Maat ist ein vielschichtiges Wort aus dem Ägyptischen, das einerseits einen personalen Charakter hat, andererseits jedoch ebenso für ein Prinzip steht. Die Übersetzung gestaltet sich mit Gerechtigkeit (kopt. me, mei) und Wahrheit, wie aber auch z. B. mit Weltordnung als schwierig, denn diese drei Begriffe fallen in der ägyptischen Sprache zusammen.
| Namens- und Schreibvarianten | |
|---|---|
| Ideogramm | |
| oder | Feder der Maat |
| oder mit Determinativ | |
| dito auch | |
| in Transkription | |
| auf Deutsch | Maat |
Maat ist eine Göttin der ägyptischen Mythologie. Sie wird durch eine junge Frau mit einer Straußenfeder auf dem Kopf symbolisiert und verkörpert das Gleichgewicht der Welt und ihre Ordnung. Wie die Themis blind dargestellt wird, so findet sich auch Mat einmal mit verbundenen Augen. Maat taucht zuerst als untergeordneter Begriff beziehungsweise Gottheit in den Legenden um Re auf und trat erst später als eigenständige Gottheit hervor. Das ist möglicherweise ein Grund, warum sie nicht in der göttlichen Neunheit vertreten ist.
Oft taucht auch der Begriff der Maa.tj auf, "die beiden Maat". Zuordnungsversuche wie beispielsweise einer für die innere und eine für die äußere Ordnung konnten sich in der Forschung nicht durchsetzen. Auch der Ursprung dieser Verdoppelung ist nicht geklärt.
Maat ist eine Schwester namens Isfet zugeordnet, die für Chaos steht. Diese ist gewissermaßen eine negativ besetzte "Gegengottheit". Obwohl Isfet gefürchtet wird, weil sie Leid und Verwüstung mit sich bringt, wird ihre eigentliche Existenz jedoch nicht in Frage gestellt, da beide Aspekte, das Positive und das Negative, vorhanden sein müssen, damit ein Gleichgewicht bestehen kann.
Maat bezeichnet ebenfalls das Prinzip der kosmologischen Ordnung. Nur dank der Maat geht die Sonne auf und nur dank ihr ist Leben möglich. Maat bezeichnet in diesem Sinne nicht nur das angestrebte Ideal der Welt, sondern in gewisser Weise ihren Ist-Zustand. Die Maat ist jedoch nicht nur ein unveränderlicher Zustand. Durch das menschliche Verhalten können die Waagschalen aus dem Gleichgewicht geraten und Isfet, also Chaos und Vernichtung, kommen über die Erde. Aus diesem Grunde ist es vor allem am wichtigsten, die Maat aufrecht zu erhalten.
Wie genau man die Maat im Einzelnen erhalten muss, ist Ägyptologen bis heute nicht ganz klar. Die Maat ist kein niedergeschriebener Kodex mit Geboten und Verboten, sondern vielmehr ein Gedankenkonzept. Die Gesetze der Maat haben sich mit der Zeit sicherlich verändert, sind jedoch nur indirekt erhalten.
Die Maat musste durch ein kompliziertes Geflecht gepflegt werden: zum Einen hatte der Pharao die Aufgabe, durch geheime Rituale und sein Verhalten die Weltordnung aufrecht zu erhalten. Zum Anderen musste auch jeder Ägypter, egal welchen Standes, sich den Regeln der Maat unterwerfen. Ansonsten brachte er Chaos und Vernichtung, wenn schon nicht über das ganze Land, so doch zumindest über sein eigenes Schicksal.
Diese Verhaltensweisen sind zwar religiös motiviert, doch greifen sie in sämtliche Lebensbereiche ein. Das macht es allerdings so schwer, sie genau zu lokalisieren. Einen Anhaltspunkt bieten die Weisheitslehren, beispielsweise des Ptahhotep oder Chnumhotep, doch auch Grabtexte geben Aufschluss wie beispielsweise das negative Sündenbekenntnis.
Der unterirdische Gerichtssaal, dessen Darstellung sich in den Papyrusrollen so häufig findet, heißt nach ihr mât mât ("Saal der beiden Wahrheiten", d. h. der Wahrheit oder Gerechtigkeit, die selig macht, und derjenigen, die verdammt).
Die Feder der Maat hat besonders für einen Toten große Bedeutung, der sich vor dem Gericht der Götter (dem Osiris vorsteht) für sein Leben rechtfertigen muss. Bei diesem Totengericht wiegt Anubis das Herz des Verstorbenen mit einer Waage gegen die Feder der Maat auf. Nur ein sündenfreier Mensch kann in das Jenseits eingehen. Die Bezeichnungen für Verstorbene, Gerechtfertigter oder wahr an Stimme, zeugen von der Wichtigkeit der Maat.
Ein leichtes Herz ist also schon zur Zeit der Pharaonen ein Sinnbild für ein gerechtes Leben. Uns bekannte Redewendungen wie schweren Herzens oder ein Herz aus Stein haben gehen folglich auf einen sehr alten Ursprung zurück.
Grundvorraussetzungen, wie das Herrschaftssystem oder ähnliches, entsprechen der Maat. Also ist Ägypten das einzige Land, das frei von Revolutionen ist. Zu Putschen kam es lediglich in den chaotischen Zwischenzeiten. Aber auch andere wesentliche Merkmale, wie der Kunststil oder die Begräbnispraktik, blieben eine erstaunlich lange Zeit konstant. Dies war in der - durch das Prinzip der Maat hervorgerufenen - Abneigung gegen Neuheiten begründet. Wenn Ägypter eine Technik fanden, die funktionierte, so wurde diese beibehalten und nur geringfügig (marginal) verändert. Jede Veränderung konnte nämlich auch eine Veränderung zum Negativen sein und damit Chaos hervorrufen. Aus diesem Grund blieben beispielsweise die medizinischen Kenntnisse, anfangs überragend im Vergleich zu anderen Völkern, schließlich hinter dem Entwicklungsstand z.B. der Griechen zurück. Erst mit den Ptolemäern kam es nicht nur in diesem Gebiet zu neuer Bewegung. Dieser Forschungsdrang, der der Maat so entgegensteht, ist einer der Gründe, warum es schwer ist, die Ptolemäer als Pharaonen und diese Epoche als ägyptisch zu bezeichnen.
Ägyptische Gottheit | Religiöse Ethik
Маат | Maat | Maàt | Maàt | Maat | Maat | Maât | Maat | Maat | Maät | Maat | Maet | Maàt | Маат | Maat | Maàt | Ma'at
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"Maat (Ägyptische Mythologie)".
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