Magenkrebs.jpgMagenkrebs (Magenkarzinom) ist eine Krebserkrankung des Magens. Im Gegensatz zu den meisten anderen Krebsarten hat die Anzahl an Neuerkrankungen pro Jahr in den wesentlichen Ländern in letzter Zeit abgenommen. Hauptrisikofaktoren für die Entstehung eines Magenkrebs sind eine nitrosamin-reiche Ernährung sowie eine chronische Infektion mit Helicobacter pylori. Zentrale Bedeutung in der Diagnostik des Magenkrebs hat die Magenspiegelung (Gastroskopie). Mittels kleiner Gewebeproben, die im Rahmen einer solchen Untersuchung gewonnen werden, kann die Diagnose genau vom Pathologen gestellt werden. Bei Fehlen von Metastasen (Tochtergeschwulsten) ist die Therapie der Wahl die operative Entfernung des Magens (Gastrektomie) verknüpft mit einer Entfernung der lokalen Lymphknoten (Lymphadenektomie). In Abhängigkeit vom Tumorstadium erfolgt bei lokalem Tumorstadium eventuell zusätzlich eine Chemotherapie vor der Operation, eine sog. neoadjuvante Chemotherapie oder im Anschluß an die Operation (adjuvante Chemotherapie). Bei Vorliegen von Fernmetastasen ist keine heilende Therapie mehr möglich. In diesem Stadium wird bei Hinweis auf einer Behinderung der Magenpassage eine Umgehungsoperation (palliative Gastrektomie) durchgeführt. Bei Fehlen dieser Symptomatik wird in Abhängigkeit vom Allgemeinzustand des Patienten eine palliative Chemotherapie durchgeführt.
Epidemiologie
Das Magenkarzinom gehört zu den wenigen Krebsarten, deren Häufigkeit in westlichen Ländern in den letzten Jahren abgenommen hat. In einigen Ländern ist die Inzidenz (Anzahl an Neuerkrankungen pro Jahr) deutlich höher, was auf die Bedeutung der Ernährungsgewohnheiten hinweist (z.B. in Japan doppelt so hoch wie in Deutschland). Weitere Länder mit einer hohen Inzidenz für Magenkrebs sind China, Finnland, Chile, Kolumbien und Venezuela.
Im Jahr 2000 wurden in Deutschland 20.000 Fälle diagnostiziert. Männer sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Frauen. Der Häufigkeitsgipfel liegt jenseits des 50. Lebensjahres.
Risikofaktoren
Zu den Risikofaktoren von Magenkrebs zählen zum einen die Essgewohnheiten; vor allem übermäßiger Alkoholgenuß sowie der häufige Verzehr von geräucherten und stark gesalzenen Speisen (
nitrathaltige Speisen, dadurch Entstehung von
Kanzerogenen im Magen). Auch
Rauchen gehört zu den Risikofaktoren von Magenkrebs. Ebenfalls können bestimmte Formen von chronischer
Gastritis
(Magenschleimhautentzündung) oder
Magengeschwüre (
Ulkuserkrankung) das Risiko einer Erkrankung erhöhen. Als weiter wichtiger Risikofaktor wird die Infektion mit
Helicobacter pylori angesehen. Bei bestimmten Formen von Magenkrebs ist eine erbliche Vorbelastung ein Risikofaktor, Menschen mit
Blutgruppe A haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko.
Symptome
Magenkrebs verursacht im Frühstadium häufig keinerlei Beschwerden und wird auch häufig nur zufällig gefunden. Die folgenden Symptome können auf Magenkrebs hinweisen:
- Appetitlosigkeit / Müdigkeit / Schlappheit
- Übelkeit
- Druckgefühl im Oberbauch
- Oberbauchschmerzen
- starke Abneigung gegen Fleisch oder andere Speisen
- Häufige Blähungen
- schwarz gefärbter Stuhl bei Darmentleerung (Meläna), Bluterbrechen (Hämatemesis)
Untersuchung / Diagnose
Hinweise auf eine Tumorerkrankung kann bereits die
Ultraschalluntersuchung (Sonographie) geben. Die sicherste Methode zum Nachweis bzw. Ausschluss eines Karzinoms ist die
Gastroskopie (Magenspiegelung) mit
Gewebsentnahme und Untersuchung der entnommenen Gewebeprobe auf Krebszellen.
Röntgenuntersuchungen mit Kontrastmittel werden heute zunehmend unterlassen, da die Gastroskopie sicherere Ergebnisse erzielt. Zur Einschätzung der Ausdehnung des Tumors und eventueller
Metastasen (Staging) werden
Computertomographie oder
MRT eingesetzt. Tumormarker wie
CEA geben Hinweise auf die Verbreitung und werden zur Verlaufskontrolle regelmäßig bestimmt.
Fortgeschrittene Magenkarzinome metastasieren häufig über die Lymphbahnen in einen Lymphknoten über dem linken
Schlüsselbein, die sogenannte Virchow-Drüse, die dann vergrößert und hart erscheint.
Beim Adenokarzinom des Magens unterscheidet man v.a. den intestinalen Typ vom diffusen Typ (nach Laurén). Letzterer ist seltener und bedeutend ungünstiger für die Prognose des Patienten. Viel seltener sind adenosquamöse Karzinome, Plattenepithelkarzinome und undifferenzierte Karzinome.
TNM-Klassifikation des Magenkrebs
Die TNM-Klassifikation dient der Charakterisierung des Tumors (sog. Staging). TNM ist eine Abkürzung für
- T= Tumor: Ausdehnung des Primärtumors
- N= Nodus: Lymphknoten, Fehlen bzw. Vorhandensein von regionalen Lymphknotenmetastasen
- M= Metastasen: Fehlen bzw. Vorhandensein von Fernmetastasen
TNM-Klassifikation
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| T1
| Infiltration der Lamina propria oder der Tela submucosa (Synonym : Frühkarzinom)
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| T2
| Infiltration der Tunica muscularis oder Subserosa
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| T3
| Infiltration der Serosa ohne Infiltration benachbarter Organe
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| T4
| Infiltration von Nachbarorganen (Milz, Dickdarm, Leber, Zwerchfell, Bauchwand, Bauchspeicheldrüse,Nebennieren, Nieren, Retroperitoneum)
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| N1
| Metastasen in ein bis sechs lokalen Lymphknoten
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| N2
| Metastasen in sieben bis fünfzehn lokalen Lymphknoten
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| N3
| Metastasen in mehr als fünfzehn lokalen Lymphknoten
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| M1
| Fernmetastasen
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Therapie
Die wichtigste Behandlungsmaßnahme ist die möglichst vollständige Entfernung des Tumors durch eine Operation (teilweise oder vollständige
Magenentfernung). In einigen Fällen ist eine
Chemotherapie sinnvoll. Zusätzlich wird Immuntherapie (Aktivierung der körpereigenen Abwehrkräfte gegen den
Tumor) eingesetzt.
Vorbeugung
Da das Ernährungsprofil viele Risikofaktoren abdeckt, andererseits auch die protektive Wirkung von Obst- und Gemüse bekannt ist, sollten ungesunde Essgewohnheiten grundsätzlich umgestellt werden. Vor allem häufiger Fleischverzehr und gepökelte Nahrung sollten reduziert werden. Die Abgewöhnung von Rauchen ist der Gesundheit prinzipiell zuträglich.
Bei nachgewiesenem Befall mit Helicobacter pylori ist eine Eradikation (medikamentöse Beseitigung) anzustreben. Sollte Magenkrebs in der Familie verbreitet sein oder eine chronische Gastritis vorliegen, empfiehlt sich eine regelmäßige Magenspiegelung.
Beim Deutsches Krebsforschungszentrum geht man davon aus, dass der registrierte Rückgang (zwischen 1977 und 1997 um rund ein Viertel) der Magenkrebserkrankungen auf die massenhafte Verbreitung von Kühlschränken und die ganzjährige Bereitstellung von frischem Obst und Gemüse und einem damit verbundenen Rückgang der Konservierung mittels Pökeln und Räuchern zurückzuführen ist.
Prognose
Da Magenkrebs in der Regel erst in weit fortgeschrittenen Stadien diagnostiziert wird (70% aller Fälle werden bei Tumorstadien III und IV erkannt), ist die Sterberate insgesamt gesehen leider relativ hoch. Bei frühzeitiger Erkennung (Stadium I) beträgt die 5-Jahresüberlebensrate 65%-80%, bei fortgeschrittenen Krebsstadien sinkt sie dramatisch
*. Sollte man die ersten fünf Jahre überleben, besteht eine 50 - 90 prozentige Chance den Krebs zu besiegen.
Informationen für Angehörige der Betroffenen
Es ist wichtig sich als Angehöriger über das Thema zu informieren. Nach der Entfernung des Magens erfolgt bei Betroffenen eine relativ radikale Lebensumstellung. So kann der Krebskranke nicht mehr im gewohnten Maße Nahrung zu sich aufnehmen, er muss z.B. öfter Mahlzeiten zu sich nehmen. Als Angehöriger sollte man ihm dabei unterstützen, seine Mahlzeiten so wie der Arzt es verschrieben hat, einzunehmen. Zudem muss die betroffene Person sehr häufig zum Arzt, da sein Magen nicht mehr in der Lage ist, bestimmte Nährstoffe zu empfangen. Hinzu kommt bei den meisten Magenkrebserkrankten eine
Depression, die sich sehr häufig durch Vernachlässigung der Mahlzeiten bemerkbar macht. Man sollte hierbei sehr viel Geduld mit dem Betroffenen besitzen und auch über seine Probleme und Befürchtungen offen miteinander reden. Nicht zu vernachlässigen ist, dass die Erkrankung nicht nur den Betroffenen belastet, sondern auch sein näheres Umfeld. Diese Belastung ist auf Dauer für die meisten nicht zu ertragen, deswegen ist es nicht verwerflich wenn man sich ab und zu Pausen gönnt.
Weblinks
Krebserkrankung
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