MainzerDom_sw_neu.jpg | MzDomGrundriss.jpg Der Hohe Dom zu Mainz ist die Bischofskirche der Diözese Mainz und steht unter dem Patrozinium des heiligen Martin von Tours. Der Ostchor ist dem Hl. Stephan geweiht. Der zu den Kaiserdomen zählende Bau ist in seiner heutigen Form eine dreischiffige romanische Säulenbasilika, die in ihren Anbauten sowohl gotische als auch barocke Elemente aufweist.
Auch wenn diese Theorie nicht mehr bewiesen werden kann, so kann jedoch mit Sicherheit gesagt werden, dass pastorale Erwägungen dem Dombau nicht zugrunde lagen. Zur Amtszeit des Willigis, der zuvor am Hofe Ottos I. gedient hatte und der neben seiner Funktion als Erzbischof auch Reichserzkanzler des Heiligen Römischen Reiches war, prosperierte die Stadt Mainz zwar wegen ihrer neuen Bedeutung als Residenz des wichtigsten Reichsfürsten und Politikers, sie hatte dennoch nur wenige tausend Einwohner, die alle im neuen Dom Platz gefunden hätten. Der neue Dom sollte also nicht in erster Linie den Gläubigen dienen, sondern Staatsdom und damit architektonisches Symbol des Imperiums im sich allmählich erst endgültig konstituierenden Reich sein. Er sollte die Bedeutung der Mainzer Kirche als zweites Rom erkennbar machen.
Trotz diversen An- und Umbauten hat sich diese Grundform des Doms bis heute erhalten. Nach Osten hin vorgelagert und mit ihm durch einen Säulengang verbunden war dem Dom eine kleine selbstständige Marienkirche, aus der sich im Laufe der Zeit die große Stiftskirche St. Mariagreden (Liebfrauenkirche) entwickelte. Der neue Dom wurde dort erbaut, wo sich vermutlich in römischer Zeit der Tempelbezirk befunden hatten. Er löste vermutlich die benachbarte St. Johanniskirche als Domkirche ab. Endgültig geklärt ist die Funktion der Johanniskirche als Domkirche jedoch nicht. Ohnehin war das vor der Stadt gelegene Klosterkirche St. Alban zu diesem Zeitpunkt bereits seit fast zwei Jahrhunderten die bedeutendste Kirche des Erzbistums. Dort fanden, da die Kirche mit etwa 75 m Länge für die damalige Zeit erstaunlich groß war, alle wichtigen Synoden und Versammlungen statt. Auch die Mainzer Erzbischöfe wurden damals zumeist dort begraben.
Die farbliche Gestaltung des Domes zu jener Zeit ist auch heute noch ein großes Forschungsgebiet des jeweiligen Domkonservators. Erst bei der Renovierung des Ostbaus, der heute noch viele Bestandteile der ursprünglichen Baus enthält, wurden 2002 Funde gemacht, die auf das Aussehen des Domes vor den Umbauten Kaiser Heinrichs IV. schließen lassen. Danach war der Dom damals außen weiß verputzt, wobei Lisenen und Gesimse aus rotem und gelben Sandstein nicht verputzt waren. Das Innere wurde vermutlich erst in der Mitte des 11. Jahrhunderts unter Erzbischof Bardo geweißt. Das damalige Innere entspricht jedoch zumeist nicht mehr dem heutigen Baubestand (siehe unten).
Von der späteren Farbgestaltung im späten Mittelalter ist meist nichts bekannt. Es ist jedoch möglich, dass während weiteren Sanierungsarbeiten Nachweise gefunden werden. Genauer bekannt ist erst wieder die Farbgestaltung des Barock und des 19. Jh. (siehe dort).
Unter den beiden unmittelbaren Nachfolgern des Willigis, Erkanbald und Aribo, blieb der ruinierte Dom eine Baustelle. Erst Erzbischof Bardo (1031 - 1051) konnte das Werk seines Vorgängers vollenden, so dass der Dom am 10. November 1036 in Gegenwart von Kaiser Konrad II. eingeweiht wurde. Nicht wieder aufgebaut wurden die zur Marienkirche führenden offenen Säulengänge. Aribo war der erste im Mainzer Dom begrabene Erzbischof, sein Grab fand er im Westchor des noch nicht vollendeten Domes. Vor dem Dombau hatten die Erzbischöfe die damals überregional bedeutende große Klosterkirche St. Alban vor den Toren der Stadt als Grablege bevorzugt. Willigis war in seinem zweiten Kirchenbau, der Stephanskirche, begraben worden.
Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken (1110 - 1137) ließ die romanische Doppelstockkapelle, die Gotthard-Kapelle, als Palastkapelle der Erzbischöfe neben dem Dom errichten. Da die Gewölbeformen dieser Kapelle denen des Langhauses ähneln, ist es möglich, dass Adalbert auch mit dem neuen Langhaus begann, das das Langhaus des Willigis ersetzte. Die Quellen sprechen von einem prachtvollen „tectum“, wobei dies Gewölbe oder Dach bedeuten kann.
Bei der Konzeption des Langhauses orientierten sich die Baumeister wiederum am Dom zu Speyer, welcher als erster Großgewölbebau jenseits der Alpen das Vorbild für romanische Architektur in Deutschland bildete. Eine exakte Kopie konnte das Mittelschiff jedoch nicht werden, weil man sich beim Bau an den Vorgaben des einzubeziehenden Ostchors bezüglich der Höhe richten musste. Das Mittelschiff wurde daher im Vergleich zum Vorbild des Speyerer Doms erheblich niedriger ausgeführt, nämlich mit 28 m statt 33 m, nun aber als Pfeilerbasilika. Die Fenster des Obergadens mussten deshalb paarweise zusammengerückt werden. Daher war es nicht möglich, die großen Blendbögen wie im Speyerer Dom um die Fenster zu führen. Im Mainzer Dom enden sie unterhalb der Fenster und schaffen so einen dreizonigen Wandaufriss, was damals ein Novum war.
Insgesamt wurde das gesamte Langhaus in eher schlichter Weise ausgeführt. Auf großartige Bauzier wie in Speyer wurde verzichtet. Die ursprünglichen Außenmauern waren wahrscheinlich ebenfalls funktional ausgeführt. Sie verschwanden fast vollständig, nachdem ab 1279 gotische Seitenkapellen angefügt wurden.
Am Langhaus wurde praktisch das ganze 12. Jahrhundert mehr oder weniger intensiv gebaut. Die letzte Bauphase war die Zeit um das Jahr 1200, als der Dom auch das für die Zeit der Romanik eher unübliche Kreuzrippengewölbe statt eines Kreuzgratgewölbes erhielt.
Um den neuen Westbau einwölben zu können, wurde das weitausladende Querhaus des Willigis, eine stilistische Eigenart der Frühromanik (siehe auch die Klosterkirche in Fulda), verkürzt, um Nord- und Südarm mit jeweils einem Gewölbe überspannen zu können. Das Innere des neuen Westbaus sollte an das Langhaus anknüpfen und ist deshalb ebenfalls mit schlichten kahlen Wänden gestaltet, die aber durch größere Fenster unterbrochen werden. Eine Ausnahme von dieser Schlichtheit bildet jedoch die große, achteckige rippengewölbte Vierungskuppel, welche nicht nur durch Fenster belichtet, sondern auch reich durch umlaufende Blendarkaden, Rundbogenfriese und Säulenkapitelle geschmückt ist.
Dem Querhaus des Westbaus schließt sich der Hauptchor des Domes an, der als Trikonchos ausgestaltet ist: Um ein rippengewölbtes Quadrat schließen sich an den drei verbleibenden Seiten drei kleine Apsiden an, die jedoch nicht rund, sondern durch doppelte Brechung dreiseitig ausgeführt sind. Dabei sind die beiden westlichen Pfeiler des Quadrats massiv gemauert, um die beiden achteckigen Flankentürmchen tragen zu können. Das Äußere des Westbaus ist dagegen weitaus schmuckvoller gehalten, jedenfalls was die oberen Abschlüsse der Mauern angeht. Da der Dom immer umbaut war, hatte man in den unteren Bereichen an übermäßiger Bauzier kein Interesse. Die oberen Abschlüsse sind jedoch dafür umso reicher verziert. Das Chorquadrat ist nach allen drei offenen Seiten hin mit Giebeln bekrönt, die an ihren Seiten wiederum mit prächtigen Speichenrosen geschmückt sind. Dort, wo sich über dem Westchor die Giebel kreuzen, thront seit 1769 (1928 durch eine Kopie ersetzt) eine Statue des Hauptpatrons des Domes und des Bistums, des Hl. Martins. Die Apsiden selbst werden von einer säulengeschmückten Zwerggalerie umlaufen. Eine prachtvolle Krönung findet der Westbau in der Ausgestaltung der Querhausgiebelseiten, die reich mit Blendarkaden, Kapitellen und feingliedrigem Giebelschmuck ausgestattet sind. Der Westbau mit seiner Kuppel gilt als Meisterwerk staufischer Baukunst und ist eines der spätesten Zeugnisse romanischer Baukunst überhaupt. In Frankreich war zur Bauzeit längst die Hochgotik angebrochen, bis zum Baubeginn des neuen Kölner Doms war es nur noch ein Jahrzehnt.
Nach Beendigung der Bauarbeiten wurde der Dom am 4. Juli 1239 von Erzbischof Siegfried III. von Eppstein eingeweiht.
Ab 1279 wurden an die Langhausseiten des Domes nach und nach gotische Seitenkapellen mit großen Maßwerkfenstern angebaut. Erzbischof Johann II. von Nassau ließ ab 1418 vor dem Ostchor eine zweigeschossige, frei im Mittelschiff stehende Grabkapelle errichten, von der heute noch der unterirdische Teil (die Nassauer (Unter-)Kapelle) erhalten ist. Gotisch ausgestaltet wurde bis ins 15. Jahrhundert auch das Domäußere: Von 1390 bis 1410 wurde der doppelgeschossige Kreuzgang neu errichtet. Es wird vermutet, dass Madern Gerthener am Bau der Nassauer Kapelle und des Kreuzganges mitgewirkt hat. Von ihm stammt auf jeden Fall das Portal der Memorienkapelle am Übergang zum westlichen Kreuzgangflügel.
Die Vierungstürme im Osten (ab 1361) und Westen (ab 1418) wurden mit gotischen Glockenstuben aufgestockt und erhielten steile gotische Turmhelme. Diese Arbeiten waren erst 1482 abgeschlossen. Der steile Turmhelm des Ostturms wurde bereits 1579 durch eine flachere achtseitige Spitze ersetzt. Wegen des ernormen Gewichts der östlichen Glockenstube musste in den Ostchor nach 1430 ein gotischer Stützpfeiler eingefügt werden, der erst mit dem Abbruch des Glockengeschosses 1871 wieder entfernt wurde. Auch die Treppentürmchen und sogar die Gotthardkapelle erhielten gotische Türmchen bzw. Dachreiter. Gänzlich neu errichtet wurde die dem Dom vorgelagerte Stiftskirche St. Mariagreden (Liebfrauen). Nach dem Ende der gotischen Baumaßnahmen wurden bis 1767 am Bauwerk selbst keine wesentlichen Veränderungen, sondern nur einige Sanierungsmaßnahmen vorgenommen. Lediglich die Ausstattung (siehe dort) veränderte sich.
Des Weiteren verschwanden die gotischen Giebel der Seitenkapellen, ihre Fialen wurden durch Urnen ersetzt. Auch der heutige Wetterhahn des Westturms, der so genannte „Domsgickel“, der Stoff zahlreicher literarischer Betrachtungen von Mainzer Dichtern und Fastnachtern war und ist, stammt in seinem Grundbestand aus der Zeit des damaligen Umbaus.
Die Barockzeit brachte auch Veränderungen in der Farbgestaltung des Domes mit sich. Wie viele Barockneubauten wurde der Dom 1758 innen weiß angestrichen und erhielt außerdem farblose Fenster. Es kann daher vermutet werden, dass der Dom zuvor nicht wie noch der Willigis-Bardo Bau geweißt war.
In den Zeiten nach der Mainzer Republik diente der Dom als Heerlager bzw. Magazin, die Ausstattung wurde verkauft. Schließlich war der Dom selbst vom Abbruch bedroht. Dieses Schicksal wendete Bischof Colmar mit Hilfe Napoleons jedoch ab. Colmar führte den Dom wieder seiner ursprünglichen Bestimmung zu. Dies beinhaltete auch umfangreiche Restaurierungsarbeiten, die sich bis 1831 hinzogen. Zunächst wurden das Innere wieder benutzbar gemacht und die Dächer instandgesetzt. Unterbrochen wurden diese Arbeiten von der abermaligen Beschlagnahme durch die französische Armee 1813, die den Dom nach der Niederlage der Grande Armée als Schweinestall und als Lazarett für 6000, zum Teil an Typhus erkrankte Soldaten benutzte. Dabei wurde der größte Teil der verbliebenen hölzernen Ausstattung verheizt. Schon die Nutzung als Heerlager 1803 hatte den Verlust etlicher hölzerner Ausstattungsstücke zur Folge gehabt. Erst im November 1814 wurde der Dom wieder als Kirche benutzt. Dann folgte die Neugestaltung der Dächer und des zerstörten östlichen Hauptturms durch den Regierungsbaumeister Georg Moller. Moller setzte der alten gotischen Glockenstube 1828 eine spitzbogige schmiedeeiserne Kuppel auf. Diese wurde schon 1870 zusammen mit der gotischen Glockenstube wieder abgebrochen, da man aufgrund von Mauerwerksrissen ein zu hohes Gewicht des Turmhelms vermutete.
1875 wurde von P. J. H. Cuypers der heutige neu-romanische östliche Vierungsturm geschaffen. Das Werk Cuypers' ist der Abschluss dieser längeren Bauphase am Ostwerk. Da dem Vierungsturm nunmehr das schwere Glockengeschoss fehlte, wurde der alte gotische Stützpfeiler im Inneren abgerissen. Außerdem wurde die Ostchorkrypta wiedererrichtet, wobei man auf die ursprüngliche Höhe der Krypta des Heinrich IV.-Baus verzichtete.
Historische Fotografien aus der Spätzeit des 19. Jahrhunderts zeigen außerdem, dass der Dom nun entgegen der barocken Farbgestaltung bunt ausgemalt war. Bei der Ausmalung handelt es sich um Werke aus der Nazarenerschule, die vor allem von Philipp Veit zwischen 1859 und 1864 ausgeführt wurden. Von ihnen sind heute nur noch die neutestamentlichen Bibelszenen in den Wandbögen des Mittelschiffs erhalten.
Im Zweiten Weltkrieg war Mainz mehrmals Ziel größerer Luftangriffe. Im August 1942 erhielt der Dom mehrere Treffer. Dabei wurde das Obergeschoss des Kreuzgangs zerstört, außerdem brannten die meisten Dächer des Doms ab. Das Gewölbe jedoch überstand alle Bombardements. Die äußeren Restaurierungsarbeiten nach dem Krieg, bei denen auch Verwitterungsschäden beseitigt wurden, zogen sich in die 1970er-Jahre hin, ebenso wie die Arbeiten an der Innenraumgestaltung, insbesondere der neuen Verglasung. Abschließend wurde der Dom außen mit Mineralfarben rot eingefärbt. Zuvor war der Dom nicht vollständig verputzt gewesen und hatte ein rein sandsteinfarbenes Erscheinungsbild. Mit der Rotfärbung glich man ihn in der Farbgebung den meisten historischen Mainzer Gebäuden (zum Beispiel dem Kurfürstlichen Schloss) an. Nach Abschluss der Sanierung beging man 1975 feierlich die Tausendjahrfeier.
2001 begann erneut eine Sanierung des Domes, deren Dauer zu Beginn der Baumaßnahmen auf zehn bis 15 Jahre veranschlagt wurde. Umfasst werden alle Teile des Domes, sowohl innen als auch außen. Während die äußere Farbgebung wegen der Einheitlichkeit im Stadtbild nicht zur Disposition steht, wird im Inneren über eine Rückbesinnung auf die Farbgebung nach der Sanierung von 1928 nachgedacht (siehe oben). Auch die Ausstattung ist teilweise betroffen. So gibt es seit längerem die Überlegungen für eine Langhausorgel (eine "Schwalbennest"-Orgel, die praktisch an der Wand des Langhauses unter dem Obergaden aufgehängt wird).
Im Laufe des Mittelalters fanden in Mainz mehrere Königskrönungen statt. Im Hoch- und Spätmittelalter war Aachen der durch Tradition legitimierte Krönungsort, eine Krönung in Mainz wurde von den politischen Gegnern als Formfehler betrachtet, der die Krönung ungültig machte. Nicht alle Krönungen wurden im Mainzer Dom selbst vorgenommen, da dieser wie beschrieben im Laufe des Mittelalters einige Male gebrannt hatte.
Im Dom vorgenommen wurden die Krönungen von
Die Krönungen von
Erhalten blieben dagegen die großen Bronzetüren, die Meister Berenger in Willigis Auftrag fertigte. Diese Türen waren laut Inschrift die ersten aus Metall gefertigten Türen seit Karl dem Großen, was von Vertretern der Theorie, wonach Willigis mit seinem Dombau Aachen als Krönungsort ablösen wollte, als weitere Machtdemonstration angesehen wird. Die Türen waren ursprünglich in der dem Dom vorgelagerten Liebfrauenkirche eingebaut. Diese erstreckte sich nämlich zum Rhein hin und empfing so nach dem Zeremoniell den per Schiff ankommenden König bzw. Kaiser. 1135 ließ Erzbischof Adalbert I. von Saarbrücken in den oberen Teil der Türen das von ihm gewährte Stadtprivileg eingraben. Nach dem Abbruch der Liebfrauenkirche 1803 kamen die Türen an den Dom und bilden dort heute das Marktportal.
Über die sonstige Ausstattung des Willigis-Domes ist nicht viel bekannt. Da der Willigis-Bau schon am Weihetag (oder am Tag zuvor) abbrannte, ist es möglicherweise niemals zu einer reicheren Ausstattung gekommen.
Aufgrund der häufigen Baumaßnahmen und Umgestaltungen des Doms sind heute abgesehen von der Bausubstanz und einigen Grabfunden keine Elemente der Romanik mehr am Dom vorhanden. Eine Ausnahme bildet das so genannte Udenheimer Kruzifix, welches aber nicht zur ursprünglichen Ausstattung gehört, sondern erst 1962 aus der Kirche von Udenheim angekauft wurde. Die genaue Entstehungszeit dieses Kreuzes ist umstritten, teilweise wird es bis ins 8. Jh. zurückdatiert, meist wird eine Zeit zwischen 1070 und 1140 angenommen.
Das größte und wichtigste Kunstwerk jener Zeit ist jedoch das schon dem Rokoko zugehörige große Chorgestühl des Westchors. Es wurde zwischen 1760 und 1765 von Franz Anton Hermann geschaffen. Die Verzierungen des Chorgestühl das von einem Standbild des Hl. Martin über dem Baldachin des Bischofs bekrönt wird, stellt keinen Bibelzyklus dar, sondern bildet die Wappen des Erzstiftes und seiner Dignitäten ab und sollte so wohl einen Eindruck von Macht und Herrlichkeit der alten Mainzer Kirche erzeugen. Das Chorgestühl des Ostchors ist wesentlich schlichter ausgeführt und stammt aus der in napoleonischer Zeit abgerissenen Schlosskirche St. Gangolph.
Das älteste dieser Denkmäler ist das des Erzbischofs Siegfried III. von Eppstein († 1249). Es zeigt ihn - wie auch später beim Denkmal Peters von Aspelt zu sehen - als Königskröner und war ursprünglich noch als Grabplatte gedacht, was man am gemeißelten Kissen unter dem Kopf des Erzbischofs erkennen kann. Erst später wurde es senkrecht an einem Pfeiler des Mittelschiffs angebracht, 1834 wurde es mit Ölfarbe angemalt.
Das erste direkt an der Wand angebrachte Grabdenkmal war das von Erzbischof Konrad II. von Weinsberg († 1396). Die Denkmäler seiner Nachfolger im 15. Jahrhundert gehören zu den qualitativ hochwertigsten. Zu nennen sind vor allem die Grabdenkmäler der Erzbischöfe Johann II. von Nassau und Konrad III. von Dhaun.
Am Übergang von der Spätgotik zu Renaissance sind zunächst die Grabdenkmäler des Erzbischofs Berthold von Henneberg bemerkenswert, der sich als erster vermutlich schon zu Lebzeiten gleich zwei Denkmäler hatte anfertigen lassen. Die Grabplatte besteht aus damals überaus teurem roten Marmor und wurde mit einer sich von anderen Grabdenkmälern abhebenden Qualität angefertigt. Bemerkenswert ist auch das Denkmal Erzbischof Uriels von Gemmingen. Es ist gänzlich anders gestaltet als alle anderen Grabdenkmäler, da es den Erzbischof nicht in herrischer Pose, sondern demütig unter einem Kreuz kniend darstellt.
Endgültig zur Renaissance zählt das Grabdenkmal des Erzbischofs und Kardinals Albrecht von Brandenburg. Albrecht war gleichzeitig Erzbischof von Mainz und von Magdeburg, weswegen er auf seinem Grabdenkmal zwei Pallien trägt. Auch Albrecht hatte sich neben dem Denkmal noch eine Grabplatte anfertigen lassen, welche heute in unmittelbarer Nähe des Denkmals hängt. Als einzige ihrer Art im Mainzer Dom ist ihre Inschrift in deutscher Sprache verfasst. Die Formensprache und Farbgebung des Albrecht-Monuments findet sich auch - da vom selben Künstler stammend - beim Denkmal seines Nachfolgers Sebastian von Heusenstamm.
Das letzte dieser Denkmäler, die den Verstorbenen als Statue zeigen, ist das von Erzbischof Damian Hartard von der Leyen. Danach werden auf den Denkmälern - falls sie noch aus einer figürlichen Darstellung bestehen - nur noch Szenerien dargestellt. So zeigt zum Beispiel das einzige Denkmal eines Laien den 1689 gefallenen Reichsgrafen Karl Adam von Lamberg, wie er aus dem Sarg zur Auferstehung steigt. Aus dieser Epoche, die dem Barock bzw. dem Rokoko zuzuordnen ist, stammt auch das mit 8,33 m größte Grabdenkmal das Domes, welches den Dompropst Heinrich Ferdinand von der Leyen darstellt.
Um 1800 begann man dann, sich wieder auf mittelalterliche Vorbilder zurückzubesinnen. Die Grabdenkmäler wurden nun auch wieder als Tumben mit Reliefs gestaltet, wie das des bedeutenden Mainzer Bischofs Wilhelm Emmanuel von Ketteler. Ab 1925 wurden alle Bischöfe in Grabnischen in der dafür neu geschaffenen Westkrypta begraben.
Der Dom weist zwei Krypten und eine unterirdische Kapelle auf.
1547 baute man auf den Westlettner eine weitere Orgel, die bereits 1560 zusammen mit der Langhausorgel restauriert werden musste. Die Arbeiten wurden von Veit ten Bent ausgeführt, der im Anschluss daran 1563 gleich eine ganz neue Orgel für das Langhaus baute. Diese Orgel bestand aus Hauptwerk, Rückpositiv und Pedal und wurde als so genannte „Schwalbennestorgel“ im Mittelschiff gegenüber der Kanzel aufgehängt.
Der Dekan des Johannesstiftes, Johann Ludwig Güntzer, stiftete 1702 eine neue Orgel für den nunmehr barocken Westlettner, die nach ihm benannte Güntzersche Chorettenorgel. Sie wurde 1792 abgerissen und zum Teil in andere Orgelbauten in Hochheim und Miltenberg ausgelagert. 1793 beschossen die Preußen das französisch besetzte Mainz und zerstörten dabei auch die Langhausorgel Veit ten Bents. Nach dem Wiederaufbau des Domes 1803 wurde zumindest aus den Resten der Güntzerschen Orgel eine neue Orgel - diesmal auf der nördlichen Chorette des Westlettners - aufgestellt.
1866 wurde in den Westchor eine neue Chororgel eingebaut, die über 10 Register verteilt auf je ein Manual und Pedal. 1899 wurde dieser Orgel ein weiteres Manual hinzugefügt. Die Orgel wurde auf der Südseite des Westchores hinter das Chorgestühl verlegt, wobei der Spieltisch zwischen die Sitzreihen verlegt wurde, wo sich auch heute noch der Spieltisch der Westchororgel befindet. Während den Sanierungsarbeiten im Dom in den 20er-Jahren des 20. Jahrhunderts wurde die Schlimbach-Orgel so stark beschädigt, dass ein Neubau beschlossen wurde, den die Fa. Klais durchführte. Diese Orgel verfügte über 75 Register auf vier Manualen und Pedal. Sie hatte Kegelladen und Registerkanzellen mit einer elektro-pneumatischen Traktur. Sie wurde aus Denkmalschutzgründen komplett hinter dem Chorgestühl aufgestellt, was akustisch sehr ungünstig war. Schon 1960 entschied man sich daher zum Umbau.
Dabei gliedert sich die Orgelanlage in drei große Teile
Bedingt durch die schwierige Akustik im Dom, welche sich durch die vielen Anbauten (vor allem der gotischen Kapellenreihen, s. o. Geschichte) ist es eine besondere Herausforderung, Domorganist in Mainz zu sein. Der Nachhall jedes angespielten Tones beträgt über sechs Sekunden, die im Osten angespielten Töne hört der Organist vom Zentralspieltisch aus nur mit kleiner Zeitverzögerung.
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