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Ludwig Johann Ferdinand Gustav Windthorst (* 17. Januar 1812 auf Gut Caldenhof in Ostercappeln bei Osnabrück; † 14. März 1891 in Berlin) war ein deutscher Politiker der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ludwig windthorst.jpg

Er war Vorsitzender der katholischen Zentrumspartei und war nach Gründung des Deutschen Reiches ein wesentlicher Gegenspieler Otto von Bismarcks. Für den Wahlkreis "Meppen-Lingen-Bentheim" wurde er von 1871 an bis zu seinem Tod in den Deutschen Reichstag gewählt.

Leben


Windthorsts Vater Franz und nach dessen Tod 1822 seine Mutter Klara waren Rentmeister des Gutes Caldenhof für die Reichsfreiherren Droste zu Vischering und konnten so ihren Kindern eine angemessene Ausbildung bieten.

Nach dem Abitur am Gymnasium Carolinum in Osnabrück 1830 studierte Windthorst in Göttingen und Heidelberg Rechtswissenschaften. 1836 wurde er Referendar in Osnabrück, 1848 Oberappellationsgerichtsrat in Celle. 1849 wurde Windthorst für die „Groß- und echt-deutsche Partei“ ins Abgeordnetenhaus des Königreichs Hannover gewählt, dessen Präsident er im Jahr 1851 wurde. Von 1851 bis 1853 und von 1862 bis 1865 bekleidete er das Amt des Justizministers im Königreich Hannover und warb für eine österreichfreundliche Politik. Neben seiner Tätigkeit als Abgeordneter und Minister fungierte Windthorst, seit 1865 Kronoberanwalt in Celle, als Rechtsberater und Beauftragter des 1866 nach der Besetzung des Königreiches Hannover durch Preußen abgesetzten Königs Georg V. von Hannover.

Von 1867 an saß er als Abgeordneter im (Norddeutschen) Reichstag und im preußischen Abgeordnetenhaus. Der Gründung der Zentrumspartei stand er anfangs zurückhaltend gegenüber, trat aber im Januar 1871 schließlich doch der neu gegründeten Fraktion im preußischen Abgeordnetenhaus bei und wurde auch Mitglied der Zentrumsfraktion nach der Wahl zum ersten Reichstag am 3. März 1871.

Dort machte er sich vor allem im Kulturkampf, den Bismarck gegen den Einfluss der katholischen Kirche führte, als äußerst fähiger Redner einen Namen und stieg, ohne offiziell ein Fraktionsamt inne zu haben, zum führenden Repräsentanten der Zentrumspartei und des deutschen Katholizismus auf. Vehement setzte er sich für eine religiöse Grundlage des Schulwesens ein. Deshalb sind heute mehrere katholische Schulen in Deutschland nach Ludwig Windthorst benannt. 1872 wurde er Mitglied im Verband der wissenschaftlichen katholischen Studentenvereine Unitas.

Windthorst starb am 14. März 1891 in Berlin an einer Lungenentzündung. Zwei Tage zurvor wurde der Schwerkranke noch persönlich von Kaiser Wilhelm II. in seiner Wohnung besucht. Windthorsts Grab befindet sich in der St. Marienkirche zu Hannover.

Nach Windthorst ist der Windthorstbund, die Jugendorganisation des Zentrums benannt. Die Ludwig-Windthorst-Stiftung mit Sitz in Lingen widmet sich den Idealen des Zentrumspolitikers. Das Windthorst-Gymnasium Meppen, sowie die Schule an seinem Geburtsort Ostercappeln, wurde ebenfalls nach ihm benannt.

Schrifteditionen


  • Ludwig Windthorst. 1812-1891. Herausgegeben und erläutert von Hans-Georg Aschoff. Beiträge zur Katholizismusforschung. Reihe A: Quellentexte zur Geschichte des Katholizismus, Band 9. Schöningh, Paderborn, München, Wien und Zürich 1991, ISBN 3-506-70869-4
  • Ausgewählte Reden. Band 1. (2., verbesserte Auflage, Nachdruck der Ausgabe des Wehberg-Verlags, Osnabrück 1903.) Olms, Hildesheim, Zürich und New York 2003, ISBN 3-487-12007-0
  • Ausgewählte Reden. Band 2. (Nachdruck der Ausgabe des Wehberg-Verlags, Osnabrück 1902.) Olms, Hildesheim, Zürich und New York 2003, ISBN 3-487-12008-9
  • Ausgewählte Reden. Band 3. (Nachdruck der Ausgabe des Wehberg-Verlags, Osnabrück 1902.) Olms, Hildesheim, Zürich und New York 2003, ISBN 3-487-12009-7
  • Briefe. Band 1: 1834-1880. Bearbeitet von Hans-Georg Aschoff und Heinz-Jörg Heinrich. Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte. Reihe A: Quellen, Band 45. Schöningh, Paderborn, München, Wien und Zürich 1995, ISBN 3-506-79885-5
  • Briefe. Band 2: 1881-1891. Um einen Nachtrag mit Briefen von 1834 bis 1880 ergänzt. Bearbeitet von Hans-Georg Aschoff und Heinz-Jörg Heinrich. Veröffentlichungen der Kommission für Zeitgeschichte, Reihe A: Quellen, Band 47. Schöningh, Paderborn, München, Wien und Zürich 2002, ISBN 3-506-79888-X

Literatur


  • Margaret Lavinia Anderson: Windthorst. Zentrumspolitiker und Gegenspieler Bismarcks. Forschungen und Quellen zur Zeitgeschichte, Band 14. Droste, Düsseldorf 1988, ISBN 3-7700-0774-3
  • Hans-Georg Aschoff: Ludwig Windthorst. Ein christlicher Politiker in einer Zeit des Umbruchs. Niedersächsische Landeszentrale für Politische Bildung, Hannover 1991
  • Hans-Georg Aschoff: Rechtsstaatlichkeit und Emanzipation - Das politische Wirken Ludwig Windthorsts. Reihe Emsland/Bentheim, Band 5. Verlag Emsländische Landschaft, Sögel 1988
  • Hermann Meemken (Hrsg.): Ludwig Windthorst 1812-1891. Christlicher Parlamentarier und Gegenspieler Bismarcks. Begleitbuch zur Gedenkausstellung aus Anlass des 100. Todestages - eine Gedenkausstellung des Landkreises Emsland und der Ludwig-Windthorst-Stiftung. Goldschmidt, Werlte 1991, ISBN 3-927099-25-2
  • Wolfgang Sellert: Ludwig Windthorst als Jurist. "Der Weg des Rechts ist der einzige Weg, der zum Ziele führt". Wallstein, Göttingen 1991, ISBN 3-89244-024-7

Weblinks


Mann | Zentrum-Mitglied | Reichstagsabgeordneter | Korporierter im UV | Korporierter im CV | Meppen | Geboren 1812 | Gestorben 1891

Ludwig Windthorst | Ludwig Windthorst

 

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