Lust ist eine besonders intensive, angenehme Weise des Empfindens, die sich grundsätzlich nach zwei Aspekten unterscheidet. Ausgesprochen geistiger Art sind die lustvollen Gefühle, welche sich z. B. während der aktiv erarbeiteten Logik einer Aussage einstellen, passiv hingegen in der genussvollen Betrachtung z. B. eines prächtig gewachsenen Baumes oder auch schönen menschlichen Leibes (s. Ästhetik). In diesem finden sich dann die ausgesprochen körperlichen Weisen des angenehmen, den Drang nach baldiger Wiederholung auslösenden Fühlens (vergl. Emotion, Empfindung), z. B. bei den Gaumenfreuden, im Sex, beim Orgasmus, im Wohlgefühl der An- und Entspannung wie während einer Massage nach schwerer Arbeit, bei der guten Laune und allen Motiven, die in existentiellen Bedürfnissen verankert sind ("Lust auf ...").
Streben nach Lust gehört also nicht zu einer bestimmten Klasse von Erfahrungen, sondern wirkt in allen, daher wird sie in der neueren Gefühlspsychologie als "kontingent" (- verursacht durch innere und äußere Bedingungen, aber nicht logisch "notwendig" erklärbar) verstanden. (Peter Schmidt, 2001, 2005). Ohne Variabilität des Empfindens zwischen Lust und Unlust bei stets gleichbleibender Intensität aller 'Emotionen', wäre weder der Mensch noch die anderen fühlenden Lebewesen handlungsfähig. So stellt die Qualität des Lusterlebens nicht nur den eigentlichen Beweggrund allen Handelns dar -( selbst bei der "Pflicht" spielen positive Empfindungen bestimmter Art, wie z.B. Unlustvermeidung, die ausschlaggebende Rolle )-, sondern konditioniert Lust auch das Verhalten durch die positiv empfundene Erfahren, d. h. erzeugt starke Bindungen an diejenigen Dinge oder Menschen, mit denen sie erlebt wird.
Im Verhältnis zum angenehmen Gefühl im Allgemeinen ist Lust ein eher engerer Begriff, aber mit ähnlicher Bedeutung wie z. B. das angenehme Gefühls im weiteren Sinne. Während positive Gefühle als Angenehmsein sich z. B. auch bei schwerer körperlicher Betätigung und sozialem Engagement bis hin zur Selbstaufgabe zeigen können, wird der Begriff der Lust im Alltagssprachgebrauch eher dem Bereich des Sexuellen, dem Geschmack und den körperlichen Genüssen und Wohlgefühlen zugeordnet.
Dem Gegenteil von Lust - der Unlust - entsprechen dieselben Charakteristika in entgegengesetzter Erlebnisqualität: Unlust wird für sich selbst gesehen als negativ erfahren und daher gemieden. Darüber hinaus hat Unlust, wie alle von ihr bedingten negativen Gefühle (Schmerz, Trauer, Angst usw.), eine wichtige Funktion innerhalb unserer Motivationen: ihr sind stets Hinweise auf körperliche, seelische oder anderweitige Probleme immanent.
In der Psychologie ist Lust die Bezeichnung für eine subjektiv angenehme Empfindung. In der Psychoanalyse Sigmund Freuds wird alle berechtigte Lust auf eine einzige Urkraft zurückgeführt, die Libido, die eine universale, biologische (Trieb-/Energie darstelle, deren Verwirklichung grundsätzlich Lust verschaffe und der das instinktive, angeborene Streben nach Bedürfnisbefriedigung bei gleichzeitiger Meidung von Unlust immanent sei (s. Lustprinzip). Die Bedürfnisse versuchte Freud, da als Medinziner von der Biologie kommend, auf diesem und dem Wege der Traumdeutung allein in der Natur und ihren Gesetzen zu verankern und ihrer jeweiligen Funktion sowie Bestimmung nach zu unterscheiden. So stehe die lustvolle Neugierbefriedigung grundsätzlich im Dienste der Selbst- und Umwelterkenntnis und ihrer 2 Aspekte: Suche nach Lebensbedrohlichem zwecks dessen Meidung, und Suche nach den Quellen der Befriedung jeglichen Grundbedürfnis', wie u.a. des Dranges nach Energie/ Ernährung und angenehmes Klima.
Eine große Rolle spielt in Sigmund Freuds Lehre die "Sexualität", die gemäß Darwin im Dienste der weiblichen Vermehrung ('Materie-Synthese') und der durch männlichen Wettkampf umgesetzten Verwirklichung des Natürlichen Zuchtwahlgeseztes gestellt wird, bei dem "positive" und "negative Mutanten" geschieden und nur erstere für die Vermehrung zugelassen werden, die mindermutierten Artgenossen verdrängend ('Materie-Analyse'). Metapsychologisch ist entsprechend Freuds Theorie, die monistische Urtriebkraft der Libido beginne in dem Augenblick ihrer Materialisation, sich nach zwei scheinverschiedenen, weil in Wirklichkeit symbiotisch ergänzenden Aspekten zu unterscheiden, die er - seiner Vorliebe für die antiken Naturphilosophen Tribut zollend - nach zwei griechischen Gottheiten ernannte:
Im universalharmonisch "fließenden" Ringen dieser zwei komplementären Aspekte der selben Ur-Energie "Libido", sah Freud - wie Heraklit und Epikur vor ihm - nichts Destruktives, vielmehr umgekehrt! die konstruktive, daseinskämpferische Ursache jedes der wahrnehmbaren Symbole, den 'Vater' aller Dinge, "Arten" und der unserem Denken immanenten Gegensätze, so auch der Dualismen 'Weiblich-Männlich', Mutation-Auslese, Welle-Teilchen usw.
Ungeklärt bis zum Ende seines Lebens, blieb die Herkunft des in der Tat destruktiven, sadomasochistischen "Narzissmus"-Syndroms, an dem ausschließlich der Mensch leidet, das Freud versuchsweise als biologischen "Trieb" definierte, nämlich so genannt "TodesTRIEB", für den er jedoch in der gesamten belebten Natur keine Entsprechung entdecken konnte. "Trieb" ist also eine irreführende Bezeichnung des Syndroms "Narzissmus"; hypothetisch sollte es weder dem naturwissenschaftlich verankerten Fachgebiet der biologisch-'körperlichen' Psychologie zugerechnet werden, noch der erkenntnistheoretisch-'geistigen' Metapsychologie als Naturwissenschaft, sondern gehört die wissenschaftliche Beschreibung des Narzissmus in die "Pathologie"-Abteilung von Freuds Lehre. Dieses Abteil befasst sich also nicht mit den psychisch vollintakten, einwandfrei naturverbundenen Lebewesen und den lebenswichtigen Funktionen ihres Erkenntnisaparates, sondern mit unser am Narzissmus und vielerlei Ersatzbedürfnissen leidenen patriarchalischen Gesellschaft - unserer sog. Instinktreduktion, den Neurosen und allen denkbaren Entartungen. Diesen Sachverhalt vermochte Freud beim damaligen Stand der Wissenschaft nicht zu klären. Jedoch stellt auch eines seiner gesellschaftskritischsten Werke: Das Unbehagen in der Kultur - einen Aspekt des Phänomens "Lust" dar, und zwar einen unmissverständlich negativen. 'Rein geistig' betrachtet jedoch sei es ein Genuss, sie zu lesen.