Die Main-Weser-Bahn ist die Eisenbahnstrecke von Frankfurt am Main über Gießen nach Kassel. Sie ist eine der wichtigsten deutschen Bahnstrecken. Der Abschnitt südlich Gießen ist KBS 630, der nördliche Abschnitt ist KBS 620.
Die Strecke ist nach heutiger Kilometrierung zwischen den Endbahnhöfen 199,8 km lang. Die Streckenhöchstgeschwindigkeit beträgt 160 km/h, wird aber nur auf dem Südabschnitt sporadisch erreicht.
Für die seit 1838 erwogene Errichtung der Main-Weser-Bahn konnten nach langen, seit 1841 geführten und mehrfach unterbrochenen Verhandlungen erst am 6. Februar 1846 in einem Staatsvertrag zwischen der Freien Stadt Frankfurt, dem Großherzogtum Hessen (Darmstadt) und dem Kurfürstentum Hessen (Kassel) die Voraussetzungen geschaffen werden. Der Bau begann 1847 und gestaltete sich nicht einfach. Bedingt durch die Kleinstaaterei gab es drei Bauleitungen, jede zuständig für ihr Gebiet. Im Südabschnitt sah das folgendermaßen aus: Die Strecke verlief nach der Ausfahrt aus dem Main-Weser-Bahnhof entlang der heutigen Friedrich-Ebert-Anlage, berührte das kurhessische Bockenheim, dann Frankfurter Gemarkung bei Hausen, kurhessische bei Eschersheim, wieder Frankfurter Gelände bei Bonames. Es folgte großherzoglich-hessischer Boden bis Friedberg, unterbrochen von einem Stück Frankfurter Gebiet bei Dortelweil. Bad Nauheim war wiederum eine kurhessische Enklave im großherzoglichen Oberhessen, durch das die Strecke bis hinter Gießen führte. Zudem ging dem Großherzog 1848 mal wieder das Geld aus. Trotzdem konnte der erste Abschnitt Kassel - Wabern bereits am 29. Dezember 1849 eröffnet werden. Fertiggestellt wurde die Strecke am 15. Mai 1852. Bis 1866 fuhren auch die Schnellzüge zwischen Frankfurt und Berlin über die Main-Weser-Bahn; diese Züge wechselten in Guntershausen, wo die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn die Verbindung zur Thüringischen Eisenbahn herstellte, die Fahrtrichtung. D-Züge von Frankfurt fuhren - über Kassel - bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges nach Berlin. Aber auch in den folgenden Jahren nahmen die DUS-Züge der Besatzungsmacht diesen Weg.
Der Abschnitt Treysa–Lollar war Bestandteil der als strategische Bahn gebauten Kanonenbahn Berlin–Metz.
Die Strecke war von Beginn an zweigleisig. In den 1960er Jahren wurde zunächst der Abschnitt Frankfurt - Gießen elektrifiziert; durchgehend elektrisch befahrbar war die Strecke ab dem 20. März 1967.
Auf der Main-Weser-Bahn verkehren die InterCity-Langläufer zwischen Karlsruhe bzw. Konstanz und Stralsund bzw. Hamburg-Altona, außerdem RegionalExpress-Züge zwischen Frankfurt und Kassel, RegionalBahnen zwischen Kassel und Gießen sowie Gießen und Friedberg.Es besteht außerdem ein S-Bahn Angebot zwischen Friedberg und Frankfurt. Zahlreiche Züge auf den in Marburg und Gießen abzweigenden Seitenstrecken haben außerdem einen gewissen Vor- oder Nachlauf auf der Hauptbahn. In Gießen finden Flügelungen von Zügen statt.
Der Güterverkehr ist erheblich. Bemerkenswert sind darunter insbesondere zahlreiche Containerganzzüge und die häufigen Transporte von fabrikneuen Landmaschinen (Traktoren, Mähdrescher) aller Art. Regelmäßig sind auch Militärzüge zu sehen.
Die Regionalbahn-Dienste auf der Main-Weser-Bahn werden größtenteils mit Wendezügen aus aufgearbeiteten Nahverkehrswagen („Silberlingen“), bespannt mit Elektrolokomotiven der Baureihe 143, gefahren. Einige Regionalbahnen, vor allem die auf Seitenstrecken abzweigenden, werden mit Dieseltriebwagen der Baureihe 628/928 bedient. Auf dem S-Bahn-Teilstück südlich Friedberg fahren S-Bahn-Triebwagen der Baureihen 423.
Bei den Regionalexpress-Zügen handelt es sich fast ausschließlich um Wendezüge aus Doppelstockwagen; Bespannung ist hierfür üblicherweise die Elektrolok Baureihe 111, selten der Baureihe 110. Es kommen allerdings auch längere Silberling-Züge im RE-Dienst zum Einsatz.
Die InterCity-Garnituren sind die üblichen Wendezüge aus InterCity- und ehemaligen InterRegio-Wagen mit Elektrolokomotiven Baureihe 101 oder (seltener) Baureihe 120.
Zwischen Cölbe und Marburg, teilweise auch Gießen, sind Dieseltriebwagen der Baureihe 628 anzutreffen, welche die Strecken nach Erntebrück / Frankenberg bedienen. Einige Züge der Strecke Bad Wildungen–Wabern (GTW) fahren auf der MWB bis Kassel.
Gelegentlich werden über die Strecke, bei Bauarbeiten auf der NBS Hannover–Würzburg, auch ICE-Züge zwischen Frankfurt(Main) Hbf und Kassel-Wilhelmshöhe, die nicht in Fulda halten, umgeleitet. Ein regelmäßiger ICE-Verkehr mit Halten in z.B. in Marburg oder Gießen wurde von seiten der Deutschen Bahn AG abgelehnt, da die Fahrtzeiten zu lange dauern und eine entsprechende parallele Route beireits durch Osthessen verläuft.
Was Güterzuglokomotiven und -wagen angeht, können zahlreiche Bauarten im Dienste verschiedener Eisenbahnverkehrsunternehmen beobachtet werden.
Zwischen Frankfurt und Friedberg teilen sich S-Bahn, Regionalverkehr, Fernverkehr und Güterverkehr die zwei Gleise der Main-Weser-Bahn. Um den Betrieb zu entzerren, soll die Strecke dort in den nächsten Jahren daher auf vier Gleise ausgebaut werden (siehe auch Mehrgleisigkeit).
Das Planfeststellungsverfahren für den ersten Ausbauabschnitt (Frankfurt-West bis Bad Vilbel, geplante Bauzeit vier Jahre) wurde am 13. Mai 2004 abgeschlossen. Eine Bürgerinitiative von Eschersheimer und Ginnheimer Anwohnern versucht zur Zeit, den Ausbau auf dem Rechtswege noch zu verhindern. Vorgebracht wurden dazu Natur- und Lärmschutzgründe: die Gleise verlaufen in diesen Stadtteilen streckenweise in unmittelbarer Nachbarschaft der Wohnbebauung und durchqueren auch ein Naherholungsgebiet. Von Befürwortern wird unterstellt, dass hauptsächlich der geplante Abriss von vier Häusern und die Enteignung etwa eines Hektars Gartenfläche Stein des Anstoßes sei.
Geltend gemacht wird außerdem, der Ausbau diene ausschließlich der Kapazitätsschaffung für den Güterverkehr und seine Förderung aus Steuermitteln für den Nahverkehr sei darum rechtswidrig. Befürworter behaupten, dass S-Bahnen im Mischbetrieb mit anderem Eisenbahnverkehr, so häufig sie auch vorkommen, grundsätzlich ein Provisorium darstellen würden und die Herstellung eigener S-Bahn-Gleise auf solchen Strecken in der Logik des Systems S-Bahn läge.
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