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Basin_of_Lop_Nur_90.25E,_40.10N,_Kum_Tagh_and_Astin_Tagh.jpg

Der originäre Begriff Lop Nor (engl.: Lop Nur) bezeichnet einerseits das 21.000 km² große und am Vorkommen von Seemuscheln und Seeschnecken sowie an Ablagerungen von Wasserpflanzen und Sylvin erkennbare Seebecken Lop Nor (auch Lop Basin oder Old Lop Basin) im östlichen Teil des Tarimbeckens im nordwestchinesischen Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang (Uygur Zizhiqu), und er bezeichnet andererseits den zu gewissen Zeiten und in wechselnder Lage und Größe im Seebecken befindlichen See Lop Nor.

Im 19. Jahrhundert wurde der Begriff Lop Nor als Bezeichnung für den inzwischen ausgetrockneten See Kara-koschun (Kara Koshun, qara qosun oder Hara kurtschin) angewendet, da der russische Asienforscher Nikolai Michailowitsch Prschewalski angenommen hatte, dass er in dem See Kara-koschun den See Lop Nor entdeckt habe. Die Bezeichnung Lob-nor (Lop Nor) für den See Kara-koschun findet sich beispielsweise neben der herkömmlichen Bezeichnung Hara kurtschin (kara-koschun) in Adolf Stielers Handatlas 1891 (Seite "Inner-Asien und Indien"). Die Benennung des Kara-koschun als Lop Nor wurde von Ferdinand von Richthofen, der auf einer eigenen Expedition den See Lop Nor gesucht hatte, mit der Begründung abgelehnt, dass es sich bei dem See Kara-koschun um einen anderen See als den See Lop Nor handeln müsse, da der See Lop Nor in den alten chinesischen Karten circa zwei Breitengrade weiter nördlich zu finden sei.

Der Begriff Lop Nor Wüste (auch Lop Wüste) beschreibt ein etwa 100.000 km² großes Wüstengebiet, das im östlichen Teil des Tarimbeckens liegt. Für die Lop Nor Wüste sind bedeutsam:

  • Das Seebecken Lop Nor im Osten und das Seebecken Kara-koschun im Südwesten.
  • Süßwasser- und Salzwasserquellen mit dem Namenszusatz Bulak oder Bulag, die heute kein Quellwasser mehr führen.
  • Ein Geflecht von jetzt ausgetrockneten Flüssen (oft mit dem Namenszusatz Darya). Im 20. Jahrhundert waren am wichtigsten der Tarim am Westrand und Südwestrand der Wüste, der Schmale Fluss Xiaohe ( = Small river) im Westteil der Wüste, der Konche Darya (=Kongque = Kong Que = Kongque He = Konqi River = Peacock River = Maurya River) im Nordwesten und seine Unterläufe Kum Darya im Norden und Kuruk Darya (=Tibanhe River) mit seinem Delta nördlich von Loulan.
  • Sanddünen durch die vorherrschende Windrichtung vor allem im Westen und Südwesten der Wüste abgelagert, sonst Salztonebenen ohne Pflanzenwuchs in gelber oder gelbgrauer Farbe, die zu einem Teil von Kies oder weißen Muscheln und zum anderen Teil von einer hohen vielfach tief aufgebrochenen harten Salzkruste bedeckt sind.
  • Die Lop-Nor-Wüste ist streckenweise von einer weiß schimmernden steinharten Salzkruste bedeckt, die auf einen darunter liegenden Sumpf hindeutet; denn Salz kann nur an die Oberfläche steigen, wenn es vom darunterliegenden Wasser hinaufgespült wird. Unter der steinharten aber dünnen weißen Salzkruste liegt ein sumpfiger Morast (laut Christoph Baumer, Stand 1994).
  • Die Erdkruste und die weiße Salzkruste, die den Boden der im 20. Jahrhundert noch bestehenden Seen Karakoschun und Lop Nor überzieht, ist trügerisch; denn bereits einen halben Meter unter der Oberfläche dehnt sich ein gefährlicher Sumpf aus (laut Christoph Baumer, Stand 1994).
  • Yardangs und Mesas nördlich des Kum Darya und östlich sowie westlich des Seebeckens Lop Nor aus Tonmineral, oft zu Lehm vermischt.
  • Teilstücke der Seidenstraße und zugehörige Signaltürme der Chinesischen Mauer.
  • Bronzezeitliche Friedhöfe (2000 v. Chr. – 900 v. Chr.): Ördeks Nekropole (= Friedhof 5 = Cemetery 5) am Schmalen Fluss Xiaohe 175 km westlich von Loulan; Grabfeld von Qäwrighul am Kuruk Darya 70 km nordwestlich von Loulan mit der Mumie Schönheit von Loulan; Friedhof Gumugou (mit den Sun Tombs) 70 km nordwestlich von Loulan im Delta des Kuruk Darya.
  • Eisenzeitliche Friedhöfe (900 v. Chr. – 130 v. Chr.) und spätere Friedhöfe mit unterirdischen Grüften in Yingpan am Kum Darya 200 km westlich von Loulan (mit dem dort gefundenen Yingpan Mann) und in verschiedenen Fundorten in einem Umkreis von 50 km um Loulan.
  • Historische Städte: Loulan, Milan, Haitou, Yingpan, Merdek, Charkhlik (=Ruoqiang).

Die uigurischen Bewohner der Wüste Lop Nor wurden Loplik genannt. Die Loplik verließen um 1920 das Seebecken Lop Nor, nachdem eine Pest - Epidemie dort zu zahlreichen Todesfällen geführt hatte.

Über der Wüste ging in den Jahren 1964 bis 1980 der radioaktive Niederschlag der oberirdischen Atomtests für Plutoniumbomben nieder.

Am 18. März 1999 wurde in der Wüste ein Schutzgebiet zur Erhaltung der Salzwasserkamele, der Artenvielfalt, des Ecosystems und der von Yardangs geprägten Landschaft mit dem Namen Xinjiang Lop Nur Nature Sanctuary of China (Xinjiang Lop Nur Wild Camel Nature Reserve) in der Größe von 107,768 km² gegründet.

Der alte Ortsname Lop Nur bezeichnet den Ort Yuli bzw. Wei-li oder Konche (Longitude: 86.2578, Latitude: 41.3306) an der Straße 218 südlich der Stadt Korla und des Flughafens Korla an dem Fluss Konqui-He.

Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wird der Begriff Lop Nor auch auf das chinesische Kernwaffentestgelände Lop Nor (bei Quingir nordwestlich der Wüste Lop Nor in den Kuruktagh - Bergen) angewendet.

Lop Nor Tiger heißt eine uigurische Widerstandsbewegung, die sich zunächst gegen die chinesischen Atomtests wandte, die in der Gegenwart aber um die Unabhängigkeit Ost-Turkestans von chinesischer Vorherrschaft kämpft.

Die Wüste Lop Nor


Überblick

Basin of Lop Nur 90.25E, 40.10N, Desert of Lop, Kum Tagh and Astin Tagh.jpg Die Lop Nor Wüste liegt im östlichen Teil des Tarimbeckens (Tarim Pendi) im nordwestchinesischen Uigurischen Autonomen GebietXinjiang (Xinjiang Uygur Zizhiqu) und besitzt eine Größe von fast 100,000 km². Sie wird im Westen im Verlauf der Straße 218 von Tikanlik (auch Tikkenlik oder Tikenlik) über Argan nach Ruoqiang (Jo-chiang, Charkhlik, Qarkilik, Cho Ch’iang oder Luóbùcun) von der Wüste Taklamakan (Taklimakan Shamo) begrenzt, im Norden von den Kuruktagh – Bergen, im Osten von den Bai Shan – Bergen und im Süden von dem Aqike – Tal und den Kum Tagh – Sanddünen. Früher wurden die Taklamakan-Wüste und die Wüste Lop Nor durch die Unterläufe der Flüsse Tarim, Konche Darya (=Konqui-He) und Chärchan Darya (=Quarqan-He) getrennt, die aber südlich von Tikanlik schon seit Jahrzehnten ausgetrocknet sind.

In der Wüste Lop Nor befindet sich im Osten das Seebecken Lop Nor mit dem ausgetrockneten See Lop Nor und im Südwesten der ausgetrocknete See Kara-koschun. Die mittlere Route der Seidenstraße verlief auf ihrem Wegstück von Korla (= Kurla = Koria = K’u-erh-lo) über Loulan Gucheng nach Yumenguang (= Yü-men-kuan = Han-yü-men-kuan) durch den nördlichen Teil der Lop Nor Wüste; heute verläuft keine Straße mehr auf diesem Wegstück der Seidenstraße durch die Wüste Lop Nor.

Klima

In der Lop Nor Wüste herrscht vollarides Klima. Im Sommer betragen die Lufttemperaturen 40 – 50  °C und die Bodentemperaturen bis zu 80  °C. Auf Grund ihrer extremen Trockenheit und Hitze kann keine Vegetation existieren. Die Wüste Lop Nor zählt deshalb zu den Gebieten, in denen Desertifikation und Anökumene bestehen. Der jährliche Niederschlag beträgt hier 17,4 mm und die jährliche Verdunstung 2.902 mm. Wenn schwarze Wolken am Himmel aufziehen und es dann zu regnen beginnt, verdunstet der Regen schon in der heißen und trockenen Luft, bevor er auf die Erde fällt; dieses Phänomen wird Teufelsregen oder Regenschirm genannt.

Die Zeit des Kara Buran (= schwarzer Buran) ist vom Februar bis zum Juni; dieser Sandsturm kommt alle drei bis fünf Tage vor allem aus dem Nordosten. Raoul Schrott beschreibt den Buran in seiner Novelle Die Wüste Lop Nor im Kapitel XC (Seite 112): Am Nachmittag fiel die Temperatur binnen einer Stunde um zwanzig Grad. Wir blieben zwei Tage in den Zelten, die wir am Lastwagen festgezurrt hatten. Die Luft wurde dick, die Sonne schwarz hinter Wänden. Erst wurde dadurch der Wind noch gehalten, dann drang er durch und barst, schleuderte Massen von Sand empor, von Kies und Steinen durchsetzt. Je schneller es dunkelte, umso brennender wurde der Wind, brannte wie eine Esse, in der Quarz zu Glas schmilzt.

Die Winter sind kalt und mit seltenem Schneefall. Reisezeiten mit abflauendem Sandsturm sollen Mitte April und Mitte Oktober sein. Karawanen auf der mittleren Seidenstraße und Expeditionen wählten die Monate Dezember und Januar und nahmen Trinkwasser in Form von Eis mit. In Lop Nor wurden folgende Grenzwerte gemessen:

  • Februar 2006: -19°C bis 0°C; 0-4 m/s; 1021-1036 hPa; sonnig bis stark bewölkt; Sicht (ohne Buran): 1300-10000 m.
  • März 2006: -13°C bis +19°C; 0-7 m/s; 1012-1041 hPa; sonnig bis stark bewölkt; Sicht: 400-10000 m.
  • 1.-24. April 2006: -1°C bis +28°C; 0-7 m/s; 998-1038 hPa; sonnig bis stark bewölkt; Sicht (ohne Buran): 7000-10000 m.
  • 10.-31. Mai 2006: +7°C bis +32°C; 0-17 m/s; 1005-1034 hPa; sonnig bis stark bewölkt; Sicht: 900-10000 m.
  • Juni 2006: +12°C bis +36°C; 0-10 m/s; 1002-1024 hPa; sonnig bis leicht bewölkt; Sicht (ohne Buran): 10000 m.

Yardangs

Yardangs bedecken eine Fläche von etwa 3.100 km², verlaufen oft in west-östlicher Richtung und stehen unter Naturschutz. Auf der oberen Plattform der Yardangs findet man oft tote Pappeln, abgestorbene Mollusken und vertrocknetes Schilf.

Yardangs liegen unter anderen nördlich von Loulan in einem Gebiet, das den Namen Drachenstadt trägt. Zur Entstehungssage siehe das untenstehende Zitat. Die Forschungen von Sir Aurel Stein zur Drachenstadt finden sich in Innermost Asia Band 1 auf den Seiten 290 bis 295.

Xia Xuncheng vermutete 1982, dass die obere Plattform der 5,30 m hohen Yardangs die ursprüngliche Höhe des Seebeckens um das Jahr 1919 anzeigt und dass die erodierten Bereiche zwischen den Yardangs bis zum Jahr 1959 durch die Strömung des zufließenden Wassers im See Lop Nor und durch Regenstürme eingetieft wurden. Nach dem Austrocknen des Sees wurden die Yardangs zusätzlich durch die vorherrschenden nordöstlichen Sandstürme stromlinienförmig abgeschliffen.

Frühe Berichte von der Wüste Lop Nor

Der chinesische Pilger Faxian reiste im 4. Jahrhundert von China nach Indien und beschrieb die Lop Wüste (Lop Nor Wüste): In ihr gibt es viele Dämonen und heiße Winde. Diejenigen, die ihnen begegnen, sterben bis auf den letzten Mann. Es gibt weder Vögel noch sonstige Tiere. Wenn man sich umsieht, so weit das Auge reicht, um den Weg zu finden, so gibt es keine Hinweise, außer den verrottenden Knochen der Toten, welche den Weg angeben.

Die Lop Wüste (Lop Nor Wüste) wurde von Marco Polo erwähnt, der 1274 die Stadt Lop (= Ruoquiang = Jo-chiang = Charkhlik = Cho Ch’iang = Luóbùcun = Luobuzhuang) besuchte. Über die Lop Wüste schreibt er (zitiert nach Johannes Paul): Eine höchst merkwürdige Sache wird von dieser Wüste berichtet. Wenn von einer Reisegesellschaft, die nachts unterwegs ist, ein Mann zurückbleibt oder einschläft und dann versucht, seine Leute wieder zu erreichen, so hört er Geisterstimmen, die ihn beim Namen rufen. Im Glauben, dass es seine Kameraden sind, wird er in die Irre geführt, so dass er die Karawane niemals wieder findet und elend zugrunde geht. Auch das Getrappel großer Reiterscharen hört ein verirrter Reisender manchmal abseits vom Wege. Das hält er dann für das Geräusch seiner Gefährten; er folgt dem Klang, und erst bei Tagesanbruch merkt er, dass er genarrt wurde. Daher ist es üblich, dass sich die Reisenden auf dieser Strecke dicht beisammen halten. Auch haben alle Tiere große Glocken um den Hals, damit sie sich nicht so leicht verirren können. Nur auf diese Weise kann man die Große Wüste durchqueren.

Die von Marco Polo genannte Lop Wüste wurde 1561 von Giacomo Gastaldi als Diserto de Lop in seine gemalte Karte von Asien im Dogenpalast von Venedig eingetragen. Der schwedische Artillerieleutnant Renat gab nach seiner Rückkehr aus Russland nach Schweden 1733 eine Karte Zentralasiens heraus, in die er den See Lop Nor unter dem Namen Läp eingetragen hatte.

Der Schriftsteller Raoul Schrott veröffentlichte eine Novelle und ein Hörspiel unter dem Namen Die Wüste Lop Nor. Im Kapitel XCVII (Seite 119f) verarbeitet er Berichte früherer Reisender:

Von der Wüste Lop heißt es: Ziehen Reisende durch die Nacht und fällt einer von ihnen zurück oder schläft im Reiten ein und versucht dann, den Zug wieder einzuholen, wird er Geisterwesen reden hören und sie für seine Gefährten halten. Manchesmal rufen sie ihn bei seinem Namen und führen ihn dadurch in die Irre; so sind schon viele umgekommen.

Manchmal hören verirrte Reisende auch so etwas wie Hufschlag und das Stimmengewirr einer Kavalkade von Reitern, fernab des rechten Weges, und folgen ihnen nach; bei Tagesanbruch aber merken sie, dass alles nur Trug war, und ihre Lage wird mißlich.

Doch auch tagsüber hört man die Dämonen, das Klirren von Waffen, oft auch verschiedene Musikinstrumente, die sie spielen, meist jedoch Trommellärm. Man kann sie auch sehen, die wehenden Banner und das Gleißen ihrer Schwerter, während man hinter sich die geflüsterten Worte vernimmt: Fürchte dich nicht! Fürchte dich nicht!

Beim Durchqueren der Wüste Lop sind die Reisenden deshalb bestrebt, sich nicht aus den Augen zu verlieren; den Tieren werden kleine Glocken um den Hals gebunden, damit sich die Karawanen nicht zerstreuen. Und es ist Brauch geworden, noch bevor man das Lager aufschlägt, mit einem Zeichen die Richtung zu markieren, die tags darauf einzuschlagen ist.

Expeditionen in die Wüste Lop Nor

Desert Lop Nur 89.00E, 40.30N between Kuruktagh and Astintagh.jpg Die Wüste Lop Nor ist bis heute nur teilweise erforscht. Folgende Expeditionen führten zu den hier vermittelten wissenschaftlichen Ergebnissen:
  • 1876 Nikolai Michailowitsch Prschewalski
  • 1885 Nikolai Michailowitsch Prschewalski
  • 1889 Pierre Gabriel Édouard Bonvalot
  • 1893-1894 P. K. Kozlov
  • 1896 Sven Hedin
  • 1900-1901 Sven Hedin
  • 1905-1906 Ellsworth Huntington
  • 1906-1907 Sir Aurel Stein
  • 1908-1909 Zuicho Tachibana, Elizaburo Nomura (Kozui Otani's 2. Expedition nach Zentralasien)
  • 1910-1911 Zuicho Tachibana (Kozui Otani's 3. Expedition nach Zentralasien)
  • 1914 Sir Aurel Stein
  • 1928-1935 Chinesisch-Schwedische Expedition, geleitet von Sven Hedin:
    • 1928 Folke Bergman, Erik Norin, Henning Haslund-Christensen
    • 1930 Huang Wen-Pi (= Hwang Wen-Pi = Huang Wenbi)
    • 1930-1931 Nils Hörner, Parker C. Chen
    • 1934-1935 Sven Hedin, Parker C. Chen, Huang Wen-Pi, Folke Bergman
  • 1980-1981 Forschungsgruppe der Chinesischen Akademie der Wissenschaften
  • 1994 Christoph Baumer mit der chinesisch-schweizerischen Expedition

Archäologische Fundstätten

Chinesische Mauer und Seidenstraße
Die mittlere Seidenstraße verlief von Dunhuang über Yumenguan auf einer noch nicht genau geklärten Trasse durch die Lop Nor Wüste und das verkrustete Seebecken nördlich des Sees Lop Nor zu den Festungen L.J., Tuken, L.E. nach Loulan (LA = Loulan station) und von Loulan aus am Nordufer des damals südlicher verlaufenden Kum Darya und des Konche Darya über Yingpan an 10 Signaltürmen entlang nach Korla. Dieser mittlere Abschnitt der Seidenstraße wurde etwa von 120 v. Chr. bis zum Jahr 330 vorwiegend im Winter benutzt, weil Wasservorräte bei Frost in Form von Eisblöcken transportiert werden konnten. Eine Alternative war ab dem 2. Jahrhundert die nördlichen Seidenstraße. Sie vermied die gefürchtete Lop Nor Wüste, indem sie vor Dunhuang in nordwestlicher Richtung nach Turfan führte. In Kaschgar vereinte sie sich mit der südlichen Seidenstraße.

Seit der Han-Dynastie (202 v. Chr.-220 n. Chr.) sorgten Signaltürme (= Wachtürme) für die Orientierung und Sicherheit der Reisenden an der mittleren Seidenstraße. Ruinen von Signaltürmen der Chinesischen Mauer, die die Seidenstraße begleitete, wurden in der Wüste Lop Nor an den folgenden Orten gefunden: in Milan; 45 km südlich von Loulan (Name der Festung: LK); 20 km nordöstlich von Merdek beim Schmalen Fluss; am Nord- und Nordwestrand des Sees Lop Nor (Namen der Festungen: L.J., Tuken, L.F., L.E., LA = Loulan); in Yingpan und von da aus nach Westen am nördlichen Ufer des Kum Darya und des Konche Darya in dichten Abständen bis Korla und Charchi. Nach dem Austrocknen des Sees Lop Nor wurde ab 330 die südliche Seidenstraße benutzt; sie führte von Dunhuang südlich des Sees Lop Nor über Miran nach Charkhlik; diese Streckenführung benutzte Marco Polo.

Außerdem bestand eine Straße von Milan nach Loulan, die die mittlere und die südliche Seidenstraße verband. An dieser Straße stand 45 km südlich von Loulan die Festung LK mit den westlich davon gelegenen Siedlungen LL, LM und LR. Nördlich von LK durchlief diese Straße ein Gebiet mit Yardangs.

Eine weitere Straße führte möglicherweise von Milan oder Ruoqiang (= Charkhlik) über die Festung Merdek und den Schmalen Fluss an dem dortigen Signalturm vorbei zu der mittleren Seidenstraße am Fluss Kum Darya.

Besiedelung
Sven Hedin entdeckte im Jahr 1901 an dem ehemaligen nordwestlichen Ufer des Sees Lop Nor die Ruinen der 340 x 310 m großen, von einer Mauer umgebenen ehemaligen Königsstadt und späteren chinesischen Garnisonsstadt Loulan = Loulan Gucheng (siehe dort). Er fand Reste von dem Ziegelgebäude des chinesischen Militärkommandanten, ferner einen Signalturm der chinesischen Mauer an der Seidenstraße (von Sven Hedin irrtümlich Stupa genannt) und 19 aus Pappelholz gebaute Wohnhäuser. Außerdem legte er bei archäologischen Grabungen ein Holzrad frei, das von einem pferdegezogenen Karren (Arabas genannt) stammte, und 276 Schriftdokumente aus Holz, Papier und Seide, die in den Jahren 252 bis 310 angefertigt wurden und Aufschluss geben über die Geschichte der Stadt. Sir Aurel Stein nahm hier im Jahr 1906 ebenfalls Grabungen vor. Nach 1980 begannen schließlich auch chinesische Archäologen mit Ausgrabungen.

Die Stadt Loulan wurde erstmalig 176 v. Chr. in einem Brief des Hsiung-nu - Herrschers an den Kaiser der Han-Dynastie Wendi erwähnt. Ein Bericht aus dem Jahr 126 v. Chr. über Loulan stammt von dem chinesischen Diplomaten Zhang Qian, der 139 bis 123 v. Chr. im Auftrag des chinesischen Kaisers Wu-ti die Seidenstraße erkundete. Er berichtete von einer Stadt mit etwa 14.000 Einwohnern und schrieb: Die Gebiete von Loulan und Gushi haben eine umwallte Stadt und umwallte Vororte; sie liegen am Salzsumpf.

Loulan wurde um 330 wegen Wassermangel verlassen, nachdem der Tarim seinen Lauf geändert hatte, das Süßwasser fehlte und der See Lop Nor auszutrocknen begann.

Christoph Baumer fand 1994 etwa 5 km südlich der Stadt Loulan einen großen ehemaligen Obstgarten. Er schreibt: Vor uns stehen mehr als 20 lange Reihen verdorrter Obstbäume, die aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. stammen müssen. Wahrscheinlich handelt es sich um Aprikosenbäume.

Sven Hedin entdeckte im Jahr 1900 die im Süden der Wüste Lop Nor südlich vom See See Kara-koschun gelegene Ruinenstadt Milan = Milan Gucheng = Mi-lan = Mu-lan = Miran = Miran-tarium = Mo-lang (Longitude: 88.8333, Latitude: 39.2500). Sir Aurel Stein nahm dort 1907 und 1914 Grabungen vor. Chinesische Archäologen begannen nach 1950 weitere Ausgrabungen. Milan ist im 3. Jahrhundert wahrscheinlich ein Außenposten des Reichs Shanshan mit buddhistischen Klosteranlagen, Wandmalereien und Stupas gewesen. Im 8. Jahrhundert war Milan eine tibetische Garnisonsstadt mit entsprechenden Befestigungsanlagen. Möglicherweise war Milan derjenige Ort, der in den Han-Annalen I-hsün'' genannt wurde.

Nekropolen
Chinesische Archäologen fanden 1980 in der Nähe von Loulan auf dem Friedhof von Gumugou die etwa 3800 Jahre alte Mumie der Schönheit von Loulan, die im Museum von Urumtschi gezeigt wird. Untersuchungen ergaben, dass es sich um eine Frau indoeuropäischer Abstammung handelt.

Schutzgebiet für wilde Kamele in der Wüste Lop Nor

Nikolai Michailowitsch Prschewalski traf im Jahre 1876 südlich des Kara-koschun auf Wildkamele. Es gelang ihm zwar nicht, eines von ihnen zu erlegen; dennoch gelangten drei präparierte Kamelfelle in seinen Besitz. Nachdem er ein hohes Kopfgeld auf die Tiere ausgesetzt hatte, wurden ihm von einheimischen Jägern drei Wochen später diese drei Felle gebracht und verkauft. Die sehr seltenen und scheuen Wildkamele waren seit Marco Polos Zeiten ein Mysterium. Daher gehörten diese drei Felle am Ende der großen Zentralasienexpedition zu den wichtigsten Exponaten in seiner Sammlung. Sven Hedin fand 1901 am Kum-darja in der Nähe von Lop Nor ebenfalls Wildkamele. Im Jahr 1927 erforschte der russische Wissenschafter A. D. Simukov die Verbreitung und Lebensweise dieser wildlebenden Salzwasserkamele (Camelus ferus ferus), die Salzwasser trinken können und deshalb optimal an den See Lop Nor angepasst sind.

Nach offiziellen Schätzungen aus dem Jahr 2001 leben in China etwa 600 dieser Salzwasserkamele und in der mongolischen Wüste Gobi, in der das Schutzgebiet Southern Altay Gobi Nature Reserve (= Great Gobi Reserve A) besteht, weitere 300 Salzwasserkamele. In Gefangenschaft werden -soweit bekannt- in China und der Mongolei 15 Salzwasserkamele gehalten. Genetische Untersuchungen von Professor Han Jianlin (Gansu Agricultural University, China) und Professor Olivier Hanotte (International Livestock Research Institut in Nairobi, Kenya) ergaben, dass sich die Gene des Camelus ferus ferus um 3 % von den Genen des Camelus ferus bactrianus unterscheiden. Zum Vergleich: Die Differenz zwischen den Genen der Menschen und der Schimpansen beträgt 5 %.

In der Roten Liste gefährdeter Arten werden die Salzwasserkamele ab 1996 als stark gefährdet (engl. Endangered) bezeichnet, Experten drängen aber darauf, sie als vom Aussterben bedroht zu klassifizieren (Stand: 2006); denn in der Roten Liste rechnet man mit einem Rückgang der Population in der Mongolei und entsprechend auch in China bis zum Jahr 2033 (in der dritten Generation nach dem Jahr 1985) um 84%. Die mongolische Subpopulation hat sich in den Jahren 1984 - 2006 von 650 Tieren auf 300 Tiere verringert, der chinesische Bestand schrumpfte in den Jahren vor 2006 jährlich um etwa 20 Tiere, die durch Jäger oder Minenleger getötet wurden.

Besonders die Wild Camel Protection Foundation setzte sich für den Schutz der letzten lebenden Salzwasserkamele ein. Sie plante deshalb gemeinsam mit der chinesischen Regierung ein großflächiges Schutzgebiet für diese Tiere, das finanziell von dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen United Nations Environment Programme (UNEP) unterstützt wird.

Am 18. März 1999 wurde dieses Schutzgebiet von der Chinese State Environment Protection Administration of China (SEPA) mit dem Namen Xinjiang Lop Nur Nature Sanctuary of China (= Xinjiang Lop Nur Wild Camel Nature Reserve) errichtet. Im Jahr 2003 wurde es ein National Nature Reserve und untersteht dem Chinese State Environment Ministry (SEPA). Es hat die Größe von 107,768 km² und umschließt sowohl das Seebecken Lop Nor als auch das chinesische Kernwaffentestgelände Lop Nor. Seine Grenzen berühren drei weitere Schutzgebiete: Arjin Shan Reserve (15.000 km²), Annanba Protected Area (3.960 km²) und Wanyaodong (333 km²). - Andere Quellen sprechen vom Arjin Shan Lop Nur Nature Reserve in der Größe von 65,000 km².

2001 wurden von den 15 Straßenzufahrten in das Schutzgebiet nur fünf durch Kontrollpunkte überwacht. Die Einrichtung dieses Naturschutzgebietes zur Erhaltung der Artenvielfalt, des Ecosystems und der von Yardangs geprägten Landschaft im Lop Nor wurde am 6. November 1998 als Projekt 600 von der Globalen Umweltfazilität (=Global Environment Facility = GEF) bis 2001 mit einem Zuschuss von $750.000 gefördert. Der deutsche Anteil an diesem Zuschuss beträgt 12% = $90.000). Das Uigurische Autonome Gebiet Xinjiang übernimmt die laufenden Kosten für das Schutzgebiet einschließlich Benzin- und Personalkosten.

Eine Gefahr für dieses Schutzgebiet geht von den Arbeitern aus, die bei der industriellen Ausbeutung der Bodenschätze im Seebecken des Lop Nor beschäftigt sind, da die geschützten Salzwasserkamele traditionell als Sport oder als Frischfleischlieferanten bejagt werden, obgleich ihre Bejagung in China strengstens verboten ist. Eine Gaspipeline, die in West-Ost-Richtung unterirdisch durch das Schutzgebiet geführt werden sollte, wurde schließlich außerhalb des Schutzgebietes gebaut.

Das Seebecken Lop Nor


Entstehung und Gestalt
Helix of Lop Nur 90.55E , 40.10N.jpg Nachdem der See Lop Nor fast vollständig ausgetrocknet ist und in Zukunft nicht erneut in früherer Größe entstehen wird, weil den Zuflüssen das Wasser für Maßnahmen zur Landbewässerung entzogen wird, tritt das ausgetrocknete Seebecken Lop Nor in den Mittelpunkt des wissenschaftlichen Interesses.

Im Jahr 2003 wurden beim Lop Nor Environmental Science Drilling Project Bohrkerne in mehr als 160 Meter Tiefe entnommen, die laut Fang Xiaomin vom Institute of Earth Environment of the Chinese Academie of Sciences zeigen, dass der See Lop Nor vor 1,8 bis 2,8 Millionen Jahren ein sehr tiefer Süßwassersee von gewaltiger Größe gewesen ist, der sich in einem Zeitalter mit beständigem Starkregen über das Gebiet der Lop Nor Wüste hinaus bis in das Gebiet der Taklamakan-Wüste hinein erstreckte. Die organischen Ablagerungen erreichten eine Höhe von 60 Metern. In den Bohrkernen wurden 60 Meter lange Ablagerungen von Indigo-Silt in gelber Farbe mit hohem Gips-Anteil gefunden, die bestätigen, dass hier ein Süßwassersee von großer Tiefe bestanden hat, an dessen Grund Sauerstoff fehlte. Funde von Muscheln in Bohrkernen zeigen, dass der See auch in späterer Zeit ein Süßwassersee gewesen ist.

Im Pliozän vor 1,8 Millionen Jahren entstand im östlichen Tarimbecken ein tiefergelegenes Becken, in dem sich am Ende des mittleren Pleistozän (= Diluvium) um 780.00 v. Chr. durch neue tektonische Absenkungen das sekundäre Seebecken Lop Nor herausbildete. In der letzten Eiszeit waren sowohl die Taklamakan wie auch der Lop Nor fast ganz von einem Glazialsee bedeckt.

Vor 800.000 Jahren änderte sich das Klima; es war extrem trocken. Nach dem Austrocknen der Taklamakan wurde das Seebecken Lop Nor zum Ziel aller Flüsse des Tarimbeckens, die sich in einem abflussloser See sammelten und das in den Flüssen mitgeführte Salz in einer Salzpfanne ablagerten.

Die massenspektrometrische Untersuchung von Sedimenten mit biologischen Ablagerungen im Jahr 2006 läßt 4 Wetterperioden erkennen:

  • Vor 31.980 bis 19.260 Jahren herrschte ein kaltes und feuchtes Klima.
  • Vor 19.260 bis 13.530 Jahren kam ein warmes und trockneres Klima.
  • Vor 13.530 bis 12.730 Jahren entstand wieder ein kaltes Klima.
  • Vor 12.730 bis 11.800 Jahren war das Klima hauptsächlich feuchtwarm und kalt.

Das Seebecken Lop Nor liegt an der tiefsten Stelle des Tarimbeckens (780 m Höhe über NN) und ist heute als Salztonebene von einer harten teilweise hoch aufgebrochenen Salzkruste bedeckt, die 30 cm bis 100 cm dick und 21.000 km² groß (zum Vergleich: Hessen hat die Größe von 21.114,72 km²) und im Nordbereich nahezu unpassierbar ist. Die biologischen Ablagerungen bildeten in den Jahrtausenden eine Schicht von 1,50 m, die laut der vorgenommenen Radiokarbonmethode aus Pollen von Wasserpflanzen bestehen und belegen, dass der See Lop Nor über lange Zeiträume Wasser geführt hat und ein Biotop für Wasserpflanzen gewesen ist. Im Osten des Seebeckens erstrecken sich Sanddünen in der Länge von 80 km von Norden nach Süden.

Auf neuen Satellitenbildern sieht man im westlichen Bereich des Seebeckens eine Helix in Form einer Ohrmuschel mit konzentrischen Kreisen, die von Ablagerungen der einst in wechselnden Höhen gelegenen Küstenlinien des Sees Lop Nor stammen, die im Laufe der Zeit immer wieder anstiegen und sanken. Diese Salzablagerungen sind so hart, dass sie mit einem Hammer oder mit einer Axt nicht zerschlagen werden können. Der See Lop Nor, der in den Jahren 1921 bis 1973 bestand, füllte in seiner südlichen Hälfte diese Helix aus und erstreckte sich in gleicher Länge nach Norden.

Bodenschätze im Seebecken Lop Nor
Das Seebecken Lop Nor ist eine sedimentäre Salzlagerstätte für Pottasche und enthält das größte Vorkommen von Sylvin in China. Es verfügt nachweislich über 240 Millionen Tonnen Kaliumchlorid und hat insgesamt geschätzte Reserven von über 504 Millionen Tonnen. Die bestätigten Vorkommen befinden sich in einem Gebiet, das sich 60,5 km von Nord nach Süd und 32,5 km von Ost nach West mit einer Gesamtfläche von 1.710 km² erstreckt.

Die Erschließung eines Sylvin-Feldes durch die Lop Nur Sylvite Science and Technology Development Co., Ltd auf einer Fläche von 21,6 km² und der Bau der Pilotanlage wurden bis 2003 fertiggestellt. Ein Kaliumchloridwerk konnte bereits in seiner Testphase rund 1.000 Tonnen hochwertigen Kaliumsulfats erzeugen. Bis Ende 2003 belief sich der Ausstoß auf 5.000 Tonnen Kaliumsulfat. Auf Satellitenbildern sind große nebeneinanderstehende viereckige Becken mit Salzsole zu erkennen. Der Bau eines Werkes zur Verarbeitung von Kaliumchlorid zu Kalidünger mit einer Jahreskapazität von 1,2 Millionen Tonnen ist geplant. Der Jahresverbrauch an Dünger betrug 1999 in China 36,7 Millionen Tonnen.

Im Juli 2005 entdeckte Professer Dr. Li Zhenyu aus Wuhan am Südrand der Lop Nor Wüste an den nördlichen Ausläufern der Altun Mountains einen unterirdischen Grundwassersee, der über 10 km lang und etwa 4 km breit ist.

Im Seebecken Lop Nor befinden sich außerdem Lagerstätten von Kohle, Eisen, Kupfer und Gold. Die Suche nach Erdölvorkommen hat begonnen.

Optimistische Experten rechnen damit, dass hier die größte Stadt von Xinjiang entstehen wird. Im Jahr 2003 fehlten aber noch Elektrizität und Trinkwasser.

Der See Lop Nor


Überblick
Der See Lop Nor trägt folgende Namen: Lop Nur = Lop Nuur = Lob-nor = Lo-pu po = Taitema Lake = Konchi Lake, in den Han Annalen: P'u-ch'ang Hai = Lou-lan Hai = Yen-tse, = Aoze, nach der Yuan-Dynastie (nach dem Jahr 1368): Lop Zhuor = Der See, in den Wasser hineinfließt). Das mongolische Wort Nuur heißt See. In englischer Übersetzung aus der chinesischen Sprache wird auch die Bezeichnung Sea of Death verwendet.

Der See Lop Nor war einer der größten, dabei flachsten und am weitesten vom Meer entfernten und abflusslosen Salzseen der Erde. Das letzte Mal entstand er 1921; seine Größe wechselte stark, sie war im Jahr 1928 3.100 km², im Jahr 1931 1.500 - 1800 km² (von Norden bis zum Süden fast 90 km lang bei einer unterschiedlichen Breite von 14 - 45 km), im Jahr 1950 2.000 km² und im Jahr 1958 5.350 km². Der tiefste Wasserstand war ab 1921 in der Helix (in Form eines Ohrs) und ein nur wenige Zentimeter hoher Wasserstand zwischen der Helix und der nördlich liegenden Einmündung des Flusses Kum-darja.

Seit 1971 - 1972 sind der Lop Nor ebenso wie seine Zuflüsse Kontsche-darja und Kum-darja ausgetrocknet. Grund dafür waren die zahlreichen Bewässerungsprojekte des Xinjiang Production-Construction Army Corps seit 1949 im Tarimbecken und im Yanji-Becken, um Chinesen in Xinjiang anzusiedeln. Allein im Bereich des Tarim und seiner Zuflüsse stiegen die bewässerten Ackerflächen von 351.200 ha (1949) auf 776.600 ha (1994); im gleichen Zeitraum wurden Bewässerungskanäle in der Länge von 1.088 km Länge sowie 206 Staubecken mit einer Gesamtkapazität von 3 Milliarden Kubikmeter Wasser für Bewässerungsmaßnahmen gebaut.

Das überflüssige Wasser des Bosten-Sees, das zuvor vor allem den Lop Nor speiste, wurde seit 1949 zur Bewässerung des den Bosten-See umgebenden Yanji-Beckens verwendet; deshalb führte sein Abfluss, der Kongque, bis 2000 nur wenig Wasser und konnte den Kontsche-darja und dessen Unterlauf Kum-darja sowie den Unterlauf des Tarim nicht mehr mit Wasser versorgen. Das führte zu dem Absterben der Ufervegetation am See Lop Nor und am Unterlauf des Tarim und zur Ausbreitung der Wüsten Lop Nor und Taklamakan. Aus ökologischen Gründen wurde seit April 2000 mehrmals Wasser aus dem Bosten-See über den Kongque in den Tarim und in den See Lop Nor eingeleitet. Nach chinesischen Berichten entstand der See Lop Nor im Jahr 2004 in einer Größe von 200 km² neu. Er soll sich nach Aussage von Yuan Guoying im Vergleich zum Jahr 1965 etwa 30 – 40 km nach Westen verlagert haben.

Gemäß einem Beschluß des Uigurischen Autonomen Gebietes Xinjiang vom Winter 2000-2001 soll Wasser aus dem Fluss Ilo durch einen Tunnel unter dem Tianshan Gebirge zu dem Fluss Tarim umgeleitet werden, damit der See Lop Nor durch Wasser aus dem Ilo neu entstehen kann. Das Projekt trägt den Nammen: Diverting water from north to south.

Die braune Erdkruste und die steinharte aber dünne weiße Salzkruste, die den Boden des seit 1970 ausgetrockneten Lop Nor überzieht, ist trügerisch; denn bereits einen halben Meter unter der Oberfläche dehnt sich ein gefährlicher Sumpf aus (laut Christoph Baumer, Stand 1994).

Die Geschichte des Sees Lop Nor
Seit 1980 untersuchte die Chinesische Akademie der Wissenschaften mit ihrer Investigation group of the Chinese Academy of Sciences den Lop Nor. Sie stellte in den Jahren 1980 - 1981 mit Hilfe der Radiokarbonmethode fest, dass der See Lop Nor seit über 20.000 Jahren andauernd in wechselnder Größe und Lage im Lop Nor Becken bestanden hat, wozu das aride bis vollaride Klima beitrug, das sich über einen langen Zeitraum nicht veränderte.

In Aufzeichnungen aus der Han-Dynastie (206 v. Chr. – 200 n. Chr.) wird der See Lop Nor so beschrieben: P'u-ch'ang Hai (=Lop Nor) bedeckt ein Gebiet von 300 li (= 172,5 km) Länge und Breite, das Wasser endet hier, niemals verändert sich seine Höhe. Alte chinesische Aufzeichnungen und Karten zeigen einen Salzsee im Durchmesser von 150 km (laut Xia Xuncheng, 1982).

Nach einem Bericht des Chinesen Li Daovuan mit Titel Shui Jin Zhu (2. Teil), der vor dem Jahr 527 nach Chr. entstand, besaß der See drei Zuflüsse: Quimo (= Tschertschen-Darja = Qarqan He), Nan (= Tarim) und Zhubin (= Hädik-gol und seine Unterläufe Kongque, Kontsche-darja und Kum-darja).

Der See Lop Nor war von fast unschätzbarer Bedeutung für die Kulturen des Tarimbeckens entlang der Seidenstraße, namentlich für die Lopliki (Lopleute), die maßgeblich vom Fischfang lebten.

Die Suche nach dem Lop Nor im 19. Jahrhundert
Nikolai Michailowitsch Prschewalski suchte im Jahre 1876 den See Kara-koschun auf und dachte irrtümlich, dass es sich hierbei um den See Lop Nor handelte. Er erkundete das Süd- und das Westufer und befuhr den Kara-koschun in seiner halben Länge. Das sehr flache, aber offene Gewässer ging dann in eine dichte, nicht mehr schiffbare Schilfvegetation über, um schließlich in der Wüste zu verebben. In seinem Tagebuch schrieb er: Die Wüste hat den Fluss besiegt, der Tod das Leben bezwungen. In der geographischen Fachwelt bestanden Zweifel, ob Nikolai Michailowitsch Prschewalski tatsächlich den Lop Nor gefunden hatte.

Der bedeutende deutsche Chinaforscher Ferdinand von Richthofen behauptete, Prschewalski habe wahrscheinlich einen anderen See entdeckt, da der Lop Nor in den chinesischen Karten circa zwei Breitengrade weiter nördlich zu finden sei. Nikolai Michailowitsch Prschewalski wiederum bezweifelte die Glaubwürdigkeit der chinesischen Karten. Mehrere russische, englische und französische Expeditionen wandten sich nun dem Lop Nor zu, jedoch folgten sie hauptsächlich den Spuren Prschewalskis und suchten den Kara-koschun auf. Daher fanden sie nichts wesentliches Neues.

Im Jahre 1901 beendete der schwedische Geograph und Entdeckungsreisende Sven Hedin diesen Streit. Er folgte den alten chinesischen Karten und fand den Lop Nor, einen fast ausgetrockneten, mit Schilf zugewucherten flachen See. Sven Hedin gab eine Erklärung dafür, dass der See Lop Nor austrocknete: Die früher vom Kum-darja mitgeführten Sand- und Schlamm-Massen, die sich im Lop Nor absetzen, hätten langsam das Seebecken angehoben, während die Stürme das trockenliegende Seebecken des südwestlich liegenden Kara-koschun abgetragen hätten. Der Kontsche-darja habe daraufhin das inzwischen tieferliegende Seebecken des Kara-koschun mit Flusswasser gefüllt. Das sei der Grund, warum der Lop Nor und sein Zufluss Kum-darja im 19. Jahrhundert kein Wasser führten.

Sven Hedin bezeichnete den Lop Nor als wandernden See und den Zufluss als nomadisierenden Fluss. Diese "räumliche Varibilität" (Hedin) habe sich mehrfach wiederholt, zuletzt im Jahr 1921. Da habe der Kontsche-darja wieder den Kum-darja und den Lop Nor mit Wasser versorgt, während der Kara-koschun wieder austrocknet sei.

Der See Kara-koschun


Der inzwischen ausgetrockneten See Kara-koschun (= Kara Koshun = qara qosun = Hara kurtschin) befand sich in den Jahren 1725 bis 1921 im Südwesten der Lop Nor Wüste nördlich des Dorfes und der zerstörten Festung von Milan (= möglicherweise I-hsün der Han-Annalen). Er bestand aus zwei getrennten Becken, dem kleinern Kara Buran und dem größern Kara Kurtschin, dem eigentlichen Kara-koschun.

Die braune Erdkruste und die steinharte aber dünne weiße Salzkruste, die den Boden des ausgetrockneten Kara-koschun überzieht, ist trügerisch; denn bereits einen halben Meter unter der Oberfläche dehnt sich ein gefährlicher Sumpf aus (laut Christoph Baumer, Stand 1994).

Die Frage, ob es richtig ist, den See Kara-koschun als See Lop Nor zu benennen und ob Sven Hedin mit seiner Bezeichnung des Sees Lop Nor als wandernden See Recht hat, wird heute noch von chinesischen Wissenschaftlern kontrovers diskutiert. Die beiden Seen besaßen in 20. Jahrhundert nicht nur eine andere geographische Lage, sondern sie hatten auch eine andere Höhe (der See Lop Nor 780 m Höhe über NN, der See Kara-koschun 790 m Höhe über NN). Falls der Kara-koschun in dem Seebecken Lop Nor gelegen hat und nicht in einem getrennten Seebecken, wäre die Benennung des Kara-koschun als Lop Nor korrekt. Diese Frage läßt sich aber erst nach einer Vermessung des Seebeckens Lop Nor und nach einer Einmessung des früheren Sees Kara-koschun in die Karte dieser Vermessung abklären.

Testgelände Lop Nor


Das chinesische Kernwaffentestgelände Lop Nor

Das Kernwaffentestgelände Lop Nor wurde ab dem 1. April 1960 bei Qinggir (Longitude: 88.7667, Latitude: 41.4667) etwas nördlich der Wüste Lop Nor in den Bergen Kuruktagh als größtes Kernwaffentestgelände der Welt mit 100.000 km² Fläche errichtet. Dort sind zwischen 1964 und 1996 insgesamt 45 oberirdische (zuletzt am 16. Oktober 1980) und unterirdische Atomtests für Plutoniumbomben und ab 1967 auch für Wasserstoffbomben durchgeführt worden. Die Leitzentrale, die Wohnsiedlung und der Flughafen für das Testgelände befinden sich in der Stadt Malan (Longitude: 87.33, Latitude: 42.19) nördlich des Bosten-Sees in einer Entfernung von 100 km von dem Kernwaffentestgelände.

Nach den oberirdischen Atomtests berichteten Mitglieder der uighurischen Unabhängigkeitsbewegung vom vermehrten Auftreten mysteriöser Krankheitsfälle im Südwesten Xinjiangs. Regierungssprecher bestritten aber, dass Personen aufgrund atomarer Strahlung erkrankten.

Das Kernwaffentestgelände Lop Nor ist als Zwischenlager und als eventuelles Endlager für heiße und hochradioaktive Abfälle (engl.: high-level waste = HLW) vorgesehen.

Livetest einer nuklearbestückten DF-2 MRBM in Lop Nor

Nachdem in Lop Nor ab 1964 die ersten chin. Nuklearwaffen getestet worden waren, wurde es am 27. Oktober 1966 Schauplatz eines Versuchs mit einer Mittelstreckenrakete mit scharfem Sprengkopf. Das Projektil wurde ca. 800 km entfernt in Jiuquan gestartet und detonierte mit einer Sprengkraft von 12 KT planmäßig im Zielgebiet. Vergleichsweise war dieser Test relativ schwach, denn China zündete bis 1980 sogar Wasserstoffbomben mit bis zu 4.3 MT Stärke in der Atmosphäre.

Der erfolgreiche Waffenversuch war für die Führung um Mao Zedong und Zhou Enlai sehr bedeutsam, denn er demonstrierte potentiellen Feinden die nukleare Schlagfähigkeit Chinas auch gegen entfernte Ziele. Wahrscheinlich wäre der radikale Konfrontationskurs gegen die UdSSR, der 1969 gar in schwere Grenzgefechte am Ussuri eskalierte, ohne diese Art strategischer Sicherung nicht denkbar gewesen; gleichzeitig erhöhte sich damit parallel der Bündniswert Chinas für die USA und machte Nixons Beijingreise von 1972 erst möglich.

Aufkärungsflüge der amerikanischen Drohne D-21B

Das von der Firma Lockheed gebaute amerikanische unbemannte Aufklärungsflugzeug D-21B war mit einer Hycon hochauflösenden Fotokamera bestückt und überflog das Kernwaffentestgelände Lop Nor unter dem Operationsnamen Senior bowl an den folgenden Tagen: 09.11.1969, 16.12.1970, 04.03.1971 und 20.03.1971.

Nur die Flüge am 16.12.1970 und am 04.03.1971 verliefen fehlerfrei. Die D-21B wurden zunächst von ihrem Trägerflugzeug B-52H transportiert und im Flug ausgeklinkt, wurden anschließend von einer Rakete gestartet, erreichten die dreifache Schallgeschwindigkeit Mach 3, stiegen auf eine Höhe von 22,860 km (75.000 feet) hinauf, kommunizierten dabei mit der B-52H, flogen selbständig über Lop Nor, photographierten das Kernwaffentestgelände Lop Nor, flogen weiter zum Ozean, wo sie die wassergeschützte Kamera zur Bergung an der einprogrammierten Stelle abwarfen und sich anschließend selbst zerstörten.

Nach diesen Flügen am 16.12.1970 und am 04.03.1971 gelang es aber nicht, die Kameras aus dem Ozean zu bergen. Deshalb wurden die bereits in größerer Stückzahl produzierten D-21B später nicht mehr eingesetzt.

Zitat


In einem alten chinesischen Text, dem Klassiker der Gewässer, findet sich eine ätiologische Sage, die die Entstehung der Drachenstadt (engl. Dragon City) mit ihren Yardangs zu ergründen versucht (zitiert nach Helmut Uhlig, Die Seidenstraße, Seite 158):

„Die Drachenstadt ist die Residenz des Giang Lai. Er beherrscht ein großes Königreich der Barbaren. Eines Tages stiegen die Wasser des Lop Nor und überfluteten die Hauptstadt dieses Königreiches. Die Fundamente der Stadt sind noch erhalten. Sie sind sehr ausgedehnt. Wenn man bei Sonnenaufgang am Westtor aufbricht, gelangt man erst bei Sonnenuntergang zum Osttor. Unter dem steilen Abhang der Stadt hatte man einen Kanal angelegt. Darüber hat der ständig wehende Wind Sand aufgetürmt, der allmählich die Form eines Drachen annahm, der nach Westen über den See blickt. Daher kommt der Name Drachenstadt. Das Gebiet ihrer Herrscher dehnt sich tausend Meilen weit aus. Es besteht ganz und gar aus Salz in hartem, festem Zustand. Die hindurchziehenden Reisenden breiten Filze aus für ihre Tiere, dass sie darauf liegen können. Wenn man in dem Boden gräbt, stößt man auf Salzblöcke, so groß wie Kopfkissen, die regelmäßig aufeinandergestapelt sind. In dieser Gegend ist die Luft dunstig wie aufsteigender Nebel oder wie schnell dahinziehendes Gewölk, so dass man nur selten die Sonne oder die Sterne sieht. Es gibt dort nur wenige Tiere, aber viele Dämonen und geisterhafte Wesen.“

Literatur


  • Sven Hedin: Im Herzen von Asien, Leipzig (F. A. Brockhaus) 1903.
  • Sven Hedin: Lop-Nur (Scientific Results of a Journey in Central Asia 1899–1902, Vol. II), Stockholm 1905.
  • Huntington, Ellsworth: The pulse of Asia, Boston und New York 1907.
  • Stein, Sir Aurel: Serindia: detailed report of explorations in Central Asia and westernmost China. Oxford 1921. (Textmaterial ist enthalten in Band 1 und in Band 2; Bildmaterial ist enthalten in Band 4; Kartenmaterial ist enthalten in Band 5).
  • Stein, Sir Aurel: Innermost Asia: Detailed Report of Explorations in Central Asia, Kan-Su and Eastern Iran, Band 1. Oxford, 1928 (Kartenmaterial ist enthalten in Band 4).
  • Folke Bergmann: Archäologische Funde. In: Petermanns Geographische Mitteilungen 1935, Gotha 1935.
  • Nils Hörner: Resa till Lop, Stockholm 1936 (schwedisch, nicht ins Deutsche übersetzt).
  • Parker C. Chen: Lop nor and Lop desert. In: Journ. Geogr. Soc. of China 3. Nanking 1936.
  • Sven Hedin: Der wandernde See, Wiesbaden (F.A. Brockhaus) 1965, bzw. Leipzig (F.A. Brockhaus) 1937.
  • Folke Bergman: Archaeological Researches in Sinkiang. Especially the Lop-Nor Region. (Reports: Publication 7), Stockholm 1939 (englisch, das grundlegende Werk über die archäologischen Funde in der Wüste Lop Nor mit wichtigem Kartenmaterial).
  • Sven Hedin und Folke Bergman: History of an Expedition in Asia 1927–1935. Part III: 1933–1935 (Reports: Publication 25), Stockholm 1944.
  • Vivi Sylwan: Investigation of silk from Edsengol and Lop-nor and a survey of wool and vegetable materials, Stockholm 1949.
  • Huang Wenbi: The Exploration around Lob Nor: A report on the exploratory work during 1930 and 1934, and English trans. of preface and contents), Peking 1948.
  • Herbert Wotte: Kurs auf unerforscht, Leipzig (F.A. Brockhaus) 1967.
  • Helmut Uhlig: Die Seidenstraße. Antike Weltkultur zwischen China und Rom., Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1986, ISBN 3-7857-0446-1.
  • Christoph Baumer: Geisterstädte der südlichen Seidenstraße: Entdeckungen in der Wüste Takla-Makan. Belser Verlag. Zürich 1996. ISBN 3-7630-2334-8 (Seite 159 - 179: Bericht von seiner Expedition in die Wüste Lop Nor und nach Loulan 1996)
  • Gunnar Jarring: Central Asian Turcic Place-names Lop Nor and Tarim area. An Attempt of Classification and Explanation Based on Sven Hedin's Diaries and Published Works. Stockholm 1997.
  • Elizabeth Wayland Barber: The Mummies of Urumchi. New York City 1999.
  • Christoph Baumer: Die südliche Seidenstraße. Inseln im Sandmeer. Mainz 2002. ISBN 3-8053-2845-1 (Mit aktuellen Literaturangaben).

Weblinks


Kartenmaterial

Das chinesische Kernwaffenversuchsgelände Lop Nor

Schutzgebiet für wilde Kamele in und um Lop Nor

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