Der MAN gl oder auch MAN mil gl ist eine militärische Sonderentwicklung geländegängiger Lastkraftwagen für die Bundeswehr.
Zwei Jahre später im Jahr 1964 bildete sich das Gemeinschaftsbüro der deutschen Nutzfahrzeugindustrie unter der Führung von MAN. Die Firmen Klöckner-Humboldt-Deutz (KHD), Büssing, Krupp und Henschel waren ebenfalls am Projekt beteiligt.
Am 12. August 1964 erstellte das BWB die Forderungen für die 2. Generation. Die Spezifikationen für die sogenannte Folgegeneration waren weitgehend handelsübliche Fahrzeuge, uneingeschränkte Geländegängigkeit, schwimmfähig, permannenter Allradantrieb, Niederdruckreifen mit Notlaufeigenschaften, Stahlfahrerhaus, ABC-dicht, Vielstoffmotor und eine minimale Einsatzdauer von 10 Jahren.
Aufgrund zu hoher Beschaffungskosten und des neuen NATO-Standards wurden Schwimm-, ABC- und Vielstofffähigkeit sowie die Niederdruckreifen gestrichen und eine neue Forderung definiert. So wurde die Nutzlast für den Zweiachser auf 5 t gesteigert, die Wattiefe auf 1200 mm gesetzt, die Ladeflächehöhe auf 1650 mm angehoben, Deutz V8 Motoren mit und ohne Turboaufladung sowie Reifen mit einer Größe von 14.00 R 20 festgelegt. Diese so „abgespeckte“ Variante war allerdings noch immer zu teuer, um sie flächendeckend einzuführen. Nach weiteren Prüfungen teilte man das Projekt in handelsübliche Kraftfahrzeuge und militärische Sonderentwicklungen, sowie je nach Geländegängigkeit in 6 Kategorien.
Am 4. Dezember 1975 unterschrieb die Bundeswehr mit MAN den Serienvertrag über die Lieferung von den nun nochmals in 2 Kategorien unterteilten militärischen Sonderentwicklungen. So erfolgte am 29. November 1976 die Auslieferung des ersten Kategorie I MAN, des 10 t mil gl.
Fahrzeuge der Kategorie I A1.1 (KAT I A1.1) wie der 15 t mil gl „MULTI“ gehören zur sogenannten 3. Generation und sind Weiterentwicklungen, gehören aber noch immer zu den militärischen Sonderentwicklungen.
Vielfach sind die Fahrzeuge unter dem Begriff „5, 7, 10, 15-Tonner“ bekannt, dies bezeichnet die militärische Nutzlastklasse (max. Zuladung) und die Umgangssprache in der Bundeswehr für einen LKW.
Zur Selbstverteidigung verfügen die Fahrzeuge über ein Maschinengewehr MG3 montiert auf einer Drehringlafette.
Im Rahmen der Auslandseinsätze wurde einige Fahrzeuge zusätzlich mit einer modularen Schutzausstattung (MSA) gepanzert um den Schutz der Besatzung zu erhöhen. Neubauten der Generation 3 verfügen dagegen je nach Modell über eine sogenannte Fahrzeugschutzausstattung (FSA). Im Gegensatz zu MSA erhalten die Fahrzeuge wie beim ATF Dingo schon im Bau eine Schutzzelle und sind entsprechend darauf abgestimmt.
Eine Besonderheit bilden die „Spritbomber“ auf Basis des 5 t mil gl. Durch den Tankaufsatz (TA) mit Pumpe in der Konfiguration 4600 l und 2x 2300 l, überschreitet die Fahrzeuge um 1 t das zulässige Gesamtgewicht. Aufgrund von Tests und mit Zustimmung des Reifenherstellers erhöhte man den Reifendruck, um dies zu kompensieren. Alle Fahrzeuge besitzen darüber hinaus eine Ausnahmegenehmigung.
Ein Teil der LKW Typ 461 wurden mit einer 30 m Seilwinde der Fa. Rotzler ausgestattet und tragen zusätzlich ein kleines »w« im Namen, die Bezeichnung lautet dann 5 t mil glw. Die Zuglast der Seilwinde beträgt 5 t und das Seil kann jeweils nach vorne oder hinten gelegt werden. Die 2073 Fahrzeuge mit Winde gingen fast ausschließlich an das Heer.
In den Jahren 1986 bis 1993 hatte die Luftwaffe erneut Bedarf. Bei den Fahrzeugen, mit der Bezeichnung KAT I A1 eingeführten Folgegeneration des 5 t mil gl wurden die Mängel der ersten Version beseitigt und leichte Veränderungen vorgenommen. So wurde das feste Fahrerhaus modifiziert, um Motorwechsel zu beschleunigen. Aufgrund der Forderung zur Luftverladbarkeit in einer C-130 Hercules oder C-160 Transall erhielt das Fahrerhaus ebenfalls ein abschraubbares Hardtop.
Insgesamt fertigte MAN in den Jahren 1977 bis 1985 in der KAT I Version 5 Typen. Die Typen 452, 462 mit Seilwinde und 463 dienten als Pritschenfahrzeug, Geräteträger für die Aufklärungsdrohne CL289, als Geräteträger für das leichte Artillerie Raketen System (LARS) sowie bei den Pioniereinheiten als Zugmittel für den Minenverleger 85 (MiV85) und den dreiachsigen Flachbettanhänger 15 t. In der Version 453 baute MAN einen Dreiseitenkipper mit Seilwinde für die Pioniere und ein Containertransportfahrzeug für die Sanitäter. Der letzte Typ der Folgegeneration war ein Geräteträger für die Faltschwimmbrücken. Ausgerüstet mit einem Flachbett und verlängertem Radstand kann dieser Typ 455 alle Teile der Brücke und das Motorboot 3 tragen. Wie auch der Typ 462 verfügt dieses Fahrzeug über eine 5 t Seilwinde.
Insgesamt fertigte MAN 3500 Fahrzeuge der 7 Tonnen Klasse in der Version KAT I.
Wie auch beim 5-Tonner meldete die Luftwaffe zu Beginn der achtziger erneut Bedarf an. In den Jahren 1986 bis 1993 lieferte MAN Fahrzeuge in der verbesserten KAT I A1 Version für Patriot Flugabwehrraketensystem. Neben der Feuerleit- und Kampfführanlage diente der LKW als Transporter für die Lenkflugkörper.
Auf Basis des 10 t mil gl und glw wurden die LKW der erweiterten Folgeneration KAT I A1 entwickelt sowie die Folgegeneration 3 wie der MAN „MULTI“.
Angetrieben wird der vierachsige LKW von einem Deutz 8 Zylinder Dieselmotor mit 360 PS. Diese werden durch einen Abgasturbolader und Ladeluftkühler erreicht. Wie auch die 5, 7 und 10 t Klasse verfügt er über eine Seilwinde von Rotzler.
Mit der Einführung des Artillerieortungsradar COBRA am 19. Januar 2006 verwendet auch dieses System freigewordene Fahrgestelle der KAT I A1 Generation.
Wie auch bei den Fahrzeugen der Generation 2, sind diese im Baukastensystem aufgebaut. Um Kosten zu sparen, wurden alte Teile der Vorgänger weiter verwendet und verbessert, aber auch Neuentwicklungen verbaut. Modifikationen wurden am Fahrerhaus vorgenommen, aber auch die Bremsanlage wurde durch das Hinzufügen eines Retarders verbessert.
Die Beschaffung der Fahrzeuge bei der Bundeswehr erfolgt auftragsbezogen und nicht wie geplant im Austausch „alt gegen neu“.
Die Fahrzeuge der 15 t Klasse werden als Berge- und Abschleppfahrzeug, Wechselladersystem MULTI, sowie als Verleger und Transporter der Faltfestbrücke eingesetzt. Ein ebenfalls auf diesem Fahrgestell geplantes Brunnenbohrgerät für die Pioniere der Bundeswehr wurde nicht eingeführt. Der Prototyp ging an die Niederlande.
Ebenfalls entwickelte MAN für die amerikanischen Streitkräfte Zugmaschinen auf Basis des MAN gl für ihre Auflieger der Mittelstreckenrakete Pershing. Als Basis diente das KAT I-Konzept der Bundeswehr, jedoch wurde dies von den USA als unzureichend zurückgewiesen. Daraufhin modifizierte MAN die Fahrzeuge und verbaute einen wassergekühlten V10 Motor, größere 16.00"-Reifen und einen Motortunnel inklusive Kühlergrill. Diese so geänderten Fahrzeuge erhielten von MAN die Bezeichnung KAT 2, unabhängig zu der Kategorieeinordnung der Bundeswehr.