StadtteilbrunnenGartenstadt.jpg Die Gartenstadt der Stadt Ludwigshafen am Rhein wurde von 16 Bürgern initiiert, die am 1. Dezember 1909 die "Baugenossenschaft Gartenstadt - Ludwigshafen e.G." gründeten. Diese Genossenschaft war Mitglied der Deutschen Gartenstadtgesellschaft, deren Ziel ein neuer Stadttypus außerhalb der Mietskasernen war.
Diese Leute, Fabrikarbeiter und Handwerker, wollten sich selbst um die Wohnungsfrage kümmern, da wie die meisten Städte im Kaiserreich auch Ludwigshafen, seit 15. April 1853 Gemeinde und am 8. November 1859 zur Stadt erhoben, wenig Neigung zeigte sich dieser Aufgabe zu widmen. Bis 1906 wurde noch nicht einmal Wohnungspolitik betrieben. Ein Wohnungsamt wurde sogar erst 1913 eingerichtet.
Im “General-Anzeiger” konkretisierte Carl Eicher seine Vorstellungen und schilderte die Bemühungen in anderen Städten und verwies auf auf Erbbaurecht und Anteilscheine. Seine Forderung lautete:
Im “General - Anzeiger” war darüber zu lesen:
Der erste Vorstand bildeten der Drehermeister Carl Gärtner, Der Fabrikarbeiter Carl Martin und der Kaufmann Carl Eicher. Der Aufsichtsrat bestand aus August Delith (Vorsitzender), Alfred Schreiber (Stellvertreter), Anton Kaicher (Schriftführer), Josef Mayer, Johannes Jakobsen, Gottlob Diener, Paul Koller, August Wenz und Markus Schreiner.
Jedes Mitglied musste einen Geschäftsanteil über zweihundert Mark erwerben, der entweder durch eine einmalige Zahlung oder auf Raten von mindestens drei Mark monatlich beglichen werden konnte. sobald der Anteil voll entrichtet war, hatte das Mitglied einen Anspruch auf Erbauung eines Hauses. Zum Vergleich: Ein Arbeiter hatte um 1900 ein Jahreseinkommen von rund 800 Mark! Daran ist zu erkennen, wie wichtig die Baugenossenschaft damals war. Mit eigenen Mitteln hätte ein Arbeiter das Ziel eines eigenen Hauses mit Garten nie erreichen können. Dennoch war der Zuspruch zunächst nicht so groß. Die Mehrzahl der Arbeiter steht der Sache skeptisch gegenüber, zumal Gewerkschaftskartell und Sozialdemokraten eine abwartende Haltung einnahmen. Die “Pfälzisch Post” überschreibt einen Bericht über eine Versammlung der Sozialdemokraten in Friesenheim, auf der der Geschäftsführer des Konsumvereins, Valentin Liebmann, über Ursachen und Folgen der Wohnungsnot referiert mit den Worten ”Die Gartenstadtgenossenschaft - eine Genossenschaft für Bemittelte”. Grund des Anstoßes war §2 der Satzung in dem vom Verkauf der Häuser die Rede ist. ”Häuser wieder an neue Eigentümer zu verkaufen, wirke nicht gegen die Wohnungsnot, sondern schaffe nur vorübergehend Linderung” so Valentin Liebmann. Valentin Liebmann tritt im Frühjahr 1910 selbst in die Baugenossenschaft ein und wird sogleich Ende des Jahres in den Aufsichtsrat gewählt. Bereits bei der ersten Generalversammlung am 2. April 1910 zählt die Genossenschaft 81 Mitglieder. Vorstand und Aufsichtsrat werden neu organisiert.
LUGartenstadtMarienkrankenhaus.jpg | Raschigstr.jpg Unmittelbar nach dem Eintrag ins Register wendete sich die Baugenossenschaft mit Eingaben auf Erwerb von Grund und Boden, aber auch um Fürsprache beim königlichen Bezirksamt bei dem ein Zuschuss zu den Gründungskosten beantragt war, an das Bürgermeisteramt. Im Protokollbuch wurde am 4. Mai 1911 vermerkt, dass eine Unterredung mit Bürgermeister Krafft eine günstige Erledigung des Gesuches erhoffen lässt.
Inzwischen ist man davon abgekommen Baugelände zu kaufen, und befasste sich statt dessen mit Fragen des Erbbaurechts. In Mannheim informiert man sich bei der dortigen Gartenstadtgenossenschaft über deren Erfahrungen.
Im Herbst 1911 beauftragt der Haupt-, Bau- und Finanzausschuss des Gemeinderates das Bauamt
1912 treten der Stadtsekretär Paul Dissinger, Stadtbaumeister Markus Sternlieb sowie Oberbürgermeister Friedrich Krafft der Genossenschaft bei. Ohne diese drei Personen wäre die weitere Entwicklung kaum denkbar gewesen.
Am 24. April 1913 erlebt der Ludwigshafener Gemeinderat eine harte Auseinandersetzung, die von Interessengegensätzen bestimmt wird. Der Rat beschließt unter dem Vorsitz von Oberbürgermeister Krafft der Baugenossenschaft 26.440 m² städtisches Gelände auf dem Mundenheimer Hochfeld in Erbbau zu überlassen, sowie auch eine Beleihung bis zu achtzig Prozent der Darlehnshöhe zu genehmigen. Dies gab es in Ludwigshafen vorher noch nie! Der Rat erklärt in dieser Sitzung die Wohnungsfürsorge zu einer Hauptaufgabe der Stadtverwaltung.
Die Genossenschaft pachtet das Gelände auf 62 Jahre. Die Kosten für die Erschließung hat die Genossenschaft der Stadt Ludwigshafen mit jährlich vier Prozent zu verzinsen.
Die Grundstücksfrage wurde im Dezember 2004 dahingehend gelöst, dass die Baugenossenschaft die Grundstücke von der Stadt erworben hat. Dies geschah vor dem Hintergrund, dass der Zins bei einer Verlängerung der Erbpacht zu hoch gewesen wäre. Dies hätte sich unmittelbar auf die Mieten ausgewirkt.
Eine Umfrage unter den Mitgliedern im Dezember ergab, dass zwanzig 2-Zimmer- und sechs 3-Zimmer-Häuser erstellt werden sollen. Den Auftrag zur Planung und Bauausführung erhalten die Architekten Schuler und Lattayer. Zur Ausführung kommen die Haustypen ihres ersten Vorschlages (siehe rechts) und der Baulinienplan ihres zweiten.
Da die Einfamilienhäuser der Baugenossenschaft eine kleine Siedlung bildeten, war damit der Grundstein für den Stadtteil Gartenstadt gelegt.
In der Hauptsache wurden die Häuser von Arbeitern und ihren Familien bezogen. Die Miete betrug je nach Größe (2-4 Zimmer mit Wohnküche) 26,- bis 46,- Mark monatlich. Die Nutzung des Hausgartens war im Mietpreis inbegriffen. Im Vergleich zu den Stadtteilen Nord und Süd waren die Verhältnisse paradiesisch. Kein Fabrikdunst, kein Fabriklärm und keine kleinen grauen Hinterhöfe. Die Kinder lebten in dieser Umgebung auf. Lang wurde allerdings der Schulweg. Bis nach Mundenheim mussten die Kinder mindestens zweimal täglich laufen. Erst 1917 wurde eine Haltestelle der Lokalbahn Ludwigshafen - Meckenheim und 1929 die erste Omnibuslinie eingerichtet. Durch die Haltung von Schweinen und Ziegen sowie Hasen und Federvieh und der Nutzung der Hausgärten wurde der Speiseplan in der Kriegs und Nachkriegszeit verbessert. Eigene Einkaufsmöglichkeiten standen der jungen Siedlung noch nicht zur Verfügung. Bäcker Metzger, ein Arzt aber auch etliche Behörden befanden sich in Mundenheim.
Am 1. Februar 1918 notiert der “General Anzeiger”: .... dass die Unterbringung von Familien mit Kindern in einem einzigen Raum, sowie die Benutzung unbewohnbarer Räume im Dachstock oder Hinterhaus nicht mehr zu den Seltenheiten gehört”. So sehr hat sich der Wohnungsmangel, der Ludwigshafen seit seiner Gründung anhängt, in den Kriegsjahren verschärft. Der “General Anzeiger” rechnet Ludwigshafen zu denjenigen Städten, die am meisten von der Wohnungsnot betroffen sind. Die Zahl der leerstehenden Wohnungen sinkt von drei auf ein Prozent, über zweitausend Menschen suchen eine Wohnung. Die Stadtverwaltung richtet darauf einen Ausschuss zur Förderung des Wohnungsbaus ein. Die Baugenossenschaft Gartenstadt ist daran mit zwei Mitgliedern beteiligt.
Der Vorsitzende des Aufsichtsrates, Paul Kleefoot, wollte mit dem Bau der zweiten Bauperiode zugleich ein Genossenschaftshaus errichten. Der Konsumverein entschied sich jedoch für die kleinere Lösung und gibt nur Mittel für den Bau eines Ladengeschäftes frei. Somit beginnt der Bau von 81 Häusern mit dem ersten Spatenstich am 1. Juli 1919. Von den 81 Häusern werden 16 in der Maudacher Straße, 17 in der Wachenheimer Straße, 11 in der Deidesheimer Straße und 22 am damaligen Hambacher Platz errichtet. Vom Äußeren her unterscheiden sich diese Häuser deutlich von der ersten Bauperiode. Was aber nicht für die Grundrisse gilt. Zu jedem der neuen Häuser gehört nun ein Stall - aber kein Bad. Dazu dient die Waschküche. Da ab 1920 auch Strom zur Verfügung steht, wurden die neuen Häuser neben dem Wasser- und Gas- auch mit einem Stromanschluß versehen.
Der Bau der Häuser stand unter keinem guten Stern. Es war nicht möglich die Bauten bis zum Jahresende 1919 fertigzustellen. Dies lag unter anderem daran, dass Zement- und Holzanlieferungen nicht pünktlich kamen. Letztendlich musste die Bauleitung sich darauf beschränken, die Bauten vor Eintritt des Winters mit einem Dach zu versehen.
siehe auch: Gartenstadtbewegung
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