Die Mandäer sind Angehörige eines monotheistischen Glaubens mit etwa 60.000 Anhängern.
Die Mandäer (von aramäisch manda, Erkenntnis) werden in einigen Texten auch Nazoräer (ostaramäisch Observanten) genannt. Diese Bezeichnung ist teilweise auf fromme Mandäer, nicht jedoch nur die Priester, beschränkt. Seit islamischer Zeit findet sich als Fremdbezeichnung auch Sabier (Sabäer, wohl von aramäisch sba, taufen), eine Benennung, die im Koran für eine (zu tolerierende) Buchreligion gebraucht wird. In älterer Literatur werden sie auch fälschlich als Johannes-Christen (da ihr Christos – Gesalbter – Johannes der Täufer sei) bezeichnet. Die Kultsprache, das Mandäische, ist eine ostaramäische Sprache.
Vielmehr ist es heute Forschungsstand, dass man erst nach Verschmelzung einer zugewanderten Gruppe von Gnostikern mit Teilen der einheimischen Bevölkerung im Südirak vom Mandäismus sprechen kann. Das gnostische Element entspricht weitgehend einem gnostischen Christentum, das in Nordsyrien und Mesopotamien vor der Eingliederung in die byzantinische Reichskirche vorherrschend war. Auch die Ablehnung des Christentum richtet sich vor allem gegen Vorstellungen, die es in dieser Region erst in byzantinischer Zeit gab, so dass vermutet wird, dass die wohl zwischen Mitte des 2. Jahrhunderts und Mitte des 3. Jahrhunderts zugewanderten Gnostiker eine häretische Gruppe des Christentums darstellten. Als Quelle für die Wanderung der Mandäer steht nur die stark stilisierte Harran Gawaitha-Legende zur Verfügung, deren Entstehung jedoch recht spät anzusetzen ist.
Historiker und Religionswissenschaftler vermuten, dass die Geburtsgeschichte des Täufers bei den Evangelisten Matthäus und Lukas und bei den Mandäern von früheren Täufergruppen übernommen worden sind.
Vor Entdeckung des Mani-Kodexes glaubte man, der Vater des Religionsstifters Mani sei Angehöriger dieser Täufergruppe gewesen. Heute weiß man, daß es sich dabei um die nicht mit dieser Gruppe identischen Elkesaiten handelte.
Grundsakramente der Mandäer sind die Erlösung durch wiederholte Taufe, die in sonntäglichen Gottesdiensten und bei besonderen Anlässen (Hochzeit, nach Geburt, bei Tod) in fließendem Wasser, zumeist im Mandi-Becken, stattfindet, und die nicht-öffentliche Toten- und Seelenmesse, die dem Aufstieg der Seele dienen soll und zusammen mit der Taufe Voraussetzung für deren Erlösung bildet. Zu den Riten gehört auch eine kultische Mahlzeit (Abendmahl), bestehend aus Pihta, Brot, und Mambuha, einem Trank aus konsekriertem Wasser. Dieses wird vom Priester stehend "bereitet" und von den Gläubigen "genommen". Taufe und Mahl weisen etliche Parallelen zum syrisch-christlichen Ritus auf und gehen auf gemeinsame Wurzeln zurück.
Zu den Verboten gehören – neben den sich in den zehn Geboten findenden – jede Form von Selbstverstümmelung einschließlich der Beschneidung, freiwillige sexuelle Askese und das Trinken von Alkohol. Ehe und Familie sind wichtige moralische Aufgaben.
Die Zugehörigkeit zur mandäischen Religionsgemeinschaft ist heute ethnisch begründet, Konvertiten werden nicht aufgenommen. Dies ist jedoch nach den Quellen in vorislamischer Zeit anders gewesen. Das Verbot mag daher eine Reaktion auf die islamische Umwelt sein, die Konversionen zum Islam förderte, Konversionen vom Islam weg mit der Todesstrafe belegte. Durch Heirat mit Nichtmandäern (auch Zwangsheirat) verlieren Mandäer ihre Zugehörigkeit zur Religionsgemeinschaft.
Die Priesterschaft ist hierarchisch unterteilt in Tarmide (Jünger) und Ganzbare (Schatzmeister = Bischöfe), Oberhaupt ist der Ris Ama. Heute sind die oberen hierarchischen Ränge teilweise unbesetzt.
Das heilige Buch der Mandäer ist das Sidra Rabba (auch Ginza). Auszug nach Lidzbarski:
"Wenn Johannes in jenem Zeitalter Jerusalems lebt, den Jordan nimmt und die Taufe vollzieht, kommt Jesus Christus, geht in Demut einher, empfängt die Taufe des Johannes und wird durch die Weisheit des Johannes weise. Dann aber verdreht er die Rede des Johannes, verändert die Taufe im Jordan und predigt Frevel und Trug in der Welt. Christus wird die Völker spalten, die zwölf Verführer ziehen in der Welt umher. In jenem Zeitalter bewährt euch, ihr Wahrhaftigen."
Der Ginza (Schatz) ist in zwei Teile unterteilt, der Rechte Ginza enthält mythologische, kosmologische und moralische Traktate, der Linke Ginza Hymnen und Lieder über das Schicksal der Seele. Erzählungen über Johannes den Täufer enthält das Johannesbuch (oder Königsbuch). Das Gebetbuch der Mandäer ist das Qolasta, das Liturgien für Taufe und Seelenmesse enthält.
Siehe auch: Abathur
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