Marienberg ist die Kreisstadt des Mittleren Erzgebirgskreises im Süden Sachsens.
Geografie
Geografische Lage
Die Stadt liegt im Mittleren
Erzgebirge auf einer Hochfläche nördlich des bewaldeten Erzgebirgskammes (höchster Punkt 891 m ü. NN
Hirtstein, tiefster Punkt 460 m ü. NN).
Der historische Stadtkern ist in Anlehnung an die italienische Renaissance vollkommen rechtwinklig angelegt. Dessen Mitte bildet der 1,7 ha große quadratische Marktplatz.
Stadtteile
- Gebirge
- Gelobtland
- Hüttengrund
- Kühnhaide
- Lauta
- Lauterbach
- Niederlauterstein
- Reitzenhain
- Rübenau
- Satzung am Hirtstein
Mit der Gemeinde
Pobershau bildet Marienberg die
Verwaltungsgemeinschaft Marienberg.
Geschichte
Marienberg mit Gebirge, Gelobtland und Hüttengrund
Im Jahr
1323 wird das Dorf Wüstenschletta als "Sletyn" erstmals urkundlich erwähnt. Bereits
1481 wird es als "wüste Schlette" bezeichnet. Am 17. Juli
1519 werden am Eingang zum Hüttengrund durch Clemens Schiffel die ersten Silberfunde gemacht. Am 11. Mai
1520 wird die erste Fundgrube "St. Fabian Sebastian" an Schiffel verliehen. Am 27. April
1521 wird von Herzog
Heinrich dem Frommen die Stadt gegründet. Der Stadtgrundriss wird von
Ulrich Rülein von Calw entworfen. Am 19. Dezember
1523 wird das
Stadt- und
Bergrecht verliehen,
1525 erhält die Stadt ein eigenes
Bergamt. Eine Lateinschule wird ab
1530 erwähnt. Das Dorf Wüstenschletta wird
1533 der Gerichtsbarkeit der Stadt unterstellt. Mit der Reformation
1536/
1537 wird Marienberg eigenständige Parochie. Die höchste Blüte erlebt der Bergbau
1540. Von
1541 bis
1566 wird die Stadtmauer errichtet.
1555 sind über 1000 Zechen im Marienberger Revier nachweisbar. Von
1558 bis
1564 erfolgt der Bau der spätgotischen Hallenkirche St. Marien. Am 31. August
1610 kommt es zu einem verheerenden Stadtbrand, dem fast alle 550 Häuser zum Opfer fallen. nach dem Ende des Silberbergbaues, beginnt ab
1612 der Kupfer- und Zinnbergbau. Ab
1696 ist die Stadt mit Soldaten belegt und wird ab
1753 bis
1858 Garnisionstadt für die Kavallerie. Um
1755 wird Gelobtland erstmals urkundlich erwähnt (...in dem Gelobten Lande...). Zur Verbesserung der Ernährungslage der Bergleute wird auf Anraten von
Friedrich Wilhelm Heinrich von Trebra 1806 bis
1809 ein Bergmagazin erbaut.
1810 wird in Gebirge eine Schule erbaut.
1813 wird Marienberg zum Etappenort der gegen Napoleon verbündeten Armeen.
1821 wird der Ortsteil Gelobtland als Waldarbeitersiedlung angelegt.
1835 wird die baufällige Stadtmauer bis auf das
Zschopauer Tor und den
Roten Turm abgetragen.
1842 wird Marienberg Sitz des Kirchenbezirkes.
1847 wird das Bergamt aufgelöst, im selben Jahr wird ein "Kindergarten" im Beisein
Friedrich August Fröbels eröffnet. Von
1858 bis
1873 ist Marienberg Garnisionsttadt für die Infanterie. Die Freiwillige Feuerwehr wird
1862 gegründet. Von
1873 bis
1920 befindet sich in Marienberg eine Unteroffizierschule und -vorschule, ab
1874 wird mit dem Bau der Kasernen begonnen. Im gleichen jahr wird mit dem Bau eines Gaswerkes und der Installation von Gaslaternen begonnen.
1875 erhält Marienberg mit dem Bau der
Flöhatalbahn Anschluss ans Bahnnetz.
1882 werden die Freiwilligen Feuerwehren in Gelobtland und Gebirge gegründet.
1889 erfolgt die Eröffnung des Städtischen Krankenhauses. Ein Wasserwerk wird
1891/
1892 errichtet. Die Zentralschule (heute Gymnasium) wird
1893 eingeweiht.
1899 wird mit dem Rudolf-Schacht die letzte Grube geschlossen.
1910 wird ein Elektrizitätswerk errichtet,
1913 erfolgt der Anschluss an die zentrale Elektrizitätsversorgung.
1914 werden die Kirche, der Rote Turm und das Zschopauer Tor durch eine Ortssatzung unter Denkmalschutz gestellt.
1917 wird das Gebäude des Amtsgerichtes eingeweiht. Eine Realschule mit Progymnasium wird
1918 gegründet und ist bis
1940 in Räumen der Kaserne untergebracht. Das „Marienberger Dreieckrennen“ wird am 15. Juni
1924 veranstaltet. Am Galgenberg wird
1927 eine Sprungschanze eingeweiht. Mit dem Bau von 12 Doppelhäusern
1933 bis
1937 entsteht der Ortsteil Moosheide.
Kühnhaide
Kühnhaide_(südlicher_Ortseingang).jpg
Kühnhaide wird
1534 erstmals urkundlich beim Bau des Lehngutes
uff der Kynhayd erwähnt. Ab
1561 beginnt der Abbau von
Torf zur Feuerung der Öfen.
1593 werden ein Hochofen und ein Hammerwerk für die Eisenbearbeitung errichtet.
1607 wird Kühnhaide eigenständige Parochie, ein Friedhof wird
1608 angelegt. Ein Lehrer wird erstmals
1611 erwähnt. Die Kirche wird
1691 eingeweiht. In den Jahren
1805 bis
1806 wird die Straße nach Reitzenhain erbaut. Ein Schulgebäude wird
1843 errichtet. Die Freiwillige Feuerwehr wird
1872 gegründet. Durch die Forstverwaltung wird
1878 die Straße durchs Schwarzwassertal errichtet. Im Winter
1905 kommt es zu Schneehöhen von drei bis vier Metern. Das Hochmoor
Mothäuser Heide wird
1911 unter Naturschutz gestellt. Das neuerbaute Schulgebäude wird
1916 eingeweiht. Der Anschluß ans Elektrizitätsnetz erfolgt
1920. Am
1. Oktober 1937 wird Kühnhaide nach Reitzenhain eingemeindet. 1948 wird der Ort wieder eigenständig. Da im
Schwarzwassertal der Bau einer Talsperre vorgesehen ist wird von 1964 bis 1981 der Friedhof geschlossen. In den Jahren 1967 bis 1970 werden das Ober- und Mitteldorf an die zentrale Wasserversorgung angeschlossen. Am 1. Januar 1994 schließen sich Kühnhaide, Reitzenhain, Rübenau und Satzung zur Gemeinde Hirtstein zusammen. Ab dem 1. Januar 2000 bildet die Gemeinde Hirtstein mit Marienberg eine Verwaltungsgemeinschaft.
Lauta
Lauta wird erstmals
1434 urkundlich als „Lute“ erwähnt.
1532 beginnt mit der Bauernzeche auf dem Bauer-Morgengang der Bergbau in Lauta. Mit der Reformation
1539 kommt Lauta zur Parochie Lauterbach. Eine Schule wird
1766 errichtet.
1833 wird die heutige
B 174 durch den Ort gebaut.
1875 kommt Lauta zur Parochie Marienberg. Ein
1881 auf dem Rudolf-Schacht gefundenes seltene Mineral wird durch den Freiberger Mineralogen A.
Frenzel untersucht, er gibt ihm den Namen
Lautit.
1883 wird auf der
Dreibrüderhöhe der 18 m hohe Prinzeß-Marien-Turm errichtet.
1899 geht der Silberbergbau auf dem Rudolf-Schacht zu Ende.
1925 wird der Ort ans Elektrizitätsnetz angeschlossen. Zur Versorgung der Stadt Chemnitz mit Wasser wird
1929 bis
1935 der Rudolf-Schacht für die Wasserförderung geöffnet. Das Wasser wird der
Neunzehnhainer Talsperre zugeleitet.
Lauterbach
Lauterbach wird
1434 erstmals urkundlich erwähnt. Eine Knabenschule ist erstmals
1617 nachweisbar. Da die
Wehrgangskirche für die Einwohner der Orte Lauterbach, Niederlauterstein, Rittersberg und Lauta zu klein ist, beginnt man ab
1831 Spenden für einen Neubau zu sammeln.
1838 wird eine Mädchenschule errichtet.
1863 wird eine vierrädrige pferdegezogene "Feuerspritze neuester Konstruktion" erworben. Die Einweihung einer neuen Zentralschule erfolgt
1885,
1889 erfolgt der Anschluss ans Telefonnetz. Die Freiwillige Feuerwehr wird
1894 gegründet. Nach landesweiten Protesten wird die alte Kirche
1906 nicht abgebrochen, sondern auf dem Friedhof wieder aufgebaut. Die Einweihungen der neugebauten Kirche und der umgesetzten Wehrkirche erfolgen
1907.
1912 erfolgt der Anschluss ans Elektrizitätsnetz. Im Nieder- und Mitteldorf wird
1929 eine Hochdruckwasserleitung in Betrieb genommen. Bei einem Luftangriff in der Nacht vom
14. Februar zum 15. Februar
1945 kommt eine Frau ums Leben und mehrere Gebäude werden zerstört.
Niederlauterstein
In der 2. Hälfte wird die die Burg Lauterstein errichtet. Sie wird
1304 erstmals urkundlich erwähnt. Bis
1323 ist das Gebiet im Besitz der Reichsministerialien von Schellenberg, dann geht es an die Burggrafen von Leisnig, die es
1434 an die
Berbisdorfer verkaufen.
1497 teilen die Berbisdorfer Lauterstein. Zu diesem Zwecke wird auf dem Schloßhof eine Schiedsmauer errichtet. Es entstehen die beiden Herrschaften „zum oberen Lauterstein“ und zum „zum niederen Lauterstein“. Mit der Reformation
1539 kommt Lauterstein zur Parochie Lauterbach.
1701 wird durch Kurfürst
Friedrich August I. das ehemalige Schweizer Vorwerk, welches zum „Niederen Lauterstein“ gehörte, zur Ansiedlung verkauft und der Ort Niederlauterstein wird gegründet.
1835 wird eine Schule eingerichtet und
1884 durch eine zweite ergänzt.
1893 wird auf dem Gelände der Schloßmühle eine Pappenfabrik eingerichtet.
1916 wird eine neue Schule errichtet. Beim Hochwasser der
Schwarzen Pockau 1932 wird die Brücke der Talstraße weggerissen. Die Freiwillige Feuerwehr wird
1942 gegründet.
Reitzenhain
Der Ort wurde
1401 erstmals urkundlich als
Reiczenstein erwähnt. Schon damals war Reitzenhain Grenzort zum benachbarten
Böhmen. Im Jahr
1551 gehörte der Ort zur Parochie Großrückerswalde.
1607 kam Reitzenhain zur Parochie Kühnhaide, auch die Kinder gingen nach Kühnhaide zur Schule. Aufgrund der militärisch wichtigen Lage des Reitzenhainer Passes war er häufig durch Soldaten besetzt und gesperrt, so im Dreißigjährigen Krieg und im Siebenjährigen Krieg. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde die Straße zwischen Marienberg und Reitzenhain chausseemäßig ausgebaut. Am 23. August
1875 wurde die Bahnstrecke von
Chemnitz über
Marienberg bis nach
Chomutov (
Flöhatalbahn) eingeweiht. Die Freiwillige Feuerwehr wurde
1879 gegründet. Ein Schulgebäude wurde
1882 eingeweiht. Ab
1891 begann der Torfabbau. Mit dem Anschluss des auf tschechischer Seite gelegenen Reizenhain erhält auch der Ortsteil Reißigmühle
1921 einen Anschluss ans Elektrizitätsnetz. Das Rathaus wurde
1924 eingeweiht. Am 1. Oktober
1937 wird Kühnhaide nach Reitzenhain eingemeindet. Bei einem Bombenabwurf im Frühjahr 1945 wurde ein Gebäude zerstört und 14 Menschen getötet. Ab dem 1. April 1948 war Kühnhaide wieder eine selbstständige Gemeinde. 1978 wurde der Personenverkehr auf der Strecke Marienberg - Reitzenhain eingestellt, 1994 auch für den Güterverkehr. Anstelle der Eisenbahn-Grenzbrücke wird eine Straßenbrücke mit anschließendem Grenzübergang errichtet. Am 1. Januar 1994 schlossen sich Kühnhaide, Reitzenhain, Rübenau und Satzung zur Gemeinde Hirtstein zusammen.
Rübenau mit Einsiedel-Sensenhammer
Einsiedel wird erstmals
1497 erwähnt. Ab
1545 beginnt man im Kriegwald nach Erz zu suchen und in der Folge errichtet man
1556 an der Natzschung einen Knittel- oder Sensenhammer. Bis
1562 hat der sächsische Kurfürst den gesamten Kreigwald von den früheren Eigentümern erworben. Ab
1571 werden Floßteiche angelegt und Flößer und Köhler nehmen ihre Arbeit auf. Ab
1577 beginnen in der Parochie Zöblitz Kirchbucheintragungen aus den Orten Rübenau, Einsiedel-Sensenhammer, Natzschung (Nacetin) und Kallich (Kalek). Rübenau wird
1580 erstmals urkundlich als
Riebenaw erwähnt.
1607 wird Rübenau Filialkirche von Kühnheide, die Kirche wird
1610 eingeweiht. Ein erster Lehrer wird
1611 und ein Arzt wird im Jahr
1701 erwähnt. Ab
1853 ist Rübenau eine eigenständige Parochie.
1874 wird Einsiedel-Sensenhammer nach Rübenau eingemeindet.
1901 wird eine Wasserleitung nach Olbernhau in Betrieb genommen. Ein Schulgebäude für alle Kinder Rübenaus und seiner Ortsteile wird
1903 eingeweiht. Die Herstellung von Nägel wird zu Beginn des
20. Jahrhunderts von heimischen Nagelschmieden auf industrielle Fertigung umgestellt.
1927 wird eine Grundschule (Bergschule) eröffnet. Beim Einmarsch der sowjetischen Truppen am 8. Mai
1945 kommt es in Rübenau zu Gefechten. Vier Wohnhäuser werden dadurch vernichtet.
Satzung
1501 wird im Rahmen der Erhebung der
Türkensteuer Satzung erstmals urkundlich erwähnt. Mit der Reformation
1536/
1537 kommt Satzung zur Parochie Arnsfeld. Eine eigene Kirche wird
1573 eingeweiht. Ab
1693 ist Satzung selbstständige Kirchgemeinde mit Steinbach als Filialkirche.
1777 erfolgt eine erste genaue Flur- und Grenzvermessung, bis dahin gab es regelmäßig Grenzkonflikte mit den böhmischen Herren von
Hassenstein. Auf dem Hirtstein wird
1863 ein Triangulierungspunkt errichtet.
1877 wird eine neue Zentralschule eingeweiht. Die Freiwillige Feuerwehr wird
1884 gegründet.
1910 wird Satzung zum Höhenluftkurort ernannt. Der Anschluß ans Elektrizitätsnetz erfolgt
1915. Auf dem Hirtstein wird
1927 ein Unterkunftshaus eingeweiht. Durch den
Kirchenkampf werden die Gottesdienste der
Bekennenden Kirche im Zeitraum 1937 bis 1940 im Wald oder in Privatwohnungen durchgeführt. Das Rathaus wird
1939 fertiggestellt. Im März 1944 ist der Ort durch heftige Schneefälle mit Schneeverwehungen von der Außenwelt abgeschnitten. Es ist nur noch eine Versorgung aus der Luft möglich.
Bürgermeister
- Kühnhaide
- 1990 - 1994: Matthias Hüttl
- Reitzenhain
- Hirtstein
- 1994 - 2001: Matthias Ullmann
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke
Großveranstaltungen
Kulinarische Spezialitäten
Wirtschaft und Infrastruktur
Die Stadt entwickelt den
Tourismus, durch sie führt die
Silberstraße. Der örtliche
Bundeswehrstützpunkt in der "Erzgebirgskaserne" ist das Jägerbataillon 371 und liegt unmittelbar am Rand der Altstadt. 1996 erhielt der Verband durch den Marienberger Stadtrat die Ehrenbezeichnung "Marienberger Jäger" verliehen.
Verkehr
Durch die Stadt verläuft die
Bundesstraße 174 aus Richtung
Chemnitz nach
Reitzenhain (Grenze
Tschechien) und die
Bundesstraße 171 aus Richtung
Wolkenstein nach
Dippoldiswalde. Der Reitzenhainer Pass ist der niedrigste Pass des Erzgebirges und deshalb schon seit dem
Mittelalter eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Mitteldeutschland und Böhmen.
Mit dem Bau der seit einigen Jahren geplanten Umgehungsstraße, die die B 174 östlich um Marienberg herumführt ist im Frühjahr 2005 begonnen worden.
Medien
MEF (Mittel-Erzgebirgs-Fernsehen), das seit
1989 auf Sendung ist und versucht, eine rundfunkliche Plattform für das gesellschaftliche Leben des Mittleren Erzgebirgkreises zu schaffen.
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Stadt
Persönlichkeiten, die vor Ort gewirkt haben
- Ulrich Rülein von Calw (Humanist, Arzt, Montanwissenschaftler, Mathematiker, Geodät, Astrologe)
- Adam Ries, Mathematiker
- Johann Criginger, Lehrer, Schriftsteller, schuf 1568 die erste gestochene Landkarte von Böhmen, Meißen und Thüringen
- Friedrich Wilhelm Heinrich von Trebra, Oberberghauptmann
- Paul Roitzsch, Lehrer, Archivar, Schriftsteller
Weblinks
- http://www.bergstadt-marienberg.de
- http://www.marienberg-sachsen.de
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