Marbod, lateinisch Maroboduus, (* ca. 30 v. Chr. † 37 in Ravenna) war der bedeutendste markomannische Herrscher.
8 v. Chr. wurde Marbod König der Markomannen, einem suebischen Volksstamm der Germanen, der im Maingebiet siedelte.
Das Marbodreich in Böhmen
Die Markomannen waren
9 v. Chr. von den von
Drusus angeführten
Römern besiegt worden. Marbod führte seinen Stamm aus der drohenden römischen Umklammerung im Maingebiet in das von den
Boiern verlassene
Böhmen. Dort scharte er
3 v. Chr. um die Markomannen einen mächtigen Stammesbund, dem u.a.
Hermunduren,
Langobarden,
Semnonen und
Wandalen angehörten. Sein Reich grenzte also im Süden and die Donau, im Osten and die römische Provinz Pannonien und die Weichsel, im Norden an die Ostsee und im Westen and die Elbe.
König Marbod, der erstmals in der germanischen Geschichte einen größeren Herrschaftskomplex errichtet hatte, gebot über ein Heer von 70.000 Mann Infanterie und 4.000 Mann Kavallerie. Nach römischem Vorbild ließ er sich einen befestigten Königssitz namens Marobudum bauen, der bis heute nicht genau lokalisiert werden konnte.
Römisch-Germanischer Krieg
Der römische Kaiser
Augustus erkannte diesen Bund als Bedrohung für Rom und entsandte im Jahre
6 zwölf Legionen unter dem Oberbefehl des
Tiberius, um Marbods Reich zu unterwerfen. Zwölf Legionen hatten eine Sollstärke von 72.000 Mann.
Das Markomannenreich sollte in die Zange genommen werden. Gaius Sentius Saturninus stieß vom Rhein aus mit sechs Legionen nach Osten vor, Tiberius selbst griff von Carnuntum aus an. Kurz vor dem erfolgreichen Abschluss der Operationen brach im Rücken der Streikräfte des Tiberius, ausgehend von Pannonien und Dalmatien, der Pannonische Aufstand aus. Er griff auf ganz Illyrien über und gefährdete Makedonien und Italien.
Bündnispolitik mit den Römern
In dieser bedrohlichen Situation schloss Tiberius mit Marbod ein Bündnis und schickte die Streitkräfte der Donautruppen gegen die Aufständischen in Illyrien. Diese Kämpfe dauerten bis in das Jahr
9, womit die Offensive in Germanien zum Stehen kam. Trotz der angespannten Lage an der Donau blieb es in Germanien ruhig, was als Beweis für den Erfolg der römischen Operationen gesehen werden kann.
Marbod lehnte nach der Varusschlacht im Jahre 9 das Bündnisangebot des Arminius ab und führte im Jahre 17 gar Krieg gegen die Cherusker unter Arminius. Trotzdem blieb ihm die erhoffte Unterstützung durch Rom versagt. Tiberius fürchtete die Bildung eines zu mächtigen germanischen Reiches.
Germanische Entscheidungsschlacht
Zwischen Arminius und Maroboduus kam es im Jahre 17 n. Chr. zu einer Entscheidungsschlacht nach römischen Muster. Die Streitmacht des Arminius wurde durch suebische Volksstämme (Semnonen und Langobarden) verstärkt, die von Maroboduus abgefallen waren. Mit diesen hätte Arminius das Übergewicht besessen, wenn nicht sein Onkel
Inguiomerus mit seiner Gefolgschaft zu Maroboduus übergelaufen wäre. Auch wenn die Streitmacht des Maroboduus nicht mehr die alte Höchststärke ausmachte, so wird sie ohne Zweifel mehrere zehntausend Mann stark gewesen sein. Die Zahl 50.000 erscheint realistisch, wenn auch nach oben und unten ein beträchtlicher Spielraum verbleibt. Die Quantität der Streitkräfte des Arminius dürfte sich ebenfalls in dieser Größenordnung bewegt haben.
Zerfall
Der Kampf gegen Arminius und die Opposition des Sippenadels führten zum Zerfall des Stammesbundes und zum Sturz Marbods im Jahre
19 durch den
Gotonen Katwalda. Marbod floh zu den Römern und wurde in
Ravenna festgesetzt, wo er 18 Jahre später starb.
Literatur
- Ralf G. Jahn: Der Römisch - Germanische Krieg (9-16 n. Chr.). Diss. Bonn 2001.
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