Margaret Hilda Thatcher, Baroness Thatcher of Kesteven LG, OM, PC (* 13. Oktober 1925 in Grantham, Lincolnshire, England als Margaret Hilda Roberts) war von 1979 bis 1990 die erste Premierministerin des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland.
Margaret Thatcher studierte am Somerville College in Oxford Chemie und arbeitete eine Zeit lang als Chemikerin. Das Team, in dem sie arbeitete, erfand das Softeis. Kurz nach ihrer Hochzeit wandte sie sich der Rechtswissenschaft zu. Sie arbeitete eine kurze Zeit als Anwältin für Steuerrecht. 1950 nahm sie zum ersten Mal an Unterhauswahlen teil, an denen sie jedoch scheiterte. 1951 heiratete sie Denis Thatcher. Am 15. August 1953 gebar sie die Zwillinge Carol und Mark.
Eine Folge ihrer Inflationsbekämpfungspolitik in ihrer ersten Legislaturperiode war allerdings auch ein scharfer Anstieg der Arbeitslosenquote, die mit drei Millionen Arbeitslosen, rd.11%, 1982 ihren Höhepunkt erlebte, um danach erst wieder gegen Ende der 1980er Jahre zu fallen. Nach dem Ausscheiden Großbrittanniens aus dem EWS stieg sie zunächst erneut an. Seit Mitte der 1990er Jahre ist die Arbeitslosigkeit in Großbritannien geringer als in vielen anderen europäischen Ländern. Kritiker von Margaret Thatcher sehen den wirtschaftlichen Erfolg Großbritanniens seit Mitte der 90er Jahre nicht so sehr als eine Folge ihrer Wirtschaftspolitik, sondern führen ihn auf die bedeutenden Vorkommen von Erdöl in der Nordsee, die steigenden Ölpreise, und die von der Regierung Blair betriebene Politik der sozialen Investitionen zurück. Wirtschaftsexperten und Thatchers Anhänger hingegen behaupten, dass es der später zur Lady Thatcher geadelten Premierministerin gelang, langfristig wirksame Strukturreformen durchzusetzen, deren positive Folgen auf die Wirtschaft noch heute anhalten würden.
Der Falklandkrieg im Jahre 1982 mit Argentinien brachte ihr einen Popularitätsschub. Bei den Wahlen vom 9. Juni 1983 profitierte sie davon, allerdings auch von der Spaltung der Labour Party. Nachdem die USA (die der Entsendung britischer Soldaten zur Rückeroberung der Falklandinseln zunächst ablehnend gegenübergestanden hatten) Thatchers Rückeroberungspolitik logistisch unterstützten, folgte sie in anderen außenpolitischen Fragen der Linie der USA, sowohl im NATO-Doppelbeschluss als auch in der Haltung zu Libyen.
1984 erreichte sie unter dem Motto „I want my money back“ den bis heute gültigen Britenrabatt zur Finanzierung der EU - eine glanzvolle Durchsetzung nationaler Interessen, auch Tony Blair weicht nicht davon ab. Dies führte auch zu einer Äußerung des damaligen Bundeskanzlers Helmut Kohl, er fürchte Margaret Thatcher "wie der Teufel das Weihwasser". Begründet wurde die Forderung nach dem Britenrabatt zunächst mit den damaligen wirtschaftlichen Schwierigkeiten Großbritanniens, später dann mit der Tatsache, dass Großbritannien kaum von der europäischen Subventionspolitik im Bereich Landwirtschaft profitiert, da die Landwirtschaft in Großbritannien (im Gegensatz etwa zu Frankreich) eine nur untergeordnete Rolle spielt.
Am 12. Oktober 1984 entkam sie in Brighton nur knapp einem Bombenanschlag der IRA anlässlich des Parteitags der Konservativen. Fünf Personen starben; Handels- und Industrieminister Norman Tebbit wurde verletzt. Im selben Jahr unterzeichnete sie einen Vertrag mit der Volksrepublik China über die Rückgabe der Kronkolonie Hongkong. 1985 verweigerte ihr die Universität Oxford die Ehrendoktorwürde aus Protest gegen Kürzungen im Bildungsetat.
Bei den Unterhauswahlen vom 11. Juni 1987 verloren die Konservativen zwar einige Sitze, behielten jedoch eine komfortable Mehrheit. Thatchers Popularitätskurve begann zu sinken, als sie 1989 eine als ungerecht empfundene personenbezogene Steuer (community charge, besser bekannt als poll tax Kopfsteuer) einführte. Dies führte zu heftiger Kritik und zu teils gewalttätigen Demonstrationen sogar in ausgesprochen konservativ geprägten Landesteilen und insbesondere in Schottland, wo die Poll Tax bereits 1988 probeweise eingeführt worden war.
Im Prozess der deutschen Wiedervereinigung 1989/90 verhielt sich ihre Regierung weitgehend strikt ablehnend gegenüber einem vereinigten Deutschland. Gegenüber Richard von Weizsäcker erklärte sie, dass sich ihr Deutschlandbild im Wesentlichen bis 1942 gebildet und danach keine wesentlichen Änderungen erfahren habe. Thatcher betonte in diesem Zusammenhang auch die Wichtigkeit einer engen Kooperation der europäischen Staaten und warnte vor einem europäischen Superstaat. Den 1992 unterzeichneten Vertrag von Maastricht lehnte sie daher ab.
1990 wurde sie bei der Wahl zum Parteivorsitz der Tories von Michael Heseltine herausgefordert, nachdem der von Thatcher kurz zuvor vom Außenministerium auf den Fraktionsvorsitz versetzte Sir Geoffrey Howe Heseltine öffentlich dazu aufgefordert hatte. Viele konservative Abgeordnete befürchteten unter anderem wegen der umstrittenen Einführung der Poll Tax, mit Thatcher an der Spitze die nächste Unterhauswahl zu verlieren. Daneben wurden die inflationstreibenden Steuersenkungen im Budget 1988 sowie die Ablehnung der europäischen Integration insbesondere in der Währungspolitik gegen sie vorgebracht, die bereits im Jahr zuvor zum Rücktritt des Finanzministers Nigel Lawson geführt hatte.
Nachdem sie im ersten Wahlgang in Abwesenheit (sie war in Frankreich zu Besuch) das notwendige Quorum (mindestens 15 % mehr als Heseltine) zur Wiederwahl als Parteivorsitzende knapp verfehlte, erklärte sie nach einzelner Befragung aller Kabinettsmitglieder am 22. November 1990 ihren Rücktritt. John Major wurde ihr Nachfolger als Parteivorsitzender und Premierminister.
Margaret Thatcher wurde 1970 in den Privy Council ("Kronrat") der Königin berufen. Seit 1983 Mitglied der Royal Society (FRS), wurde sie im Juni 1990 in den Order of Merit aufgenommen. 1995 erhielt sie den höchsten Orden Englands, den Hosenbandorden. Weiter ist sie Ehren- und einziges weibliches Vollmitglied des renommierten Carlton Clubs.
1992 verzichtete sie darauf, zur Wiederwahl für das Unterhaus anzutreten. Daraufhin wurde sie, wie bei pensionierten Premierministern üblich, im gleichen Jahr nobilitiert. Als Baroness in her own right ("Baronin aus eigenem Recht") und Life Peer ("Peer auf Lebenszeit") zog die die frischgebackene Halterin der Barony of Thatcher, of Kesteven (Grafschaft Lincolnshire) ins House of Lords ("Oberhaus") ein. Angeblich soll Lady Thatcher die Annahme der erblichen Peerswürde mit der Bemerkung ausgeschlagen haben, dass sie von vererbbaren Titeln keine allzu hohe Meinung habe. Vielleicht lag ein weiterer Grund im Respekt vor ihrem Mann, Sir Denis Thatcher: Dieser war im Jahr zuvor zum erblichen Baronet (1st Baronet of Scotney) erhoben worden (womit seine Ehefrau bereits zur "Lady höflichkeitshalber" aufstieg). Da der Baronet-Titel in der Adelshierachie hinter einer Baroness rangiert, hätte Margaret Thatcher mit einem gleichfalls erblichen Titel den von ihr hochgeschätzten Gatten übertrumpft. So aber konnte der Titel von Sir Denis Thatcher nach seinem Tod auf beider ältesten Sohn, Mark, übergehen - anderenfalls wäre dieser, wenn auch erst nach ihrem Tod, zum Träger des ranghöherern Titels der Mutter geworden! Nach ihrem Rücktritt schrieb Baroness Thatcher ihre Memoiren und veröffentlichte diese in zwei Bänden. In den Medien kritisierte sie sehr oft die Arbeit ihres Nachfolgers, da er ihr zu proeuropäisch erschien. 1998 stattete sie dem zu dieser Zeit in London unter Hausarrest stehenden chilenischen Ex-Diktator Augusto Pinochet einen Besuch ab, der sehr kontrovers diskutiert wurde. 2000 und 2001 erlitt sie mehrere Schlaganfälle, welche auch zu dauerhaften teilweisen Gedächtnisstörungen führten.
Trotzdem reiste Thatcher 2004 nochmals in die USA, um am 11. Juni in Washington an der Trauerfeier für Ronald Reagan teilzunehmen. Sie war eine von vier Rednerinnen, die von Reagan zu Lebzeiten persönlich darum gebeten worden waren, an seiner Beerdigung zu sprechen. Sie sagte, Reagans politische Überzeugungen hätten Frische und Optimismus ausgestrahlt, die Menschen von allen sozialen Schichten und allen Nationen überzeugt und schließlich auch das Herz des „Reich des Bösen“" erobert.
- | Vorgänger: James Callaghan 1976-1979 | Britische Premierminister | Nachfolger: John Major 1990-1997 |
Frau | Life Peer | Premierminister (Großbritannien) | Falklandkrieg | Geboren 1925
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