Ludwig von Mises (* 29. September 1881 in Lemberg; † 10. Oktober 1973 in New York) war ein österreichischer Wirtschaftswissenschaftler und einer der wichtigsten Vertreter der liberalen Österreichischen Schule der Ökonomie im 20. Jahrhundert.
Aus der Schweiz emigrierte von Mises im Jahr 1940 in die USA. Dort unterrichtete er von 1945 bis 1969 – damals als ältester lehrender Professor in den USA – an der Universität von New York.
Von Mises war Mitglied der liberalen Denkfabrik Mont Pelerin Society. Bedeutende Schüler von Mises' sind neben Hayek etwa Hans-Herman Hoppe und Murray Rothbard. Über diesen gingen Gedanken von Mises' in den Libertarismus ein.
Sein Bruder war der Mathematiker Richard von Mises.
In seinem Buch Die Gemeinwirtschaft (später engl. als Socialism) begründete er bereits 1922 theoretisch, dass eine reine Planwirtschaft nicht funktionieren könne, weil es in ihr keinerlei Möglichkeit gebe, Preise zu bestimmen. Seine zu der Zeit unerhörte Voraussage des Zusammenbruchs sozialistischer Wirtschaftssysteme bestätigte sich dann knapp 70 Jahre später im Ostblock in der Realität.
Von Mises hielt den Kapitalismus für einen Garanten menschlicher Freiheit und das einzig funktionsfähige Wirtschaftssystem. Nur durch freies Wirtschaften sei der moderne Stand der Produktion entstanden und nur damit könne er fortbestehen. Jeden staatlichen Eingriff, der über den Nachtwächterstaat hinausging, hielt er für gefährlich. Seiner Theorie nach würden solche Interventionen immer weitere nach sich ziehen und schließlich zum Sozialismus führen, der wiederum zu einer radikalen Senkung des allgemeinen Wohlstands führe.
In den 20er und 30er Jahren war von Mises einer der wenigen deutschsprachigen Intellektuellen, die am klassischen Liberalismus festhielten. In seinem Buch Liberalismus von 1927 versuchte er diesen auf utilitaristischer Grundlage logisch zu begründen. Hier nahm er auch Stellung zum aufkommenden Faschismus in Europa und beschrieb ihn als Bewegung, die die Empörung der Menschen über die Gewalttaten des Bolschewismus in der Sowjetunion in Gegengewalt umsetzte. Mises erwartete, dass der Faschismus in Europa aufgrund der stärkeren liberalen Tradition mitteleuropäischer Gesellschaften eine Mäßigung ihrer Gewalt im politischen Prozess erfahren würde und schrieb, teils vorausschauend: "Was die liberale Taktik von der faszistischen scheidet, ist nicht die Auffassung über die Notwendigkeit, bewaffneten Angreifern mit den Waffen Widerstand zu leisten, sondern die grundsätzliche Einschätzung der Rolle, die der Gewalt im Machtkampfe zukommt. Die große Gefahr, die von Seite des Faszismus in der Innenpolitik droht, liegt in dem ihn erfüllenden Glauben an die durchschlagende Wirkung der Gewalt." und konzedierte dennoch: "Es kann nicht geleugnet werden, daß der Faszismus und alle ähnlichen Diktaturbestrebungen voll von den besten Absichten sind und daß ihr Eingreifen für den Augenblick die europäische Gesittung gerettet hat. Das Verdienst, das sich der Faszismus damit erworben hat, wird in der Geschichte ewig fortleben." (Liberalismus, S. 45, Faszismus = aus dem Italienischen abgeleitete, damals übliche Schreibwewise für heute Faschismus)
Obwohl er persönlich durchaus konservative Wertvorstellungen hatte, trat er auch für die Legalisierung von Drogen ein. Das wichtigste Mittel zum internationalen Frieden sah er im Abbau sämtlicher Handelshemmnisse; zudem lehnte er staatliche Schulen ab, da er in diesen - vor allem im damaligen Osteuropa - ein Mittel zur Unterdrückung von Minderheiten sah.
1940 veröffentlichte er das Buch Nationalökonomie, das die gesamten Lehren der "Österreichischen Schule" zusammenfassen sollte. Noch einmal deutlich erweitert erschien dieses Werk 1949 in den USA unter dem Titel Human Action. Es sollte eine vollständige Wissenschaft vom menschlichen Handeln liefern, die von Mises Praxeologie nannte. Als einzige korrekte Methode dieser Praxeologie, die die Wirtschaftswissenschaft als Teilgebiet umfassen sollte, sah von Mises logisch-deduktives Schließen. Die Praxeologie könne so objektive, a priori wahre Gesetze feststellen. Das Buch wurde in weiteren Auflagen noch erweitert und umfasste schließlich knapp 1000 Seiten.
Unter den weiteren Werken sind bedeutend: Bureaucracy (dt. Die Bürokratie), in dem er eine Theorie des bürokratischen Wirtschaftens aufstellte und darlegte, daß Bürokratie notwendige Folge staatlicher Tätigkeit sei, sowie einige theoretische Schriften, die sich mit der Methodik der Ökonomie befassten und in denen er seine Praxeologie zu begründen und verteidigen versuchte.
Seit 2005 wird auf Initiative von Prof. Dr. Dr. h. c. Peter Oberender (Universität Bayreuth) und dem 2006 gegründeten Ludwig-von-Mises-Forum Bayreuth an der Universität Bayreuth regelmäßig die Ludwig-von-Mises-Vorlesung durchgeführt, in der die Thesen der österreichischen Schule der Nationalökonomie (Austrian Economics) kritisch diskutiert und auf aktuelle Probleme übertragen werden. Bisherige Gäste waren Prof. Dr. Hans-Hermann Hoppe (University of Nevada Las Vegas, USA) und Prof. Dr. Jörg Guido Hülsmann (Université d'Angers, Frankreich).
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