Märtyrer (von griechisch martys – Zeuge; martyrion – Zeugnis. Allgemein bezeichnet martyrion eine Erklärung, die etwas bestätigt oder bekannt macht, oder die Dinge, die etwas bestätigen oder bezeugen. Im klassischen Griechisch bedeutet es auch Beweis.) sind Menschen, die um des Bekenntnisses ihres Glaubens willen den Tod erdulden.
Als Märtyrer in der weiteren Bedeutung bezeichnet man Personen, die nicht um ihres religiösen Bekenntnisses willen, sondern aufgrund einer andersartigen, zum Beispiel politischen Überzeugung Verfolgung und Tod erleiden.
Eine seit dem 17. Jahrhundert eingebürgerte Eindeutschung von "Märtyrer" ist "Blutzeuge", die im christlichen Bereich den Unterschied gegenüber religiösen "Bekennern" (Personen, die für ihr christliches Bekenntnis unblutige Verfolgung wie z. B. Haft und Verbannung erlitten) verdeutlichen soll. Das Wort "Blutzeuge" wurde später besonders von den Nationalsozialisten aufgegriffen; so wurde z.B. alljährlich am 9. November deutschlandweit der „Blutzeugen der Bewegung“ gedacht, die anderen am Hitlerputsch von 1923 beteiligten Nazis erhielten den „Blutorden“. Der Blutzeugenkult der NSDAP bestimmte auch das Datum für die Pogrome vom 9. November 1938, bei denen mehr als 400 jüdische Deutsche ermordet und 1400 Synagogen verbrannt wurden.
Als sicher gilt, dass in den Schriften des Neuen Testaments martys immer den Wort- bzw. Glaubenszeugen, der vom Glauben an Jesus Christus Zeugnis ablegt, bezeichnet. Personen, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden und des Todes sterben, werden im Neuen Testament noch nicht als Märtyrer bezeichnet, auch wenn sie wegen ihres Wortzeugnisses umgebracht werden. Vom neutestamentlichen Begriff des Zeugen bzw. des Zeugnisses her kann der Märtyrerbegriff daher nicht abgeleitet werden, auch wenn das, was später durch den Begriff Märtyrer bzw. Martyrium beschrieben wird, der Sache nach schon im Neuen Testament begegnet (z.B. Apg 7,54-60: Tod des Stephanus).
Um zu erklären, wie es zur Bezeichnung dieses Geschehens als Martyrium kommt, erwägt man unterschiedliche Einflüsse:
Noch bevor der Märtyrertod im Martyrium des Polykarp durch den Begriff des Martyriums bezeichnet wird, entwickelt Ignatius von Antiochien (Erstes Drittel des 2. Jahrhunderts n. Chr.) eine Theologie des Martyriums: Der Tod des Märtyrers entspricht dem Leiden und dem Tod Christi. Durch den Tod wird der Märtyrer zum Jünger Jesu, er erwirbt im Tod mit Jesus Christus die Vollendung und Auferstehung. Bedenkt man, dass Polykarp bereits vor Ignatius die Kreuzigung Christi als ein Zeugnis gegen die Irrlehre des Doketismus anführt, so könnte sich erklären, wie es in der Zeit zwischen Ignatius und dem Martyrium des Polykarp zur Ausprägung des Märtyrerbegriffs kommt.
Der Märtyrertod wurde als Bluttaufe bezeichnet, sollte selbst die Taufe, wenn diese noch nicht stattgefunden hatte, ersetzen und sofort zur vollen Seligkeit führen
Der erste christliche Märtyrer war Stephanus, der wegen seines Glaubens gesteinigt wurde (Apg 7,54-60). Seine Ermordung war das Signal zu einer großen Verfolgung der Christen in Jerusalem, an der sich Saulus besonders eifrig beteiligte.
Von den Martyrien zahlreicher frühchristlicher Märtyrer (z.B. Polykarp, Perpetua und Felicitas, Märtyrer von Scili, Cyprian, Maximilianus, Marcellus)sind Märtyrerberichte bzw. literarisch bearbeitete Akten des Prozesses überliefert. Für die ersten Jahrhunderte stellen diese oft wertvolle historische Quellen dar; die späteren Märtyererberichte (ab dem 4. Jhd.) sind dagegen überwiegend legendär.
Auf Anregung von Papst Johannes Paul II. (Apostolisches Schreiben: Tertio millennio adveniente vom 10. November 1994) hat die katholische Kirche am Ende des zweiten Jahrtausends eine Dokumentation aller Blutzeugen erstellt, um deren Zeugnis nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Das deutsche Martyrologium des 20. Jahrhunderts verzeichnet Lebensbilder von 700 Glaubenszeugen. Am Entstehen des Werkes haben über 130 Fachleute mitgewirkt.
Auch im Islam bedeutet das Wort Märtyrer: „der, der ein Zeugnis ablegt“. Heute wird Märtyrer nur in Verbindung mit militärischen Angelegenheiten gebraucht, der Islam sieht aber das Märtyrertum, als Einstellung und Haltung im Leben, viel weiter. So heißt es in einem authentischen Ausspruch des Propheten, dass ein jeder zu den Märtyrern dazugehört, der sein eigenes Heim, sein Vermögen, seine Familie (...) verteidigt. Das Märtyrertum hängt mit dem Tod zusammen. So kann es auch Märtyrer geben, die nicht einmal verletzt werden (ebenso Inhalt eines Ausspruches des Propheten).
Die schiitische Richtung des Islams kennt den Kult um die Schuhada („Märtyrer“), besonders in Gedenken an den Enkelsohn Muhammads, der im Kampf gefallen ist. Im Gedenken daran schlagen sich manche Schiiten selber und fügen sich Verletzungen zu. Zu einem Extrem wurde dieser „Märtyrerkult“ bei den „Hassasinen“ (Sinan der Alte vom Berg, Assassinen).
Im 21. Jahrhundert sehen sich zunehmend auch islamische Personen als „freiwillige Märtyrer“, die als Kämpfer in „Selbstmordkommandos“ für Terroraktionen ausgebildet und eingesetzt werden. Diese Täter gehen nach dem Rechtsverständnis einiger Muslime nicht durch Selbstmord in den Tod, sondern sterben im Kampf bzw. im „Glaubenskrieg“ (Dschihad) gegen die Ungläubigen. Auch Terroraktionen im Namen des Al Kaida Netzwerkes gehören hierzu. Wegen der mangelnden militärischen Möglichkeiten und der begrenzten Anzahl an Waffen und Munition sollen Märtyrer im Namen des Islam potentielle Feinde durch Selbstmordattentate bekämpfen. Meistens tragen die „Märtyrer“ einen Sprengstoffgürtel am Körper und führen diesen an ausgewählten Orten zur Explosion. Dabei nehmen sie keine Rücksicht auf zivile, möglicherweise auch muslimische Opfer. Die Täter werden von ihren Anhängern als „Märtyrer“ verehrt, und oft erhalten die Angehörigen aus verschiedenen Quellen finanzielle Entschädigungen.
Dieses Verständnis der militanten, extremistischen „Salafiya Jihadiya“ widerspricht dem orthodoxen, sunnitischen Islam und hat sich im 20. Jahrhundert entwickelt.
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