Eine Luft-Luft-Rakete ist ein raketengetriebener Flugkörper, welcher als Kampfmittel im Luftkampf eingesetzt wird. In der Anfangsphase der Luft-Luft-Raketen im Ersten Weltkrieg und im Zweiten Weltkrieg handelte es sich um ungelenkte Raketen, die in Salven abgefeuert wurden. In den 1950er und 1960er Jahren wurden die ungelenkten Raketen durch gelenkte Luft-Luft-Raketen mit neu entwickelten Infrarot- oder Radarsuchköpfen ergänzt und schließlich abgelöst.
USAF F-15C fires AIM-7 Sparrow.jpg der US-Luftwaffe feuert eine AIM-7 Sparrow ab.]]
Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges vergab das Reichsluftfahrtministerium verschiedene Aufträge zur Entwicklung von Luft-Luft-Raketen. Nach dem Einsatz eher primitiver Waffen begann 1943 die Arbeit an der Henschel Hs 117H, die auf einer Boden-Luft-Rakete basierte. Fast zeitgleich wurde die Ruhrstahl X-4 entwickelt, die eine bessere Leistung erbrachte, aber genau wie die Henschel-Rakete vor Kriegsende nie im Kampf eingesetzt wurde.
Als einzige in nennenswerter Stückzahl hergestellte und von deutscher Seite auch verwendete Luft-Luft-Rakete im 2. Weltkrieg kann die ungelenkte R4/M "Orkan" angesehen werden. Von ihr wurden bis Kriegsende 12.000 Stück produziert.
Die erreichten Geschwindigkeiten liegen zwischen Mach 2 und Mach 5, je nach Antriebsart, Gewicht und Einsatzzweck (Kurz-, Mittel- oder Langstreckenwaffe).
Eine Eigenschaft neuerer Antriebe ist die geringe Entwicklung von Rauch beim Verbrennen. Dies macht es den Piloten des anvisierten Flugzeuges schwierig bis unmöglich die Rakete rechtzeitig visuell zu erkennen und Gegenmaßnahmen einzuleiten.
Vier Arten von Suchköpfen sind in Verwendung, die jeweils andere Einsatzprofile haben und unterschiedliche Taktiken erfordern:
Die amerikanische "Sparrow" (AIM-7) besitzt zum Beispiel einen Annäherungszünder. Der Sprengstoff ist von Metall umschlossen, welches nach der Explosion der Ladung die Wirkungsweise von extrem schnellen Schrapnellen entwickelt. Durch die Entfernung zum Zielflugzeug kann sich die Schrapnellwolke ausdehnen und so einen größeren Raumzylinder abdecken. Ziel dieses Verfahrens ist die Flugunfähigmachung des Zielflugkörpers (nicht die Zerstörung!) durch großflächige Beschädigung der auftriebentwickelnden Oberflächen und Schwächung der tragenden Elemente der Flugzeugzelle.
Heute finden ausschließlich konventionelle Sprengköpfe Verwendung. In den 1960er Jahren jedoch verfügten die Vereinigten Staaten über einen Typ von nichtkonventionellen Luft-Luft-Raketen, die ungelenkte Luft-Luft-Rakete AIR-2 Genie mit einem ~1,5 kT Sprengkopf zur Zerstörung großer Bomberverbände.
Je nach Einstufung des Lenkkörpers leitet der Pilot - so vorhanden - erste Gegenmaßnahmen durch den Abwurf von Täuschkörpern ein. Für IR-Raketen sind dies die sogenannten 'flares': kleine Fackeln aus Magnesium o.ä., die starke Hitzeentwicklung zeigen und so den Suchkopf der Rakete ablenken beziehungsweise die Wärmeabstrahlung des Flugzeugtriebwerks überdecken sollen. Radargelenkte Raketen werden durch Abwurf sogenannter Düppel (englisch: 'chaff') getäuscht, die kleine Wolken aus Metallfolienstücken bilden. Diese Wolken reflektieren die Radarstrahlung des Suchkopfes (oder des angreifenden Flugzeuges) besser als das angegriffene Flugzeug und wird mithin zum leichteren Opfer.
Moderne Luftlenkwaffen sind aber in der Lage, nach einer Weile einen solchen Täuschkörper zu identifizieren und lassen sich so nur kurzzeitig ablenken. Die Kunst des angegriffenen Piloten besteht also darin, die Abwurfgegenmaßnahmen mit anderen Methoden zu kombinieren.
Zum Beispiel durch geschicktes Manövrieren. Der große Vorteil der Rakete ist auch gleichzeitig ihr größter Nachteil: ihre Geschwindigkeit. Aufgrund der bis zu doppelten Geschwindigkeit (verglichen zu einem vor ihr fliehenden Flugzeug) erhöht sich die Trägheit der Rakete drastisch. Jedes Flugmanöver verursacht starke auf den Flugkörper einwirkende Kräfte. Im Gegensatz zum angegriffenen Flugzeug wird aber die Manövrierfähigkeit des Lenkflugkörpers nicht durch die G-Toleranz des Menschen eingeschränkt. Während die Manöver dessen auf 9G (was dem 9fachen der Erdbeschleunigung entspricht und der G-Toleranzgrenze eines durchschnittsmäßig trainierten Piloten, bevor der G-LOC eintritt) begrenzt sind, können Luft-Luft-Raketen bis zu 70G überstehen. Die Kraft ist dabei linear von der Masse, quadratisch von der Geschwindigkeit des Flugkörpers und umgekehrt proportional vom Radius der geflogenen Kurve abhängig.
Zwingt der angegriffene Pilot also die Rakete in eine enge Kurve, kann der Lenkflugkörper an seine G-Toleranzgrenze stoßen und der Bewegung des Flugzeuges nicht mehr folgen. Der Kurveradius wird für die Rakete um so kleiner und unvorteilhafter, je näher sie dem Flugzeug gekommen ist. Timing ist also der entscheidende Faktor bei den Gegenmaßnahmen.
Ein klassisches Ausweichmanöver ist die Faßrolle (engl.: 'barrel role'). Hierbei bewegt sich das Flugzeug auf einer Kreisbahn um eine virtuelle Gerade längs seiner Hauptbewegungsrichtung (also die Gerade ist immer im Mittelpunkt des Kreises), wobei die Flugzeugunterseite immer nach außen zeigt. Die superponierte Bewegung ergibt eine Spiralbahn. Kombiniert man diese Bewegung mit einer Hauptbewegungsrichtung im spitzen Winkel auf die Rakete zu, wird der Raketenleitrechner vor eine schwer zu lösende Aufgabe gestellt.
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