Maria Amalia von Österreich (* 26. Februar 1746 in Wien; † 18. Juni 1804 in Prag) war Erzherzogin von Österreich und Herzogin von Bourbon-Parma.
Geboren als Tochter von Maria Theresia wuchs Erzherzogin Maria Amalia von Habsburg-Lothringen am Hof ihrer Mutter in Wien auf. Im Alter von dreiundzwanzig Jahren wurde sie gegen ihren Willen und mit heftigem Widerstand mit Herzog Ferdinand von Bourbon-Parma verheiratet. Sie war das einzige Kind Maria Theresias, das sich dem Einfluss der Mutter bis zum endgültigen Bruch entzog. Das Herzogspaar von Parma bewährte sich während der Besatzung Parmas durch die Truppen Napoleons. Erst nach dem Tod ihres Mannes wurde Maria Amalia gezwungen, sich nach Prag zurückzuziehen.
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Die Erziehung basierte, wie bei ihren Geschwistern, den Erzherzoginnen und Erzherzogen, von klein auf auf einem strengen Schulungsprogramm, das Kaiserin Maria Theresia von Österreich speziell für ihre große Kinderschar ausgearbeitet hatte. Der Stundenplan beinhaltete Tanzstunden, Theateraufführungen, Geschichte, Malen, Rechtschreibung, Staatskunde, ein wenig Mathematik und das Lernen von Fremdsprachen. Die Mädchen wurden zudem in Handarbeiten und in der Konversationslehre unterwiesen.
Maria Theresia und ihr Minister Kaunitz verfolgten nämlich das ehrgeizige Ziel, die politischen Beziehungen Österreichs zu den ausländischen Staaten und die Stellung Österreichs in Europa zu verbessern. Maria Theresia wusste, dass verwandtschaftliche Bindungen oft eine Stärkung des außenpolitischen Einflusses nach sich zogen und schmiedete deshalb schon sehr früh Heiratespläne für ihre 14 überlebenden Kinder. In ständiger Angst vor Friedrich II. von Preußen konzentrierte sie sich im Rahmen dieser Eheplanungen vor allem auf die Erweiterung der familiären Verbindungen zu den damals in Frankreich, Spanien, Neapel-Sizilien und Parma regierenden Bourbonen und einer daraus resultierenden verbesserten Kommunikation zwischen Habsburgern und Bourbonen.
Als erstes Heiratsprojekt aus einer Reihe von geplanten Verbindungen zwischen Bourbonen und Habsburgern wurde die Vermählung zwischen Erzherzog Joseph, dem späteren Kaiser Joseph II. von Österreich mit Maria Isabella von Bourbon-Parma realisiert. Als nächstes musste Josephs Bruder Leopold, der spätere Kaiser Leopold II. von Österreich, in die Pläne seiner Mutter einwilligen und Prinzessin Maria Ludovika von Spanien ehelichen. Der dritte Sohn, Erzherzog Ferdinand Karl und späterer Herzog Ferdinand von Modena-Este, wurde von Maria Theresia mit der Erbin von Modena, Herzogin Beatrix von Modena-Este, verheiratet.
Maria_Amalia_von_Parma.jpg Im Vergleich zu der reibungslosen Realisierung der Heiratsprojekte ihrer Söhne, wurde Maria Theresia bei den Eheverhandlungen ihrer Töchter mit zahlreichen Problemen konfrontiert. Die älteste Tochter, Erzherzogin Maria Anna, blieb aufgrund ihrer schlechten Gesundheit unverheiratet. Das kurz vor der Verwirklichung stehende Heiratsprojekt, die Vermählung zwischen der hübschen Erzherzogin Maria Elisabeth von Österreich und dem französischen König Ludwig XV. von Frankreich, scheiterte an einer Pockenerkrankung der jungen Erzherzogin. Während sich Erzherzogin Maria Christine von Österreich als einzige ihren Ehemann, Herzog Albert von Sachsen-Teschen, selbst auswählen durfte, wurde Erzherzogin Maria Amalia gegen ihren Willen und mit heftigen Widerstand seitens der jungen Frau mit Herzog Ferdinand I. von Bourbon-Parma verheiratet. Erzherzogin Johanna Gabriela von Österreich und ihre Schwester Erzherzogin Maria Josepha von Österreich starben beide an den Pocken, sodass Erzherzogin Maria Karolina von Österreich den Platz als Braut von König Ferdinand I. von Neapel-Sizilien einnehmen musste. Die Heirat von Maria Karolinas Lieblingsschwester, Erzherzogin Maria Antonia von Österreich, und dem späteren König Ludwig XVI. von Frankreich war das letzte und zugleich ehrgeizigste Eheprojekt von Maria Theresia.
Maria Amalia neigte schon als kleines Mädchen zu hochmütigem und launischen Verhalten. Sie wurde von ihrer eigenen Mutter, die die Charaktereigenschaften ihrer Kinder genau dokumentierte, als hochmütig, eingebildet und lebhaft beschrieben. Vielleicht kamen diese Eigenschaften daher, dass Maria Amalia - obwohl in der Mitte der insgesamt 16köpfigen Kinderschar - als Einzelkind und somit auch ein wenig isoliert erzogen wurde. Die vorherigen Schwestern Marie Christine (1742-1789) und Maria Elisabeth (1743-1808), sowie die nachfolgenden Schwestern Johanna Gabriela (1750-1762) und Maria Josepha (1751-1767) waren altersmäßig zu weit weg, um mit ihr gemeinsam erzogen werden zu können. Drei bis vier Jahre Altersunterschied nach oben und nach unten distanzierten die Geschwister voneinander.
Als sie von ihrer Mutter über die geplante Hochzeit zwischen ihr und Ferdinand von Bourbon-Parma informiert wurde, reagierte sie mit Schreianfällen und trotzigem Benehmen. Sie hatte bis zuletzt gehofft, dass Maria Theresia ihr die Wahl ihres Ehegatten freistellen würde und sie wie ihre ältere Schwester Maria Christina eine Liebesheirat eingehen könnte.
Maria Amalia und ihr Gemahl waren zwei sehr unterschiedliche Charaktere. Während Maria Amalia zu einem extrovertierten, hochmütigem launischen und dominanten Verhalten neigte, war Ferdinand von Bourbon-Parma ein in sich gekehrter, bescheidener, frommer und sanftmütiger junger Mann, dem das Wohl des Volkes das oberste Anliegen war. Ferdinand von Parma hatte mit acht Jahren seine Mutter verloren und war mit vierzehn Jahren Vollwaise geworden. Der Tod seines Vaters war überraschend gekommen und hatte den jungen Herzog überfordert. In dieser Zeit entwickelte sich ein enges Vertrauensverhältnis zwischem Ferdinand und dem französischen Minister Du Tilliot, der den jungen Herzog mit den Regierungsgeschäften vertraut machte.
Maria_Amalia_von_Parma_Zweite.jpg Du Tilliot versuchte die Politik Parmas zugunsten von Frankreich zu beeinflussen und hatte zuerst die Erbin von Modena, Maria Beatrice, als Braut für den jungen Herzog vorgeschlagen. Zwischen Maria Amalia und dem französischen Minister bestand deshalb von Anbeginn an eine konfliktäre Beziehung, die sich im Laufe der Zeit zu einer persönlichen Feindschaft entwickeln sollte.
In der Stadt Colorno sollte die Hochzeitsnacht und der eigentliche Vollzug der Ehe stattfinden. Maria Amalia weigerte sich jedoch, die Ehe zu vollziehen, und schreckte vor den Annäherungsversuchen ihres Mannes zurück. Das distanzierte Verhalten der Herzogin wurde mit der schlechten Hygiene des jungen Mannes begründet. Trotz der Bemühungen des Hofes, den hygienischen Zustand des Herzogs zu verbessern, dauerte es noch weitere zwei Monate bis die Ehe schlussendlich vollzogen wurde. König Ludwig XV. von Frankreich schrieb seinem Enkel in dieser Zeit mehrer Briefe, die Ratschläge für ein erfüllteres Eheleben enthielten.
Ferdinand von Bourbon-Parma war ein schwacher Charakter und wurde in privaten und politischen Angelegenheiten von seiner Frau dominiert. Sie bekam deshalb in der Öffentlichkeit schon bald die Spitznamen "La Signora" und "La Mata" verliehen, welche auf ihr dominantes Wesen hinweisen. Maria Amalia konnte aber auch sehr spontan und liebenswert sein. Das Volk von Parma konnte seine Herzogin zugleich bewundern und verabscheuen, da der Charakter von Maria Amalia sich ständig veränderte und nicht eindeutig definierbar war. Im Jahre 1771 setzte Maria Amalia sogar durch, dass Minister Du Tillot sein Amt aufgeben musste. Nun waren der Realisierung ihrer politischen Vorstellungen keine Grenzen mehr gesetzt. Sie begann auch nicht mehr auf die Ratschläge ihrer Mutter zu hören und brach den Kontakt zu Maria Theresia ab. Maria Amalia war sehr rechthaberisch und mochte weder Widerspruch noch Kritik. Maria Theresia beschwerte sich über das unerhörte Verhalten des "Fratzen in Parma" und verbot ihres gesamten Familie die briefliche Korrespondenz mit der Herzogin von Parma. Maria Amalia zog durch ihr Verhalten nicht nur das Missfallen ihrer Mutter, sondern auch der bourbonischen Verwandtschaft auch sich. Ludwig XV. von Frankreich warnte Ferdinand vor seiner Frau und riet seinem Enkel in einem seiner Briefe, Maria Amalia als Ausländerin und aufmerksamkeitsliebende Person zu betrachten, die gemieden werden musste.
Dennoch gab es im Leben von Maria Amalia auch freudige Momente. Sie hielt Kontakt zu ihren Geschwistern Maria Anna und Maria Karolina und verstand sich gut mit ihnen. Außerdem ging Maria Amalia gerne auf die Jagd. Es war ein Abwechslung in ihrem ansonsten eher langweiligen Leben am Hofe in Parma.
Maria_Amalia_von_Parma_Dritte.jpg Ferdinand und Maria Amalia lebten schon seit ihrer Hochzeit in verschiedenen Welten. Das einzige, was diese unterschiedlichen Menschen miteinander verband war das Ziel, so schnell wie möglich einen männlichen Thronerben zu zeugen. Obwohl Maria Amalia sich mehr und mehr von ihrem Mann distanzierte und sich eher zu den jungen Gardeoffizieren hingezogen fühlte, schenkte sie während ihrer Ehe sechs Kindern das Leben, von denen vier das Erwachsenenalter erreichten: Karoline (1770-1804), Ludwig (1773-1803), Maria Antonia (1774-1841) und Charlotta (1777-1825)
Im Jahre 1796 drangen französische Truppen in Parma ein. Ferdinand versuchte neutral zu bleiben, um das Volk zu schützen. Im Vertrag von Aranjuez beschloss Napoleon, dass Parma französisches Staatsgebiet werden und Ferdinands Sohn Ludwig von Bourbon-Parma die Herrschaft über das Königreich Etrurien übernehmen sollte. Nach dem Tod von Ferdinand im Jahre 1802 wurde der Vertrag umgesetzt und Maria Amalia musste unter Tränen Parma verlassen. Trotz ihres kontroversen Verhaltens hatte sie dennoch während ihrer Ehe mit Ferdinand die Zuneigung ihres Volkes gewonnen. Moreau de Saint-Mèry wurde neuer Generalstatthalter in Parma und Maria Amalia entschied sich im November des Jahres 1802 ihren Witwensitz in Prag aufzuschlagen, wo sie im Jahre 1804 verstarb. Ihr Leichnam wurde in Prag bestattet.
Erzherzog | Geboren 1746 | Gestorben 1804 | Haus Bourbon-Parma | Habsburger | Haus Habsburg-Lothringen
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