Ludwig XIV. (französisch Louis XIV, Louis le Grand; * 5. September 1638 in Saint-Germain-en-Laye; † 1. September 1715 in Versailles) war seit 1643 König von Frankreich und Navarra, genannt der „Sonnenkönig“ (französisch Roi Soleil).
Mit 72 Jahren Regentschaft war er der am längsten regierende Herrscher der Neuzeit. Ludwig XIV. gilt als klassischer Vertreter des höfischen Absolutismus. Der Leitsatz des Absolutismus, L'état, c’est moi ! – Der Staat bin ich!, wird ihm jedoch nur fälschlicherweise zugeschrieben. Er festigte die Macht der Krone durch einen Ausbau der Verwaltung, durch Bekämpfung der inneren Opposition und durch Förderung der französischen Wirtschaft. Die Hofkultur wurde ganz auf die Person des Herrschers zugeschnitten. Zum Symbol für dessen herausragende Stellung wurde sein prunkvolles Auftreten. Der König förderte Künste und Wissenschaften, es folgte eine Blütezeit der französischen Kultur. Die Außenpolitik Ludwigs XIV. war aggressiv, so dass Frankreich unter seiner Regierung die Vormachtstellung in Europa gewann.
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Die Geburt Ludwigs XIV. in Saint-Germain-en-Laye erschien vielen als glückliches Ereignis, denn 23 Jahre lang war die Ehe seiner Eltern Ludwig XIII. und Anna von Österreich ohne Nachkommen geblieben. Durch seine Geburt wurde die befürchtete Thronfolge von Jean-Baptiste Gaston, Herzog von Orléans ausgeschlossen. Aus Dankbarkeit erhielt der Neugeborene den Beinamen Dieudonné (der Gottgegebene). Sein Bruder, Herzog Philipp I. von Orléans, wurde 1640 geboren.
Schon als Vierjähriger wurde Ludwig am 14. Mai 1643 als König inthronisiert. Er lebte aber bis zu seinem dreizehnten Lebensjahr 1651 unter der Regentschaft seiner Mutter Anna von Österreich. Die tatsächliche Macht wurde in dieser Zeit vom „regierenden Minister“ Kardinal Mazarin ausgeübt. Mazarin bereitete Ludwig zielgerichtet auf seine Rolle als absolutistischer Herrscher vor; Schritt für Schritt wurde der junge König an der Macht beteiligt und teilte sich schließlich die Verantwortung mit Mazarin. Durch die außenpolitischen Erfolge der Minister-Kardinäle Richelieu und Mazarin politisch gestärkt, entfaltete Ludwig das absolutistische Königtum barocker Prägung in Frankreich mit einem Hofleben, das ganz auf die Person des Herrschers zugeschnitten war. Nach dem Westfälischen Frieden zum Ende des Dreißigjährigen Krieges 1648 und dem Pyrenäenfrieden mit Spanien 1659 war Frankreich die politische und militärische Vormacht in Europa. Unterstützt von Ministern wie Colbert, Louvois, Hugues de Lionne und dem Marquis de Pomponne konzentrierte er den staatlichen Machtapparat und erweiterte die militärischen, institutionellen und materiellen Machtgrundlagen der französischen Monarchie. Negativ auf seine Herrschaft wirkten sich die Auseinandersetzungen mit dem Papst, die Hugenotten-Verfolgung und der Spanische Erbfolgekrieg aus. Letzterer führte durch die Härte der Kämpfe 1713 fast zu einem Staatsbankrott, der nur durch eine Finanzreform und massive Einsparungen abgewendet wurde.
1660 heiratete Ludwig die Infantin Maria Theresia von Spanien. Nach deren Tod 1683 heiratete er in morganatischer Ehe Françoise d'Aubigné, Madame de Maintenon. Ludwig überlebte seinen Sohn und seinen ältesten Enkel und starb am 1. September 1715. Sein Urenkel folgte ihm als Ludwig XV. auf den Thron. Ludwig XIV. wurde in der von ihm geschaffenen „Krypta der Bourbonen“ in der Basilika Saint-Denis beigesetzt. Im Jahre 1793 wurde sein sehr gut erhaltener Körper mit denen anderer Könige „profaniert“ und kurzzeitig in eine Grube geworfen. Das einbalsamierte Herz wurde nach seinem Tode in die Jesuitenkirche in der Rue St. Antoine in Paris gebracht, um neben dem Herzen seines Vaters zu ruhen. In der Restaurationszeit kamen alle Herzen der Angehörigen des Königshauses, auch das Ludwigs XIV., nach St. Denis, wo man es bis heute in der Krypta besichtigen kann.
Louis-10-Jahre.jpg Nachdem Ludwig XIV. als vierjähriger Junge 1643 den Thron geerbt hatte, übernahm seine Mutter Anna von Österreich die Regentschaft. Diese bestätigte umgehend Kardinal Mazarin als Premierminister. Zu diesem Zeitpunkt sah sich Frankreich in einen Krieg gegen das Haus Habsburg verwickelt. Frankreichs Armeen kämpften im anhaltenden Dreißigjährigen Krieg sowohl gegen den deutschen Kaiser, als auch gegen den spanischen König. Zwar waren die französischen Armeen militärisch erfolgreich, aber dennoch belastete der Konflikt die Staatsfinanzen erheblich. Innenpolitisch sah sich Anna einer heftigen Opposition gegenüber, denn die städtischen Gerichtshöfe und Prinzen misstrauten ihrer Regierung. Dem stellte sich Kardinal Mazarin entgegen. Anna entpuppte sich jedoch als völlig anders als erwartet, die verschmähte spanische Habsburgerin am französischen Hof wurde selbst zu einer überzeugten Französin. Sie duldete weder Favoriten, noch die Schmälerung der königlichen Autorität im Staate. Sie wies ihre Generäle an, die Kämpfe mit unverminderter Härte voranzutreiben. Mazarin leitete die Staatsgeschäfte und führte die absolutistische Politik Kardinal Richelieus fort, indem er die Zentralisierung der Staatsgewalt in der Person des Königs mit aller Macht betrieb.
Mit der Unterzeichnung der Friedensverträge zu Münster und Osnabrück 1648 war Frankreich der Sieger des Dreißigjährigen Krieges. Große Truppenteile konnten gegen Spanien eingesetzt werden. Nun brach in Frankreich die Fronde (1648–1653) aus, ein offener Bürgerkrieg gegen die Politik des Absolutismus. Als Vorwand diente die Minderjährigkeit Ludwigs. Man gab vor, gegen die negativen Einflüsse des Leitenden Ministers Mazarin zu kämpfen. Dieser wurde als Italiener allgemein wenig geschätzt, insbesondere die königlichen Prinzen nahmen ihm übel, dass er sie konsequent von jeder Macht ausschloss. Die Parlamente (Oberste Gerichtshöfe) wurden vom Englischen Bürgerkrieg beeinflusst und sahen eine Chance, ihre Privilegien auszubauen.
Die Fronde scheiterte 1652, die Unruhen sollten jedoch noch bis 1654 anhalten. Ludwig XIV. wurde 1651 für großjährig erklärt, womit die Regentschaft seiner Mutter offiziell endete. Der König – noch zu jung zur Regierung – übertrug erwartungsgemäß die Macht an Mazarin. 1654 erfolgte die Krönung und Salbung des Königs in Reims, womit die Ordnung im Königreich, für jeden ersichtlich, wiederhergestellt war. Die Krönung des Königs war für die Menschen das Symbol für Kontinuität und den Schutz Gottes. Während des Bürgerkriegs kam der Kampf mit Spanien zum Erliegen, die Frondeure bekamen überdies Unterstützung von den Spaniern.
Nachdem wieder innerer Friede herrschte, konnte Frankreich seine Kräfte gegen Spanien bündeln und erzielte Erfolge durch Angriffe auf die Spanischen Niederlande und die Invasion Spaniens, welche zur erneuten Besetzung Kataloniens führte. 1657 gelang es Mazarin, das republikanische England unter Oliver Cromwell in einem Geheimvertrag zum Bundesgenossen gegen die Spanier zu gewinnen. Spanien sah sich gezwungen, den Frieden zu suchen. König Philipp IV. bot Ludwig die Hand seiner ältesten Tochter, der Infantin Maria Theresia von Spanien, an. 1659 trafen beide Monarchen auf der Fasaneninsel zwischen Frankreich und Spanien zusammen und unterzeichneten den Pyrenäenfrieden. Frankreich erwarb das Roussillon in den Pyrenäen und bekam von den Spanischen Niederlanden das Artois und einige Nebenländer. Die Infantin verzichtete auf ihr Erbrecht der spanischen Krone gegen eine Mitgift von 500.000 Goldtalern, eine für die Spanier unerschwingliche Summe, die nicht ausgezahlt werden konnte. Dadurch blieb Maria Teresia älteste, erbberechtigte Tochter des spanischen Königs. Die Heirat zwischen Ludwig XIV. und Maria Theresia fand am 9. Juni 1660 in Saint-Jean-de-Luz statt. Bereits am 1. November 1661 wurde Dauphin Louis geboren.
Als Mazarin am 9. März 1661 starb, war der 22-jährige König gut auf sein Amt vorbereitet und verkündete dem Staatsrat, dass es nie wieder einen Premierminister geben werde und er fortan allein regieren werde und sein eigener Leitender Minister sei. Diese Regierungsgrundsätze hielt er 1670 in seinen „Memoiren“ für seinen Nachfolger fest. Der Hof und die Minister waren zunächst irritiert, doch meinte man, es würde sich nur um eine vorübergehende Phase beim König handeln. Dieser hingegen begann die Regierung umzubilden und entließ einen Großteil des Staatsrats, selbst seine Mutter schloss er aus, so dass nur noch die wichtigsten drei Minister an den Ratssitzungen teilnahmen. Einer von diesen war Nicolas Fouquet, der Finanzminister. Ludwig ließ ihn wegen Korruption und Hochverrats verhaften und durch den ihm treu ergebenen Jean-Baptiste Colbert ersetzen. Fouquet hatte Staatsgelder veruntreut und Befestigungen ohne Genehmigung des Königs bauen lassen. Letzteres interpretierte Ludwig als Vorbereitung einer Rebellion. Mit der neuen Regierung wurde ein Reformprogramm beschlossen, dessen Ziele die Förderung von Wirtschaft und Wissenschaft, der massive Ausbau von Flotte und Armee und die völlige Reformierung der Bürokratie war. Ludwig schreibt selbst an seine Mutter: „Ich bin nicht der Gimpel, für den mich die Höflinge gehalten haben…“, denn es war dem König sehr ernst mit der Politik. Diese Form der Alleinregierung bezeichnet man auch als das absolutistische Kabinettsystem.
Der junge Ludwig XIV. suchte Europa zu beeindrucken. Diese Gelegenheit bot sich ihm bereits 1661 beim Londoner Kutschenstreit, in dessen Folge Spanien den Vorrang des Königs von Frankreich in ganz Europa anerkennen musste. Den europäischen Höfen wurde klar, dass Ludwig nicht die Absicht hatte, ein schwacher König zu sein. 1662 kam es zur Defensivallianz zwischen Frankreich und Holland und Ludwig XIV. kaufte vom englischen König Karl II. die Stadt Dünkirchen. Doch der König wollte alle Welt nicht nur politisch überraschen, sondern auch seine Macht und Reichtum zur Schau stellen. Dies ging am besten durch prächtige, für den Barock typische Hoffeste. Daher fand 1664 das Fest „Die Freuden der verzauberten Insel“ (Plaisirs de l’Île enchantée) statt. Europas Fürsten waren verblüfft und erstaunt über den Luxus dieser Vergnügungen und begannen zunehmend den Lebensstil des französischen Monarchen nachzuahmen. Die Legende des „Sonnenkönigs“ nahm hier ihren Anfang.
Im Jahr 1665 starb sein Onkel und Schwiegervater Philipp IV. von Spanien. Ludwig machte zum ersten Mal das Erbrecht seiner Gemahlin geltend. Er forderte einen Erbteil für Frankreich nach dem brabantischen Devolutionsrecht, wonach Töchter aus erster Ehe ein vorrangiges Erbrecht haben. In Spanien saß mit Karl II. ein degeneriertes Kind auf dem Thron und dessen Mutter Maria Anna von Österreich führte für diesen die Regentschaft. Die Regentin wies die französischen Forderungen zurück und Ludwig bereitete einen Waffengang vor. 1667 brach der Devolutionskrieg (1667–1668) aus. Die Armeereformen des Königs waren bereits weit vorangeschritten, so dass Ludwig Interesse daran hatte, seine neuen Armeen auch zu erproben. Er hatte hier mit dem stehenden Heer ein für die Neuzeit völliges Novum eingeführt: Berufssoldaten, welche ständig bereit standen, streng ausgebildet und diszipliniert wurden sowie regelmäßig bezahlt und versorgt waren. So marschierte eine Armee von 70.000 Mann in die Spanischen Niederlande ein und annektierte danach die Franche-Comté. Spanien sah sich vor vollendete Tatsachen gestellt und hatte keine Mittel zu Gegenwehr. Der Sieg schien uneingeschränkt zu sein, doch fühlte sich nun Frankreichs Alliierter Holland von der Präsenz französischer Truppen bedroht. Die holländischen Generalstaaten verbündeten sich 1668 mit England und Schweden zur Tripelallianz gegen Ludwig XIV., um so die Friedensverhandlungen zu beschleunigen. Dieser sah sich nun gezwungen, bei den Verhandlungen in Aachen Abstriche von seinen Forderungen zu machen. Durch den Frieden von Aachen behielt Frankreich große Teile im Westen der Spanischen Niederlande, musste jedoch die Franche-Comté wieder herausgeben. Ludwig XIV. konnte nicht verzeihen, dass ihm sein eigener Alliierter in den Rücken gefallen war, wobei er bisher immer größter Förderer Hollands gewesen war und sogar zu dessen Gunsten 1666 militärisch interveniert hatte. Er warf den Generalstaaten offen Undankbarkeit und sogar Verrat vor. Dies hielt ihn aber nicht davon ab, noch im selben Jahr das „Grand Divertissement Royal“ in Versailles zu feiern, als Zeichen seines Triumphes.
Nach dem erfolgreichen Krieg löste Frankreich seine Armeen nicht auf, sondern behielt die volle Kampfstärke weiter unter Waffen. Ludwig benutzte sie zur Durchsetzung der Reunionen, wodurch er seine Eroberungen weiter ausbauen konnte. Zunächst annektierte er die restlichen Teile des Elsass, hier war insbesondere Straßburg sein Hauptziel, welches als Einfallstor für kaiserliche Truppen gedient hatte; es wurde 1681 eingenommen. Im Jahr 1683 besetzte Ludwig XIV. die östlichen Teile der Spanischen Niederlande, namentlich Luxemburg, 1684 das Kurfürstentum Pfalz; diese wurden in die französische Saarprovinz umgewandelt. Daneben erfolgte noch die Besetzung der unteren Schelde, wodurch fast ganz Flandern in französischem Besitz war. Gegen diese offenen Aggressionen mitten im Frieden protestierte Spanien heftig und erklärte noch 1683 den Krieg. Doch kein anderer Staat war bereit, die Waffen gegen Frankreich zu richten. So musste Spanien umgehend um Frieden bitten. Ludwig handelte Ende 1684 zu Regensburg mit Spanien, Kaiser und Reich einen zwanzigjährigen Waffenstillstand aus und erreichte die vorläufige Anerkennung sämtlicher Reunionen. Dadurch hatte Ludwig XIV. mit keinerlei Gegenwehr mehr zu rechnen.
In den Jahren zuvor war Ludwig XIV. neben der Expansion in Europa auch noch mit der Erweiterung des französischen Kolonialreiches beschäftigt. Neben den im frühen 17. Jahrhundert gegründeten Neu-Frankreich-Kolonien in Kanada, gründete er Kolonien in Indien: 1673 Tschandarnagar, 1674 Pondichéry und die Insel Martinique. 1682 gründete La Salle am unteren Mississippi eine neue frz. Kolonie und nannte sie zu Ehren des Königs Louisiana. Daneben erwarb der König noch 1660 Haiti, 1664 Französisch-Guayana, sowie Teile der westafrikanischen Küste und Madagaskar.
Innenpolitisch begann Ludwig XIV. seine Kontrolle über die französische Staatskirche auszubauen. Im November 1681 ließ er eine Klerusversammlung abhalten, welche die Gallikanischen Artikel verabschiedete, wodurch die Macht des Papstes praktisch aufgelöst wurde. Der Einfluss der französischen Könige war ohnehin sehr stark auf die eigene Kirche, nun jedoch durfte der Papst auch keine Legaten ohne des Königs Zustimmung nach Frankreich senden. Bischöfe durfte ohne dessen Erlaubnis das Land nicht verlassen, kein Staatsbeamter exkommuniziert werden für Taten, die seinen Dienst betrafen. Alle kirchlichen Privilegien wurden dem Monarchen übertragen, sämtliche Einflussmöglichkeiten des Papstes durch die Billigung des Königs reguliert. Der Papst verweigerte schließlich seine Zustimmung zu diesen Artikeln.
Ludwig ging davon aus, dass er, um die Einheit der Nation zu erlangen, zunächst eine Vereinigung der Religion erreichen müsste. Des Weiteren wurde er in dem tiefen Glauben erzogen, dass die Seele eines Protestanten den Qualen der Hölle ausgeliefert sei, weshalb er es als seine Pflicht ansah, die Seelen seiner hugenottischen Untertanen zu retten. Er setzte deshalb die protestantische Bevölkerung unter Druck, vor allem durch das Edikt von Fontainebleau (1685). Dadurch wurde das tolerante Edikt von Nantes (1598) von Heinrich IV. aufgehoben; hugenottische Kirchen wurden zerstört, protestantische Schulen geschlossen. Durch Ludwigs Maßnahmen flohen etwas mehr als 150.000 (von 730.000) Hugenotten ins Ausland, vor allem in die Niederlande, nach Preußen, England und Nordamerika, wo sie zur Steigerung der Produktivität beitrugen (diese französischen Flüchtlinge beeinflussten die protestantische Arbeitsethik der Niederlande, wodurch später der bereits erhebliche Reichtum in dieser Region noch gesteigert wurde). Die neuere Forschung hat gezeigt, dass die Zahl der Geflohenen bei weitem zu gering war, um einen spürbaren Schaden in der französischen Wirtschaft herbeizuführen. Jedoch erschütterte das Edikt von Fontainebleau Frankreichs Ansehen bei den protestantischen Staaten Europas, auch konvertierte ein harter Kern von 20.000 Hugenotten niemals und entfachte Aufstände in Zentralfrankreich. Die große Mehrheit gab dem Druck jedoch nach; aber auch den Steuerbegünstigungen und den Sonderrechten für Konvertierte sowie der lebenslangen Befreiung vom Dienst in der Miliz. Für Ludwig XIV., seine Minister und seine Kardinäle bedeutete ein einheitliches und stabiles Frankreich ein katholisches Frankreich.
Court_billard_1694.jpg Ab 1686 formierte sich die Liga von Augsburg gegen Frankreich, in der sich protestantische und katholische Staaten zusammenschlossen, um sich gegen dessen Eroberungspolitik zur Wehr zu setzen. Mitglieder waren der römisch-deutsche Kaiser Leopold I., Bayern (Kurfürst Maximilian II. Emanuel), Brandenburg, die Vereinigten Provinzen, Spanien (Karl II. von Spanien) und Schweden (Karl XI. von Schweden). Ludwig entsandte 1688 Truppen in die Pfalz um seine Ansprüche auf dieses Land durchzusetzen und einem Angriff der Liga an dieser Stelle zuvorzukommen. Durch diese Maßnahme eskalierte der Konflikt zwischen König und Liga. Letztere formierte sich zu einer Offensivallianz und erklärte Frankreich den Krieg, dem sich England nach der Glorreichen Revolution 1688 ebenso anschloss und so zum Pfälzer Erbfolgekrieg führte.
Frankreich hatte sich zwar zuvor nicht auf diesen Krieg vorbereiten können, war aber zunächst sehr erfolgreich. Französische Armeen besetzten die Spanische Niederlande und marschierten ins Reich ein, eroberten zahlreiche feste Plätze. Die Truppen der Alliierten waren weniger gut ausgebildet und zahlenmäßig unterlegen. Zudem waren große Truppenteile des Kaisers im Kampf mit den Türken gebunden. Die Allianz konnte kaum Siege verbuchen, doch auch Ludwig traf die Niederlage seiner Flotte vor La Hougue 1692. Es gelang keiner der beiden Seiten den Gegner endgültig niederzuringen, besonders die Alliierten konnten Frankreich nicht aus dem Reich verdrängen. Als Ludwig XIV. einsah, dass er keinen Sieg mit den Waffen erzwingen konnte, begann er seine Diplomaten als politische Waffe einzusetzen. Die erschöpften Kontrahenten begannen den Frieden von Rijswijk zu vereinbaren, der 1697 unterzeichnet wurde. Ludwig suchte hier einen maßvollen und stabilen Frieden auszuhandeln, der auch seine Gegner befriedigen konnte. Daher gab er Luxemburg und die Pfalz wieder heraus und bekam dafür die restlichen Reunionen endgültig bestätigt. Darüber hinaus erkannte Ludwig XIV. den Prinzen von Oranien als Wilhelm III. König von England an. Frankreich sollte so die Möglichkeit bekommen, sich langfristig von den Kriegsbelastungen zu erholen.
Nun fürchteten anderen Staaten wiederum, wenn sich Frankreich oder der Kaiser Spanien gänzlich einverleiben würden, dass das die Mächtekonstellationen in Europa erheblich erschüttern würde. Unter diesen Bedenken verhandelte Ludwig XIV. mit Wilhelm III. von England, den 1. Teilungsvertrag aus. Der bayerische Prinz Joseph-Ferdinand sollte Spanien bekommen und die restlichen europäischen Besitzungen zwischen Ludwig und Leopold aufgeteilt werden. Spanien hingegen lehnte jede Teilung seines Reiches ab und daher entschloss sich Karl II. den bayerischen Prinzen als Universalerben einzusetzen.
Mit dem Tod des bayerischen Prinzen Joseph-Ferdinand war dieser Plan hinfällig geworden. Karl II. wollte aber die Einheit seines Staates wahren und entschied sich vorerst für den Erzherzog Karl – den jüngeren Sohn des Kaisers – als seinen Erben. Dessen Ansprüche wurden jedoch durch den 2. Teilungsvertrag zwischen Frankreich und England geschmälert. Danach sollte Erzherzog Karl zwar Spanien erben, aber die italienischen Besitzungen an Frankreich fallen.
Kurz vor seinem Tod 1700 entschied sich Karl II. jedoch um. Er setzte den zweiten Sohn des französischen Kronprinzen, den Herzog von Anjou, als Erben ein. Sollte dieser unerwartet den französischen Thron erben, so würde dessen jüngerer Bruder, der Herzog von Berry, Spaniens neuer König. Sollte auch dieser nicht mehr zu Verfügung stehen, so würde Erzherzog Karl sein Erbe werden.
Als Ludwig XIV. die Nachricht vom Tod des spanischen Königs und dessen neuen Testament erfuhr, sah er sich in einer schwierigen Lage. Sollte er das Testament für seinen Enkel annehmen oder auf den Teilungsvertrag mit England eingehen? Nach intensivem Abwägen mit seinen Ministern entschloss er sich, das spanische Erbe zu akzeptieren, da ein Krieg mit dem Kaiser ohnehin unvermeidlich erschien und man so die bessere Position gegen diesen einnehmen konnte. So proklamierte er seinen Enkelsohn Philippe Duc d’Anjou zu Philipp V. König von Spanien.
Durch die Sorge, dass Frankreichs Übermacht noch zunehmen könnte, vereinigten sich England, Holland und das Reich mit dem Kaiser, zum Kampf gegen Ludwig; wodurch die Große Allianz geschaffen wurde. Die französisch-spanische Allianz wurde durch Portugal, Savoyen und Bayern unterstützt. Der Spanische Erbfolgekrieg (1702–1713) war ausgelöst. Frankreich verfolgte nun zwei Ziele: am wichtigsten war die Durchsetzung Philipp V. als spanischer König und dann beabsichtigte Ludwig XIV. noch weitere Eroberungen gegen das Reich zu machen. Der Krieg verlief jedoch wenig geradlinig; Frankreichs Armeen dominierten zu Beginn das Feld. Die kaiserlichen Alliierten hatten jedoch alle verfügbaren Kräfte gegen Frankreich mobilisiert und ihre Armeen modernisiert und ausgebaut. Frankreich war gezwungen während des Krieges 680.000 Soldaten zu unterhalten um ein schlagkräftiges Gegengewicht zu bilden und die feindlichen Armeen im Heiligen Römischen Reich zu beschäftigen. Frankreichs Staatsfinanzen wurden überbeansprucht und leere Kassen waren die Folge. 1709 sah die militärische Lage für Frankreich zunächst so schlecht aus, dass Ludwig XIV. um Frieden ersuchte, doch die Alliierten stellten unannehmbare Forderungen, so dass Gespräche unverzüglich abgebrochen wurden. In der Folge begannen wieder französische Armeen siegreich zu sein, eine Entscheidung brachte dies jedoch nicht. Alle Parteien waren zermürbt und auch die kaiserlichen Alliierten standen am finanziellen und wirtschaftlichen Kollaps. Frankreich war klar, dass es die feindliche Koalition nicht mehr endgültig besiegen konnte und die Koalition musste erkennen, dass es ihnen unmöglich war, Frankreich zu überwältigen oder Philipp V. aus Spanien zu vertreiben.
1713 unterzeichnete England den Separatfrieden von Utrecht mit Ludwig und Philipp und schwächte so die Kaiserlichen weiter. Durch die Besetzung Freiburgs, im November 1713, durch Frankreichs Truppen, sah sich Kaiser Karl VI. gezwungen, ebenfalls den Frieden zu suchen und 1714 den Frieden von Rastatt zu akzeptieren. Danach erfolgte der Frieden von Baden zwischen Frankreich und dem Reich.
Louis 1714.jpg im Schloss Fontainebleau 1714]] Philipp V. blieb König von Spanien und behielt ebenso dessen Kolonien. Die Reste der Spanischen Niederlande und die italienischen Besitzungen fielen an den Kaiser. Damit hatte Frankreich sein politisches Hauptziel erreicht und die Bourbonen auf Spaniens Thron etabliert, musste jedoch auf jegliche militärische Eroberung verzichten. Dennoch war die habsburgische Umklammerung Frankreichs endgültig zerschlagen worden. In seinen letzten Jahren kümmerte sich Ludwig XIV. hauptsächlich um die Erholung der Staatsfinanzen durch Einsparungen und Finanzreformen, sowie die Förderung der Wirtschaft.
Als Ludwig XIV. am 1. September 1715 starb, hatte er das französische Territorium wie keiner seiner Vorgänger vergrößert. Frankreich war der mächtigste Staat und kulturelles Zentrum Europas. Französisch diente im 17. und 18. Jahrhundert als Sprache des guten Geschmacks, ähnlich wie Englisch später zur globalen Wirtschaftssprache wurde. Im 18. Jahrhundert übernahm zum Beispiel der russische Adel französische Sitten und sprach eher Französisch als Russisch. Das französische Volk war nach den Holländern das wohlhabendste Europas geworden, die Wirtschaft erholte sich nach der Stagnation im Spanischen Erbfolgekrieg schnell, sie gedieh und wuchs, auch wenn die Steuern vergleichsweise hoch waren.
Andererseits jedoch war die Bevölkerung nach 72 Jahren Herrschaft ihres alten Königs überdrüssig. Die enormen finanziellen Belastungen des letzten Krieges lasteten die Menschen ebenfalls Ludwig XIV. an. Als sein Körper in die Gruft überführt wurde, berichtete der Polizeikommissar Pierre Narbonne: "Viele Menschen freuten sich über den Tod des Fürsten, und überall hörte man Geigen spielen." Und Voltaire sah neben dem Trauerzug "kleine Zelte, wo das Volk trank, sang und lachte". Man freute sich auf die Herrschaft des neuen Königs und wollte die letzten harten Jahre des Spanischen Erbfolgekriegs vergessen.
Ludwig XIV. ernannte den genialen Colbert, den Begründer des Merkantilismus, zu seinem neuen „Generalkontrolleur der Finanzen“. Das Amt des Finanzministers wurde abgeschafft und durch einen Finanzrat ersetzt, dem der König und Colbert vorstanden. Etwas unerhörtes, denn ein König hatte sich eigentlich nicht um etwas so unschickliches wie Geld zu kümmern. Indem Colbert die Korruption bekämpfte und die Bürokratie neu organisierte, konnte er die Steuereinnahmen mehr als verdoppeln, ohne neue Steuern erheben zu müssen. So war es Ludwig möglich, bereits am Anfang seiner persönlichen Regierung eine Steuersenkung zu erlassen und so ein schnelleres Wachstum der französischen Wirtschaft zu erreichen. Die Wirtschaft wurde durch die Einrichtung von Handelskompanien und Manufakturen gefördert. Besonders die französische Luxusindustrie wurde bald führend in Europa und darüber hinaus. Mit Waren wie Gobelinteppichen, Spiegeln, Spitzen, Goldschmiedearbeiten und Möbeln, die in ganz Europa begehrt waren, erzielte die Krone Spitzenprofite. Nach Innen wurde Nordfrankreich einer Zollunion unterworfen, um so innerfranzösische Handelshemmnisse abzubauen. Colberts Versuche, eine einheitliche Zollbarriere für das ganze Königreich zu erwirken, scheiterten jedoch an lokalen Handelsprivilegien.
Das französische Steuersystem enthielt Handelssteuern (aides, douanes), Salzsteuer (gabelle) und Landsteuer (taille). Durch veraltete Regelungen aus dem Feudalismus war der Adel und der Klerus von diesen direkten Steuern befreit, die von der Landbevölkerung und der aufstrebenden Mittelklasse (der Bourgeoisie) aufgebracht werden mussten. Vermutlich wurde die Französische Revolution auch vom Ärger über dieses Steuersystem genährt. Allerdings ist unter Ludwig XIV. die Tendenz festzustellen, den Adel und Klerus der direkten Steuer zu unterwerfen. Zur Zahlung der indirekten Steuern waren diese ohnehin verpflichtet. Der König führte die „capitation“ – eine Kopfsteuer – ein, von der die unteren Schichten kaum erfasst wurden, aber von der die beiden hohen Stände in vollem Umfang betroffen waren. Selbst die Prinzen von Geblüt und der Dauphin mussten den höchsten Steuersatz zahlen. Auf diese Weise wurde der Hochadel zum ersten Mal, unvermittelt an der Finanzierung des Staates beteiligt.
Beim Tode Ludwig XIV. war Frankreich das reichste Königreich Europas, mit überdurchschnittlichen Staatseinnahmen, welche die Finanzen anderer Staaten bei weitem übertraf. Allerdings betrugen die Staatsschulden durch die harten Anforderungen des Spanischen Erbfolgekrieges 3.5 Milliarden Livres, ein Betrag der erst im Jahr 1725 endgültig getilgt war. Dies änderte aber nichts an der enormen Leistungsfähigkeit der Wirtschaft. Frankreich verfügte über das zweitgrößte Handelsvolumen und eine deutlich positive Handelsbilanz; nur die Holländer vermochten höhere Gewinne mit ihren internationalen Handelskompanien zu erzielen. Frankreich war ein strukturell stabiles und ressourcenstarkes Land, das mit über 20 Millionen Einwohnern das mit Abstand bevölkerungsreichste Land Europas war.
Als Kavalier war Ludwig XIV. vorbildlich. Seine Anziehungskraft auf schöne, kluge Frauen ist bis heute legendär. Frauen spielten in seinem Leben eine große Rolle, besonders als Mätressen. Familie war ihm wichtig, besonders seinen Kindern schenkte er hohe Aufmerksamkeit. Als Vater und Großvater war er fürsorglich und liebevoll. Seine unehelichen Kinder legitimierte er ausnahmslos, erhob sie in den Prinzenrang und verheiratete sie mit Prinzen und Prinzessinnen von Geblüt.
Der König schätzte Vergnügungen. Als Liebhaber und Förderer des Balletts tanzte er bis zu seinem 30. Lebensjahr ausgesprochen gern. Er war auch ein ausgezeichneter Reiter, liebte die Jagd, das Schauspiel und besonders die Musik. Mit zahlreichen Künstlern unterhielt er freundschaftliche Beziehungen. Man sagt ihm nach, er hätte von den Bourbonen die Lebensfreude, von den Medici die Kunstliebe und von den spanischen Habsburgern die majestätische Würde geerbt.
Im Sinne der Selbstdarstellung des Monarchen sind auch die Feste in Versailles zu verstehen. Die Repräsentation des Königs, diente dem Ansehen des Staates in aller Welt. Einige Künstler erklommen im Dienste des Königs ungeahnte Höhen; hier wären besonders Lully auf dem Gebiet der Musik und des Tanzes zu nennen. Aber auch Molière, der für Ludwig XIV. zahllose Bühnenstücke verfasste. Beide Künstler zusammen zeigten sich für die Organisation der königlichen Spektakel verantwortlich. Daneben sind noch so berühmte Namen wie Boileau, La Fontaine und Racine zu nennen.
Man kann nicht stark genug herausstellen, dass Versailles hauptsächlich nicht als Ort für das persönliche Vergnügen des Königs diente, sondern ein politisches Machtinstrument war. Durch die Bindung des Hochadels an den Hof geriet dieser nicht nur zunehmend in persönliche Abhängigkeit vom König, sondern wurde ebenso von Rebellionen und Machtkompetenzen ferngehalten. Das Schloss war mit einer Fülle von politischen Aussagen gefüllt, die jedem Besucher in der Anordnung der Räume, den Gemälden und Skulpturen, in den Gärten und Alleen begegnete. Die Sinnaussage war folgende: Der König ist der Garant für Ruhe, Ordnung und Wohlstand des Staates, der einzige Stellvertreter Gottes auf Erden und niemand kommt seiner Macht gleich.
Siehe auch: Schloss Versailles
Im Schlosspark von Versailles ließ er sich mit dem Grand Trianon zudem ein Lustschloss errichten, welches wie Marly-le-Roi als Privatresidenz des Monarchen gedacht war. In Marly entstand ab 1678 eine imposante Anlage, die als einzige nicht der Öffentlichkeit zugänglich war. Hierher zog sich Ludwig XIV. vom geschäftigen und stets öffentlichen Leben in Versailles zurück. Erscheinen durfte man nur auf ausdrückliche Einladung und eine solche galt als eine der höchsten Ehren im Leben eines Höflings. In der Umgebung der nunmehr zur Stadt erhoben Anlagen von Versailles, entstanden zahllose Schlösser und Gärten, die von Angehörigen des Königshauses und vom Hofadel errichtet wurden. Hier suchte man Ruhe vom Hof und ging der Jagd nach, oder lud den König für ein Fest zu seinen Ehren ein. All dies verschlang ungeheure Mengen Geld und der Adel war bald gezwungen Pensionen vom König zu erbitten, um den Lebensstandard zu erhalten. So vergrößerte sich die Abhängigkeit der Adeligen weiter.
Kinder mit Maria Theresia von Spanien:
Uneheliche Kinder:
Vier Kinder mit Louise de La Vallière:
Sechs Kinder mit Madame de Montespan:
Ein Kind mit Marie-Angélique de Fontanges:
Siehe auch: Mann mit der eisernen Maske
Der zweite Teil der Lesung beginnt bei Abschnitt 1.2. Wirtschaft.
Eine Komplettlesung findet sich hier:
Mann | Geboren 1638 | Gestorben 1715 | Haus Bourbon | Ancien Régime | König (Frankreich)
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