Das Münsterland ist eine Landschaft im nördlichen Nordrhein-Westfalen. Es kann entweder nach naturräumlichen oder geschichtlich-kulturlandschaftlichen Gesichtspunkten abgegrenzt werden.
Naturräumlich gesehen umfasst das Gebiet den nördlich der Lippe gelegenen Teil der Westfälischen Bucht. Der historische, ursprüngliche und geläufigere Begriff des Münsterlandes geht zurück auf das Oberstift Münster, das Kernland des früheren Fürstbistums Münster. Davon in gewissem Maße abweichend wird das Gebiet seit der Verwaltungsreform 1973 auch gelegentlich entlang den neuen Kreisgrenzen umrissen.
Das Regionalbewusstsein der Bevölkerung ist stark ausgeprägt und orientiert sich dabei nach wie vor eher an den historischen Grenzen. Verbindend wirken neben der langen gemeinsamen Geschichte v.a. das vorherrschende katholische Bekenntnis und der ländliche Charakter bei gleichzeitiger Ausrichtung auf die Großstadt Münster als geografischem, wirtschaftlichem, kulturellem und geistigem Mittelpunkt.
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Der Ostteil des Kreises Steinfurt, das Tecklenburger Land, ist aufgrund seiner Geschichte als mehrheitlich evangelische Grafschaft und seiner Lage am und jenseits des Teutoburger Waldes kein Bestandteil des historischen Münsterlandes. Zu jenem gehören dagegen Dingden im Kreis Wesel, Haltern und die nördlichen Stadtteile Dorstens im Kreis Recklinghausen, Selm, Werne und das nördliche Lünen im Kreis Unna, Bockum-Hövel und Heessen auf dem Stadtgebiet von Hamm, Teile von Lippetal im Kreis Soest sowie Harsewinkel und Benteler im Kreis Gütersloh.
Das Münsterland im naturräumlichen Sinne umfasst den tief gelegenen, nördlichen und mittleren Teil der Westfälischen Bucht in Unterscheidung zu den Hellwegbörden im Süden. Als wesentlicher Unterschied zu den bisher genannten Grenzziehungen endet der Raum im Norden und Nordosten am Fuße des Teutoburger Waldes, während im Süden mit der Lippe naturräumliche und historische Grenze ziemlich genau ineinanderfallen. Nach naturräumlichen Haupteinheiten untergliedert sich die Landschaft in das Kernmünsterland im zentralen Bereich, das Ostmünsterland am Oberlauf der Ems und das Westmünsterland an der deutsch-niederländischen Grenze. Dabei ist das Kernmünsterland, das auch als Kley-Münsterland bezeichnet wird, durch mergelige Lehmböden gekennzeichnet, wohingegen im Westmünsterland und im Ostmünsterland sandige Böden vorherrschen.
Die naturräumliche Abgrenzung steht in keinem Zusammenhang mit dem Regionalbewusstsein. Der ostwestfälische Kreis Gütersloh etwa liegt größtenteils im Naturraum Ostmünsterland, seine Bewohner verstehen sich jedoch nicht als Münsterländer, da in dieser Hinsicht die historische Zugehörigkeit entscheidend ist.
Bezieht man Tecklenburger Land mit ein, so ist der höchste Punkt des Raumes der Westerbecker Berg im Teutoburger Wald mit 223 m über NN. Ansonsten finden sich im Münsterland nur einzelne eher niedrige Höhenzüge, so die Baumberge westlich von Münster mit 187 m, die Beckumer Berge im Südosten mit 173 m und die Hohe Mark im Südwesten mit 146 m.
Die Landschaft ist von intensiver landwirtschaftlicher Nutzung geprägt, die aber relativ kleinteilig ist. Felder, kleine Wäldchen und Wallhecken ergeben ein abwechslungsreiches Bild, man spricht daher von der „Münsterländer Parklandschaft“.
Das zentral gelegene Münster ist die einzige Großstadt und beherrschende „Hauptstadt“ des Münsterlands. Annähernd 50.000 Einwohner oder mehr haben Rheine, Bocholt, Ahlen, Ibbenbüren, Gronau und Dülmen. Diese Städte verdanken ihr Wachstum und ihre heutige Größe der Industrialisierung, insbesondere der Textilindustrie. Bedeutend sind außerdem die heutigen Kreisstädte Borken, Coesfeld, Steinfurt und Warendorf sowie die alten Kreisstädte Ahaus, Beckum und Lüdinghausen.
Die wichtigsten Autobahnen sind die A 1, die A 31 und die A 43 in Nord-Süd-Richtung sowie die A 30 und A 2 in Ost-West-Richtung. Die Ems ist der bedeutendste Fluss der Region, der Dortmund-Ems-Kanal und der Mittellandkanal sind die wichtigsten Wasserstraßen. Der Flughafen Münster/Osnabrück (FMO) in Greven hat als Reise- und Geschäftsflughafen große regionale Bedeutung.
Das Münsterland besitzt ein dichtes Netz von Eisenbahnstrecken, von denen die so genannte „Rollbahn“ der ehemaligen Cöln-Mindener Eisenbahn-Gesellschaft von Wanne-Eickel über Münster nach Osnabrück die bedeutendste ist. Weitere wichtige Strecken sind die Baumbergebahn und die Dortmund-Gronau-Enscheder Eisenbahn.
Das Münsterland wurde seit etwa 500 n. Chr. vom Stamm der Sachsen besiedelt. Im Zuge der Sachsenmission Karls des Großen kam der Missionar Liudger 793 ins Münsterland und gründete in dem Dorf Mimigerneford ein Kloster (lateinisch: Monasterium); aus der lateinischen Bezeichnung leitet sich der heutige Stadtname Münster ab. Bereits 805 wurde Münster Bistum, 1170 bekam die Stadt Münster Stadtrechte. Münster gehörte wie andere Städte des Münsterlands zur Hanse. Größere Bedeutung hatte zu dieser Zeit auch das im äußersten Westen des Münsterlands gelegene Vreden, das im Jahr 839 erstmals urkundlich erwähnt wurde und 1252 die Stadtrechte erhielt. Die weltliche Stadt zählte zum Bistum Münster, während das hochadelige Damenstift dem Bistum Köln zugeordnet war.
Nach dem Sturz des Sachsenherzogs Heinrich und der Zerschlagung des Herzogtums Sachsens wurde das Münsterland zu einem eigenen Territorium, dem Fürstbistum Münster. Der Adel spielte eine große Rolle, noch heute zeugen zahlreiche Wasserburgen im Münsterland von dessen einstiger Bedeutung. Während der Reformationszeit erlebte die Stadt Münster die Herrschaft der Täufer, einer radikalen protestantischen Sekte. Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wurde das Münsterland immer wieder von den marodierenden Heeren der verschiedenen Kriegsgegner heimgesucht. Städte und Gemeinden wurden vielfach geplündert und niedergebrannt. Ein Teil des Westfälischen Friedens, der die Grundlage für die Staatsordnung der Neuzeit schuf, wurde in Münster ausgehandelt. Die Stadt war von den Kriegsheeren weitgehend verschont geblieben.
Das geistliche Territorium des Fürstbistums Münster wurde 1803 durch den Reichsdeputationshauptschluss säkularisiert. Nach kurzer Besatzungszeit durch die Franzosen fiel das Münsterland an Preußen. Im so genannten Kulturkampf im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts wehrte sich das durch und durch katholische Münsterland gegen die Eingriffe der preußischen Regierung unter anderem in das Schulwesen.
Ab 1850 begann im Münsterland die Industrialisierung. Vor allem die Textilindustrie war in der Region stark. Auf den Dörfern nahm die Armut wegen der steigenden Geburtenzahlen ständig zu. Das Land konnte seine Kinder nicht mehr ernähren, und so setzte eine starke Auswanderung vor allem in die USA ein.
Nach dem Ersten Weltkrieg hatte auch das Münsterland mit großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu kämpfen. Da die Bevölkerung vorwiegend katholisch war und deshalb die Zentrumspartei wählte, konnten die Nationalsozialisten erst allmählich Fuß fassen. Während der Reichspogromnacht wurden im Münsterland dennoch fast alle Synagogen zerstört. Die jüdischen Bürger wanderten aus oder wurden verschleppt, viele davon nach Riga. Einer der prominentesten Holocaust-Überlebenden ist der frühere Präsident des Zentralkomitees der Juden, Paul Spiegel. Er ist in Warendorf aufgewachsen.
Im Zweiten Weltkrieg wurde Münster durch Bomben schwer beschädigt, die Innenstadt war zu 91 Prozent zerstört. Durch den Zuzug von Flüchtlingen aus den ehemals deutschen Ostgebieten wuchs die Bevölkerung schnell. Heute ist das Münsterland eine prosperierende Region, in der die Landwirtschaft noch immer eine große, aber nicht mehr die zentrale Rolle spielt. Die mittelständisch geprägte Industrie sorgt dafür, dass die Arbeitslosenquote im Münsterland die niedrigste in Nordrhein-Westfalen ist.
Am 25. November 2005 kam es im Münsterland aufgrund eines Wintereinbruchs von bis dahin nicht verzeichneter Stärke zu einem massiven Verkehrschaos und zum größten Stromausfall in der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland. Teilweise fielen über 50 cm Schnee, der aufgrund der Nässe binnen kürzester Zeit gefror. Über 50 Strommasten knickten ein, weil das Gewicht der eisumkrusteten Leitungen bis zum achtfachen des rechnerisch zulässigen Gewichtes betrug. In der Folge kam es in weiten Teilen des Kreises Borken und Kreises Steinfurt zu Stromausfällen, die zum Teil mehrere Tage andauerten und wovon etwa 280.000 Menschen betroffen waren. Traurige Berühmtheit erlangte dabei die Stadt Ochtrup, die noch nach sechs Tagen nicht vollständig mit Strom versorgt werden konnte. Weit über 1000 Helfer waren im Einsatz, um die chaotischen Zustände in den Griff zu bekommen und den Menschen zu helfen. Der wirtschaftliche Schaden des Wintereinbruchs wurde dabei auf über 100 Millionen Euro geschätzt.
Im Münsterland spielt auch die Kohle (noch) eine gewisse Rolle. In Ibbenbüren wird derzeit in sehr großer Tiefe Kohle gefördert, dies soll auch für die nächsten Jahre so bleiben. Ein Kraftwerk unmittelbar bei der Zeche verbrennt einen großen Teil des geförderten Materials sofort. Die zweite große Zeche des Münsterlands, die Zeche Westfalen in Ahlen, wurde im Juni 2000 stillgelegt. Hier wurde einst die hochwertigste Kokskohle Deutschlands gefördert. Noch heute sind dort riesige Kohlevorkommen vorhanden. Paul_Bendix_Dülmen_Alte_Werkseinfahrt.jpg]]
Traditionell spielt die Textilindustrie in der Region eine große Rolle. Schon in vorindustrieller Zeit wurde hier Leinen hergestellt, das die so genannten „Tüödden“ bis in die Niederlande und nach Preußen brachten. Aus einem solchen Handelshaus ist zum Beispiel die Firma C&A entstanden, die noch bis vor kurzem ihren Familiensitz im münsterländischen Mettingen hatte, ihren Firmensitz allerdings mittlerweile nach Düsseldorf verlegt hat. Seit den 1950er Jahren ist die Textilindustrie allerdings mehr und mehr in die Krise geraten. Die Folge: In manchen Städten des Münsterlands ist die Arbeitslosenquote in den 1980er Jahren auf über 20 Prozent hochgeklettert.
Von dieser Strukturkrise hat sich die Region mittlerweile erholt. Nirgendwo in Nordrhein-Westfalen ist die Arbeitslosenquote niedriger als hier. Verantwortlich für diese Stabilität ist eine mittelständisch geprägte Industrie, die viele Branchen umfasst und deshalb relativ krisensicher ist.
Eine gewisse Bedeutung hat auch der Tourismus, der öffentlich gefördert wird. Das Münsterland ist eine ideale Reise- und Ferien-Region für Radfahrer, Wanderer und für Kanuten. Die „Regionale 2004“, eine regionale Strukturfördermaßnahme der NRW-Landesregierung, hat den Tourismus in den Emsstädten mit zahlreichen Projekten städtebaulicher und künstlerischer Art die Fortentwicklung des Fremdenverkehrs kräftig angekurbelt. Überdies bemüht sich die Region, insbesondere im Kreis Warendorf, den Reittourismus weiter voran zu bringen.
Alle bedeutenden Burgen, Schlösser und ehemaligen Adelssitze können mit dem Fahrrad auf der so genannten 100-Schlösser-Route erkundet werden.
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