sei so verschenkt worden. Hentsch selbst wird die Überschreitung seines Auftrages und seiner Kompetenz vorgeworfen, so wie eine zu pessimistische Beurteilung der Situation. Kluck wird sein befehlswidriges Vorrücken vorbei an Paris sowie seine folgende Lösung von Bülows 2. Armee vorgehalten, die zur Öffnung der Frontlücke führte. Bülow endlich wird ein zu starres Festhalten am Grundsatz der geschlossenen Frontlinie und eine Überschätzung der Gefährdung durch die eingedrungenen Engländer zugeschrieben. Je nach Autor wird hierbei die Gewichtung der Verantwortung zwischen den obigen Faktoren verschoben. Gleichzeitig vertreten andere namhafte Autoren die Ansicht, dass der Schlieffenplan an der Westfront mit den vorhandenen Mitteln nicht durchführbar gewesen sei und die Fehler in der operativen Führung dagegen unbeachtlich oder unvermeidbar gewesen seien. Von der deutschen Diskussion kaum wahrgenommen wird die Aufarbeitung der Marneschlacht durch die Franzosen und Engländer. Dabei existieren hier einige kritische Stimmen, die mit dem Mythos des Wunders an der Marne nicht übereinstimmen. Insbesondere Henri Berthelot, Planungschef unter Joffre im französischen Generalstab, bezeichnete die Marneschlacht als verlorene Chance, die Deutschen vernichtend zu schlagen. Nach seiner Darstellung wurde sein von Joffre gebilligter Plan, die deutsche 1., 2. und 3. Armee bis an die Seine vorrücken zu lassen und sie erst dann durch den gleichzeitigen Vorstoß von Verdun und Paris aus einzukesseln, durch Gallienis vorzeitigen Angriff zunichte gemacht. Abgesehen von solchen Ansichten verzeichnet Joffres Ordre général No.15 vom 12.9.1914 einen „victoire incontestable“. Der Begriff des „Wunders von der Marne“ wird auch in Frankreich erst nach Kriegsende geprägt.
In England ist die Darstellung noch nüchterner. Es wird auf die entscheidende Rolle der in die Lücke einrückenden Truppen der BEF verwiesen, ansonsten aber der Schlacht keine herausragende Bedeutug zugemessen. So verwenden weder das Standardwerk von Keegan noch populärwissenschaftliche Werke wie „Great Military Battles“ und „World War I“ den Begriff des Wunders im Zusammenhang mit der Marneschlacht.
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