Oberdischingen-reihe.jpg]] Mansarde bezeichnet ein Zimmer oder eine Wohnung im ausgebauten Dachgeschoss, gelegentlich auch die gesamte Dachgeschoss-Etage. Im 18. Jahrhundert verstand man darunter in Frankreich eine bestimmte Dachform, das so genannte „gebrochene Dach“: Dieses Mansarddach sollte den Einbau bewohnbarer Räume erleichtern. Der Name leitet sich ab von den französischen Baumeistern und Architekten François Mansart (1598-1666) und dessen Großneffen Jules Hardouin-Mansart (1646-1708), die als Erfinder jedoch nicht in Frage kommen: Bereits einhundert Jahre zuvor hatte der Architekt des Louvre, Pierre Lescot, diese raumsparende Idee als erster verwirklicht. Die beiden Mansarts machten diese Art der Dachbau-Technik in ihren zahlreichen Prunkbauten in Paris allerdings populär.
Seit Mitte des 18. Jahrhunderts wurde der Begriff - zunächst für das Dach, dann für die Wohnung - auch in England, wenig später auch im deutschen Sprachraum geläufig; nach 1800 gehörte es fest zum deutschen Wortschatz: Goethe z. B. verwendete es gerne und häufig und pries 1811 in Dichtung und Wahrheit „mein hübsches helles Giebelzimmer in der Mansarde.“ Mit der zunehmenden Proletarisierung der Städte und dem damit verbundenen erhöhten Wohnraumbedarf für ärmere Bevölkerungsschichten entwickelte sich die Mansarde zum Synonym für schäbiges Arme-Leute-Wohnen. Auch bei mittellosen Studenten und Künstlern war die Kammer unterm Dach als billige Unterkunft beliebt. Der Biedermeier-Maler Carl Spitzweg setzte ihr in seinem berühmten Bild Der arme Poet 1839 ein Denkmal.
In den verelendeten Großstädten der Weimarer Republik wurde die Mansarde endgültig zum Symbol für Armut und Not und den damit verbundenen Erfindungsreichtum der Überlebenswilligen: Um 1920 entstandene Modewörter wie „Mansardenkaffee“ für billigen Kaffeeersatz und „Mansardenschneiderin“ für eine schwarz in ihrer Wohnung arbeitende Flickschneiderin waren typisch für jene Zeit.
Heute ist die - einfache - Mansardenwohnung zwar in der Regel immer noch preiswerter als eine Etagenwohnung, aber längst nicht mehr mit dem Stigma der Verarmung versehen: Das großzügig ausgebaute Dachgeschoss, gelegentlich sogar mit Balkon oder Dachterrasse, ist gerade bei jüngeren Bewohnern auch Zeichen urbaner Wohnkultur.
Im allgemeinen Sprachgebrauch haben „Dachgeschoss“ und „Dachgeschosswohnung“ die altbacken klingende „Mansarde“ weitgehend ersetzt.
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