Markenbewusstsein bezeichnet das subjektive Bewusstsein des Kunden für die Bedeutung von Marken oder einer Marke.
Mit dem Erwerb eines Markenartikels kauft der Kunde nicht nur einen Gebrauchs- oder Verbrauchsgegenstand, sondern zusätzlich einen idellen Gegenstand, nämlich ein Versprechen, das an die Markierung (Marke) der Ware geknüpft ist, ein Versprechen bezüglich der Eigenschaften des Produktes. Diese Markeneigenschaften werben um die Sympathie oder sogar um die Solidarität und Identifikation des Kunden. Erscheint das Versprechen dem Kunden als relevant für seine Kaufentscheidung und nach ersten eigenen Erfahrungen als nicht nur leeres Versprechen, kann tatsächlich Sympathie entstehen. Daraus entwickelt sich oft eine große Markentreue und ein ausgeprägtes Markenbewußtsein des Kunden.
Markenbewußtsein tritt in sehr unterschiedlicher Art und Weise in Erscheinung, sowohl was den Grad als auch was die Art der Ausprägung betrifft. Es kann sich außer in Markentreue auch in Identifikation mit der Marke, in Verehrung der Marke, in Sammelleidenschaft usw. äußern. In gesteigerter bzw. übersteigerter Form kann das zu Phänomenen wie Markenfans (siehe auch Fan) und Markenfetischismus (siehe auch Fetischismus) führen, im Extremfall mit suchtartigem Charakter.
Im Bereich der Kleidung ist Markenbewußtsein oft besonders ausgeprägt in sehr unterschiedlichen Formen. Hier wird auch die Problematik von Markenbewußtsein, besonders unter Jugendlichen immer wieder besonders stark thematisiert. In diesem Zusammenhang ist auch immer wieder von Markenterror die Rede, damit ist ein gesellschaftlicher Erwartungsdruck auf den einzelnen z.B. in Schulklassen gemeint, der bis zum Psychoterror reichen kann. Deswegen wird z.T. sogar die Einführung von Schuluniformen vorgeschlagen. Das hier problematisierte Markenbewußtsein ist in der Regel eine spezielle Art, nämlich Marken als Prestigeobjekt zu tragen und sich damit vor anderen zu profilieren (Imponierverhalten), entweder indem man einen hohen allgemeinen Mindeststandard bzgl. des Preisniveau erwartet ("mithalten wollen"), indem man mit extrem teuren Designer-Stücken unter einander Wettbewerb betreibt ("sich überbieten wollen") oder indem bekannte Marken-Logos demonstrativ zur Schau gestellt werden.
Viele Marken stehen für ein Versprechen bezüglich gleich bleibend hoher Qualität der entsprechenden Produkte. Der Kunde, der die Erfahrung gemacht hat, dass man sich auf dieses Versprechen verlassen kann, wird von der Überprüfung der Qualität bei jedem neuen Einkauf entlastet. Manche Marken, insbesondere Handelsmarken stehen auch für ein Versprechen hinsichtlich des günstigen Preises. Der Kunde, der mehrfach die Erfahrung gemacht hat, vergleichbare Produkte anderer Marken selten preiswerter zu erhalten, entwickelt auch hier ein Vertrauen zu der Marke. In beiden Fällen entwickelt der Kunde nicht selten eine große Markentreue.
Jede Marke erzeugt einen Ruf, ein Bild, eine Vorstellung (ein Image) bzgl. der mit ihr verbundenen Eigenschaften. Häufig bezieht sich dieses Image auf die Qualitäten des Produkts bzgl. Verarbeitung, Haltbarkeit, Materialwahl, Pflegeleichtigkeit etc.
Häufig wird allerdings ganz bewußt ein Image als eine Art Aura um das Produkt erzeugt, die nicht am unmittelbaren Produkt selbst ablesbar ist, deren Glaubwürdigkeit daher mehr vom Vertrauen des Kunden abhängt. Diese Images betreffen oft Eigenschaften des Hersteller- oder Handelsbetriebs, wie Ökologiebewusstsein, soziales Engagement, eine bestimmte Unternehmenskultur oder ein Engagement für eine bestimmte Art von Kultur oder Subkultur bzw. das Propagieren eines Lebensstils und der engagierte Einsatz dafür. Diese Werte werden über Werbung und Unternehmenskommunikation versucht glaubwürdig zu vermitteln.
Unternehmen, die sog. Lifestyle-Produkte anbieten, versuchen ihre Produkte so zu gestalten, dass sie auch von ihrer Formgebung her ein Ausdruck des Lebensgefühls der anvisierten Zielgruppe sind. Die Marken stehen für ein bestimmtes Lebensgefühl, das durch das Unternehmen gefördert oder initiiert wird. Die Marke entwirft und propagiert als Kern ihrer Markenidentität ein bestimmtes Lebensgefühl. Je größer die Schnittmenge mit dem tatsächlichen oder angestrebten Lebensgefühl des Kunden ist und je attraktiver und glaubwürdiger es dem Kunden erscheint, desto größer ist die Identifikation mit dem Entwurf dieser Marke. Authentizität und Credibility sind dabei hohe Werte.
Besonders bei Lebensstilen subkultureller Gruppen legt der subkulturelle Kunde häufig sehr viel Wert darauf, dass die "Sache der Szene" (Ziele, Ideale, etc.) dem Anbieter tatsächlich ein Herzensanliegen ist. Marken, für die das zutrifft, präsentieren in ihrer Selbstdarstellung den Geist der jeweiligen Szene, d.h. das Lebensgefühl, die Inhalte und die ästhetischen Ausdrucksformen dieser Szene. Als besonders glaubwürdig gelten dann oft solche Marken, die die Ideale der eigenen Szene über den eigenen Profit stellen (und nur mäßigen wirtschaftlichen Erfolg haben). Markenprodukte solcher Anbieter können sich zu Szeneklassikern und Kultobjekten entwickeln.
Andererseits gibt es Produkte bestimmter Hersteller, die von sich aus eine solche Faszination ausüben und sich durch deutliche Alleinstellungsmerkmale von anderen Anbietern unterscheiden, so dass sich ohne Zutun des Unternehmens ein regelrechter Kult um sie entwickelt und sie zu Kult- und Sammelobjekten werden und ein eigenes Lebensgefühl erzeugen, ohne dass das Unternehmen das ursprünglich intendierte (Beispiel Harley Davidson). Das trifft insbesondere auf Produkte zu, die für eine bestimmte Szene unverzichtbar sind (Beispiel: Snowboards, Motorräder, ...)
Während es in bestimmten Bevölkerungskreisen regelrecht tabu ist, mit materiellen Werten zu prahlen und zu protzen, wird in anderem Milieus das Imponieren geradezu inszeniert und zum Sport gemacht: das Sich-Aufmotzen (Pimping) und das genußvolle Posieren (Posing) mit teueren Luxusartikeln teurer Marken, auf die zum Teil mit auffälligen Markenlogos verwiesen wird. Diese Tendenz ist gerade im Bereich von Kleidung zu beobachten.
Dahinter steckt sicherlich oft auch der Respekt vor den Menschen die es "geschafft haben" (..., wirtschaftlich erfolgreich zu sein), sowie die Faszination vor ihrem Lebensstil durch die Menschen, die es noch "nicht geschafft haben".
Ein Beispiel dafür sind Teile der Hip-Hop-Kultur. Im HipHop wird aus vielem ein Wettbewerb, ein Battle gemacht, so auch z.T. um das prestige-trächtigste Outfit. Andere HipHopper lehnen das aber strikt ab und sprechen vom Ausverkauf der Szene.
Manchmal hat das demonstrative Zur-Schau-Stellen von Marken aber sicherlich auch romantischere Gründe: dahinter kann auch die Sehnsucht stecken, der eigenen armseligen Welt zu entfliehen - in eine glamourösere, vermeintlicher bessere Welt ohne materielle Sorgen, indem man in Versatzstücken aus der Welt der Schönen und Reichen schwelgt und sich selbst vermeintlich in diese Welt befördert.
In der Hip Hop Szene spielt der Name noch eine weitere Rolle: Da eine der drei elementaren Genres der Hip Hop Kultur im Writing (Graffiti) besteht, haben Hip Hopper einen besonderen Bezug zum geschriebenen Wort, insbesondere zum Eigennamen. Der Mythos des Writings besteht darin, sich einen Namen zu machen, d.h. sich durch die an Wände und Objekte angebrachten Namenszüge Bekanntheit und Anerkennung zu erwerben und dadurch u.U. sogar gesellschaftlichen Aufstieg zu erreichen. Wer das erreicht, verdiene Respekt. Deshalb gehört ein Kult um Namen oft zur Hip Hop Kultur. Wer diesen Weg geschafft hat, wird von anderen als Idol oder Vorbild verehrt. Erfolgreiche Hip Hopper inszenieren ihren eigenen Namen nicht selten als eigenständige Marken, gerade im Bereich Kleidung, die dann natürlich auch hier als wirkungsvolle Schriftzüge in Erscheinung treten und von ihren Fans getragen werden.
This article is licensed under the GNU Free Documentation License.
It uses material from the
"Markenbewusstsein".
Home Page • arts • business • computers • games • health • hospitals • home • kids & teens • news • physicians • recreation• reference • regional • science • shopping • society • sports • world