Luftkampf im Pazifik Juni 1942.jpg Die Begegnung feindlicher Luftfahrzeuge mit Zerstörungsabsicht. Elemente des Luftkampfes sind Taktik, Strategie und Ausrüstung.
Taktik: Individuelle Fähigkeiten, das eigene Flugzeug in eine geeignete Position für den Angriff zu bringen. Dazu ist das Beherrschen von Luftkampfmanövern, sowie eine korrekte Einschätzung der Kräfte des Gegners (situational awareness) und die Berücksichtigung von Umweltbedingungen (wie zum Beispiel Stand der Sonne, Bewölkung) erforderlich.
Strategie: Herstellen von geeigneten Kräfteverhältnissen, Aufteilung und Organisation von Kampfflugzeugverbänden. Numerische Überlegenheit ist nur durch effektive Koordination der Kräfte ein Vorteil, andernfalls kommt es zu Behinderung durch die Flugzeuge der eigenen Seite. Kommunikation, Disziplin beim Formationsflug und Führungsqualitäten der Kommandeure sind dazu die Schlüsselelemente.
Ausrüstung: Technische Überlegenheit sowohl bei den luft-als auch bei den bodengestützten Geräten sichert einen bedeutenden Vorteil. Im ersten Fall beziehen sich die Leistungsmerkmale auf Geschwindigkeit, Bewaffnung, Navigationsmethoden und Zuverlässigkeit. Bei den bodengestützten Komponenten ist die Qualität der Komunikationseinrichtungen, der Luftraumüberwachung und der Frühwarnsyteme von Bedeutung.
Siehe hierzu auch:
Fliegerass; Erich Hartmann; Adolphe Pégoud; Manfred von Richthofen (Der Rote Baron)
Als Dog fight wird umgangssprachlich der Kurvenkampf in einem Luftgefecht zwischen zwei Flugzeugen bezeichnet. Dieser Ausdruck rührt wahrscheinlich von den Beobachtungen englischer und amerikanischer Soldaten im ersten Weltkrieg her. Tatsächlich machen zwei Flugzeuge, welche versuchen, jeweils hinter das Heck des Gegners zu kommen, den Eindruck zweier Hunde, die sich im Kräftemessen vor einem Kampf beschnuppern und belauern. Da diese Tiere dabei immer im Kreis gehen, um zu verhindern, dass das gegnerische Tier in eine überlegene Kampf- bzw. Beißposition kommt, bietet sich der Begriff "Dog fight" (zu dt.: Hundekampf) geradezu an.
Bereits im ersten Weltkrieg erwies sich im Luftkampf die Position am Heck des Gegners als beste Ausgangsposition für einen Abschuss mit geringer Selbstgefährdung. Während bei zweisitzigen Maschinen ein Bekämpfen des am 'Heck klebenden' Gegners mit Bordwaffen möglich war (wenn auch tendenziell weniger Erfolg versprechend, als ein Angriff mit den meist stärkeren feststehenden Angriffswaffen), so war der Pilot eines Einsitzers praktisch schutzlos gegen einen Angriff von hinten. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, selbst in diese überlegene Position zu kommen. Mit der Forderung der militärischen Führung nach stärker motorisierten und wendigeren Maschinen wollte man den eigenen Piloten einen generellen Vorteil im Kurvenkampf verschaffen. Stärker motorisierte Flugzeuge wären in der Lage gewesen, eine stärker steigende Spirale als der Gegner zu fliegen, d. h. sie wären kaum ins Visier des Feindes geraten. Auch hätte mehr Leistung die Gefahr ins Trudeln zu kommen oder eines plötzlichen Absackens verringert. Wendigere Flugzeuge waren in der Lage, die Kurven enger zu ziehen als das feindliche Flugzeug und hätten somit früher die Möglichkeit gehabt, zu feuern. Bereits im ersten Weltkrieg wurden diesen Überlegungen in die Planung und den Bau neuer Flugzeuge einbezogen. Motorisierung, Schwerpunkt und Steuerung wurden auf diese Punkte hin überprüft und optimiert. Es entstanden speziell zum Ende des Krieges Maschinen mit extremer Steigerung im Hinblick auf ihre Kurvenkampfeignung (siehe Fokker D.VII und Sopwith F-1).
Eine weitere Möglichkeit, sich einen Vorteil im Kurvenkampf zu verschaffen, war das Fliegen in einem Verband oder auch mit nur einem Flügelmann. Zwei Flugzeuge waren einem einzelnen Gegner weit überlegen, konnte man so doch den Feind, der versuchen würde eine der Maschinen im Kurvenkampf zu attackieren, mit der unbedrohten Maschine bekämpfen. Diese Taktik erwies sich als recht gute Möglichkeit, auch wenn das Auftauchen in einem Verband aus mehreren Maschinen noch effektiver gewesen wäre. Allerdings standen oft nicht genug Maschinen für ein solches Manöver zur Verfügung.
Mit der Entwicklung von starken Triebwerken bis hin zum Düsenantrieb geriet der Vorteil durch engeren Kurvenradius in die Bedeutungslosigkeit. Hohe Geschwindigkeit und starke Bewaffnung zusammen mit der Entwicklung des Radars zur Aufspürung feindlicher Flugzeuge waren die Schlüsselfaktoren des Luftkampfes im Zweiten Weltkrieg. Die Form des Luftkampfes wurde von der in der Zwischenkriegszeit weit verbreiteten Vorstellung geprägt, einen Krieg alleine von der Luft aus führen und gewinnen zu können. Rohstoffreiche Länder wie die USA setzten dies um, in dem sie große Flotten von stark bewaffneten Langstreckenbombern bauen ließen. Rohstoffarme Länder wie Deutschland hofften auf die kriegsentscheidende Wirksamkeit von taktischen Luftflotten. Im Verlauf des Krieges bildeten die Alliierten auch taktische Luftflotten zur Unterstützung der Bodentruppen in Nordafrika und während der Invasion aus, während die Deutsche Luftwaffe etwa in der Luftschlacht um England versuchte, strategischen Luftkrieg zu führen. Luftkämpfe fanden in erster Linie statt, um :
Der Kampf um die Lufthoheit fand zwischen den Jagdverbänden der gegnerischen Luftstreitkräfte statt. Dabei trafen typischer Weise Verbände zwischen vier und 60 Flugzeuge aufeinander, wobei eine Gruppe zunächst versuchte, in eine günstige Ausgangsposition für einen Überraschungsangriff zu kommen. Das bedeutete, gegenüber dem Gegner an Höhe zu gewinnen und möglichst mit der Sonne im Rücken sich mit Fahrtüberschuss dem Ziel zu nähern und im Abstand zwischen 500 und 30 Metern soviel Geschosse als möglich auf das gegnerische Flugzeug abzufeuern. Der Angriff verlief umso erfolgreicher, als der Überraschungseffekt gelungen war. In vielen Fällen waren die angegriffenen Piloten zu keinen defensiven Manövern mehr in der Lage. Kurvenkampf wurde von allen Parteien so gut es ging vermieden, in seltenen Fällen, beispielsweise in Bodennähe oder in einer ausweglosen Situation, kam es dennoch zu Kurvenkämpfen, wobei die im engen Kurvenflug befindlichen Flugzeuge sehr verwundbar für andere,schnellere Angreifer waren. Die klassischen Protagonisten dieser Kämpfe waren die Piloten der Spitfire, Messerschmitt Bf 109, Hurricane, Mustang und Zero Jagdflugzeuge.
Der Kampf gegen die Bomber des Zweiten Weltkrieges brachte neue Techniken und Sonderformen des Luftkampfes hervor, wie zum Beispiel die Nachtjagd. Die Erwartung der Flugzeughersteller, einen Bomber bauen zu können, der gegen Jägerangriffe unverwundbar war, wurde enttäuscht. Zwar wurde die Abwehrbewaffnung der schweren viermotorigen Bomber immer stärker, doch auch die Bewaffnung und Panzerung der Abfangjäger wurde effektiver. Trotzdem stellte sich heraus, dass eine klassische an das Heck des gegnerischen Bombers zu riskant wurde, besonders wenn übereinander gestaffelte Pulks ihr Abwehrfeuer zusammenfassten und auf wenige Angreifer konzentrierten. So wurde im weiteren Verlauf mit schwer gepanzerten Jägern, die selbst Jagdschutz benötigten, ein Frontalangriff gegen die Flugrichtung des Bomberpulks durchgeführt. Das minimierte die Zeit, in der sich die Angreifer in Reichweite der Abwehrwaffen der Bomber befanden, und ermöglichte Treffer im verwundbaren Bug, wo sich die Piloten befanden.
Eine auf die eigenen Bordwaffen angewiesene Bomberflotte musste dadurch relativ hohe Verluste erleiden, so wurden Begleitjäger in großer Anzahl benötigt, um die Abfangjäger schon vor dem Abfangeinsatz abzudrängen oder nach dem Einsatz zu ihren Stützpunkten zu verfolgen und dort bei der Landung abzuschießen. Die Hauptbeteiligten dieser Szenarien waren die Piloten und Bordschützen der B-17 und B-24 Bomber und der Fw 190, Me 110, Thunderbolt, Lightning und Mustang Jäger.
Im Koreakrieg kämpften die amerikanischen Piloten in der F-86 gegen die chinesischen Gegner in MiG-15 zunächst nur mit Bordkanonen. Erst mit der Entwicklung wirkungsvoller Luft-Luft-Raketen wie der AIM-9 und AIM-7 im Zusammenspiel mit einem Bordradar konnte der Gegner auf größere Reichweite bekämpft werden, was zu Kampfflugzeugentwürfen ohne Kanonenbewaffnung führte. Ein vorschneller Entwurf, wie sich für die amerikanischen Luftstreitkräfte im Vietnam-Krieg zeigte.
So war beispielsweise bei der McDonnell F-4 auf eine Ausstattung mit einer Maschinenkanone verzichtet worden. Wie sich in den Luftgefechten mit vietnamesischen Jägern wie der Mig-19 oder der Mig-21 zeigte, ein folgenschwerer Fehler. Zahlreiche Maschinen gingen verloren, weil es der Besatzung des amerikanischen Jagdflugzeugs oft nicht möglich war, ihre Gegner mit Luft-Luft Raketen zu bekämpfen.
Im Falkland-Krieg wurden von den englischen Streitkräften ebenfalls die McDonnell F-4-Kampfjets eingesetzt, nun in einer Version mit Maschinenkanone. Allerdings waren sie durch die verbesserten Luft-Luft Raketen und das weiterentwickelte Bordradar ohnehin in einer absolut überlegenen Position gegenüber den argentinischen Mirage III-Jets. Da dies auch der argentinischen Militärführung bekannt war, vermied man ein direktes Aufeinandertreffen. Nicht zuletzt deshalb lag die Hauptlast des Luftkampfs im Falklandkrieg bei den Hawker Siddeley Harrier, die eigentlich für Bodenkampf- und Unterstützungeinsätze konzipiert waren. Aber aufgrund ihrer überlegenen Wendigkeit (bei den Hawker Siddeley Harrier handelt es sich um Senkrechtstarter, die praktisch in der Luft 'stehenbleiben' können) und ihrer vielseitigen Bewaffnung erwiesen sie sich als überlegener Gegner für die argentinische Luftwaffe.
Auseinandersetzungen zwischen modernen Jagdflugzeugen werden durch die Zusammenwirkung von Radar, vernetzten Kommunikationssystemen und Bordcomputern sowie von so genannten intelligenten Waffensystemen bestimmt,welche ihr Ziel nach dem Abschuss ohne weitere Mitwirkung eines Piloten finden. Die Bordkanone gehört heute wieder zur Standardbewaffnung der meisten Kampfflugzeuge, nachdem bei Entwicklungen in den späten 50ern (u. A. McDonnell F-4) darauf verzichtet worden war. Wie sich allerdings herausstellte zu Unrecht, denn in Luftkämpfen zwischen modernen Kampfflugzeugen hat sich gezeigt, dass der Kurvenkampf noch von einiger Bedeutung ist:
Die Bedrohung durch einen Gegner im Heck des eigenen Flugzeuges ist um ein vielfaches höher. Daher werden auch an modernste Jäger noch die Anforderungen gestellt, die ein erfolgreiches Jagdflugzeug im Kurvenkampf ausmachen: U.a. Wendigkeit und relativ hohe Leistung der Triebwerke. Diese Leistungen lassen sich in den beiden wichtigsten Kenngrößen zusammenfassen:
Moderne Kampfflugzeuge wie die russischen Typen Suchoi Su-27 und MiG-29, aber auch westliche Muster wie die Saab 39 Gripen, General Dynamics F-16, Lockheed F-22 und der Eurofighter vereinen alle in den vergangenen neunzig Jahren gemachten Erfahrungen:
Wegen neuartiger Materialien, ausgefeilter Aerodynamik und den erwähnten leistungsfähigen Triebwerken sind auch neue Kampftaktiken wie das russische Kobra-Manöver entwickelt worden, bei dem der Verfolgte durch eine „Vollbremsung“ bei überzogenem Anstellwinkel den Verfolger über sich hinaus schießen lässt. Manche Flugzeugtypen, die ursprünglich nicht zur Jagd entwickelt wurden, haben sich wegen ihrer speziellen Auslegung jedoch als geeignete Luftkämpfer erwiesen, z.B. die F-105 (im Vietnam-Krieg gegen MiG-17) wegen ihrer hohen Beschleunigung und Endgeschwindigkeit im Tiefflug, die Harrier (im Falkland-Krieg gegen Mirage III wegen ihrer Fähigkeit, in der Luft stehen bleiben zu können) und der Panavia Tornado (bisher nur in Übungen gegen z.B. F-15) wegen ihrer Schwenkflügel, während andere spezielle Jagdflugzeugentwürfe eine sekundäre Rolle zugewiesen bekamen, z.B. die Messerschmitt Bf 110 (2. Weltkrieg), die F-100 und die F-104 (beide Vietnam-Krieg).
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