Das Lustprinzip ist eine Theorie, die Sigmund Freud auf dem Wege der Traumanalyse gewann und formulierte. Entgegen einem weit verbreiteten Irrtum bezieht er das Lustprinzip in seinen jüngeren Werken nicht mehr nur auf das Streben nach „sexueller“ Lust, sondern kommt zu dem Ergebnis, daß es für jede Art von Bedürfnissen oder Mängeln, die das Lebewesen um sich und seine Art zu erhalten ausgleichen muß, maßgeblich ist. Das Lustprinzip wirkt demnach auch in dem Bedürfnis nach Nahrungsaufnahme, welches unmittelbar nur der Lebenserhaltung des sich lustvoll ernährenden Organismus dient. Sexuelle Lustbefriedigung hingegen steht im Dienste der Vermehrung, Geiste Lust in dem der Erkenntnis.
Die kindlichen polimorph-perversen Regungung äußern sich Freuds Ansicht zufolge nicht nur in der Befriedigung über die Geschlechtsorgane: Onanie bereits in der Wiege, 'Doktorspiele', sondern ganz allgemein in jeder Form des Lustgewinns durch Körperkontakt, Haut an Haut zu mehreren, allein an Gegenständen sich reiben, Saugen, Nuckeln mit und ohne Nahrungsaufnahme, Ausscheidung, Nasebohren usf. alle weiteren denkbaren der vielgestaltigen, damals so genannten 'Perversionen ' / ein Begriff also, der von Freud nie wörtlich verstanden wurde (lat. pervere: verdreht, unnatürlich, abartig. Griech.: poli: viel und morphéin: Gestalt), und dessen Verwendung heute in diesem Zusammenhange überholt ist.
Nicht zu dem vielgestaltigen gesunden Lustverhalten der Kinder gehört nach Freud die vollzogene Begattung und ihr orgasmischer Höhepunkt, denn beides setzt die hormonell/physische Entwicklung, welche erst während der Pubertät erreicht wird, voraus. Jedoch üben Kinder unter sich dieses Verhalten ungehemmt in ihren Spielen, sofern sie nicht den Einschränkungen durch die Lustfeindlichkeit der moralischen Erziehung unterworfen werden. Schon Ansätze davon führen Freuds Theorie zufolge zu dem Beginn der Instinktreduktion des „zivilisierten“ Gesellschaftsmenschen (s.a. Neurose), allerdings akzeptieren andere Richtungen diesen Ansatz nicht und vertreten abweichende oder unvereinbare Hypothesen. (Mit Erlaubnis aus: http://people.freenet.de/traumdeutung.fuer.einsteiger/index.html .)
An sich monistisch, äußere sich die selbst nicht empirisch meßbare Energie ab dem Moment ihrer Verwirklichung oder Materialisation dualistisch, d.h. nimmt nach Freud psycho-physische, geist-körperliche oder zeit-räumliche Formen und Verhaltensweisen an, also zugleich den Aspekt der Statik und Dynamik. Beide sind erst wieder im „ES“ – Freuds Begriff der Seele (die nicht mit der religiösen Seelenauffassung verwechselt werden darf) - harmonisch vereinigt, vor allem in dem Moment, da das Gleichgewicht zwischen sich mit Unlust meldenden Grundbedürfnissen und ihrer (lustvollen) Befriedigung hergestellt worden ist. Ein unbefriedigtes Grundbedürfnis, erzeugt demnach wesensmäßig energetische Spannungen - entweder auf eher körperlicher oder auf eher geistiger Ebene, je nach dem welches Bedürfnis es war, das unbefriedigt blieb. In Frage kommen z. B. Einsamkeitsspannungen infolge sozialer Frustrationen, oder Unsicherheit infolge eines Sachverhaltes, der nicht (geistig) geklärt wurde. Beides verlangt auf seine je eigene Weise nach Befriedigung (Lustgewinn bis zur Stillung des Bedürfnis'). Es wird dabei nach dem Prinzip der Trieböknomie verfahren, d.h. die Energie investiert zunächst etwas von sich selbst, um die Erzeugung von Unlustgefühlen wie etwa "Hunger" zu bewirken, erst deren innere Wahrnehmung den Organismus veranlassen, nach den zu ihrer Stillung geeigneten Objekten zu suchen, wobei als Mehrwert der Investition Lust gewonnen wird. (Siehe hierzu auch die Ausführungen Lacans in Objekt klein a.)
Der Psychoanalyse gemäß ist auch ihre Theorie selber - wie alle Symbole der Träume und selbst unsere Sprache* - nur ein Ausdruck der Libido und ihres Lustprinzips auf dem Gebiet des Geistes, also nicht mit der Energie und ihrem zuerst von Epikur formulierten Prinzip des Strebens nach Lust und Meidens von Unlust identisch. (* Zur Vertiefung s. unter "Symbollehre", Psychoanalyse.) Entsprechend erhebt, und kann die Theorie an sich keinen Anspruch auf absolute Wahrheit erheben, da dies ihre Erstarrung in einer bestimmten Form bedeuten würde, die Forschung überflüssig macht. Anstatt dessen stellt sie sich zwecks weiterer Verbesserung zur Diskussion. Gesundes Diskutieren verschafft Lust wie alle gesunden Bedürfnisse (die man von "Ersatzbedürfnissen" unterscheiden muß). Es stellt einen Aspekt des "Forschens" und seiner Experimentierfreude dar, die im Geist für sich betrachtet, ohne sonstige Absichten oder Bedürfnisse, nur der durch "Lust" spürbar werdenden Befriedigung des Grundbedürfnisses „Wissensdrang“/ „Neugierde“ dient. Hierbei ist es wie bei der Nahrungsaufnahme: Mit dem Gewinn einer einleuchtenden Erkenntnis ist man satt. Nach einer Weile stellt sich das Bedürfnis nach Wiederholung des Lustgewinns durch Nahrungs- oder Informationsverarbeitung ein. Auch weitere Grundbedürfnisse: der Drang nach lustvollem Hautkontakt z.B., Sozialität und auch Sexualität, sind wie oben gesagt annehmbar.
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