Manfred Baron von Ardenne (* 20. Januar 1907 in Hamburg; † 26. Mai 1997 in Dresden-Weißer Hirsch) war ein deutscher Naturwissenschaftler. Er war als Forscher vor allem in der angewandten Physik tätig und hielt am Ende rund 600 Erfindungen und Patente in der Funk- und Fernsehtechnik, Elektronenmikroskopie, Nuklear-, Plasma- und Medizintechnik.
Nachdem Manfred von Ardenne im Alter von 15 Jahren sein erstes Patent für eine direktgeheizte Mehrfachelektronenröhre erhalten hatte, verließ er 1923 das Gymnasium, um sich ganz der Weiterentwicklung der Radiotechnik zu widmen. Siegmund Loewe, der Ardennes hohe Begabung erkannte, wurde sein Mentor und förderte ihn. Mit den Geldern aus dem Patentverkauf entwickelte Manfred von Ardenne 1925 den weltweit ersten Breitbandverstärker, eine seiner grundlegenden Innovationen auf dem Gebiet der Funktechnik, die u.a. die Entwicklung des Radars entscheidend voran brachte. Im gleichen Jahr schrieb er sich, ohne Abitur, an der Universität in Berlin ein und begann Physik, Chemie und Mathematik zu studieren. Er kam jedoch bald zu der Auffassung, die akademische Ausbildung bringe ihn in seinen Forschungen nicht voran. Nach vier Semestern hatte er schließlich genug von naturwissenschaftlichen Vorlesungen und wandte sich als Autodidakt wieder ganz seinen privaten Forschungen auf dem Gebiet der angewandten Physik zu.
1928 wurde Manfred von Ardenne volljährig und konnte endlich über das ererbte Vermögen frei verfügen. Einen beträchtlichen Teil der finanziellen Mittel investierte er in die Gründung seines „Forschungslaboratoriums für Elektronenphysik“ in Berlin-Lichterfelde, das er bis 1945 leitete. Von 1928 bis 1945 war Manfred von Ardenne u.a. an der Entwicklung des Rasterelektronenmikroskops und des Fernsehens mit Leuchtfleck-Zeilenabtastung und zeilenweiser Wiedergabe mit einer Braun'schen Röhre beteiligt. Die weltweit erste vollelektronische Fernsehübertragung mit Kathodenstrahlröhre gelang Manfred von Ardenne Weihnachten 1930. Zur Funkausstellung in Berlin führte er 1931 das erste vollelektronische Fernsehen vor, mit dem er es bis auf das Titelblatt der New York Times schaffte. Mitte des 20. Jahrhunderts gingen eine Vielzahl bedeutender Erfindungen auf den Gebieten der Funk- und Fernsehtechnik und der Elektronenmikroskopie auf die Arbeit seines privaten Forschungsinstituts zurück.
Die Zusammenarbeit zwischen dem Institut von Manfred von Ardenne und dem Reichspostministerium unter Wilhelm Ohnesorge ist noch nicht in allen Einzelheiten aufgearbeitet. Hier sei besonders auf die Entwicklung eines elektromagnetischen Massentrenners hingewiesen, dessen Prototyp wahrscheinlich 1943 auf einem Luftwaffenstützpunkt in Bad Saarow aufgebaut wurde.Rainer Karlsch "Hitlers Bombe", DVA München 2005, ISBN 3-421-05809-1 Auch die Entwicklung eines Lithium-Trenners im Jahre 1945 ist noch nicht geklärt.Manfred von Ardenne - "Ein glückliches Leben für Technik und Forschung", Verlag der Nationen 6. überarbeitete Auflage 1982, S. 389 Sie könnte allerdings auf die bislang noch kontrovers diskutierte Entwicklung einer thermonuklearen Bombe im 3. Reich hinweisen, für die Lithium-6 ein Grundstoff ist. Hingewiesen werden soll noch auf die kurzzeitige Zusammenarbeit von Ardennes mit Fritz Houtermans im Jahr 1941. Während dieser Zeit schrieb Houtermans "Zur Frage der Auslösung von Kern-Kettenreaktionen" (August 1941). Die Forschungsarbeit gibt explizit die Gewinnung von Plutonium an und seine Vorteile als Kernspaltstoff gegenüber U-235. In einem späteren Schreiben weist von Ardenne 1987 nochmals auf die Arbeit von Houtermans hin und fügt auch die Namen an, an die die Forschungsarbeit 1941 verteilt worden ist. Als Motiv gibt er an, dass sich niemand aus dem Kreis der deutschen Kernphysiker an diesen Forschungsbericht nach dem Krieg erinnern wollte.
Von 1945 bis 1954 arbeitete von Ardenne an der Entwicklung der sowjetischen Atombombe mit.Michael Schaaf: "Heisenberg, Hitler und die Bombe. Gespräche mit Zeitzeugen", GNT-Verlag, Berlin 2001 (darin: "Wir haben die russische Atombombe beschleunigt", Interview mit Manfred von Ardenne) Mit dem in Berlin gegründeten Forschungslaboratorium für Elektronenphysik zog er nach Suchumi in Georgien um. Dort entwickelte er einen magnetischen Isotopentrenner und eine Duoplasmatron-Ionen-Quelle. 1953 erhielt er für seine Mitarbeit an der Bombe den Stalinpreis.
Nach seiner Rückkehr aus der Sowjetunion unterhielt Ardenne in der DDR ein nach ihm benanntes Forschungsinstitut auf dem Weißen Hirsch in Dresden, wo er auch lebte. Außerdem war er Professor für elektronische Sonderprobleme der Kerntechnik an der Technischen Universität Dresden. Er wurde zweimal mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet. Stellvertretender Direktor des Instituts war seit 1965 Prof. Siegfried Schiller.
Auf dem Gebiet der Medizin entwickelte von Ardenne die Sauerstoff-Mehrschritt-Therapie und die sogenannte systemische Krebs-Mehrschritt-Therapie zur Krebsbehandlung, bei der die Metastasenbildung durch eine sauerstoffunterstützte Hyperthermie (Überwärmung) ggf. in Kombination mit einer Chemotherapie in mehreren Behandlungsstufen unterdrückt werden sollte. Insgesamt besaß von Ardenne 600 Patente. Er war unter anderem Mitglied der Internationalen Astronautischen Akademie in Paris und Volkskammerabgeordneter.
Von Ardenne war Autor der Physik-Monographie Tabellen zur angewandten Physik, erschienen im Deutschen Verlag der Wissenschaften (1964), und anderer Bücher. Er war außerdem seit 26. September 1989 Ehrenbürger der Stadt Dresden und Ehrenbürger der Freien und Hansestadt Hamburg.
Mann | Deutscher | Physiker (20. Jh.) | Erfinder | Ehrenbürger | Geboren 1907 | Gestorben 1997 | Wissenschaft (Dresden)
Manfred von Ardenne | Manfred von Ardenne | Арденне, Манфред фон
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