Madame Bovary, in älteren Übersetzungen auch Frau Bovary, ist ein Roman von Gustave Flaubert. Er gilt als eines der großen Werke der Weltliteratur und wurde 1857 veröffentlicht.
Die Hauptperson des Romans ist Emma, die nach dem Tod der Mutter allein mit ihrem Vater auf dessen Hof lebt. Sie heiratet den Landarzt Charles Bovary, der die schöne, gebildete Frau verehrt. Sie verspricht sich von der Heirat ein gesellschaftlich aufregenderes Leben, ist dann aber rasch von dem Dorfalltag und ihrem eher einfach strukturierten Mann gelangweilt. Sie drängt ihn, seine einträgliche Praxis aufzugeben, um in eine größere Ortschaft umzuziehen. In Yonville angekommen, freunden sich beide schnell mit dem Apotheker Homais und dessen Familie an. In Homais’ Haus lebt auch der Kanzlist Leon, mit dem Emma eine Art Seelenverwandtschaft, begründet in ihrer beider Interesse für Literatur und Musik, verbindet.
Auch die Geburt der Tochter Berthe ändert nichts daran, dass Emma zunehmend unzufrieden ist, unter Depressionen und Stimmungsschwankungen leidet. Als Leon nach Paris umzieht, trauert sie ihm hinterher wie einer verlorenen Liebe und steigert sich als Kompensation in eine Luxussucht hinein, weshalb sie sich bei dem Händler Lheureux immer mehr verschuldet.
Sie lernt den Grundbesitzer Rodolphe kennen, der seinen Diener von Charles behandeln läßt. Bei einem Ausritt lässt sie sich von ihm verführen. Sie steigert sich in eine kopflose Liebe zu Rodolphe hinein, der in ihr allerdings nur eine nette Abwechslung sieht. Durch teure Geschenke für ihren Liebhaber und luxuriöse Kleidung und Einrichtungsgegenstände verschuldet Emma die Familie immer mehr und schreckt auch nicht davor zurück, Charles diesbezüglich zu hintergehen. Sie plant, mit Rodolphe zu fliehen, dieser verläßt sie allerdings kurz vor der geplanten Flucht, woraufhin Emma schwer erkrankt. Sie erholt sich wieder, und Charles fährt mit ihr zur Abwechslung ins Theater nach Paris, wo sie Leon wiedertreffen.
Sie beginnt eine Affäre mit Leon und lügt Charles vor, Klavierstunden zu nehmen, um ihren Geliebten treffen zu können.
Währenddessen hat der Händler Lheureux, dem sie zahlreiche Wechsel unterschrieben hat, diese weitergegeben. Den Bovarys droht die Pfändung, doch Emma belügt Charles noch immer und bittet Leon um das Geld, der ihr aber nicht helfen kann. Also sucht sie Rodolphe auf und bietet sich diesem sogar an, allerdings kann oder will auch er ihr nicht aus der finanziellen Notlage helfen. In ihrer Verzweiflung verschafft sich Emma mit einem Trick Zutritt zu dem Giftraum des Apothekers Homais, wo sie Arsen schluckt.
Nach einem grauenvollen Todeskampf stirbt Emma.
Charles kommt nicht über Emmas Tod hinweg, zudem sorgen die noch offenen finanziellen Forderungen und Pfändungen dafür, dass er mit Tochter Berthe bald in Schmutz und Armut lebt. Als er die Briefe von Leon an Emma findet, ist er endgültig ein gebrochener Mann und stirbt kurze Zeit später. Die Tochter wird zuerst zur Großmutter geschickt, die aber auch bald verstirbt, weshalb das Mädchen bei einer verarmten Tante landet, die es zum Geldverdienen in eine Baumwollspinnerei schickt.
Flaubert verzichtet in seinem Werk auf den Ich-Erzähler, wie er seit der Romantik vorherrschte. Er bedient sich einer auktorialen Erzählweise. Wichtig ist für ihn dabei die „impartialité“, die Unparteilichkeit des Erzählers. Er verzichtet also auf Kommentare, Bewertungen oder Schlussfolgerungen. Trotz der Wahl der neutralen Erzählsituation entsteht bei der Darstellung seiner Romanfiguren der Eindruck einer Innenperspektive, was das Resultat einer subtilen Leserlenkung ist. Ein Zitat Flauberts verdeutlicht seine Anschauungen über das Verhältnis von Autor/Erzähler und Roman: «L’auteur, dans son œuvre, doit être comme Dieu dans l’univers, présent partout et visible nulle part.» („Der Autor muss in seinem Werk wie Gott im Weltall sein, überall anwesend und nirgends sichtbar.“) (Brief vom 9. Dezember 1852)
Flauberts erzählerischer Realismus lebt von seiner Liebe zum Detail. Seine Beschreibungen sind dabei so gut formuliert und miteinander verbunden, dass der Leser scheinbar seine eigenen Schlüsse über die beschriebenen Personen oder Gegenstände zieht. Bereits in der ersten Szene beschreibt Flaubert die Mütze des Schülers Charles Bovary auf eine Art, dass man den Menschen, der so etwas trägt, genau zu kennen meint. Interessant hierbei ist noch, dass Flaubert selbst es strikt ablehnte, seine Romane dem Realismus zuordnen zu lassen.
Außerdem kann Flaubert Szenen schildern, die es Kommentare durch einen Erzähler überflüssig machen. Bei einem Dorffest etwa hält einer der Honoratioren eine Rede auf langgediente Hausangestellte. Diese Rede wird immer wieder vom Gebrüll einer Kuhherde unterbrochen. So muss nicht mehr ausgesprochen werden, was der Mann in Wahrheit von den Hausangestellten hält.
Flauberts Roman ist eine schneidende Kritik am Bürgertum des Zweiten Kaiserreichs, das seine fortschrittlichen Ideen aufgegeben hat und sich einem leeren Ehrgeiz hingibt. Emmas Suche nach Liebe muss in diesem Milieu scheitern. Aber selbst ihre Gefühle sind nicht authentisch, sondern folgen der Schablone der Romane, die sie in ihrer Jugend las. (Siehe auch: Verführungsroman)
Der Roman wurde mehrfach verfilmt:
Es ist übrigens fraglich, ob Flaubert einer Verfilmung seines Werkes zugestimmt hätte. In seinem Roman „Salambo“ verbat er sich sogar Illustrationen, weil diese die Realität des Romans nicht wiedergeben könnten. Chabrol jedenfalls ist der Meinung, Flaubert hätte diesen Film gemacht, wenn ihm die Mittel zur Verfügung gestanden hätten.
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