Als Lötschberglinie bezeichnet man die Schweizer Eisenbahnlinie (Kursbuchlinie 300), welche das Berner Oberland mit dem Wallis verbindet. Das Herzstück der Linie ist der 14'612 Meter lange Lötschbergtunnel. Die Linie ist aufgrund ihrer Doppelschleife (Kehrtunnel) an der Nordrampe, ihrer vielen Kunstbauten und der Südrampe im Rhônetal bei den Eisenbahnenthusiasten weltbekannt.
Startpunkt der Lötschberglinie ist der Knotenpunkt Spiez. Von da verläuft sie in Nord-Süd-Richtung durch das Kandertal über Frutigen-Kandersteg zum Lötschbergtunnel nach Goppenstein. Ab Hohtenn wendet sie sich in östlicher Richtung der Südflanke des Bietschhorn-Massivs entlang nach Brig hinunter.
Die Linie ist 74 Kilometer lang und eine Nonstoppfahrt mit einem Intercity-Zug dauert 56 Minuten (Fahrplan 2006).
Im Jahr 1891 erhielt eine kleine Gruppe namhafter Persönlichkeiten die Konzession für den Bau einer Eisenbahnlinie zwischen Spiez und Frutigen mit der Option einer späteren Verlängerung ins Wallis. Der Alt-Regierungsrat und ehemalige Oberrichter Wilhelm Teuscher, der geistige Vater der Lötschbergbahn, gelangte in einer Studie zur Ansicht, dass diese Bahn weiter nach Kandersteg und durch durch einen Scheiteltunnel unter dem Balmhornmassiv hindurch nach Goppenstein geführt werden könnte. Von dort konnte die Linie dank eines Lehnentrassees hinunter ins Rhônetal bei Visp zum Nordportal des geplanten Simplontunnels verlängert werden.
Am 25. Juli 1901 erfolgte die Eröffnung der Bahnlinie der Spiez-Frutigen-Bahn (SFB) als erste Etappe der Lötschberglinie.
Neben dieser Variante durch den Lötschberg plante die Kantonsregierung aber noch zweite Variante, eine Wildstrubelbahn über Lenk im Simmental und unter dem Wildstrubel hindurch ins Wallis bei Leukerbad.
Dank des Durchsetzungsvermögens des Pro-Lötschberg-Initiativkommitees wurde schliesslich die Linienführung durch das Kandertal beschlossen.
Am 27. Juli 1906 wurde die Berner Alpenbahngesellschaft Bern-Lötschberg-Simplon (BLS) gegründet, welche für den Bau und Betrieb zuständig sein sollte.
Auf den 1. Januar 1907 übernahm die BLS die als Zufahrtsstrecke dienende Spiez-Frutigen-Bahn.
Die ganze Bergstrecke wurde als niveaufreie Vollbahnstrecke geplant. Die Strecke wurde einspurig ausgeführt, aber bei der Gleislage wurde schon von Anfang an an eine mögliche Doppelspur gedacht und bei den Hochbauten und Tunnels wurden schon die notwendigen Vorarbeiten wie die Fundamentlegung durchgeführt. Die maximale Steigung wurde auf 27 Promille festgelegt und der minimale Kurvenradius auf 300 Meter.
Für den Bau der Strecke wurde auf beiden Seiten eine Baubahn mit 750 mm Spurweite erstellt.
Während des Baus der Lötschberglinie kam es zu mehreren tödlichen Unfällen.
Erwähnenswert ist auch der Lawinenniedergang vom 29. Februar 1908, welcher zwischen 7 und 8 Uhr abends stattfand. Durch den Zug der Gmeinlaui war eine Staublawine niedergegangen, die das nahe Hotel bei der Station Goppenstein nicht einmal berührte. Trotzdem wurde das Hotel, in welchem um die 30 Leute beim Nachtessen sassen, regelrecht weggefegt. Im einstürzenden Holzbau fanden elf Menschen sofort den Tod. Sie starben nicht an Verletzungen durch Trümmer, sondern erstickten am plötzlichen Luftdruck, der durch die Staublawine hervorgerufen wurde; sie sassen alle mit dem Gesicht in Richtung Lawine. All diejenigen, die mit dem Rücken zur Lawine sassen, wurden höchstens durch herumfliegende Trümmerteile verletzt. Eine zwölfte Person, Ingenieur Sylva, verstarb einige Tage später an den Verletzungen, die ein heruntergestürzter Heizkörper verursacht hatte. Am 24. Juli 1908 ereignete sich im Lötschbergtunnel ein Wassereinbruch, welcher 25 Menschenleben kostete. Nur drei Arbeiter dieser Schicht überlebten.
Am 4. Dezember 1911 verunfallte Ingenieur Hans Sieber von Worb BE tödlich, als er vom Pfeiler II des Lüegelkinnviadukt stürzte. Er war Bauführer der B.L.S. für das Baulos Hohtenn.
Am 10. Oktober 1912 stürzte im Viktoriatunnel an der Südrampe die Decke ein und riss das Lehrgerüst mit. Zwei Todesopfer waren zu beklagen.
Ursprünglich war geplant, die Linie am 1. März 1912 zu eröffnen. Dieser Termin musste aber wegen Zusatzarbeiten im Zusammenhang mit den Vorarbeiten für einen Doppelspurausbau zwei Mal verschoben werden. Am 15. Juli 1913 konnte die von Beginn an elektrifizierte Linie mit einem reduzierten Fahrplan dem Betrieb übergeben werden. Am 18. September 1913 konnte dann der definitive Fahrplan mit 7 durchgehenden Zügen Nord-Süd und 9 durchgehenden Zügen Süd-Nord, davon je vier internationale Schnellzüge, eingeführt werden. Zudem verkehrten noch einzelne Züge auf Teilstrecken der Linie.
Nordseite
Südseite
1 Durchstich des Dienstbahntrassee
2 Ersatz für die durch Bergdruck beschädigten Sevisteintunnel I + II
Der Rollmaterialpark bestand neben 420 Wagen aus 32 kleinen Vierkuppler-Dampflokomotiven mit beweglichen Achsen nach System Klein-Lindner, welche zwischen Juni und November 1907 von der deutschen Firma Orenstein & Koppel geliefert wurden. Die Züge erreichten eine Höchstgeschwindigkeit von 15 km/h und die monatliche Transportmenge belief sich auf durchschnittlich 13'000 Tonnen.
Die vom Ingenieur J. Seeberger erbaute Baubahn zwischen Frutigen und dem Tunnel-Nordportal bei Kandersteg hatte eine Länge von über 15 Kilometer und überwand dabei 429 Höhenmeter.
Der Unterbau der Baubahn war am 30. Juni 1907 vollendet und am 19. August gelangte die erste Dampflokomotive bis zum Portal des Tunnels.
Von der Baubahn führten unzählige Abzweigungen in Richtung der verschiedenen Baustellen der zukünften Linienführung der Hauptbahn, so unter anderem in Kandergrund, Blausee-Mittholz und oberhalb des Brühlstutzes.
Um die grosse Gefällstufe zwischen Blausee und Kandersteg überwinden zu können, mussten beim so genannten Brühlstutz mehrer Kehrschleifen und waghalsige Holzviadukte erstellt werden. Der eindrücklichste war der Aegertenviadukt mit einer Gesammtlänge von 126 Meter, welcher gleichzeitig eine Steigung von 57 Promille und einen Kurvenradius von 50 Meter aufwies.
Die Bauarbeiten für die Dienstbahn fielen länger als erwartet aus, da es aufgrund der Linienführung auf dem zukünftigen Trassee zu mehreren längeren Unterbrüchen kam, weil sich viele Dienstbahntunnel im Tunnelquerschnitt der endgültigen Bahntunnel befanden. Daneben erfolgten beim Bau der Einschnitte oft kleinere Hangrutsche, welche das Dienstbahntrassee in Mitleidenschaft zogen.
Endlich im August 1908, fast zwei Jahre nach Beginn der Ausbrucharbeiten am Südportal des Tunnels, konnte der erste Materialzug die gesamte Südrampe von Naters nach Goppenstein hinauf befahren. Bis dato musste das gesamte Baumaterial per Maultier oder mit mehrspännigen Fuhrwerken durch die enge Lonzaschlucht mühsam hinaufbefördert werden.
Der von der BLS erstellte Höhen-Wanderweg entlang der Südrampe der Lötschberglinie folgt auf gewissen Abschnitten dem einstigen Trassee der Baubahn, vor allem im Bietsch- und Baltschiedertal.
Zurzeit baut man an der „Neue Eisenbahn-Alpentransversale (NEAT)“, welche mittels eines Lötschberg-Basistunnels ab 2007 Frutigen mit Visp direkt verbinden wird. So gelangt das Wallis und das Berner Oberland zu einer Flachbahnverbindung.
Daneben bleibt der vom Bund subventionierte Autoverlad zwischen Kandersteg und Goppenstein bestehen und ersetzt den in den 70er-Jahren geplanten und nie gebauten Autobahntunnel der Nationalstrasse unter dem Rawilpass.
Der Fernverkehr wird ganz durch die SBB abgedeckt.
Die Anfahrstrecke von Spiez bis Frutigen ist gleichmässig mit einer Steigung von 15 Promille ausgelegt.
Die Strecke führt zuerst durch den 1986 auf 1'709 m verlängerten Hondrichtunnel hinauf ins Kandertal. Der Kander entlang gelangt man zur ehemaligen Kreuzungsstation Heustrich-Emdthal (km 5.1) auf 678 m ü. M., welche durch die Züge nicht mehr bedient wird. Bei km 6.8 folgt die Station Mülenen (692 m ü. M.), wo sich gleich neben dem Bahnhof die Talstation der Niesen-Standseilbahn befindet, welche Gäste bis auf den 2362 Meter hohen Niesen fährt.
Weiter der Kander entlang erreicht man bei km 8.2 das Dorf Reichenbach im Kandertal (706 m ü. M.). Hinter Reichenbach überquert man die Kander und gelangt in das sich weitende Frutigtal. Bei der ehemaligen Haltestelle Wengi wurde die Strecke in den Jahren 2005/2006 nach Osten verlegt und gestreckt und findet Anschluss an eine einspurige, unterirdischen Zufahrtsstrecke zum Lötschberg-Basistunnel, welche den Bahnhof Frutigen unterfährt.
Bei km 13.5 trifft man in Frutigen (779 m ü. M.) ein. Der Bahnhof wird bis 2007, der Eröffnung des Basistunnels, modernisiert und umgestaltet. So wird er für den Verkehr durch den Basistunnel fit gemacht, denn gleich südlich des Bahnhofes befindet sich das Nordportal des Tunnels und dieser ist mit zwei Zufahrrampen an den Bahnhof angeschlossen. Bald werden die Intercity und Güterzüge hier in den Berg veschwinden und erst in Raron im Wallis wieder ans Tageslicht kommen. Die Eiligen verpassen damit die eindrücklichen Kunstbauten und die Aussicht, welche man auf der Bergstrecke geniessen kann.
Nach dem Kanderviadukt folgt die Strecke dem rechten Talhang hinauf zur ehemaligen Haltestelle Kandergrund (km 17.4) auf 859 m ü. M. Nach der Haltestelle steigt die Linie immer weiter am rechten Talhang empor und durchfährt den 637 m langen Fürtenertunnel I. Anschliessend geht es durch den 19 langen Felsburgtunnel I und den 29 langen Felsburgtunnel II. Nach Ausfahrt aus dem Tunnel wechselt die Linie die Talseite und macht eine offene Kehrschlaufe durch das ganze Tal hinauf zum ehemaligen Station von Blausee-Mitholz (km 22.4) 974 m ü. M. Das Stationsgebäude wurde bei der Explosion eines Munitionsdepots am 19. Dezember 1947 vollständig zerstört und wurde 1948 neu aufgebaut. Mit der gleichen Steigung wie zuvor folgt die Strecke in entgegengesetzter Richtung (Süd-Nord) dem Berghang, durchfährt den 112 m langen Felsburgtunnel III und über den 76 m langen Felsburg-Viadukt. Danach folgt der 48 m lange Fürtenviadukt, der 510 m lange Fürtentunnel II, der 24 m lange Fürtenfluhviadukt und der 40 m lange Haltenwaldviadukt. Nun taucht die Bahn in den 1655 m langen Kehrtunnel ein, welcher die Fahrtrichtung wieder in nord-südliche Richtung bringt. Diesem schliesst sich der 72 m lange Ronenwaldviadukt an, gefolgt von den 59 respektive 58 m langen Ronenwaldtunnel I und II. Weiter führt die Strecke durch den 38 m langen Feschfluetunnel und führt auf die 433 m langen Horizontale der Ausweichstation Felsburg mit einem Doppelwärterhaus bei km 27.1 auf 1085 m ü. M. Danach geht es wieder in die übliche Steigung mit 27 Promille durch den 50 m langen Rotbachtunnel und anschliessend über die 36 m lange Rotbachbrücke. Nach zwei weiteren Tunnel, dem 106 m langen Hemligen-Tunnel und dem 1536 m langen Rietschuktunnel, und der Überquerung der 70 m langen Sarenbgrabenbrücke und der 22 m langen Unteren Kanderbrücke gelangt man in die 842 m lange Horizontale der Station Kandersteg (km 31.5, 1'176 m ü. M.).
Kandersteg konnte vor dem Bau der Lötschberglinie vom Wallis her nur zu Fuss über den Gemmipass oder den Lötschenpass erreicht werden. Nordwestlich des Bahnhofes befinden sich die Warteräume und Verladerampen für die durch die BLS betriebenen Motorfahrzeug-/Autozüge von Kandersteg nach Goppenstein/Brig.
Vom Bahnhof Kandersteg führt die Linie entlang der jungen Kander und der Haltestelle Scout (bekannter Lagerplatz der internationalen Pfadfindervereinigung) nach zwei Kilometer zum Nordportal des Lötschbergtunnels. Hier findet man rechterhand noch einige Abstellgleise für Autotransportwagen.
Der Lötschbergtunnel war als Tunnel von 13'744 Meter Länge geplant, musste aber wegen einem Wasssereinbruch unter dem Gasterntal sowie wegen der Tunnelportalverlegung in Goppenstein und Kandersteg auf 14'605 Meter verlängert werden.
Siehe auch: Lötschbergtunnel
Die grösste Höhe erreicht die Linie im Scheitelpunkt des Tunnels auf 1'240 m ü. M., dem höchstgelegenen normalspurigen Alpendurchstich. Zudem wird im Tunnel die Kantonsgenze Bern-Wallis passiert.
Nach ca. 8 Minuten Zugsfahrt im Dunkeln (der Streckenwärter braucht zu Fuss ca. siebeneinhalb Stunden) erreicht man das Südportal in Goppenstein bei km 48.8 auf 1'176 m ü. M..
Im Bahnhof Goppenstein findet man wegen der Talenge eine mit Kunstbauten ausgeführte Autoverladeanlage.
Da zwischen dem nordseitigen Portal des Mittalgrabentunnels und dem südlichen Portal des Hohtenntunnels die zweite Spur durch den bergseitigen Mittalgrabentunnel II geführt wird, sind auf der alten Strecke die Vorarbeiten von 1913 zur Doppelspur erhalten geblieben und man kann die nur teilweise ausgebrochnen Tunnelsohlen erkennen. Auch auf dem Wolfgrabenbühlviadukt befindet sich die neue Spur im Gegensatz zu der restlichen Strecke bergseitig.
Nach der Station Hohtenn beginnt ein Gefälle mit 23 Promille. Kurz danach geht es über den 123 m langen Luegelkinnviadukt, welchem der 107 m lange Schluchitunnel folgt. Danach geht es durch den 271 m langen Lidenplattentunnel, über die 97 m lange Jiollibachbrücke zum 377 m langen Blasbodentunnel. Später kommt der 589 m langen Bietschtaltunnel I, taucht dann schnell auf, um nach passieren des eisernen Bietschtalviaduktes gleich wieder in den 952 m langen Bietschtaltunnel II einzutauchen. Nach einem Wärterhaus kann man zwei zugemauerte Tunnel erkennen, den 47 m langen Sevisteintunnel I und den 96 m langen Sevisteintunnel II. Diese zwei Tunnel mussten schon 1915 aufgegeben werden und wurden durch den 407 m langen Sevisteintunnel III ersetzt. Nun folgt der 16 m lange Mahnkinnviadukt und der 385 m lange Mahnkinntunnel. Nach dem 172 Meter langen Dorentunnel geht die Linie in die 512 m lange Stationshorizontale von Ausserberg über (km61.2) 932 m ü. M.
Ab Ausserberg geht es mit 24 Promille Gefälle weiter zum 36 m lange Bordviadukt, dann durch den 148 m lange Bordtunnel und durch den 28 m kurzen Viktoriatunnel. Nach der 106 m langen Baltscheiderbrücke kommt der 792 m langen Eggerbergtunnel, inwelchem schon die Haltestelle Eggerberg (km 67.3) 801 m ü. M. beginnt. Unterhalb der Haltestelle kann man Visp mit seinen Industrien der Lonza erkennen und erhält einen Einblick ins gegenüberliegende Mattertal Richtung Zermatt.
Etwas weiter nach Eggerberg erreicht man den 133 m langen Stadeltunnel, gefolgt vom 75 m langen Finnengrabenviadukt und schon bald beginnt die 500 m lange Horizontale der Station Lalden (km 67.3) 808.7 m ü. M.
Für die restliche Strecke hinunter Richtung Brig mussten mit dem Doppelspurausbau viele Lehnenviadukte erstellt werden, um das Trassee abzustützen. Bei 22 Promille Gefälle folgt zuerst der Lehnenviadukt Eggetli, dann der 80 m langen Badtunnel und danach die Lehnenvidukte Badtunnel, Lieltenen, Mundertrieste und Hutstein. Daran anschliessend die 46 Meter lange Mundbachbrücke und der 88 m lange Mundbachtunnel. Für die nächsten 1.6 Kilometer stützen die Lehnenviadukte Drieste das Trassee bis fast zum Talboden des Rhonetals. Kurz vor dem Endziel führt die Linie ohne Gefälle über die 88 m lange Rhonebrücke, vereinigt sich danach mit der Bahnlinie von Genf-Lausanne und führt in den Bahnhof von Brig (km 74.4) 678 m ü. M.
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