Als Mobilfunk-Discounter bezeichnet man im Mobilfunkbereich solche Anbieter, die vergleichsweise günstige Gesprächsminuten ohne Gerätesubventionen anbieten und dabei über kein eigenes Mobilfunknetz verfügen, sondern als virtueller Netzwerk-Betreiber (MVNO - Mobile Virtual Network Operator) auf die Infrastruktur der großen Mobilfunk-Anbieter (MNOs - Mobile Network Operators) zurückgreifen.
Als Alternative zum Aufbau eines echten MVNO gilt die Nutzung der Dienste eines MVNE (Mobile Virtual Network Enabler), der tatsächlich (zumindest teilweise) in Infrastruktur investiert und diese dritten Unternehmen zur Nutzung anbietet, ohne dass diese selbst investieren müssten.
Mittlerweile hat sich eine Definition nach dem Marktangang durchgesetzt, nach der es zwei Typen MVNO gibt. Der Lifestyle-Anbieter, der sich auf bestimmte Ziel- und Kundengruppen konzentriert (z.B. Viva), und der Discount-Anbieter, der möglichst günstige Tarife bei wenig Aufwand anbietet (z.B. Aldi). In Deutschland haben sich besonders die Discount-Anbieter durchgesetzt.
Die Investition in den Aufbau eines eigenen Home Location Register (HLR), welche mehr Flexibilität hinsichtlich der Auswahl von Gastnetzen und Roamingpartnern brächte, wurde von den meisten im Markt präsenten Anbietern vermieden, weshalb die MVNO-Definition mittlerweile auch auf Mobilfunk-Service-Provider ausgedehnt wurde. Diese Reseller entsprachen jedoch noch nicht der Definition eines Discounters, da klassisches Laufzeitvertrags-Geschäft mit Gerätesubventionen und diversen besonderen Service-Leistungen (Added Value) betrieben wurde. Bekannte Non-Discount-MVNO in Deutschland sind Mobilcom, Debitel, Drillisch und VictorVox oder das nicht mehr am Markt agierende Quam.
Bekanntester deutscher MVNO war ab Ende 2001 bis Ende 2002 Quam, die bis zur Errichtung eines eigenen Netzes auf das Netz von E-Plus zugreifen wollten.
Durch eine Kooperationen von O2 mit Tchibo erfuhr der Markt 2004 in Deutschland einen ungeahnten Aufschwung, der mit Aldi im Jahr 2005 einen erfolgreichen Nachahmer fand. Nach dem Vertriebsstart vieler Mobilfunk-Discounter Ende 2005 überwiegen unter den MVNO die Discounter zwar zahlenmäßig als Anbieter, wenngleich Anfang 2006 auf Grundlage der Pressemitteilungen der Anbieter anzunehmen ist, dass hinsichtlich der Kundenzahlen die klassischen Non-Discount-Anbieter führen. Bei den Mobilfunk-Discountern handelt es sich meist um schlanke Startups (oft Tochtergesellschaften bekannter Firmen), deren Kernkompetenz außerhalb des Mobilfunkbranche liegt, die also vornehmlich marktseitig agieren (mit eigenen Tarif-Strukturen) und dabei ihre technische Komplexität auf ein Minimum reduzieren wollen und müssen.
Eine Grundgebühr, einen Mindestumsatz oder eine Mindestvertragslaufzeit werden nicht verlangt. Dafür gibt es bei einigen Anbietern Geringnutzungsgebühren oder Sonderkündigungsrechte bei zu wenig Umsatz. Darüber hinaus werden keine Subventionen für den Kauf eines neuen Mobiltelefons verrechnet, weshalb der Kunde ein SIM-lockfreies Mobiltelefon benötigt. Einige Anbieter sind zu diesem Zweck bereits Kooperationen mit Elektronik-Märkten oder Versandhandel eingegangen und bieten passende SIM-Lock-freie Mobiltelefone dazu an. Bei den Discountern des E-Plus-Netzes ist die Mailbox nicht deaktivierbar, was zur Folge haben kann, dass beim Anrufer Kosten entstehen und dem Mobilfunkbetreiber Einnahmen verschafft. Bei den Discountern im D1 -und o2-Netz ist die Mailbox zwar voreingestellt, kann jedoch vom Kunden deaktiviert werden.
Bei PostPaid-Angeboten erfolgt die Rechnungslegung lediglich elektronisch kostenfrei. Die postalische Zusendung einer gedruckten Rechnung wird optional lediglich gegen Aufpreis angeboten.
Ein weiteres Zuwachspotential ergibt sich in der Erschließung von bislang nicht zugänglichen Kundenkreisen. Mit komplett eingekauften Resale-Produkten, können A-Brands ihre bestehenden Kundenbeziehungen nutzen, um bislang nicht mobil telefonierende Kunden anzusprechen. Vergleichbar mit Call-by-Call-Telefonieanbietern und Internet-Zugangsprovidern existieren inzwischen vorgefertigte Konzepte, die den technischen Aufwand für die Bereitstellung einer neuen Mobilfunkmarke auf ein Minimum reduzieren. Der zu überwindende Markteintrittswiderstand besteht also in der Positionierung am Markt und dem Vertrieb des Produktes und nicht mehr in der technischen Abwicklung (Netzbetrieb, Logistik, Abrechnung), da dieser vom eigentlich Network-Operator (oder einem zwischengeschalteten Mobilfunk-Provider) als Vorleistung im Namen des Anbieters erbracht wird.
Die Discount-Anbieter treten mit ihren Tarifen als Zwischenhändler auf, kaufen bei den Netzinhabern Gesprächsminuten ein und geben sie anschließend an ihre eigenen Kunden weiter – natürlich mit einem kleinen Preisaufschlag. Mobilfunk-Discounter sind also nichts anderes als Zwischenhändler. Sie werden deshalb auch als Mobile Virtual Network Operators (MVNO) bezeichnet, also virtuelle Mobilfunknetzbetreiber.
Analysten sagen dem Segment der Mobilfunk-Discounter große Wachstums-Chancen voraus. In Ländern wie Dänemark und Schweden telefonieren 2005 bereits bis zu 20 Prozent der Handy-Besitzer zu Discount-Konditionen.
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