MangaStoreJapan.jpg Manga (jap. 漫画, etwa: zwangloses/ungezügeltes Bild) ist der japanische Begriff für Comics.
In Japan wird der Begriff „Manga“ gleichberechtigt mit „Comic“ (コミック komikku) für alle Arten von Comics verwendet, unabhängig von ihrer Herkunft. Im Westen bezeichnete man mit Manga zunächst meist nur Comics aus Japan, mittlerweile wird der Begriff aber vor allem von Comic-Verlagen auch zunehmend für Comics aus anderen Ländern verwendet, die sich am Stil japanischer Produktionen orientieren.
In Abgrenzung zu den japanischen Manga werden Comics aus Südkorea als Manhwa und Comics aus dem chinesischen Raum als Manhua bezeichnet.
Aus solchen einzelnen Holzschnitten entstanden im frühen 18. Jahrhundert die so genannten Toba-e: Bücher, in denen schwarz-weiße Holzschnittdrucke mit integriertem Text fortlaufende Geschichten bildeten und die hauptsächlich satirischen oder lustigen Inhalt hatten. Im 19. Jahrhundert waren Toba-e die beliebteste Lektüre in Japan.
Hokusai-MangaBathingPeople.jpg Eine andere Form der Holzschnittkunst waren Ukiyo-e, die sich im späten 17. Jahrhundert entwickelten und die in Einzelbildern das unbeschwerte Leben bis hin zu sexuellen Ausschweifungen zum Inhalt hatten. Der Begriff Manga, dessen eigentlicher Urheber unbekannt ist, wurde vom Ukiyo-e-Meister Katsushika Hokusai (1760–1849) populär gemacht. Die Hokusai-Manga sind Skizzen, die in insgesamt 15 Bänden veröffentlicht wurden und keine zusammenhängende Geschichte erzählen, sondern Momentaufnahmen der japanischen Gesellschaft und Kultur während der späten Edo-Zeit (1603–1868) darstellen.
Nach Beendigung der Abschließung Japans und der zunehmenden Öffnung nach außen gewann gegen Ende des 19. Jahrhunderts das amerikanische Verlagswesen an Einfluss: Neben neuen, verbesserten Drucktechniken ließ man sich von US-Karikaturen und den gerade neu entstehenden amerikanischen comic strips inspirieren (z. B. zu dem ab 1887 erscheinenden japanischen Satiremagazin Tôbaé). Trotz zunehmender Einschränkungsversuche durch die japanische Regierung konnten sich solche grafischen Veröffentlichungen in Japan bis zum Zweiten Weltkrieg halten.
Im Zweiten Weltkrieg initiierte die japanische Regierung nach der Auflösung vieler Manga-Zeichner-Gruppierungen 1940 die staatliche Dachorganisation Shin Nippon Mangaka Kyōkai („Neue Vereinigung der Manga-Zeichner Japans“), und Mangas wurden gezielt als Kriegspropaganda eingesetzt.
Schon bald nach dem Krieg gründeten sich zahlreiche neue Kleinverlage. Der einflussreichste Wegbereiter des modernen Manga war der Arzt Osamu Tezuka (1928–1989), der nebenher als Zeichner für einen dieser Kleinverlage arbeitete. Beeinflusst vom Stil der frühen Disney-Zeichentrickfilme und von expressionistischen deutschen und französischen Filmen, gab er Anfang der 1950er-Jahre seinen Beruf auf und entwickelte nicht nur die Grundlagen des heutigen Manga-Stils, sondern auch die Basis für die moderne Anime-Industrie. Eines seiner weltweit bekanntesten Werke ist Tetsuwan Atomu (englisch Astro Boy), im deutschsprachigen Raum ist er jedoch eher durch seine TV-Serie Kimba, der weiße Löwe bekannt. Von den japanischen Fans hat Tezuka für seine Verdienste den Ehrentitel Manga no Kamisama (Gott des Manga) verliehen bekommen.
In Japan erscheinen Mangas in folgenden Formen:
Als Dōjinshi bzw. Dōjin bezeichnet man von Fans gezeichnete inoffizielle Fortsetzungen oder Alternativgeschichten zu bekannten Animes/Mangas oder Spielen. In Japan werden sie oft von spezialisierten Kleinverlagen oder in Eigeninitiative veröffentlicht. Der zwei Mal jährlich in Tokyo stattfindende Comic Market (auch „Comiket“ genannt) ist nicht nur die größte Dōjinshi-Messe Japans, sondern mit über 40.000 Ausstellern und über 450.000 Besuchern sogar die größte Comic-Veranstaltung der Welt.
Parallel zu den hauptsächlich für den kommerziellen Markt produzierten Mangas entwickelten sich bereits kurz nach dem Zweiten Weltkrieg so genannte alternative Mangas, für die der Zeichner Yoshihiro Tatsumi Ende der 1950er-Jahre den Begriff Gekiga prägte. Diese eigenständige Bewegung, die sich eher an eine erwachsene Leserschaft richtet, ermöglicht Künstlern im Vergleich zu den jeweils vorherrschenden Trends größere Freiheiten in Ausdruck und Stil. Die Grenzen zwischen „Mainstream-Mangas“ und Gekigas sind allerdings fließend: Die großen Manga-Verlage veröffentlichen auch alternative Magazine, und einige Gekiga-Serien wie z. B. Golgo 13 entwickelten sich zu neuen Trendsettern im kommerziellen Bereich.
Zu den im Manga-Bereich verliehenen Preisen gehören als älteste Auszeichnung der vom gleichnamigen Verlag 1956 ins Leben gerufene Shogakukan-Manga-Preis für die besten Mangas und der seit 1997 von der Zeitung Asahi Shimbun jährlich in vier Kategorien vergebene Osamu-Tezuka-Kulturpreis für herausragende Zeichner und Personen oder Institutionen, die sich um Mangas besonders verdient gemacht haben.
Im Herbst 2000 erkannte die japanische Regierung Mangas und Animes offiziell als eigenständige, förderungswürdige Kunstform an.
Manga-Zeichnungen finden auch jenseits des reinen Geschichtenerzählens breite Anwendung, z. B. in Kochbüchern, Bedienungsanleitungen oder bei Hinweisen.
Statistisch gesehen kauft jeder Japaner pro Jahr 15 Mangas (Deutschland: 0,25 Comics pro Kopf und Jahr). Dies spiegelt sich in den Umsatzzahlen wider: 2004 lagen die Gesamteinnahmen bei Manga-Magazinen bei ca. 255 Milliarden Yen und bei Manga-Taschenbüchern bei ca. 250 Milliarden Yen (zusammen etwa 3,7 Milliarden Euro).Japanese Publishing Industry, Japan Economic Monthly, Juli 2005, S. 5
Die Gesamtauflage aller Manga-Magazine ging 2005 gegenüber dem Vorjahr um durchschnittlich knapp 7 % zurück. Weekly Shonen Jump, das erfolgreichste Magazin, erlebte 2005 mit knapp drei Millionen verkaufter Exemplare pro Woche einen Rückgang von „nur“ 1,4 % gegenüber 2004; Mitte der 1990er-Jahre waren von dem Magazin allerdings noch sechs Millionen Exemplare pro Woche verkauft worden.
Während durchschnittliche Manga-Serien mit einer Startauflage von 300.000 bis 500.000 Exemplaren pro Band in den Handel kommen, können die erfolgreichsten Einzelbände Erstauflagen im Millionenbereich erreichen. Den Rekord hält gegenwärtig Band 24 der Serie One Piece, der im Juli 2002 in einer Auflage von 2,52 Millionen Exemplaren erschien.One Piece bricht in Japan Auflagenrekord, Animexx-News, 10. Juli 2002
Die erfolgreichsten Manga-Serien in Japan nach Verkaufszahlen (Stand März 2005Animania Blog, 13. März 2005):
Golgo 13 (seit 1968) und Kochikame (seit 1977) gehören zugleich auch zu den am längsten ununterbrochen laufenden Manga-Serien und zu denen mit der höchsten Anzahl an Sammelbänden.
Schätzungen zufolge gibt es in Japan ständig einige Zehntausend Zeichenassistenten, von denen der größte Teil mangels Aufstiegschancen jedoch nach relativ kurzer Zeit wieder aussteigt. Auch die meisten der etwa 3.000 hauptberuflich tätigen japanischen Mangaka können ihren Lebensunterhalt nicht alleine durch Zeichnen bestreiten und sind daher auf Nebentätigkeiten oder finanzielle Unterstützung angewiesen. Nur etwa 300 Künstler können ausschließlich vom Manga-Zeichnen leben – als namentlich bekannte Mangaka mit lang laufenden Manga-Serien und großen Teams.
Einige der international bekanntesten Mangaka sind neben dem bereits erwähnten Osamu Tezuka z. B. Gosho Aoyama, CLAMP, Rumiko Takahashi, Arina Tanemura, Akira Toriyama, Katsuhiro Otomo und Masamune Shirow.
Während in anderen europäischen Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien Mangas bereits seit Anfang der 1980er-Jahre in immer größeren Stückzahlen veröffentlicht wurden und sich rasch große Fangemeinden bildeten, etablierte sich das Genre in Deutschland erst ab den 1990er-Jahren dauerhaft. Die erste Manga-Serie in Deutschland war Akira im Jahr 1991, und die Mangas wurden zunächst nach amerikanischem und französischem Vorbild auf „westliche“ Leserichtung gespiegelt, auf Albenformat vergrößert und auf mehr Bände aufgeteilt. Als erste in original japanischer Leserichtung belassene deutschsprachige Veröffentlichung erschien zwar bereits 1992 der erste Band von Genji Monogatari Asakiyumemishi im Okawa-Verlag, der endgültige Durchbruch für ungespiegelte Mangas kam jedoch erst 1997 mit der Serie Dragonball des Carlsen-Verlags.
Mittlerweile erscheinen allein bei den größten deutschen Manga-Verlagen Carlsen, Egmont Manga und Anime (EMA), TOKYOPOP, Planet Manga (Manga-Label von Panini Comics) und Heyne jährlich über 800 Manga-Bände. Außerdem werden zwei monatliche deutschsprachige Manga-Magazine veröffentlicht: Daisuki beim Carlsen-Verlag und Manga Twister bei EMA. Nicht alle deutschen Manga-Projekte sind jedoch erfolgreich: So mussten beispielsweise die Manga-Magazine Manga Power von EMA und BANZAI! von Carlsen wegen unzureichender Verkaufszahlen bzw. Lizenzproblemen wieder eingestellt werden.
Die Entwicklung des Manga-Booms in Deutschland lässt sich z. B. an den Umsatzzahlen des Carlsen-Verlags ablesen: Während der Verlag 1995 Mangas für knapp 400.000 Euro verkaufte, lag sein Manga-Umsatz im Jahr 2000 bei über vier Millionen Euro und im Jahr 2002 bei über 16 Millionen Euro.Andreas Dierks: Bestseller in die Buchläden, 9. Oktober 2003
Schätzungen zufolge machen Mangas – zusammen mit südkoreanischen Manhwas und chinesischen Manhuas – mittlerweile etwa 75–80 % des deutschsprachigen Comicmarktes aus. Im Jahr 2005 lag der Manga-Bruttoumsatz in Deutschland bei 70 Millionen Euro (zum Vergleich: der britische Manga-Markt hatte 2005 einen Umfang von etwa acht Millionen EuroBritain finally catches up with "manga revolution", Antara News, 9. Juni 2006, der Umfang des nordamerikanischen Manga-Marktes betrug im Jahr 2005 Schätzungen zufolge etwa 125 bis 145 Millionen EuroICv2 Releases Manga Market Size Estimate For 2005, 3. Mai 2006). Mit einem Zuwachs von 6,9 % war der Manga-Sektor 2005 der am stärksten wachsende Bereich des deutschen Buchmarktes, dessen Gesamtwachstum bei weniger als 1 % lag. Marktführer im Jahr 2005 war Egmont Manga und Anime, dessen Jahresumsatz bei 15 Millionen Euro lag.Bastian Knümann: Deutsche Mangabranche boomt weiterhin, Handelsblatt, 5. April 2006
Seit der Jahrtausendwende haben Mangas auf etablierten deutschen Literaturveranstaltungen wie der Frankfurter Buchmesse und der Leipziger Buchmesse eigene Messebereiche. Seit kurzem gibt es auch deutsche Manga-Auszeichnungen, wie die Kategorien „Manga/Manhwa international“ und „Manga-Eigenpublikation (national)“ des seit 2004 bestehenden Sondermann-Preises der Frankfurter Buchmesse und die 2006 ins Leben gerufene Kategorie „Bester Manga“ des seit 1984 verliehenen Max-und-Moritz-Preises des Comic-Salons Erlangen. Außerdem werden offizielle Manga-Zeichenwettbewerbe initiiert, mit denen gezielt deutsche Nachwuchstalente gefördert werden sollen.
Obwohl Schodt damit nur eine satirische Bemerkung in einem japanischen Zeitungsartikel kommentiert hatte, wurde die Bemerkung wegen ihrer Einprägsamkeit offensichtlich als Tatsache angesehen. Der Vergleich ist im englischsprachigen Raum kaum verbreitet, aber dafür in unzähligen deutschsprachigen Artikeln und Medienberichten über Mangas zu finden.
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