Die Mandschu (Mandschurisch: Manju; Chinesisch: 满族/Mǎnzú) sind ein Volk in der Mandschurei im Nordosten Chinas und eine der 55 anerkannten nationalen Minderheiten in China. Von den knapp 11 Millionen Angehörigen der Gruppe sprechen die meisten Chinesisch in dem jeweiligen Dialekt ihrer Wohnorte, also vor allem den Nordostdialekt. Nur noch einige Dutzend alte Menschen beherrschen die mandschurische Sprache, welche jedoch in Dialekten fortlebt. Bei der Volkszählung im Jahre 2000 wurden 10.682.262 Mandschu gezählt. Ihre Bevölkerung verteilte sich (nach den 1990er Daten) folgendermaßen: 50,43 % in Liaoning, 17,6 % in Hebei, 12,06 % in Heilongjiang, 10,67 % in Jilin, 4,65 % im Autonomen Gebiet Innere Mongolei und 1,68 % in Beijing (Peking).
Herkunft
Die Mandschuren stammen von den
Jurchen ab, die im
12. Jahrhundert Nordostchina eroberten. Der Name „Mandschuren“ wurde
1635 offiziell von
Huang Taiji (皇太极) der den
Jianzhou Jurchen angehörte, eingeführt. Er dürfte allerdings schon ab
1605 benutzt worden sein.
Nurhacis Sohn Huang Taiji entschied sich, den Namen „Mandschuren“ zu verwenden und verbot die Benutzung des Namen „Jurchen“. Die ursprüngliche Bedeutung des Begriffes steht zwar nicht fest, es wird jedoch vermutet, dass es ein altes Wort für die Jianzhou Jurchen war. Nach einer anderen Theorie stammt der Begriff von dem
Bodhisattva Manjusri (das „Bodhisattva der Weisheit“), dessen Menschwerdung Nurhaci zu sein behauptete. Vor dem
17. Jahrhundert waren die Vorfahren der Mandschuren ein ländliches Volk, das sich durch Jagen, Fischerei und teilweise Landwirtschaft ernährte.
Geschichte
Späte Jin-Dynastie
Im Jahre
1616 errichtete der Mandschurenanführer
Nurhaci die späte
Jin-Dynastie (后金代
hòujīndài) und den Staat
Amaga Aisin Gurun, oder kurz
Manju Gurun („Staat der Mandschuren“) und vereinigte die Mandschurenstämme. Auf diese Zeit geht auch die Schaffung des Militärsystems der
Acht Banner zurück. Nach dem Tod Nurhacis änderte sein Sohn Hong Taiji den Namen der Dynastie in
Qing.
Qing-Dynastie
Als
Li Zicheng 1644 Beijing eroberte, griff das Qing-Reich das Siedlungsgebiet der Han-Nationalität an und machte Beijing nach
Mukden (seit der
Zeit der Streitenden Reiche eine chinesische Stadt) zur neuen Hauptstadt. Aus machtpolitischen Gründen heirateten die ersten mandschurischen Kaiser Nachfahrinnen der mongolischen
Großkhane um ihre Nachfahren als rechtmäßige Erben der mongolischen
Yuan-Dynastie darstellen zu können.
In der Qing-Dynastie wurden alle wichtigen Ämter des Reiches mit jeweils einem han-chinesischen und mandschurischen Mitglied besetzt, wodurch ein recht großer Anteil der Mandschuren, deren Anzahl insgesamt vergleichsweise gering war, Regierungsbeamte waren.
Assimilierung
Während der
Qing-Dynastie versuchte die Regierung die mandschurische Kultur und Sprache zu erhalten. Diese Versuche waren langfristig nicht sehr erfolgreich, weil sich die Mandschuren immer mehr den Bräuchen der Han-Chinesen anpassten und auch deren Sprache nach und nach übernahmen. Bereits im 18. Jahrhundert wurde selbst am Kaiserhof nur noch selten Mandschurisch gesprochen. In den 1880er Jahren berichtete der Sprachforscher
Paul Georg von Möllendorff, die Sprache sei am Hof mündlich nur noch als feststehende Kommandos bei Zeremonien in Gebrauch. Als Schriftsprache wurde sie aber weiterhin für offizielle Dokumente und die Kommunikation zwischen dem Kaiser und den
Banneroffizieren, bis zum Zerfall der Dynastie, neben dem Chinesischen verwendet. Gleichzeitig darf man nicht vergessen, dass auch die mandschurische Kultur in großem Ausmaß die han-chinesische beeinflusst hat. Große Gruppen von Han-Chinesen, die sogenannten Han-Bannerleute, wurden in einem gegenläufigen Prozess seit dem 17. Jahrhundert mandschurisiert. Viele Dinge, die wir heute als typisch für die nordchinesische Kultur ansehen, sind in Wirklichkeit mandschurischen Ursprungs und Ergebnis einer umgekehrten Assimilierung.
Obwohl sich – in der Hauptsache – die Mandschuren an die Han-Kultur assimilierten und sich selbst immer als „Chinesen“ (im Sinne von Angehörigen des Reiches der Mitte) begriffen, wurden sie gegen Ende der Qing-Dynastie von chinesischen Nationalisten als „ausländische“ Kolonialmacht dargestellt. Diese Darstellung verschwand aber schnell, weil das neue republikanische China nach der Revolution 1911 die Mandschuren in eine neue, republikanische „nationale Identität“ hineinkonstruierten.
Mandschuko
1931 errichteten die Japaner im Nordosten Chinas einen als
Mandschuko (jap. 満州国
Manchukuo; chin. 满洲国
Manzhouguo) bezeichneten Marionettenstaat. Zu dieser Zeit war das Gebiet bereits überwiegend von Han-Chinesen bewohnt und selbst unter den Mandschuren konnte dieses Projekt nicht viel Interesse erwecken.
Vermutlich wurde ein „mandschurischer“ Staat nur deswegen errichtet, um eine Sezession zu rechtfertigen und damit nicht nur China, sondern auch den seit 1890 starken Einfluss Russlands in der Region weiter zu schwächen und eine Invasion Chinas vorzubereiten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Territorium wieder ein Teil Chinas.
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