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Marianne Bachmeier (* 3. Juni 1950 in Sarstedt; † 17. September 1996 in Lübeck) war eine deutsche Gastwirtin und Mutter von drei Töchtern.

Leben


Jugend und Familie

Marianne Bachmeier kam aus einem zerrüttetem Elternhaus und wurde bereits als Jugendliche das erste Mal Mutter. Ihre ersten beiden Töchter hat sie jeweils kurz nach der Geburt zur Adoption freigegeben, weil sie mit dieser Verantwortung nicht zurechtkam. Hinzu kamen noch unglückliche Beziehungen zu Männern, die nie lange anhielten. Im Jahr 1973 kam ihre dritte Tochter Anna zur Welt, um die sie sich jedoch selbst kümmerte. Später gab es Gerüchte, sie habe vorgehabt, ihr drittes Kind auch weggeben zu wollen. Diese Äußerungen hatte sie bis zum Schluss vehement bestritten und wollte für Anna eine gute Mutter sein.

Mord an Tochter Anna

Am 5. Mai 1980 wurde die damals 7-jährige Anna Bachmeier von dem 35-jährigen Schlachter Klaus Grabowski bei ihm zu Hause mehrere Stunden festgehalten und anschließend erwürgt. Er fesselte das Mädchen, packte sie in einen Karton und setzte sie daraufhin am Ufer eines Flusses aus. Die Leiche vergrub er anschließend unter der Erde. Klaus Grabowski ist ein vorgestrafter Sexualstraftäter und wurde schon in den Jahren zuvor wegen sexuellen Missbrauchs zweier Mädchen verurteilt. Während seiner Haft ließ er sich 1976 kastrieren und zwei Jahre später einer Hormonbehandlung unterziehen. Die 7-jährige Anna soll er nicht sexuell belästigt haben, allerdings gab er bei der Polizei an, das Mädchen hätte ihm mit einer D-Mark erpressen und bei ihrer Mutter erzählen wollen, Grabowski hatte sie unsittlich berührt.

Selbstjustiz im Gerichtssaal

Marianne Bachmeier hat am 6. März 1981, dem dritten Verhandlungstag im Prozess mit Mordanklage, eine Pistole in den Gerichtssaal des Landgerichts in Lübeck geschmuggelt und den mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter Anna, Klaus Grabowski, auf der Anklagebank erschossen. Sie zielte die Waffe auf Grabowskis Rücken und drückte insgesamt acht Mal ab. Der 35-jährige Täter war sofort tot und sackte noch auf seinem Stuhl zusammen. Dieser wohl bislang bekannteste Fall von Selbstjustiz in der Bundesrepublik Deutschland löste ein großes Medienecho aus und wurde in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Fernsehteams aus aller Welt waren nach Lübeck gereist, um über diesen Fall zu berichten. Reporter befragten auf der Straße zahlreiche Passanten über die Tat der 31-jährigen alleinerziehenden Frau. Ein Großteil der Bevölkerung zeigte Verständnis für die Tat, andere verurteilten sie als nicht mit der Rechtsstaatlichkeit vereinbar.

Gerichtsprozess und Entlassung

Am 2. November 1982 musste sich Marianne Bachmeier vor Gericht verantworten und wurde genau vier Monate später von der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Lübeck wegen Totschlags und unerlaubten Waffenbesitzes zu sechs Jahren Haft verurteilt. Nach 28 Verhandlungstagen einigten sich die Geschworenen auf das Urteil. Im Jahr 1985 wurde sie nach knapp 2 1/2 Jahren vorzeitig aus der Haft entlassen. Anschließend zog sie ins Ausland. Zunächst lebte sie Nigeria, dann auf Sizilien. In der Hauptstadt Palermo arbeitete sie in einem Hospiz.

Rückkehr nach Deutschland und Tod

Im Jahr 1996 kehrte Marianne Bachmeier nach Deutschland zurück. Sie war unheilbar an Krebs erkrankt. Noch ein Jahr zuvor hatte sie einen Live-Auftritt in der Talkshow "Fliege" in der ARD. Dort gab sie selbst zu, dass sie Grabowski nach reiflicher Überlegung erschossen hat, um Recht über ihn zu sprechen und ihn daran zu hindern, weiter gemeine Unwahrheiten über Anna zu verbreiten. Damnach handelte es sich also tatsächlich um einen Racheakt.

Am 17. September 1996 starb Marianne Bachmeier an der Folgen ihres Krebsleidens und wurde neben dem Grab ihrer Tochter Anna in Lübeck beigesetzt. Der Fall der „Rachemutter“ war Grundlage von zwei Spielfilmen: Burkhard Driests „Annas Mutter“ mit Gudrun Landgrebe in der Rolle der Marianne Bachmeier sowie Hark Bohms „Der Fall Bachmeier - Keine Zeit für Tränen“ mit Marie Colbin in der Hauptrolle.

Weblinks


Person (Lübeck) | Kriminalfall | Deutscher | Frau | Geboren 1950 | Gestorben 1996

 

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