Das Malmedy-Massaker war ein Kriegsverbrechen im Zuge der Ardennenoffensive, bei dem 72 kriegsgefangene US-amerikanische Soldaten von Angehörigen der Waffen-SS völkerrechtswidrig erschossen wurden. Der Ort des Geschehens lag in der Nähe der belgischen Kreisstadt Malmedy südlich von Aachen.
Während einer Lagebesprechung im Gefechtsstand Adlerhorst bei Bad Nauheim erläuterte Hitler am 12. Dezember 1944 seinen versammelten Generälen seine Ansicht, dass die bevorstehende Winteroffensive die bedeutendste Schlacht in einem "Entscheidungskrieg auf Leben und Tod" sei. Nach Aussagen der damals Beteiligten gab Hitler auch die Anweisung, Gefangene nur dann zu machen, wenn es die "taktische Situation" erlaube. Entsprechend wurden Anweisungen zur "rücksichtslosen Härte" von den übergeordneten Einheiten an die unterstellten Befehlshaber weitergegeben. Besonders bei den Einheiten der Waffen-SS bedurfte es allerdings in der Regel keiner deutlichen Anweisungen. Infolge der weltanschaulichen Indoktrination der SS und der seit der Invasion in der Normandie herausgegebenen Propaganda, die Amerikaner und Briten seien genauso schlimm wie die Russen, war den meisten SS-Führern bereits klar, was von ihnen erwartet wurde.
Der genaue Ablauf oder eine eventuell vorhandene Befehlskette der nachfolgenden Ereignisse konnte nicht präzise geklärt werden. Sicher ist jedoch, dass die SS-Männer gegen Mittag des 17. Dezembers mit Maschinenpistolen und den Bordwaffen ihrer Fahrzeuge das Feuer auf die gefangenen Amerikaner eröffneten - unter denen sich auch Sanitäter und Verwundete befanden. Anschließend töteten einzelne SS-Männer die Überlebenden durch Schüsse aus nächster Nähe, was später ein klarer Beweis dafür war, dass es sich um ein Verbrechen und kein normales Gefecht gehandelt hatte. Insgesamt starben bei der Schießerei mindestens 72 Amerikaner, die erst im Januar 1945 von ihren Kameraden gefunden wurden.
Unter den amerikanischen Soldaten soll es nach Bekanntwerden des Vorfalls Kommandeure gegeben haben, die nun befahlen, bei SS-Truppen keine Gefangenen mehr zu machen. Obwohl deutsche Soldaten, die im Rahmen des Unternehmens Greif hinter die feindlichen Linien gesickert und festgenommen worden waren, mit aller Härte behandelt wurden (meist an Ort und Stelle erschossen), sind während der Ardennenoffensive keine Vorfälle bekannt geworden, bei denen die US-Armee in vergleichbarer Weise gegen SS-Einheiten vorgegangen ist.
Das Massaker blieb auch der Öffentlichkeit nicht lange verborgen. Bereits am 21. Dezember kursierten erste Berichte in der alliierten Presse, so dass sich die Wehrmachtsführung an diesem Tag zu einem Dementi veranlasst fühlte. Diese "Richtigstellungen" wurden allerdings nicht geglaubt, bereits am 25. Dezember erschien ein Bericht im TIME-Magazin, weitere Artikel folgten in der Armeezeitung Stars and Stripes und in Newsweek.
Nach Kriegsende fand im Mai 1946 der Malmedy-Prozess in Dachau statt, bei dem die beteiligten Soldaten vor Gericht gestellt wurden. Die Täter wurden zum Tode oder zu langen Freiheitsstrafen verurteilt. Da die Geständnisse jedoch auf zweifelhafte Weise zustande gekommen waren, wurden viele Urteile in der Folgezeit abgemildert. Heute erinnert eine Gedenkstätte am Ort des Geschehens in Malmedy-Baugnez an die ermordeten Soldaten.
1944 | Kriegsverbrechen des Nationalsozialismus
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