Ludwig XVI. (* 23. August 1754 in Versailles; † 21. Januar 1793 in Paris) war von 1774 bis 1792 bzw. 1793 König von Frankreich und Navarra. Er war der letzte französische Vertreter des Absolutismus und wurde schließlich ein Opfer der Französischen Revolution.
Er wuchs in einer fast bürgerlich anmutenden Familie auf, in der sich das Prinzenpaar persönlich um die Kinder und deren Erziehung kümmerte. Doch litt das Kind, schweigsam, mürrisch, nicht sehr schön und charmant als „ungeliebter Prinz“ unter der Zurücksetzung gegenüber dem Ältesten und den jüngeren Brüdern. Als der Älteste 1761 starb, rückte er – der während der Krankheit seines Bruder zum „Prügelknaben“ gemacht wurde, dem dauernd das leuchtende Vorbild des älteren Bruder vorgehalten und das Gefühl der eigenen Unterlegenheit eingeimpft wurde – mit 6 Jahren zum übernächsten Thronfolger nach seinem Vater auf (nicht zur Freude seiner Eltern).
Als sein Vater am 20. Dezember 1765 starb, wurde Ludwig mit 11 Jahren als Dauphin zweiter Mann Frankreichs. Er bewies sich als fleißiger, verständiger und beharrlicher Schüler mit „einer vielseitigen Intelligenz“.
Am 16. Mai 1770 wurde nach Forderungen des Ministers Étienne-François de Choiseul der 15-jährige Kronprinz - zur Festigung des französisch - österreicherischen Bündnisses - mit der ein Jahr jüngeren österreichischen Prinzessin Marie-Antoinette verheiratet, der jüngsten Tochter des hl. röm. Kaisers Franz I. und seiner Gemahlin Maria Theresia, Erzherzogin von Österreich.
Marie-Antoinette amüsierte sich auf Festen und in der Hofgesellschaft und umgab sich mit jungen Leuten. Ludwig bereitete sich zwischen 1770 und 1774 auf seine Aufgabe als Herrscher vor und wurde von seinem Großvater, zu dem er vorher ein eher schlechtes Verhältnis hatte, in die Staatsgeschäfte eingeführt.
Am 10. Mai 1774 starb König Ludwig XV. Ludwig XVI. wurde mit zwanzig Jahren König. Seine Herrschaftszeit umspannt achtzehn turbulente, ereignisreiche Jahre, in denen er die bestimmende Persönlichkeit war. Es war eine Epoche, die dem höfischen Prunk des Absolutismus frönte und gleichzeitig das revolutionäre Gedankengut der Aufklärung in sich trug.
Ludwig betrachtete sich als „Vater seiner Untertanen“. Der Theorie nach vereinte er als „absoluter“ Monarch die exekutive, legislative und judikative Gewalt in einer Person, in der Praxis wurde die politische Macht jedoch in weiten Teilen durch seine Regierungen ausgeübt, zu der u.a. die Minister Turgot, Malesherbes, Necker, Vergennes, Calonne und Maurepas gehörten.
Eines der Hauptprobleme Frankreichs war die hohe Verschuldung des Staates (u.a. wegen der ausufernden Hofhaltung und kostspieliger außenpolitischen Operationen der Könige seit Ludwig XIV.). Der Staatshaushalt wurde auch belastet durch die für Frankreich erfolgreiche Unterstützung der amerikanischen Kolonien im Unabhängigkeitskrieg gegen ihr Mutterland England; dabei wurden die französischen Antillen geschützt, es gelang die Revanche für die unter Ludwig XV. im siebenjährigen Krieg erlittene Niederlage und es kam zu neuen Handelspartnern und Handelsbeziehungen.
Dem Problem der Verschuldung widmete sich Ludwig mit großem Reformwillen. Er und seine Regierungen versuchten mit Sparmaßnahmen und Verwaltungsreformen das Finanzwesen neu zu regeln.
Ludwigs Finanzminister Turgot liberalisierte ab 1775 die Wirtschaft und reformierte das Steuerwesen, stieß dabei aber auf den Widerstand des Adels. Er wurde 1776 entlassen, nachdem er gefordert hatte, alle öffentlichen Ämter zu reformieren. Eine solche Reform wurde auch grundsätzlich als richtig erkannt, aber in ihrer Radikalität von den Ministern abgelehnt. Auch Turgots Nachfolger Necker und Calonne scheiterten mit dem Versuch einer Steuerreform am Widerstand der privilegierten Stände. Dieser Widerstand zwang den König zur Einberufung der Generalstände am 5. Mai 1789, die seit 1614 nicht mehr zusammengetreten waren.
Ludwig selbst war sehr beliebt und anfangs den sozialen, politischen und ökonomischen Reformen der Revolution gegenüber aufgeschlossen. In diese Zeit fiel die Krankheit und schließlich der Tod seines ältesten Sohnes Louis Joseph († 4. Juni 1789). Da Ludwig sich nicht mitteilte, wurde seine Sorge und Trauer für Desinteresse und Unfähigkeit für Staatsgeschäfte ausgelegt.
Die in der Revolution geforderte Volkssouveränität war ein deutlicher Bruch mit den damals gültigen Prinzipien der Monarchie. Entsprechend wurde die Revolution von der herrschenden Elite Frankreichs und den übrigen europäischen Herrschern abgelehnt.
Um des Chaos und der Anarchie, die im Lande herrschten, Herr zu werden, nahm Ludwig auch Kontakt zu seinen königlichen Vettern in ganz Europa auf. Als der Druck auf ihn und seine Familie immer größer wurde, willigte er schließlich deren Bitten ein, aus dem radikalen Paris zu fliehen. Er hoffte, aus der Entfernung der Revolution eine gemäßigtere Wendung geben zu können.
Der Fluchtversuch am 20. Juni 1791 schlug fehl, am 21. Juni wurde der König in Varennes (Lothringen) verhaftet und als Gefangener nach Paris zurückgebracht. Als im September die französische Verfassung in Kraft trat, war Frankreich endgültig eine konstitutionelle Monarchie geworden.
Es gibt auch Historiker, z.B. Bernhard Fay und Vincent Cronin, die ein anderes Bild von Ludwig XVI. zeichnen. Sie führen in Ihren Biographien aus, dass selten eine Gestalt der Weltgeschichte schon zu Lebzeiten so sehr der Bosheit und Verleumdung zum Opfer gefallen und später so verkannt worden sei wie Ludwig XVI. Er habe bei der Masse der Gelehrten und Gleichgültigen nie Freunde gefunden; denn ein König ohne Liebschaften, Intrigen und Skandale reizt die Einbildungskraft nicht. Er errege sogar Abneigung, denn es ist unangenehm, das Bild eines rechtschaffenen Mannes wachzurufen, der ungerecht umgebracht wurde. Diese Historiker vertreten die Auffassung, dass sich Ludwig XVI. mit persönlichem Mut seinen Aufgaben widmete und in einer moralisch korrupten Gesellschaft ein mustergültiges christliches Leben führte, das erfüllt war von Arbeit, tiefer Religiosität und ehrlicher Frömmigkeit. Er liebte es, zur Entspannung zu jagen, handwerklich zu arbeiten, bevorzugt bei der Schlosserei, und sich dabei auszutoben. Ludwig XVI. sei charakterfest, mutig und beim Volk sehr beliebt gewesen im Gegensatz zu seiner Frau Marie Antoinette. Sie stand auf der Seite Choiseuls, einem erklärten Gegner Ludwigs. Es gelang ihr nicht, sich in Angelegenheiten der Krongeschäfte gegen Ludwig durchzusetzen.
Ludwigs Problem war die Unbeliebtheit bei Hof. Der Adel war ihm nicht gefolgt, obwohl er Frankreichs Ansehen in Europa höher gehoben hatte als irgendeiner seiner Vorfahren. Er nahm ihm übel, dass er nicht fade Komplimente an die angesehensten Höflinge verschwendete, dass er nicht das Geld »königlich« ausgab wie seine Brüder und seine Frau, dass ihm der Umgang mit den kleinen und einfachen Leuten gefiel und dass er die Staatsgeheimnisse für sich behielt.
Hören Sie was die Geschichte zu seinem Ruhm sagt: Ludwig bestieg den Thron mit zwanzig Jahren; mit zwanzig Jahren gab er auf dem Thron ein Beispiel für die Sitten; er brachte auf den Thron keine schuldhafte Schwäche noch verderbliche Leidenschaft mit; er war sparsam, gerecht und streng und bewies sich als beständiger Freund des Volkes….; den Wünschen des Volkes kam er durch zahllose persönliche Opfer entgegen. Und doch, im Namen dieses selben Volkes fordert man heute...! Bürger, ich beende den Satz nicht...! Ich mache vor der Geschichte halt. Denken Sie daran, welches Ihr Urteil und welches das seinige in den Jahrhunderten sein wird! (De Seze, Ludwigs Verteidiger im Prozess gegen den König, 12. März 1792)
Während ich vielleicht zum letzten Male zu Ihnen spreche, erkläre ich Ihnen, dass mein Gewissen mir nichts vorwirft und dass meine Verteidiger Ihnen nur die Wahrheit gesagt haben. Ich habe niemals gefürchtet, dass meine Führung öffentlich untersucht würde, aber es zerreißt mir das Herz, in der Anklageschrift die Beschuldigung zu finden, ich hätte das Blut des Volkes vergießen wollen, und besonders, das Unglück des 10. August sei mir zuzuschreiben. Ich bekenne, dass die vielfachen Beweise, die ich jederzeit für meine Liebe zum Volk gegeben und die Art, in der ich mich immer verhalten habe, mir zu beweisen scheinen, dass ich wenig gefürchtet habe, mich einer Gefahr auszusetzten, um dem Volk Blut zu ersparen, und dass dies für immer eine derartige Beschuldigung von mir fernhalten müsste. (Ludwig XVI. vor Gericht)
Sind Sie jetzt davon überzeugt, dass mein Tod schon, ehe ich überhaupt gehört worden war, eine beschlossene Sache war? (Als Ludwig den Saal verließ)
Mann | Haus Bourbon | König (Frankreich) | Französische Revolution (Person) | Geboren 1754 | Gestorben 1793
لويس السادس عشر | Lluís XVI de França | Ludvík XVI. | Ludvig 16. af Frankrig | Louis XVI of France | Ludoviko la 16-a (Francio) | Luis XVI de Francia | Louis XVI | لویی شانزدهم | Ludvig XVI | Louis XVI de France | לואי השישה עשר מלך צרפת | Louis XVI dari Perancis | Louis 16ma | Luigi XVI di Francia | ルイ16世 (フランス王) | ლუი XVI (საფრანგეთი) | 루이 16세 | Ludovicus XVI | Luis XVI | Lodewijk XVI van Frankrijk | Ludvig XVI av Frankrike | Ludwik XVI Burbon | Luís XVI de França | Ludovic al XVI-lea al Franţei | Людовик XVI (король Франции) | Ľudovít XVI. | Луј XVI | Ludvig XVI av Frankrike | Людовік XVI (король Франції) | 路易十六
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