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Lust ist eine besonders intensive, angenehme Weise des Empfindens, die sich grundsätzlich nach zwei Aspekten unterscheidet. Ausgesprochen geistiger Art sind die lustvollen Gefühle, welche sich z. B. während der aktiv erarbeiteten Logik einer Aussage einstellen, passiv hingegen in der genussvollen Betrachtung z. B. eines prächtig gewachsenen Baumes oder auch schönen menschlichen Leibes (s. Ästhetik). In diesem finden sich dann die ausgesprochen körperlichen Weisen des angenehmen, den Drang nach baldiger Wiederholung auslösenden Fühlens (vergl. Emotion, Empfindung), z. B. bei den Gaumenfreuden, im Sex, beim Orgasmus, im Wohlgefühl der An- und Entspannung wie während einer Massage nach schwerer Arbeit, bei der guten Laune und allen Motiven, die in existentiellen Bedürfnissen verankert sind ("Lust auf ...").

Bewusstsein und Lust


Die Anziehungsqualität der Lust zeigt sich darin, dass sie – für sich allein gesehen – bei direkter Erfahrung von jedermann gewollt wird (Lustprinzip). Lust wird von gesunden Wesen nur partiell und dann auch nur unter der Voraussetzung abgelehnt, dass ihnen Gründe bewusst werden, die schwere Nachteile zur Folge hätten, würde nicht auf die Befriedigung des jeweils aktuellen Bedürfnisses verzichtet. Beispielsweise wird eine hungrige Gazelle, der aus dem einzigen saftigen Grasfleck weit und breit das hungrige Glitzern der Augen eines Leoparden entgegenfunkelt, instinktiv ihren Appetit auf die eigenen 'Gaumenfreuden' für eine Weile zurückstellen und sich auf die Flucht begeben; hierbei überwiegt das grundlegendere Bedürfnis nach Beibehalten der Lebenslust das nach der Ernährung, dessen Stillung auf einen günstigeren Zeitpunkt verschiebend.

Lustentartung (Ersatzbedürfnisse)


Eine vom Gesunden gänzlich abweichende Form von Lust findet sich bei den sogenannten "Ersatzbedürfnissen" - z. B. den fälschlich so genannten "Lustmorden", die zwar im Zusammenhang stehen mit der Attraktion erotischer Begierden; zum Mord kommt es jedoch nicht etwa aus Lust, sondern infolge ihrer Pervertierung, wahrscheinlich Panik, in die der Mörder innerlich gerät, weil sein angeborenermaßen gesund zur Welt geborenes Lustempfinden während frühester Kindheit psychisch schwer traumatisiert worden ist (- als Frauenmörder und Vergewaltiger wahrscheinlich von der Mutter. hierzu Alfred Hitchcocks Film Psycho .) Auch hier kann freilich die Bewusstwerdung nachteiliger Konsequenzen solcher Taten zur vollbewussten Bezähmung zwecks einstweiler Verschiebung führen. Nämliches bei anderen Ersatzbedürfnissen, deren Folgen außerhalb der unmittelbaren attraktiven Erfahrung liegen (z. B., wenn nach den durch Heroinkonsum verursachten, regressiv an die umfassend wohlige Totalgeborgenheit innerhalb des Mutterleibes erinnernden Lustgefühlen erkannt wird, dass Heroin die Gesundheit schädigt, und ein 'genussvoll' geplanter Atomkrieg zum Weltuntergang führen kann. Vgl. Stanley Kubricks Film Dr. No. Oder wie ich lernte die Bombe zu lieben).

Lust als Gesundheitskriterium


"Abhängigkeit" ist kein Kriterium, Süchte oder Ersatzbedürfnisse von Grundbedürfnissen zu unterscheiden. Es müssten ansonsten auch die Gesunden "Süchtige" und "leidend" genannt werden, da sie nicht lassen wollen/können, sich mit vollem Genuss z. B. zu ernähren. Als Urteilskriterium wird ein wissenschaftlich fundiertes Gesundheitsmodell der angeborenen, d. h. von Natur aus gegebenen, wahrhaft lebens- und lustfördernden "Grundbedürfnisse" benötigt. Dem Vorhandensein krankhafter, lebensfeindlich und tatsächlich leidensvoller "Ersatzbedürfnisse" geht die schädliche Verdrängung der Grundbedürfnisse in das "Unbewusste" voraus. (Gruenerwald, http://people.freenet.de/traumdeutung.fuer.einsteiger/index.html.)

Selbstevidenz der Lust


Philosophisch gesehen ist Lust bei den meisten Denkern "in-sich-selbst-wertvoll". Daher spielt sie eine bedeutende Rolle in den verschiedenen Trieb- und Bedürfnislehren (s. a. Motivation, einschließlich deren Theorien über den Vorgang der Bewertung von Erfahrungen und/oder 'nur' Gedanken. Bereits in der antiken Philosophie wurde der Lust (und Vermeidung von Unlust) ein hoher Stellenwert beigemessen (siehe u. a. Platon, Symposion, und Epikurs Garten). Das Angenehmsein der Lust zeigt sich unmittelbar, anschaulich und emotionell nachvollziehbar auch ohne jegliches Verständnis ihrer Ziele. ( - Man isst nicht eigentlich zwecks Anhebung des Zuckerpegels, sondern aus Lust; nicht die Fortpflanzung ist ein Grundbedürfnis, sondern die in der Begattung empfundene Lust.) Lustgefühle sind im weiteren Sinne eine 'sich selbst generierende' Erlebnisweise und die körperlichen grundverschieden von denen der ästhetischen Sinneswahrnehmung und denen der sich unmittelbar im Geiste entwickelnden Gedanken, Vorstellungen und logischen Empfindungen. Das Gefühl der körperlich erlebten Lust kann sich aber mit allen denkbaren Arten sowohl der Wahrnehmung als auch der rein gedanklichen Logik verbinden und zu deren "Gefühlseinfärbung" führen. Fehlt die Fähigkeit zu diesen variablen Einfärbungen, die dem Erleben der Lust Gestalt geben, ist dies ein Anzeichen für die Erkrankung an Depression.

Streben nach Lust gehört also nicht zu einer bestimmten Klasse von Erfahrungen, sondern wirkt in allen, daher wird sie in der neueren Gefühlspsychologie als "kontingent" (- verursacht durch innere und äußere Bedingungen, aber nicht logisch "notwendig" erklärbar) verstanden. (Peter Schmidt, 2001, 2005). Ohne Variabilität des Empfindens zwischen Lust und Unlust bei stets gleichbleibender Intensität aller 'Emotionen', wäre weder der Mensch noch die anderen fühlenden Lebewesen handlungsfähig. So stellt die Qualität des Lusterlebens nicht nur den eigentlichen Beweggrund allen Handelns dar -( selbst bei der "Pflicht" spielen positive Empfindungen bestimmter Art, wie z.B. Unlustvermeidung, die ausschlaggebende Rolle )-, sondern konditioniert Lust auch das Verhalten durch die positiv empfundene Erfahren, d. h. erzeugt starke Bindungen an diejenigen Dinge oder Menschen, mit denen sie erlebt wird.

Im Verhältnis zum angenehmen Gefühl im Allgemeinen ist Lust ein eher engerer Begriff, aber mit ähnlicher Bedeutung wie z. B. das angenehme Gefühls im weiteren Sinne. Während positive Gefühle als Angenehmsein sich z. B. auch bei schwerer körperlicher Betätigung und sozialem Engagement bis hin zur Selbstaufgabe zeigen können, wird der Begriff der Lust im Alltagssprachgebrauch eher dem Bereich des Sexuellen, dem Geschmack und den körperlichen Genüssen und Wohlgefühlen zugeordnet.

Dem Gegenteil von Lust - der Unlust - entsprechen dieselben Charakteristika in entgegengesetzter Erlebnisqualität: Unlust wird für sich selbst gesehen als negativ erfahren und daher gemieden. Darüber hinaus hat Unlust, wie alle von ihr bedingten negativen Gefühle (Schmerz, Trauer, Angst usw.), eine wichtige Funktion innerhalb unserer Motivationen: ihr sind stets Hinweise auf körperliche, seelische oder anderweitige Probleme immanent.

In den Wissenschaften


In Zusammenhang mit unbefriedigt gebliebenen Ersatzbedürfnissen (etwa einem frustrierten Drang nach Lustmorden) können leichter zu ertragende Unlustgefühle auftreten. Diese Tatsache macht die Forderung Epikurs begreiflich, dass man für die Erreichung der Glückseligkeit - griech. "eudaimonia" - nicht nur ganz bestimmte Arten von Unlust meiden, sondern auch die Vernunft walten lassen müsse, da wir ohne ein fundiertes Gesundheitsmodell unsere Süchte nicht von naturgemäßen Bedürfnissen unterscheiden können. Diese Ansicht liegt auch der psychoanalytischen Debatte um Aufklärung des Phänomen der Instinktreduktion zugrunde, die von Freud u.a. durch sein Werk Das Unbehagen in der Kultur neu angeregt worden ist.

In der Psychologie ist Lust die Bezeichnung für eine subjektiv angenehme Empfindung. In der Psychoanalyse Sigmund Freuds wird alle berechtigte Lust auf eine einzige Urkraft zurückgeführt, die Libido, die eine universale, biologische (Trieb-/Energie darstelle, deren Verwirklichung grundsätzlich Lust verschaffe und der das instinktive, angeborene Streben nach Bedürfnisbefriedigung bei gleichzeitiger Meidung von Unlust immanent sei (s. Lustprinzip). Die Bedürfnisse versuchte Freud, da als Medinziner von der Biologie kommend, auf diesem und dem Wege der Traumdeutung allein in der Natur und ihren Gesetzen zu verankern und ihrer jeweiligen Funktion sowie Bestimmung nach zu unterscheiden. So stehe die lustvolle Neugierbefriedigung grundsätzlich im Dienste der Selbst- und Umwelterkenntnis und ihrer 2 Aspekte: Suche nach Lebensbedrohlichem zwecks dessen Meidung, und Suche nach den Quellen der Befriedung jeglichen Grundbedürfnis', wie u.a. des Dranges nach Energie/ Ernährung und angenehmes Klima.

Eine große Rolle spielt in Sigmund Freuds Lehre die "Sexualität", die gemäß Darwin im Dienste der weiblichen Vermehrung ('Materie-Synthese') und der durch männlichen Wettkampf umgesetzten Verwirklichung des Natürlichen Zuchtwahlgeseztes gestellt wird, bei dem "positive" und "negative Mutanten" geschieden und nur erstere für die Vermehrung zugelassen werden, die mindermutierten Artgenossen verdrängend ('Materie-Analyse'). Metapsychologisch ist entsprechend Freuds Theorie, die monistische Urtriebkraft der Libido beginne in dem Augenblick ihrer Materialisation, sich nach zwei scheinverschiedenen, weil in Wirklichkeit symbiotisch ergänzenden Aspekten zu unterscheiden, die er - seiner Vorliebe für die antiken Naturphilosophen Tribut zollend - nach zwei griechischen Gottheiten ernannte:

  • den "Eros" ( als Anziehung von Gegensätzen: Synthese; Leben; Begehren; Schöpfung; Innen; Verbinden; 'Weiblich') und

  • den „Thanatos(als Abstoßung von Gleichen: Analyse; Tod; Ablehnung; Vernichtung; Außen; Trennen; 'Männlich'). (Vgl. auch "Die Ánima & Der Ánimus" in C.G. Jungs Archetypen-Lehre.)

Im universalharmonisch "fließenden" Ringen dieser zwei komplementären Aspekte der selben Ur-Energie "Libido", sah Freud - wie Heraklit und Epikur vor ihm - nichts Destruktives, vielmehr umgekehrt! die konstruktive, daseinskämpferische Ursache jedes der wahrnehmbaren Symbole, den 'Vater' aller Dinge, "Arten" und der unserem Denken immanenten Gegensätze, so auch der Dualismen 'Weiblich-Männlich', Mutation-Auslese, Welle-Teilchen usw.

Ungeklärt bis zum Ende seines Lebens, blieb die Herkunft des in der Tat destruktiven, sadomasochistischen "Narzissmus"-Syndroms, an dem ausschließlich der Mensch leidet, das Freud versuchsweise als biologischen "Trieb" definierte, nämlich so genannt "TodesTRIEB", für den er jedoch in der gesamten belebten Natur keine Entsprechung entdecken konnte. "Trieb" ist also eine irreführende Bezeichnung des Syndroms "Narzissmus"; hypothetisch sollte es weder dem naturwissenschaftlich verankerten Fachgebiet der biologisch-'körperlichen' Psychologie zugerechnet werden, noch der erkenntnistheoretisch-'geistigen' Metapsychologie als Naturwissenschaft, sondern gehört die wissenschaftliche Beschreibung des Narzissmus in die "Pathologie"-Abteilung von Freuds Lehre. Dieses Abteil befasst sich also nicht mit den psychisch vollintakten, einwandfrei naturverbundenen Lebewesen und den lebenswichtigen Funktionen ihres Erkenntnisaparates, sondern mit unser am Narzissmus und vielerlei Ersatzbedürfnissen leidenen patriarchalischen Gesellschaft - unserer sog. Instinktreduktion, den Neurosen und allen denkbaren Entartungen. Diesen Sachverhalt vermochte Freud beim damaligen Stand der Wissenschaft nicht zu klären. Jedoch stellt auch eines seiner gesellschaftskritischsten Werke: Das Unbehagen in der Kultur - einen Aspekt des Phänomens "Lust" dar, und zwar einen unmissverständlich negativen. 'Rein geistig' betrachtet jedoch sei es ein Genuss, sie zu lesen.

Literatur und Kunst


  • Kanitscheider, Bernulf, Dessau, Bettina: Von Lust und Freude. Gedanken zu einer hedonistischen Lebensorientierung, Inselverlag
  • Schmidt, Peter: Die Kraft der positiven Gefühle. dtv, München 2001.
  • Schmidt, Peter: Scanning. Beluga New Media, Herten 2005
  • Freud, Sigmund: Das Ich und das ES (Metapsychologische Abhandlung zum Eros ES und Tanatos ICH)
  • Freud, Sigmund: Das Unbehagen in der Kultur (Auseinandersetzung im Bereich der Psychopatologie, mit unserer Gesellschaft / Instinktreduktion)

Siehe auch


Emotion, Gefühl, Libido, Hedonismus, Glück, Wollust, Flow, Freude, Jouissance, Wert

Einschlägige Redensarten


nach Lust und Laune, mit Lust und Liebe, (keine) Lust haben, Lust empfinden, Lust erregen, seine Lust büßen

Wortumfeld


Oft in ihrer Bedeutung variierende Wortableitungen bestehen, so:
  1. lustig ~ hochvergnügt, heiter, auch albern
  2. lüstern - begehrlich, älterem Wortsinn geil

Weblinks


Psychoanalyse | Ethisches Gut | Emotion | Motivation

libido

 

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