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Das Malmedy-Massaker war ein Kriegsverbrechen im Zuge der Ardennenoffensive, bei dem 72 kriegsgefangene US-amerikanische Soldaten von Angehörigen der Waffen-SS völkerrechtswidrig erschossen wurden. Der Ort des Geschehens lag in der Nähe der belgischen Kreisstadt Malmedy südlich von Aachen.

Vorgeschichte


Die Ardennenoffensive war der letzte Versuch der Wehrmacht, die Initiative an der Westfront zurückzugewinnen. Drei deutsche Armeen der Heeresgruppe B sollten im Winter 1944 im unwegsamen Gelände der Ardennen den Vorstoß der alliierten Truppen Richtung Rhein zurückschlagen und durch einen überraschenden Vormarsch nach Antwerpen die Hauptnachschublinien der Alliierten unterbrechen. Den deutschen Kommandeuren war klar, dass es sich bei der "Unternehmen Herbstnebel" genannten Operation um eine Verzweiflungstat handelte, von deren Gelingen man sich die Spaltung der alliierten Mächte und das Ende der Kämpfe im Westen erhoffte.

Während einer Lagebesprechung im Gefechtsstand Adlerhorst bei Bad Nauheim erläuterte Hitler am 12. Dezember 1944 seinen versammelten Generälen seine Ansicht, dass die bevorstehende Winteroffensive die bedeutendste Schlacht in einem "Entscheidungskrieg auf Leben und Tod" sei. Nach Aussagen der damals Beteiligten gab Hitler auch die Anweisung, Gefangene nur dann zu machen, wenn es die "taktische Situation" erlaube. Entsprechend wurden Anweisungen zur "rücksichtslosen Härte" von den übergeordneten Einheiten an die unterstellten Befehlshaber weitergegeben. Besonders bei den Einheiten der Waffen-SS bedurfte es allerdings in der Regel keiner deutlichen Anweisungen. Infolge der weltanschaulichen Indoktrination der SS und der seit der Invasion in der Normandie herausgegebenen Propaganda, die Amerikaner und Briten seien genauso schlimm wie die Russen, war den meisten SS-Führern bereits klar, was von ihnen erwartet wurde.

Die Kampfgruppe Peiper


Die Kampfgruppe Peiper unter dem Befehl des SS-Standartenführers Joachim Peiper war ein Verband der Leibstandarte "Adolf Hitler", der ungefähr 1000 Mann und 100 Panzerfahrzeuge umfasste. Für die Ardennenoffensive war die Kampfgruppe der 6. Armee unter Sepp Dietrich zugeteilt, deren Angriffsspitze sie stellen sollte. Die Aufgabe von Peipers Verband war der rasche Vorstoß zu den Maas-Brücken bei Huy und die Öffnung eines Korridors für nachfolgende Truppen. Wie Peiper selbst, war ein Großteil seiner Soldaten Veteranen der Ostfront, die die dort stattfindende Barbarisierung des Kampfes miterlebt hatten. Dementsprechend abgestumpft gegenüber "Humanitätsduseleien" waren die Männer auch. Vor Beginn der Offensive lag Peipers Truppe weit hinter dem Zeitplan und drohte die gesamte Operation zu gefährden. Da gerade die Leibstandarte Adolf Hitler sich als Elite betrachtete, setzte die Angst vor dem Versagen die Kommandeure der Kampfgruppe stark unter Druck.

Das Massaker


Am 17. Dezember 1944, dem zweiten Tag der Ardennen-Offensive, traf die schnell vorgehende Panzertruppe Peipers etwa 4 km südöstlich von Malmedy - an der Straßenkreuzung von Baugnez - auf einen LKW-Konvoi der Battery B des 285th Field Artillery Observation Battalion der US-Armee. Sofort nach der Entdeckung wurde der Konvoi beschossen und überwältigt. Die Angriffsspitze der Kampfgruppe Peiper - darunter auch Joachim Peiper selbst - kümmerte sich nicht um die Amerikaner und fuhr weiter. Soldaten von nachfolgenden Einheiten stellten die etwas über 100 Gefangenen auf einer Wiese nahe der Straßenkreuzung auf. Entsprechend den tatsächlich gegebenen oder bloß eingebildeten Befehlen wollten die Deutschen die Amerikaner weder laufen lassen, noch Ressourcen vergeuden, um sie in ein rückwärtiges Kriegsgefangenenlager zu bringen.

Der genaue Ablauf oder eine eventuell vorhandene Befehlskette der nachfolgenden Ereignisse konnte nicht präzise geklärt werden. Sicher ist jedoch, dass die SS-Männer gegen Mittag des 17. Dezembers mit Maschinenpistolen und den Bordwaffen ihrer Fahrzeuge das Feuer auf die gefangenen Amerikaner eröffneten - unter denen sich auch Sanitäter und Verwundete befanden. Anschließend töteten einzelne SS-Männer die Überlebenden durch Schüsse aus nächster Nähe, was später ein klarer Beweis dafür war, dass es sich um ein Verbrechen und kein normales Gefecht gehandelt hatte. Insgesamt starben bei der Schießerei mindestens 72 Amerikaner, die erst im Januar 1945 von ihren Kameraden gefunden wurden.

Die Folgen des Massakers


Ungefähr 40 G.I.s überlebten, ohne von den SS-Truppen bemerkt zu werden. Nachdem die deutschen Truppen abgerückt waren, flohen die Überlebenden. Bereits am Nachmittag des 17. Dezembers hatten sich die ersten Männer zu den eigenen Linien durchgeschlagen. Am 18. Dezember wurde das alliierte Oberkommando über den Vorfall informiert. Obwohl es nicht das einzige Kriegsverbrechen der SS gegen die Westmächte war und auch nicht blieb, nahm Malmedy später eine Symbolstellung ein, das Massaker stand für die brutale Rücksichtslosigkeit, mit der der Krieg von deutscher Seite geführt wurde.

Unter den amerikanischen Soldaten soll es nach Bekanntwerden des Vorfalls Kommandeure gegeben haben, die nun befahlen, bei SS-Truppen keine Gefangenen mehr zu machen. Obwohl deutsche Soldaten, die im Rahmen des Unternehmens Greif hinter die feindlichen Linien gesickert und festgenommen worden waren, mit aller Härte behandelt wurden (meist an Ort und Stelle erschossen), sind während der Ardennenoffensive keine Vorfälle bekannt geworden, bei denen die US-Armee in vergleichbarer Weise gegen SS-Einheiten vorgegangen ist.

Das Massaker blieb auch der Öffentlichkeit nicht lange verborgen. Bereits am 21. Dezember kursierten erste Berichte in der alliierten Presse, so dass sich die Wehrmachtsführung an diesem Tag zu einem Dementi veranlasst fühlte. Diese "Richtigstellungen" wurden allerdings nicht geglaubt, bereits am 25. Dezember erschien ein Bericht im TIME-Magazin, weitere Artikel folgten in der Armeezeitung Stars and Stripes und in Newsweek.

Nach Kriegsende fand im Mai 1946 der Malmedy-Prozess in Dachau statt, bei dem die beteiligten Soldaten vor Gericht gestellt wurden. Die Täter wurden zum Tode oder zu langen Freiheitsstrafen verurteilt. Da die Geständnisse jedoch auf zweifelhafte Weise zustande gekommen waren, wurden viele Urteile in der Folgezeit abgemildert. Heute erinnert eine Gedenkstätte am Ort des Geschehens in Malmedy-Baugnez an die ermordeten Soldaten.

Filme


Literatur


  • Klaus-Dietmar Henke: Die amerikanische Besetzung Deutschlands, R. Oldenbourg Verlag, München, 1996
  • Wolfgang Benz (Hrsg.): Legenden, Lügen, Vorurteile. Ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte., dtv, München, 2002

1944 | Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus

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