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Marianna Martines (* 4. Mai 1744 in Wien; † 13. Dezember 1812 ebd.) war eine österreichische Komponistin, Cembalistin und Sängerin.

Sie war die Tochter von Maria Theresia Martines und Nicolò Martines, der ein Neapolitaner spanischer Herkunft und Zeremonienmeister in Wien war. Er wurde von Kaiserin Maria Theresia zum Ritter geschlagen. Marianna hatte wahrscheinlich neun Geschwister, von denen jedoch vier schon im Kindesalter starben. Es blieben vier Brüder und eine Schwester.

Ausbildung


Erziehung und Förderung in der Musik, aber auch in Sprachen und Literatur, erhielt sie durch den Librettisten und italienischen Dichter Abbate Pietro Metastasio (1698-1782), der Hofdichter unter Kaiser Karl VI. war. Metastasio kam als Freund von Mariannas Vater in das Haus und wohnte auch bei der Familie. Er lehrte nur Vertreter der italienischen Schule und hielt sie von Vertretern der Wiener Klassik fern. Möglicherweise verhinderte er sogar den Druck ihrer Werke und handelte dabei aus Eifersucht. Der italienische Opernkomponist und Gesangslehrer Nicola Antonio Porpora bildete sie während seines Wienaufenthaltes (1752-1757) als Sängerin und wahrscheinlich auch als Komponistin aus. Genauso wie Metastasio wohnte auch er im gleichen Haus. Porpora war bekannt für sein Virtuosentum in der italienischen Arie.

Weiteren Kompositionsunterricht erhielt sie bei Giuseppe Bonno und Johann Adolf Hasse. Klavierunterricht bekam sie seit ihrem 10. Lebensjahr durch den jungen Joseph Haydn. Zu Beginn dieser Ausbildung soll Marianna Martines aber schon hervorragend gespielt haben. Haydn wohnte ebenfalls im gleichen Haus und erteilte ihr täglich gegen freie Kost Unterricht.

Tätigkeiten als Komponistin


1761, als 17jährige, tritt sie erstmals als Komponistin auf. Eine ihrer Messen wurde in der Wiener Hofkirche St. Michael aufgeführt. Dies fand allgemeine Anerkennung. 1760/71 schickte sie dem renommierten Komponisten und Musiktheoretiker Padre Giovanni Battista Martini (1706-1784) einige ihrer Kompositionen zu, der ihre Werke durchaus positiv beurteilte. Ihre Klaviersonaten E-Dur und A-Dur wurden 1762 und 1765 in einer Anthologie des Musikverlegers Johann Ulrich Haffner (1711-1767) veröffentlicht. Dies galt als bedeutender Qualitätsbeweis. Es blieben ihre einzigen Veröffentlichungen zu Lebzeiten.

1773 wurde sie in die Accademia Filarmonica di Bologna aufgenommen. Der Organisator dieser Accademia war Martini. Es war eine hohe Auszeichnung, dort aufgenommen zu werden, denn nur den wenigsten und nur sehr guten Komponisten war dies gegönnt. Um in diese 1666 gegründete Akademie aufgenommen zu werden, musste man eine Prüfung vor einer mehrköpfigen Jury ablegen. Eine Aufgabe war dabei z. B. das Arrangement einer Antiphon für vier Stimmen. In der Beurteilung wurde besonders „die Zierlichkeit, das Genie * ihrer Komposition“ hervorgehoben.

Bald darauf wird Marianna Martines ebenfalls in die Tonkünstler-Sozietät aufgenommen. Dies gab ihr die Gelegenheit zur Aufführung verschiedener Kompositionen. Marianna Martines knüpfte bereits früh Kontakte zu wichtigen Persönlichkeiten in Politik, Kultur und Gesellschaft durch ihren Vater und Metastasio. Sie sang und spielte des Öfteren am kaiserlichen Hof auf Einladung der Kaiserin Maria Theresia. Mindestens einmal wöchentlich gab sie musikalische Soireen in ihrem Haus. Daran nahmen namhafte Persönlichkeiten wie z. B. Joseph Haydn oder Wolfgang Amadeus Mozart, mit dem sie einige Kompositionen vierhändig spielte , teil. Ihr vielleicht berühmtestes Werk „Isacco figura del redentore“ schrieb sie 1782. Dies wurde mit großem Erfolg durch die Tonkünstler-Sozietät aufgeführt.

Lebensabend


Am 12. April 1782 stirbt Metastasio. Sein Vermögen fällt an die Geschwister Martines. 1790 eröffnet sie eine Gesangsschule in Wien für junge Mädchen. Aus ihr ging z. B. die berühmte Sängerin Therese von Dürfeld (1769-1795) hervor. Eine solche Einrichtung war für den deutschsprachigen Raum sehr selten.

Im Jahre 1800 heiratete sie den deutlich jüngeren schweizer Maler Theodor Wolf (1770-1818).

Am 13. Dezember 1812 starb Marianna Martines im Alter von 68 Jahren an der Tuberkulose. Nur einige Tage zuvor war ihre drei Jahre jüngere Schwester Antonia sehr plötzlich verstorben. Sie war eine sehr enge Begleiterin Mariannas, zeitweise vielleicht sogar ihre einzige. Ihr Tod versetzte sie in tiefe Trauer und Schmerz, der dann wohl auch ihren baldigen Tod herbeiführte. Ihr Vermögen fiel ihrem Mann Theodor Wolf zu.

Literatur


  • Eva Weissweiler: Komponistinnen aus 500 Jahren. Eine Kultur- und Wirkungsgeschichte in Biographien und Werkbeispielen, Frankfurt am Main 1981.

Weblinks


Frau | Österreichischer Komponist | Komponist (Klassik) | Cembalist | Geboren 1744 | Gestorben 1812

 

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