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Der originäre Begriff Lop Nor (engl.: Lop Nur) bezeichnet einerseits das 21.000 km² große und am Vorkommen von Seemuscheln und Seeschnecken sowie an Ablagerungen von Wasserpflanzen und Sylvin erkennbare Seebecken Lop Nor (auch Lop Basin oder Old Lop Basin) im östlichen Teil des Tarimbeckens im nordwestchinesischen Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang (Uygur Zizhiqu), und er bezeichnet andererseits den zu gewissen Zeiten und in wechselnder Lage und Größe im Seebecken befindlichen See Lop Nor.
Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff Lop Nor als Bezeichnung für den inzwischen ausgetrockneten See Kara-koschun (Kara Koshun, qara qosun oder Hara kurtschin) angewendet, da der russische Asienforscher Nikolai Michailowitsch Prschewalski angenommen hatte, dass er in dem See Kara-koschun den See Lop Nor entdeckt habe. Die Bezeichnung Lob-nor (Lop Nor) für den See Kara-koschun findet sich beispielsweise neben der herkömmlichen Bezeichnung Hara kurtschin (kara-koschun) in Adolf Stielers Handatlas 1891 (Seite "Inner-Asien und Indien"). Die Benennung des Kara-koschun als Lop Nor wurde von Ferdinand von Richthofen, der auf einer eigenen Expedition den See Lop Nor gesucht hatte, mit der Begründung abgelehnt, dass es sich bei dem See Kara-koschun um einen anderen See als den See Lop Nor handeln müsse, da der See Lop Nor in den alten chinesischen Karten circa zwei Breitengrade weiter nördlich zu finden sei.
Der Begriff Lop Nor Wüste (auch Lop Wüste) beschreibt ein etwa 100.000 km² großes Wüstengebiet, das im östlichen Teil des Tarimbeckens liegt. Für die Lop Nor Wüste sind bedeutsam:
Die uigurischen Bewohner der Wüste Lop Nor wurden Loplik genannt. Die Loplik verließen um 1920 das Seebecken Lop Nor, nachdem eine Pest - Epidemie dort zu zahlreichen Todesfällen geführt hatte.
Über der Wüste ging in den Jahren 1964 bis 1980 der radioaktive Niederschlag der oberirdischen Atomtests für Plutoniumbomben nieder.
Am 18. März 1999 wurde in der Wüste ein Schutzgebiet zur Erhaltung der Salzwasserkamele, der Artenvielfalt, des Ecosystems und der von Yardangs geprägten Landschaft mit dem Namen Xinjiang Lop Nur Nature Sanctuary of China (Xinjiang Lop Nur Wild Camel Nature Reserve) in der Größe von 107,768 km² gegründet.
Der alte Ortsname Lop Nur bezeichnet den Ort Yuli bzw. Wei-li oder Konche (Longitude: 86.2578, Latitude: 41.3306) an der Straße 218 südlich der Stadt Korla und des Flughafens Korla an dem Fluss Konqui-He.
Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird der Begriff Lop Nor auch auf das chinesische Kernwaffentestgelände Lop Nor (bei Quingir nordwestlich der Wüste Lop Nor in den Kuruktagh - Bergen) angewendet.
Lop Nor Tiger heißt eine uigurische Widerstandsbewegung, die sich zunächst gegen die chinesischen Atomtests wandte, die in der Gegenwart aber um die Unabhängigkeit Ost-Turkestans von chinesischer Vorherrschaft kämpft.
In der Wüste Lop Nor befindet sich im Osten das Seebecken Lop Nor mit dem ausgetrockneten See Lop Nor und im Südwesten der ausgetrocknete See Kara-koschun. Die mittlere Route der Seidenstraße verlief auf ihrem Wegstück von Korla (= Kurla = Koria = K’u-erh-lo) über Loulan Gucheng nach Yumenguang (= Yü-men-kuan = Han-yü-men-kuan) durch den nördlichen Teil der Lop Nor Wüste; heute verläuft keine Straße mehr auf diesem Wegstück der Seidenstraße durch die Wüste Lop Nor.
Die Zeit des Kara Buran (= schwarzer Buran) ist vom Februar bis zum Juni; dieser Sandsturm kommt alle drei bis fünf Tage vor allem aus dem Nordosten. Raoul Schrott beschreibt den Buran in seiner Novelle Die Wüste Lop Nor im Kapitel XC (Seite 112): Am Nachmittag fiel die Temperatur binnen einer Stunde um zwanzig Grad. Wir blieben zwei Tage in den Zelten, die wir am Lastwagen festgezurrt hatten. Die Luft wurde dick, die Sonne schwarz hinter Wänden. Erst wurde dadurch der Wind noch gehalten, dann drang er durch und barst, schleuderte Massen von Sand empor, von Kies und Steinen durchsetzt. Je schneller es dunkelte, umso brennender wurde der Wind, brannte wie eine Esse, in der Quarz zu Glas schmilzt.
Die Winter sind kalt und mit seltenem Schneefall. Reisezeiten mit abflauendem Sandsturm sollen Mitte April und Mitte Oktober sein. Karawanen auf der mittleren Seidenstraße und Expeditionen wählten die Monate Dezember und Januar und nahmen Trinkwasser in Form von Eis mit. In Lop Nor wurden folgende Grenzwerte gemessen:
Yardangs liegen unter anderen nördlich von Loulan in einem Gebiet, das den Namen Drachenstadt trägt. Zur Entstehungssage siehe das untenstehende Zitat. Die Forschungen von Sir Aurel Stein zur Drachenstadt finden sich in Innermost Asia Band 1 auf den Seiten 290 bis 295.
Xia Xuncheng vermutete 1982, dass die obere Plattform der 5,30 m hohen Yardangs die ursprüngliche Höhe des Seebeckens um das Jahr 1919 anzeigt und dass die erodierten Bereiche zwischen den Yardangs bis zum Jahr 1959 durch die Strömung des zufließenden Wassers im See Lop Nor und durch Regenstürme eingetieft wurden. Nach dem Austrocknen des Sees wurden die Yardangs zusätzlich durch die vorherrschenden nordöstlichen Sandstürme stromlinienförmig abgeschliffen.
Die Lop Wüste (Lop Nor Wüste) wurde von Marco Polo erwähnt, der 1274 die Stadt Lop (= Ruoquiang = Jo-chiang = Charkhlik = Cho Ch’iang = Luóbùcun = Luobuzhuang) besuchte. Über die Lop Wüste schreibt er (zitiert nach Johannes Paul): Eine höchst merkwürdige Sache wird von dieser Wüste berichtet. Wenn von einer Reisegesellschaft, die nachts unterwegs ist, ein Mann zurückbleibt oder einschläft und dann versucht, seine Leute wieder zu erreichen, so hört er Geisterstimmen, die ihn beim Namen rufen. Im Glauben, dass es seine Kameraden sind, wird er in die Irre geführt, so dass er die Karawane niemals wieder findet und elend zugrunde geht. Auch das Getrappel großer Reiterscharen hört ein verirrter Reisender manchmal abseits vom Wege. Das hält er dann für das Geräusch seiner Gefährten; er folgt dem Klang, und erst bei Tagesanbruch merkt er, dass er genarrt wurde. Daher ist es üblich, dass sich die Reisenden auf dieser Strecke dicht beisammen halten. Auch haben alle Tiere große Glocken um den Hals, damit sie sich nicht so leicht verirren können. Nur auf diese Weise kann man die Große Wüste durchqueren.
Die von Marco Polo genannte Lop Wüste wurde 1561 von Giacomo Gastaldi als Diserto de Lop in seine gemalte Karte von Asien im Dogenpalast von Venedig eingetragen. Der schwedische Artillerieleutnant Renat gab nach seiner Rückkehr aus Russland nach Schweden 1733 eine Karte Zentralasiens heraus, in die er den See Lop Nor unter dem Namen Läp eingetragen hatte.
Der Schriftsteller Raoul Schrott veröffentlichte eine Novelle und ein Hörspiel unter dem Namen Die Wüste Lop Nor. Im Kapitel XCVII (Seite 119f) verarbeitet er Berichte früherer Reisender:
Von der Wüste Lop heißt es: Ziehen Reisende durch die Nacht und fällt einer von ihnen zurück oder schläft im Reiten ein und versucht dann, den Zug wieder einzuholen, wird er Geisterwesen reden hören und sie für seine Gefährten halten. Manchesmal rufen sie ihn bei seinem Namen und führen ihn dadurch in die Irre; so sind schon viele umgekommen.
Manchmal hören verirrte Reisende auch so etwas wie Hufschlag und das Stimmengewirr einer Kavalkade von Reitern, fernab des rechten Weges, und folgen ihnen nach; bei Tagesanbruch aber merken sie, dass alles nur Trug war, und ihre Lage wird mißlich.
Doch auch tagsüber hört man die Dämonen, das Klirren von Waffen, oft auch verschiedene Musikinstrumente, die sie spielen, meist jedoch Trommellärm. Man kann sie auch sehen, die wehenden Banner und das Gleißen ihrer Schwerter, während man hinter sich die geflüsterten Worte vernimmt: Fürchte dich nicht! Fürchte dich nicht!
Beim Durchqueren der Wüste Lop sind die Reisenden deshalb bestrebt, sich nicht aus den Augen zu verlieren; den Tieren werden kleine Glocken um den Hals gebunden, damit sich die Karawanen nicht zerstreuen. Und es ist Brauch geworden, noch bevor man das Lager aufschlägt, mit einem Zeichen die Richtung zu markieren, die tags darauf einzuschlagen ist.
Seit der Han-Dynastie (202 v. Chr.-220 n. Chr.) sorgten Signaltürme (= Wachtürme) für die Orientierung und Sicherheit der Reisenden an der mittleren Seidenstraße. Ruinen von Signaltürmen der Chinesischen Mauer, die die Seidenstraße begleitete, wurden in der Wüste Lop Nor an den folgenden Orten gefunden: in Milan; 45 km südlich von Loulan (Name der Festung: LK); 20 km nordöstlich von Merdek beim Schmalen Fluss; am Nord- und Nordwestrand des Sees Lop Nor (Namen der Festungen: L.J., Tuken, L.F., L.E., LA = Loulan); in Yingpan und von da aus nach Westen am nördlichen Ufer des Kum Darya und des Konche Darya in dichten Abständen bis Korla und Charchi. Nach dem Austrocknen des Sees Lop Nor wurde ab 330 die südliche Seidenstraße benutzt; sie führte von Dunhuang südlich des Sees Lop Nor über Miran nach Charkhlik; diese Streckenführung benutzte Marco Polo.
Außerdem bestand eine Straße von Milan nach Loulan, die die mittlere und die südliche Seidenstraße verband. An dieser Straße stand 45 km südlich von Loulan die Festung LK mit den westlich davon gelegenen Siedlungen LL, LM und LR. Nördlich von LK durchlief diese Straße ein Gebiet mit Yardangs.
Eine weitere Straße führte möglicherweise von Milan oder Ruoqiang (= Charkhlik) über die Festung Merdek und den Schmalen Fluss an dem dortigen Signalturm vorbei zu der mittleren Seidenstraße am Fluss Kum Darya.
Die Stadt Loulan wurde erstmalig 176 v. Chr. in einem Brief des Hsiung-nu - Herrschers an den Kaiser der Han-Dynastie Wendi erwähnt. Ein Bericht aus dem Jahr 126 v. Chr. über Loulan stammt von dem chinesischen Diplomaten Zhang Qian, der 139 bis 123 v. Chr. im Auftrag des chinesischen Kaisers Wu-ti die Seidenstraße erkundete. Er berichtete von einer Stadt mit etwa 14.000 Einwohnern und schrieb: Die Gebiete von Loulan und Gushi haben eine umwallte Stadt und umwallte Vororte; sie liegen am Salzsumpf.
Loulan wurde um 330 wegen Wassermangel verlassen, nachdem der Tarim seinen Lauf geändert hatte, das Süßwasser fehlte und der See Lop Nor auszutrocknen begann.
Christoph Baumer fand 1994 etwa 5 km südlich der Stadt Loulan einen großen ehemaligen Obstgarten. Er schreibt: Vor uns stehen mehr als 20 lange Reihen verdorrter Obstbäume, die aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. stammen müssen. Wahrscheinlich handelt es sich um Aprikosenbäume.
Sven Hedin entdeckte im Jahr 1900 die im Süden der Wüste Lop Nor südlich vom See See Kara-koschun gelegene Ruinenstadt Milan = Milan Gucheng = Mi-lan = Mu-lan = Miran = Miran-tarium = Mo-lang (Longitude: 88.8333, Latitude: 39.2500). Sir Aurel Stein nahm dort 1907 und 1914 Grabungen vor. Chinesische Archäologen begannen nach 1950 weitere Ausgrabungen. Milan ist im 3. Jahrhundert wahrscheinlich ein Außenposten des Reichs Shanshan mit buddhistischen Klosteranlagen, Wandmalereien und Stupas gewesen. Im 8. Jahrhundert war Milan eine tibetische Garnisonsstadt mit entsprechenden Befestigungsanlagen. Möglicherweise war Milan derjenige Ort, der in den Han-Annalen I-hsün'' genannt wurde.
Nach offiziellen Schätzungen aus dem Jahr 2001 leben in China etwa 600 dieser Salzwasserkamele und in der mongolischen Wüste Gobi, in der das Schutzgebiet Southern Altay Gobi Nature Reserve (= Great Gobi Reserve A) besteht, weitere 300 Salzwasserkamele. In Gefangenschaft werden -soweit bekannt- in China und der Mongolei 15 Salzwasserkamele gehalten. Genetische Untersuchungen von Professor Han Jianlin (Gansu Agricultural University, China) und Professor Olivier Hanotte (International Livestock Research Institut in Nairobi, Kenya) ergaben, dass sich die Gene des Camelus ferus ferus um 3 % von den Genen des Camelus ferus bactrianus unterscheiden. Zum Vergleich: Die Differenz zwischen den Genen der Menschen und der Schimpansen beträgt 5 %.
In der Roten Liste gefährdeter Arten werden die Salzwasserkamele ab 1996 als stark gefährdet (engl. Endangered) bezeichnet, Experten drängen aber darauf, sie als vom Aussterben bedroht zu klassifizieren (Stand: 2006); denn in der Roten Liste rechnet man mit einem Rückgang der Population in der Mongolei und entsprechend auch in China bis zum Jahr 2033 (in der dritten Generation nach dem Jahr 1985) um 84%. Die mongolische Subpopulation hat sich in den Jahren 1984 - 2006 von 650 Tieren auf 300 Tiere verringert, der chinesische Bestand schrumpfte in den Jahren vor 2006 jährlich um etwa 20 Tiere, die durch Jäger oder Minenleger getötet wurden.
Besonders die Wild Camel Protection Foundation setzte sich für den Schutz der letzten lebenden Salzwasserkamele ein. Sie plante deshalb gemeinsam mit der chinesischen Regierung ein großflächiges Schutzgebiet für diese Tiere, das finanziell von dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen United Nations Environment Programme (UNEP) unterstützt wird.
Am 18. März 1999 wurde dieses Schutzgebiet von der Chinese State Environment Protection Administration of China (SEPA) mit dem Namen Xinjiang Lop Nur Nature Sanctuary of China (= Xinjiang Lop Nur Wild Camel Nature Reserve) errichtet. Im Jahr 2003 wurde es ein National Nature Reserve und untersteht dem Chinese State Environment Ministry (SEPA). Es hat die Größe von 107,768 km² und umschließt sowohl das Seebecken Lop Nor als auch das chinesische Kernwaffentestgelände Lop Nor. Seine Grenzen berühren drei weitere Schutzgebiete: Arjin Shan Reserve (15.000 km²), Annanba Protected Area (3.960 km²) und Wanyaodong (333 km²). - Andere Quellen sprechen vom Arjin Shan Lop Nur Nature Reserve in der Größe von 65,000 km².
2001 wurden von den 15 Straßenzufahrten in das Schutzgebiet nur fünf durch Kontrollpunkte überwacht. Die Einrichtung dieses Naturschutzgebietes zur Erhaltung der Artenvielfalt, des Ecosystems und der von Yardangs geprägten Landschaft im Lop Nor wurde am 6. November 1998 als Projekt 600 von der Globalen Umweltfazilität (=Global Environment Facility = GEF) bis 2001 mit einem Zuschuss von $750.000 gefördert. Der deutsche Anteil an diesem Zuschuss beträgt 12% = $90.000). Das Uigurische Autonome Gebiet Xinjiang übernimmt die laufenden Kosten für das Schutzgebiet einschließlich Benzin- und Personalkosten.
Eine Gefahr für dieses Schutzgebiet geht von den Arbeitern aus, die bei der industriellen Ausbeutung der Bodenschätze im Seebecken des Lop Nor beschäftigt sind, da die geschützten Salzwasserkamele traditionell als Sport oder als Frischfleischlieferanten bejagt werden, obgleich ihre Bejagung in China strengstens verboten ist. Eine Gaspipeline, die in West-Ost-Richtung unterirdisch durch das Schutzgebiet geführt werden sollte, wurde schließlich außerhalb des Schutzgebietes gebaut.
Im Jahr 2003 wurden beim Lop Nor Environmental Science Drilling Project Bohrkerne in mehr als 160 Meter Tiefe entnommen, die laut Fang Xiaomin vom Institute of Earth Environment of the Chinese Academie of Sciences zeigen, dass der See Lop Nor vor 1,8 bis 2,8 Millionen Jahren ein sehr tiefer Süßwassersee von gewaltiger Größe gewesen ist, der sich in einem Zeitalter mit beständigem Starkregen über das Gebiet der Lop Nor Wüste hinaus bis in das Gebiet der Taklamakan-Wüste hinein erstreckte. Die organischen Ablagerungen erreichten eine Höhe von 60 Metern. In den Bohrkernen wurden 60 Meter lange Ablagerungen von Indigo-Silt in gelber Farbe mit hohem Gips-Anteil gefunden, die bestätigen, dass hier ein Süßwassersee von großer Tiefe bestanden hat, an dessen Grund Sauerstoff fehlte. Funde von Muscheln in Bohrkernen zeigen, dass der See auch in späterer Zeit ein Süßwassersee gewesen ist.
Im Pliozän vor 1,8 Millionen Jahren entstand im östlichen Tarimbecken ein tiefergelegenes Becken, in dem sich am Ende des mittleren Pleistozän (= Diluvium) um 780.00 v. Chr. durch neue tektonische Absenkungen das sekundäre Seebecken Lop Nor herausbildete. In der letzten Eiszeit waren sowohl die Taklamakan wie auch der Lop Nor fast ganz von einem Glazialsee bedeckt.
Vor 800.000 Jahren änderte sich das Klima; es war extrem trocken. Nach dem Austrocknen der Taklamakan wurde das Seebecken Lop Nor zum Ziel aller Flüsse des Tarimbeckens, die sich in einem abflussloser See sammelten und das in den Flüssen mitgeführte Salz in einer Salzpfanne ablagerten.
Die massenspektrometrische Untersuchung von Sedimenten mit biologischen Ablagerungen im Jahr 2006 läßt 4 Wetterperioden erkennen:
Das Seebecken Lop Nor liegt an der tiefsten Stelle des Tarimbeckens (780 m Höhe über NN) und ist heute als Salztonebene von einer harten teilweise hoch aufgebrochenen Salzkruste bedeckt, die 30 cm bis 100 cm dick und 21.000 km² groß (zum Vergleich: Hessen hat die Größe von 21.114,72 km²) und im Nordbereich nahezu unpassierbar ist. Die biologischen Ablagerungen bildeten in den Jahrtausenden eine Schicht von 1,50 m, die laut der vorgenommenen Radiokarbonmethode aus Pollen von Wasserpflanzen bestehen und belegen, dass der See Lop Nor über lange Zeiträume Wasser geführt hat und ein Biotop für Wasserpflanzen gewesen ist. Im Osten des Seebeckens erstrecken sich Sanddünen in der Länge von 80 km von Norden nach Süden.
Auf neuen Satellitenbildern sieht man im westlichen Bereich des Seebeckens eine Helix in Form einer Ohrmuschel mit konzentrischen Kreisen, die von Ablagerungen der einst in wechselnden Höhen gelegenen Küstenlinien des Sees Lop Nor stammen, die im Laufe der Zeit immer wieder anstiegen und sanken. Diese Salzablagerungen sind so hart, dass sie mit einem Hammer oder mit einer Axt nicht zerschlagen werden können. Der See Lop Nor, der in den Jahren 1921 bis 1973 bestand, füllte in seiner südlichen Hälfte diese Helix aus und erstreckte sich in gleicher Länge nach Norden.
Die Erschließung eines Sylvin-Feldes durch die Lop Nur Sylvite Science and Technology Development Co., Ltd auf einer Fläche von 21,6 km² und der Bau der Pilotanlage wurden bis 2003 fertiggestellt. Ein Kaliumchloridwerk konnte bereits in seiner Testphase rund 1.000 Tonnen hochwertigen Kaliumsulfats erzeugen. Bis Ende 2003 belief sich der Ausstoß auf 5.000 Tonnen Kaliumsulfat. Auf Satellitenbildern sind große nebeneinanderstehende viereckige Becken mit Salzsole zu erkennen. Der Bau eines Werkes zur Verarbeitung von Kaliumchlorid zu Kalidünger mit einer Jahreskapazität von 1,2 Millionen Tonnen ist geplant. Der Jahresverbrauch an Dünger betrug 1999 in China 36,7 Millionen Tonnen.
Im Juli 2005 entdeckte Professer Dr. Li Zhenyu aus Wuhan am Südrand der Lop Nor Wüste an den nördlichen Ausläufern der Altun Mountains einen unterirdischen Grundwassersee, der über 10 km lang und etwa 4 km breit ist.
Im Seebecken Lop Nor befinden sich außerdem Lagerstätten von Kohle, Eisen, Kupfer und Gold. Die Suche nach Erdölvorkommen hat begonnen.
Optimistische Experten rechnen damit, dass hier die größte Stadt von Xinjiang entstehen wird. Im Jahr 2003 fehlten aber noch Elektrizität und Trinkwasser.
Der See Lop Nor war einer der größten, dabei flachsten und am weitesten vom Meer entfernten und abflusslosen Salzseen der Erde. Das letzte Mal entstand er 1921; seine Größe wechselte stark, sie war im Jahr 1928 3.100 km², im Jahr 1931 1.500 - 1800 km² (von Norden bis zum Süden fast 90 km lang bei einer unterschiedlichen Breite von 14 - 45 km), im Jahr 1950 2.000 km² und im Jahr 1958 5.350 km². Der tiefste Wasserstand war ab 1921 in der Helix (in Form eines Ohrs) und ein nur wenige Zentimeter hoher Wasserstand zwischen der Helix und der nördlich liegenden Einmündung des Flusses Kum-darja.
Seit 1971 - 1972 sind der Lop Nor ebenso wie seine Zuflüsse Kontsche-darja und Kum-darja ausgetrocknet. Grund dafür waren die zahlreichen Bewässerungsprojekte des Xinjiang Production-Construction Army Corps seit 1949 im Tarimbecken und im Yanji-Becken, um Chinesen in Xinjiang anzusiedeln. Allein im Bereich des Tarim und seiner Zuflüsse stiegen die bewässerten Ackerflächen von 351.200 ha (1949) auf 776.600 ha (1994); im gleichen Zeitraum wurden Bewässerungskanäle in der Länge von 1.088 km Länge sowie 206 Staubecken mit einer Gesamtkapazität von 3 Milliarden Kubikmeter Wasser für Bewässerungsmaßnahmen gebaut.
Das überflüssige Wasser des Bosten-Sees, das zuvor vor allem den Lop Nor speiste, wurde seit 1949 zur Bewässerung des den Bosten-See umgebenden Yanji-Beckens verwendet; deshalb führte sein Abfluss, der Kongque, bis 2000 nur wenig Wasser und konnte den Kontsche-darja und dessen Unterlauf Kum-darja sowie den Unterlauf des Tarim nicht mehr mit Wasser versorgen. Das führte zu dem Absterben der Ufervegetation am See Lop Nor und am Unterlauf des Tarim und zur Ausbreitung der Wüsten Lop Nor und Taklamakan. Aus ökologischen Gründen wurde seit April 2000 mehrmals Wasser aus dem Bosten-See über den Kongque in den Tarim und in den See Lop Nor eingeleitet. Nach chinesischen Berichten entstand der See Lop Nor im Jahr 2004 in einer Größe von 200 km² neu. Er soll sich nach Aussage von Yuan Guoying im Vergleich zum Jahr 1965 etwa 30 – 40 km nach Westen verlagert haben.
Gemäß einem Beschluß des Uigurischen Autonomen Gebietes Xinjiang vom Winter 2000-2001 soll Wasser aus dem Fluss Ilo durch einen Tunnel unter dem Tianshan Gebirge zu dem Fluss Tarim umgeleitet werden, damit der See Lop Nor durch Wasser aus dem Ilo neu entstehen kann. Das Projekt trägt den Nammen: Diverting water from north to south.
Die braune Erdkruste und die steinharte aber dünne weiße Salzkruste, die den Boden des seit 1970 ausgetrockneten Lop Nor überzieht, ist trügerisch; denn bereits einen halben Meter unter der Oberfläche dehnt sich ein gefährlicher Sumpf aus (laut Christoph Baumer, Stand 1994).
In Aufzeichnungen aus der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 200 n. Chr.) wird der See Lop Nor so beschrieben: P'u-ch'ang Hai (=Lop Nor) bedeckt ein Gebiet von 300 li (= 172,5 km) Länge und Breite, das Wasser endet hier, niemals verändert sich seine Höhe. Alte chinesische Aufzeichnungen und Karten zeigen einen Salzsee im Durchmesser von 150 km (laut Xia Xuncheng, 1982).
Nach einem Bericht des Chinesen Li Daovuan mit Titel Shui Jin Zhu (2. Teil), der vor dem Jahr 527 nach Chr. entstand, besaß der See drei Zuflüsse: Quimo (= Tschertschen-Darja = Qarqan He), Nan (= Tarim) und Zhubin (= Hädik-gol und seine Unterläufe Kongque, Kontsche-darja und Kum-darja).
Der See Lop Nor war von fast unschätzbarer Bedeutung für die Kulturen des Tarimbeckens entlang der Seidenstraße, namentlich für die Lopliki (Lopleute), die maßgeblich vom Fischfang lebten.
Der bedeutende deutsche Chinaforscher Ferdinand von Richthofen behauptete, Prschewalski habe wahrscheinlich einen anderen See entdeckt, da der Lop Nor in den chinesischen Karten circa zwei Breitengrade weiter nördlich zu finden sei. Nikolai Michailowitsch Prschewalski wiederum bezweifelte die Glaubwürdigkeit der chinesischen Karten. Mehrere russische, englische und französische Expeditionen wandten sich nun dem Lop Nor zu, jedoch folgten sie hauptsächlich den Spuren Prschewalskis und suchten den Kara-koschun auf. Daher fanden sie nichts wesentliches Neues.
Im Jahre 1901 beendete der schwedische Geograph und Entdeckungsreisende Sven Hedin diesen Streit. Er folgte den alten chinesischen Karten und fand den Lop Nor, einen fast ausgetrockneten, mit Schilf zugewucherten flachen See. Sven Hedin gab eine Erklärung dafür, dass der See Lop Nor austrocknete: Die früher vom Kum-darja mitgeführten Sand- und Schlamm-Massen, die sich im Lop Nor absetzen, hätten langsam das Seebecken angehoben, während die Stürme das trockenliegende Seebecken des südwestlich liegenden Kara-koschun abgetragen hätten. Der Kontsche-darja habe daraufhin das inzwischen tieferliegende Seebecken des Kara-koschun mit Flusswasser gefüllt. Das sei der Grund, warum der Lop Nor und sein Zufluss Kum-darja im 19. Jahrhundert kein Wasser führten.
Sven Hedin bezeichnete den Lop Nor als wandernden See und den Zufluss als nomadisierenden Fluss. Diese "räumliche Varibilität" (Hedin) habe sich mehrfach wiederholt, zuletzt im Jahr 1921. Da habe der Kontsche-darja wieder den Kum-darja und den Lop Nor mit Wasser versorgt, während der Kara-koschun wieder austrocknet sei.
Die braune Erdkruste und die steinharte aber dünne weiße Salzkruste, die den Boden des ausgetrockneten Kara-koschun überzieht, ist trügerisch; denn bereits einen halben Meter unter der Oberfläche dehnt sich ein gefährlicher Sumpf aus (laut Christoph Baumer, Stand 1994).
Die Frage, ob es richtig ist, den See Kara-koschun als See Lop Nor zu benennen und ob Sven Hedin mit seiner Bezeichnung des Sees Lop Nor als wandernden See Recht hat, wird heute noch von chinesischen Wissenschaftlern kontrovers diskutiert. Die beiden Seen besaßen in 20. Jahrhundert nicht nur eine andere geographische Lage, sondern sie hatten auch eine andere Höhe (der See Lop Nor 780 m Höhe über NN, der See Kara-koschun 790 m Höhe über NN). Falls der Kara-koschun in dem Seebecken Lop Nor gelegen hat und nicht in einem getrennten Seebecken, wäre die Benennung des Kara-koschun als Lop Nor korrekt. Diese Frage läßt sich aber erst nach einer Vermessung des Seebeckens Lop Nor und nach einer Einmessung des früheren Sees Kara-koschun in die Karte dieser Vermessung abklären.
Nach den oberirdischen Atomtests berichteten Mitglieder der uighurischen Unabhängigkeitsbewegung vom vermehrten Auftreten mysteriöser Krankheitsfälle im Südwesten Xinjiangs. Regierungssprecher bestritten aber, dass Personen aufgrund atomarer Strahlung erkrankten.
Das Kernwaffentestgelände Lop Nor ist als Zwischenlager und als eventuelles Endlager für heiße und hochradioaktive Abfälle (engl.: high-level waste = HLW) vorgesehen.
Der erfolgreiche Waffenversuch war für die Führung um Mao Zedong und Zhou Enlai sehr bedeutsam, denn er demonstrierte potentiellen Feinden die nukleare Schlagfähigkeit Chinas auch gegen entfernte Ziele. Wahrscheinlich wäre der radikale Konfrontationskurs gegen die UdSSR, der 1969 gar in schwere Grenzgefechte am Ussuri eskalierte, ohne diese Art strategischer Sicherung nicht denkbar gewesen; gleichzeitig erhöhte sich damit parallel der Bündniswert Chinas für die USA und machte Nixons Beijingreise von 1972 erst möglich.
Nur die Flüge am 16.12.1970 und am 04.03.1971 verliefen fehlerfrei. Die D-21B wurden zunächst von ihrem Trägerflugzeug B-52H transportiert und im Flug ausgeklinkt, wurden anschließend von einer Rakete gestartet, erreichten die dreifache Schallgeschwindigkeit Mach 3, stiegen auf eine Höhe von 22,860 km (75.000 feet) hinauf, kommunizierten dabei mit der B-52H, flogen selbständig über Lop Nor, photographierten das Kernwaffentestgelände Lop Nor, flogen weiter zum Ozean, wo sie die wassergeschützte Kamera zur Bergung an der einprogrammierten Stelle abwarfen und sich anschließend selbst zerstörten.
Nach diesen Flügen am 16.12.1970 und am 04.03.1971 gelang es aber nicht, die Kameras aus dem Ozean zu bergen. Deshalb wurden die bereits in größerer Stückzahl produzierten D-21B später nicht mehr eingesetzt.
„Die Drachenstadt ist die Residenz des Giang Lai. Er beherrscht ein großes Königreich der Barbaren. Eines Tages stiegen die Wasser des Lop Nor und überfluteten die Hauptstadt dieses Königreiches. Die Fundamente der Stadt sind noch erhalten. Sie sind sehr ausgedehnt. Wenn man bei Sonnenaufgang am Westtor aufbricht, gelangt man erst bei Sonnenuntergang zum Osttor. Unter dem steilen Abhang der Stadt hatte man einen Kanal angelegt. Darüber hat der ständig wehende Wind Sand aufgetürmt, der allmählich die Form eines Drachen annahm, der nach Westen über den See blickt. Daher kommt der Name Drachenstadt. Das Gebiet ihrer Herrscher dehnt sich tausend Meilen weit aus. Es besteht ganz und gar aus Salz in hartem, festem Zustand. Die hindurchziehenden Reisenden breiten Filze aus für ihre Tiere, dass sie darauf liegen können. Wenn man in dem Boden gräbt, stößt man auf Salzblöcke, so groß wie Kopfkissen, die regelmäßig aufeinandergestapelt sind. In dieser Gegend ist die Luft dunstig wie aufsteigender Nebel oder wie schnell dahinziehendes Gewölk, so dass man nur selten die Sonne oder die Sterne sieht. Es gibt dort nur wenige Tiere, aber viele Dämonen und geisterhafte Wesen.“
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