Marie-Josée Croze (* 23. Februar 1970 in Montréal, Québec) ist eine kanadische Schauspielerin.
Biografie
Kindheit und Ausbildung
Marie-Josée Croze wurde
1970 in Montréal geboren. Ihre Mutter litt unter starken
Depressionen und
Selbstmordgedanken, so dass Croze im Alter von drei Jahren zur
Adoption freigegeben wurde. Ihre Adoptivfamilie lebte in einem
Banlieue Montréals und sie wuchs in ihrem neuen Zuhause mit vier weiteren Kindern auf. Während ihr Adoptivvater
Alkoholiker war, bezeichnete sie ihre Adoptivmutter als eine der wichtigsten Bezugspersonen in ihrem Leben:
"Meine Mutter adoptierte mich, als ich drei Jahre alt war. Ich denke nicht, dass ich ohne sie hier sein würde. Meine Mutter ist eine Heilige.", so Croze. Ablenkung vom trübsinnigen Alltag fand Croze bei der Schauspielerei. Im Alter von 16 Jahren schloss sie sich der
Punk-Bewegung an, die Schauspielerin Jahre später über diesen Lebensabschnitt:
"An einem Punkt wo du keine Gerechtigkeit fühlst, wenn du ein Opfer bist, beginnst du darüber nachzudenken, dass du schlecht schauspielerst. Du wirst jemand wirklich düsteres. Da war eine Menge Zorn und Aggressivität in mir. Mit 16 war ich ein Punk. Deswegen glaubte ich für eine lange, lange Zeit nicht an Gott." Nach ihrem Schulabschluss widmete sich Croze dem Studium der
plastischen Kunst am Montréaler
College Cégep du Vieux-Montréal.
Beginn der Schauspielkarriere
Marie-Josée Croze begann ihre Schauspielkarriere mit mehreren Nebenrollen im kanadischen
Fernsehen.
1989 feierte sie ihr TV-Debüt in der französischsprachigen Serie
Chambres en ville, die von 1989 bis
1996 auf dem franco-kanadischen
TV-Sender TVA ausgestrahlt wurde. Zwei Jahre später folgte
Richard Martins TV-Film
Le choix, sowie eine weitere Nebenrolle in
Victor-Lévy Beaulieus
Krimi-Serie
Montréal P.Q.. Ihr
Kinodebüt feierte die nur 170 cm große Aktrice
1992 mit
Gilles Carles
Komödie La postière in der sie in einer kleinen Rolle als
Bordellmädchen agierte.
1993 folgte
George Mihalkas Film
La florida, in der sie an der Seite von
Rémy Girard spielte. Die Komödie über eine
québécoise Familie, die von Kanada ins sonnige
Florida zieht und ein
Hotel erwirbt, wird
1993 für neun
Genie Awards nominiert, den nationalen
Filmpreis Kanadas. Im selben Jahr agierte Croze an der Seite von
Natasha Richardson und
Timothy Hutton in dem TV-Film
Zelda, mit dem sie ihren Einstand in der ersten
englischsprachigen Produktion feierte.
In den nächsten Jahren agierte Marie-Josée Croze sowohl in französischen-, als auch englischsprachigen Produktionen. Nach einer Nebenrolle in der kanadischen TV-Serie Le masque´, über einen Eishockey-Spieler mit familiären Problemen und dem Thriller Captive, agierte Croze 1998 an der Seite von Gérard Depardieus Tochter Julie in Thomas Britas 31-minütigen Kurzfilm HLA identique. Erste Aufmerksamkeit von Kritikern erhielt sie jedoch erst 1999 für den kanadischen TV-Film Murder Most Likely von Alex Chapple. Das Krimi-Drama, das auf dem teilweise autobiografischen Werk The Judas Kiss: The Undercover Life of Patrick Kelly von Michael Harris basiert, handelt von dem real existierenden RCMP-Undercover-Agenten Patrick Kelly (gespielt von Paul Gross), der 1981 verdächtigt wird den mysteriösen Tod seiner ersten Ehefrau herbeigeführt zu haben. Um den Behörden auszuweichen, heiratet Kelly seine zweite Ehefrau Marie Cartier und führt seinen extravaganten Lebensstil fort, bis er 1984 angeklagt wird seine erste Ehefrau vom Balkon der gemeinsamen Luxuseigentumswohnung gestoßen zu haben und durch eine falsche Zeugenaussage hinter Gittern landet. Für ihre Rolle als zweie Ehefrau des Mordverdächtigen wurde Marie-Josée Croze im Jahr 2000 für einen Gemini Award als beste Nebendarstellerin nominiert, der als Äquivalent zum Prix Gimeaux die besten englischsprachigen TV-Produktionen Kanadas auszeichnet.
Durchbruch mit Maelström
Im Jahr
2000 agierte Marie Josée Croze in der Rolle der
Mara in
Roger Christians Science-Fiction-Film
Battlefield Earth – Kampf um die Erde. Der 73 Mio. US-Dollar teure Film, der auf der gleichnamigen
Roman-Trilogie des
Science Fiction-
Autors und
Scientology-Gründers
L. Ron Hubbard fiel jedoch bei Kritikern und Kinopublikum durch und gilt als einer der schlechtesten und finanziell ruinösesten Filme aller Zeiten. Bei geschätzten 73 Mio. US-Dollar Produktionskosten spielte der Film mit
John Travolta und
Forest Whitaker in den Hauptrollen in den
USA mit 21 Mio. US-Dollar noch nicht einmal die Hälfte seiner Produktionskosten wieder ein und wurde mit sieben
Goldenen Himbeeren gewürdigt, ein Filmpreis, der die schlechtesten Produktionen des Kinojahres auszeichnet. Nach diesem Misserfolg, feierte Croze ihre erste Hauptrolle in
Denis Villeneuves Film
Maelström. In dem
surrealen Drama porträtiert Croze die 25-jährige Bibiane, die in einem wohlhabenden Elternhaus aufwächst und mehrere
Boutiquen leitet. Während sie ihre Nächte in exklusiven Klubs verbringt, ist ihr Leben jedoch von einer tiefen emotionalen Leere geprägt. Nach einer
Abtreibung lässt sich Bibiane ziellos durch das Montrèaler Nachtleben treiben, bis ein alkoholreicher Abend in einer
Tragödie endet. Alkoholisiert verschuldet Bibiane einen Verkehrsunfall, der einem Mann das Leben kostet und begeht Fahrerflucht. Kurze Zeit später lernt die von Schuldgefühlen geplagte Bibiane den Sohn des Toten kennen, in den sie sich verliebt und vor einer
Katastrophe bewahrt. Für diese Rolle wurde Marie-Josée Croze vom
Vancouver Film Critics Cirle 2001 als beste kanadische Schauspielerin ausgezeichnet, sowie im gleichen Jahr mit den kanadischen Filmpreisen
Jutra- und Genie Award als beste Hauptdarstellerin des Jahres ausgezeichnet.
Nach dem großen Erfolg mit Maelström festigte Marie-Josée Croze im Jahr 2002 ihren Status als eine der vielversprechendsten Schauspielhoffnungen Kanadas mit der Hauptrolle in Michael Welterlins Des chiens dans la neige. In dem Drama spielt Croze die junge Lucie, die einen Einblick in das geheime Leben ihres verstorbenen Freundes Antoine gewinnt, der mit Geldwäsche und Gewalt sich seinen Lebensunterhalt verdiente. Als die Protagonistin in einen Betrug von Antoines ehemaligen Gangster-Kollegen verstrickt wird, findet Lucie gefallen an dem aufregenden Lebensstil und sie lernt zu lügen. Im gleichen Jahr arbeitet Croze mit ihrem bekannten Landsmann Atom Egoyan zusammen. In Ararat, der sich mit den Schwierigkeiten des persönlichen und gemeinschaftlichen Erinnerns an den Völkermord an den Armeniern (1915-1918) beschäftigt, agierte sie an der Seite von Arsinée Khanjian, Charles Aznavour und Christopher Plummer. Ebenfalls 2002 folgte die Hauptrolle in Karim Hussains Drama Ascension, in dem sie die Hauptrolle eine schwangeren junge Frau verkörpert.
Triumph in Cannes
Im Jahre
2003 folgte schließlich die Zusammenarbeit mit dem franco-kanadischen
Autorenfilmer
Denys Arcand. Der renommierte Regisseur verpflichtete Marie-Josée Croze für eine Nebenrolle in seiner Tragikomödie
Die Invasion der Barbaren, ein
Sequel seines
1986 entstandenen Werkes
Der Untergang des amerikanischen Imperiums. In dem Film der über den im Sterben liegenden exzentrischen Geschichtsprofessor Rémy (gespielt von Rémy Girard) handelt, verkörpert sie den
Junkie Nathalie. Die junge Verlagslektorin schließt eine Vereinbarung mit dem geschäftstüchtigen Sébastien (gespielt von
Stéphane Rousseau), dem Sohn des schwerkranken Rémy. Nathalie erhält kostenlos
Heroin, dafür muss sie dem schwerkranken Rémy regelmäßig eine Dosis der Droge verabreichen, um seine Schmerzen zu lindern. Nathalie willigt ein und philosophiert im Rauschzustand bald mit dem exzentrischen Professor über den Sinn des Lebens.
Die Invasion der Barbaren markierte den bisher größten Erfolg von Crozes Karriere. Der Film feierte seine Premiere am
21. Mai 2003 bei den
Filmfestspielen von Cannes und Marie-Josée Croze wurde als beste Darstellerin ausgezeichnet. Als die Kandierin als Siegerin verkündet wurde, befand sie sich gerade in Montréal in einer
Brasserie, und erfuhr über die TV-Live-Show von
Christiane Charest auf
Radio-Canada Television die Ehrung, die ihr in
Europa zu teil wird. Der Gewinn blieb in der Montréaler Brasserie nicht unbemerkt und es hagelte Applaus von den anwesenden Gästen.
"Ich weiß nicht, warum ich gewonnen habe. Ich habe mir das nie vorgestellt. Ich dachte, es würde wahrscheinlicher sein, dass Rémy Girard oder Stéphane Rousseau gewinnen würde. Ich habe nicht so viel Bildschirmpräsenz im Film. Es ist wirklich nur eine Nebenrolle.", so Croze über ihren Part, der ihr zudem einen zweiten Genie und Jutra Award, sowie eine Nominierung für den französischen Filmpreis
César als beste Nachwuchsschauspielerin einbrachte.
Nach Vincenzo Natalis Komödie Nothing (2003) und einer Nebenrolle in der Hollywood-Produktion Taking Lives – Für dein Leben würde er töten, an der Seite von Angelina Jolie, Ethan Hawke und Kiefer Sutherland, spielte Croze 2004 die Hauptrolle in Laurence Ferreira Barbosas Drama Ordo, in dem sie als berühmte Filmschauspielerin Louise Sandoli zur Obsession der Titelfigur, ihres früheren Ehemannes wird. Croze verfolgt bei ihrer Rollenauswahl kein bestimmtes Ziel, "Ich habe keinen Karriereplan. Das gibt mir mehr Sichtweise in anderen Ländern und das macht Spaß, denn dann habe ich mehr Möglichkeiten unterschiedliche Arten von Filmen zu machen. Aber ich möchte Rollen meines Talents wegen erhalten und nicht aufgrund eines prestigeträchtigen Preis, den ich gewonnen habe.", so die charismatische Schauspielerin, die für die Musik des US-amerikanischem Countrysängers Hank Williams (1923-1953) schwärmt. Nach Laurent Tirards Romantikkomödie Mensonges et trahisons et plus si affinités... und dem Beziehungsdrama La petite Chartreuse zählt Marie-Josée Croze mittlerweile zu den wenigen nordamerikanischen Schauspielerinnen, die sowohl in englischen als auch französischen Produktionen erfolgreich agieren. Croze arbeitet im Jahr 2005 an vier Filmprojekten, darunter Steven Spielbergs Filmadaption der Geiselnahme israelischer Sportler bei den Olympischen Spielen 1972 in München an der Seite von Eric Bana, Daniel Craig und Geoffrey Rush. 2006 folgt u.a. Laurent Boutonnats französischem Abenteuerfilm Jacquou le croquant. Hier agiert die Schauspielerin u. a. an der Seite von Gaspard Ulliel.
Filmografie
Auszeichnungen
- 2004 - nominiert als Beste weibliche Nachwuchsdarstellerin für Die Invasion der Barbaren
Weitere
Internationale Filmfestspiele von Cannes
- 2003 - Beste Darstellerin für Die Invasion der Barbaren
Gemini Awards
- 2000 - nominiert als Beste Nebendarstellerin in einem dramatischen Film oder Mehrteiler für Murder Most Likely
Genie Awards
- 2001 - Beste Hauptdarstellerin für Maelström
- 2004 - Beste Nebendarstellerin für Die Invasion der Barbaren
Jutra Awards
- 2001 - Beste Hauptdarstellerin für Maelström
- 2004 - Beste Hauptdarstellerin für Die Invasion der Barbaren
Vancouver Film Critics Circle
- 2001 - Beste kanadische Schauspielerin für Maelström
Weblinks
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