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Der Magdeburger Dom ist ein gotischer Dom in Magdeburg. Er ist dem heiligen Mauritius und der Heiligen Katharina von Alexandrien geweiht.
Geschichte
Mittelalter
Der Dom ist das älteste gotische Bauwerk auf deutschem Boden. Er wurde – mit mehreren und teilweise recht langjährigen Unterbrechungen – in 311 Jahren Gesamtbauzeit zwischen 1209 und 1520 errichtet. Er ist nicht der höchste, aber vom baulichen Volumen her der größte Sakralbau in den Neuen Bundesländern und gehört zu den wenigen gotischen
Kathedralen
Europas, die in allen wesentlichen Teilen noch in der
mittelalterlichen Epoche fertiggestellt wurden. Durch den frühen Baubeginn ist der Magdeburger Dom auch eines der bedeutendsten Beispiele für den Übergang von der
Romanik zur Gotik, der sich hier schon in der ersten Hälfte des 13. Jahrhundert vollzog. Mit den von
Otto dem Großen gegründeten Vorgängerbauten (
Mauritiuskloster ab 937 und ottonisch-romanischer Dom ab etwa 955) hat das Gotteshaus eine fast 1100-jährige Geschichte. Bis zum Untergang des alten
Erzbistums Magdeburg war er katholische Bischofskirche. Seit 1567 ist er evangelisch.
Zerstörungen im 2. Weltkrieg
Im
Zweiten Weltkrieg wurde der Magdeburger Dom durch Bomben schwer beschädigt. Eine
Luftmine traf die Westfassade des Domes, die
Orgel wurde durch
Tieffliegerbeschuss zerstört. Die Beseitigung der Schäden dauerte bis 1955.
Nach 1989
Im Herbst 1989 wurde der Dom zum Ausgangspunkt der friedlichen Revolution in Magdeburg. Einen wesentliche Beitrag hierzu leisteten die Aufrufe zur Besonnenheit durch Domprediger
Giselher Quast und Dompredigerin
Waltraud Zachhuber. Seit 1997 werden für den Bau einer neuen Orgel Spenden gesammelt. Das von der Orgelbaufirma
Schuke zu erbauende Instrument wird voraussichtlich 2007 oder 2008 erstmalig im Dom erklingen. Neben seiner Funktion als Bischofskirche der
Evangelischen Kirchenprovinz Sachsen (EKKPS) mit etwa 533.000 Gläubigen (bis 2003) ist er auch “normale Pfarrkirche” für die seit 1869 bestehende Evangelische Domgemeinde. Seit dem Zusammenschluss der EKKPS mit der
Evangelisch-Lutherischen Kirche in Thüringen ist der Dom eine der beiden Hauptkirchen der neugebildeten
Föderation Evangelischer Kirchen in Mitteldeutschland (EKM). Der Dom wird jährlich von mehr als 100.000 Touristen besucht. Seit Frühjahr 2005 ist auch wieder ein Turm für Turmbesteigungen zugänglich.
Bauliche Angaben
Magdeburger Dom Grundriss.jpg
Der Dom ist 120 Meter lang und verfügt an der westlichen Seite über zwei Türme. Der Nordturm weist eine Höhe von 100,98 Metern, der Südturm von 99,25 Metern auf. Das Mittelschiff hat eine Höhe von knapp 32,0 Metern, die Breite des Querhauses beträgt 40 Meter. Insgesamt besteht ein umbauter Raum von 60000 Kubikmetern.
Die normale Bestuhlung des Doms umfasst 500 Sitzplätze, die auf bis zu 1700 erweitert werden kann. Die Zahl der möglichen Stehplätze beträgt 4500.
Glocken
Von den 10 bis 15 mittelalterlichen Glocken des Domes sind heute noch fünf erhalten, deren drei große eines der schwersten und größten Barockgeläute Deutschlands bilden.
- Die "Hosianna" (volkstümlich und inzwischen offiziell Susanne genannt, Schlagton e°, 8800 kg). Beim Umguss 1702 durch Johannes Jacobi warf König Friedrich I. eine Handvoll Dukaten in die glühende Glockenmasse.
- Die außerordentlich klangschöne "Apostolica" (Schlagton ais°, 4980 kg); ihr letzter Umguss erfolgte 1690 durch Jacob Wenzel aus Magdeburg.
- Die "Dominica" (Schlagton h°, 2600 kg) wurde 1575 von Eckhart Kucher aus Erfurt gegossen.
- Die "Schelle" (Schlagton f', 2000 kg) von 1396 wird im Oktogon des Nordturmes als Uhrglocke angeschlagen. Als Gebets- und Sakramentsglocke erklingt vom Dachreiter die älteste Glocke des Stadtkreises (13. Jh.) "Orate" (Schlagton e").
Kunst- und Kulturschätze
Unter seinen Kunst- und Kulturschätzen aus rund 1000 Jahren befindet sich auch das Grab Ottos I. des Großen (912–973, ostfränkischer König seit 936, römischer Kaiser ab 962) und seiner Ehefrau Editha, sowie zahlreiche Plastiken aus der Mitte des 13. Jahrhunderts. Zur reichhaltigen Ausstattung mit gotischen Skulpturen gehören auch die klugen und törichten Jungfrauen. Aus den Jahren 1927 bis 1929 stammt eine eindrucksvolle Holzskulptur von Ernst Barlach, sie ist den Opfern des Ersten Weltkrieges gewidmet und wurde in der NS-Zeit vorübergehend aus dem Dom entfernt.
Galerie
Bild:KBA Magdeburg Dom-01.jpg|Aufriss der Westfassade
Bild:Magdeburger Dom Querschnitt.jpg|Querschnitt
Bild:Cathedral of Magdeburg Inside.jpg|Innenansicht
Bild:Grave of Otto I, Holy Roman Emperor.jpg|Grab Ottos des Großen
Literatur
- Giselher Quast: Der Dom zu Magdeburg. Berlin und München 1991.
- Gisbert Porstmann: Das Chorgestühl des Magdeburger Domes. Ikonographie-Stilgeschichte-Deutung. Berlin 1997. ISBN 3931836134.
- Hans Michael: Das Chorgestühl im Magdeburger Dom. Leben-Jesu-Tafeln und Misericordien um 1360 und 1844. Norderstedt 2002. ISBN 3831138990.
- Giselher Quast, Hans-Jürgen Jerratsch, Constantin Beyer: Der Dom zu Magdeburg. München 2004. ISBN 3422063897.
- Der Magdeburger Dom. Herausgegeben vom Förderverein Dom zu Magdeburg. Spröda 2005. ISBN 3000152792.
Weblinks
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