London Bridge ist eine Straßenbrücke über den Fluss Themse in London. Sie verbindet die City of London auf der Nordseite mit dem Stadtteil Southwark im Stadtbezirk London Borough of Southwark auf der Südseite. Am südlichen Ufer stehen die Southwark Cathedral und der Bahnhof London Bridge, am nördlichen Ufer das Monument für den Großen Brand von London.
Die Brücke ist 283 m lang, 32 m breit und besteht aus drei vorgespannten Betonträgern; darüber führt die sechsspurige Hauptstraße A3. Bis zur Eröffnung der Westminster Bridge im Jahr 1750 war sie die einzige Brücke über die Themse im heutigen Stadtzentrum von London.
London Bridge, River Thames, 2003.jpg
König Johann hatte die Idee, auf der Brücke Häuser zu errichten. Bald darauf entstanden Geschäfte, Wohnbauten und sogar eine Kapelle auf der Brücke. Die Kapelle war Thomas à Becket geweiht. Zeitgenössische Bilder zeigen die Brücke mit bis zu sieben Stockwerke hohen Häusern. Die Zahl der Einwohner war so groß, dass die Brücke bis zum 18. Jahrhundert als eigener Stadtbezirk mit eigenem Bezirksvorstand galt.
Die mittelalterliche Brücke bestand aus 19 kleinen Bögen und einer Zugbrücke mit Wachhaus auf jeder Seite. Durch die geringe Größe der Bögen wurden 80 Prozent des Flusslaufes gestaut. Zusätzlich befanden sich vier Wasserräder unter der Brücke. Die beiden Wasserräder unter den nördlichen Bögen wurden zum Betrieb von Wasserpumpen verwendet, mit den beiden Wasserrädern am Südende wurden Getreidemühlen betrieben. Durch den Stau entstand ein Pegel von ungefähr zwei Metern auf beiden Seiten der Brücke und daraus resultierend entsprechende Strömungen und Strudel. Es galt als gefährlich und schwierig, ein Boot unter der Brücke durchzusteuern; viele ertranken dabei. Ein Sprichwort besagte, dass die Brücke „für weise Leute da sei, um darüber zu gehen sowie für Narren, um darunter zu fahren.“ Mehrere Brückenbögen kollabierten zu verschiedenen Zeiten, während der Peasants’ Revolt von 1381 und der Jack-Cade-Rebellion von 1450 wurden Häuser niedergebrannt.
Das nördliche Tor, das New Stone Gate, wurde 1577 durch das Nonesuch House ersetzt. Das südliche Tor, der Stone Gateway, war die berühmt-berüchtigtsten Sehenswürdigkeit Londons. Die Häupter von Verrätern wurden dort auf Lanzen gespießt ausgestellt; zum Schutz vor der Witterung wurden sie geteert. 1305 stellte man als ersten den Kopf von William Wallace dort aus und begann damit eine Tradition, die 355 Jahre fortgeführt werden sollte. Andere berühmte Köpfe auf Lanzen waren jene von Jack Cade (1450), Thomas Morus (1535), Bischof John Fisher (ebenfalls 1535) und Thomas Cromwell (1540). Ein deutscher Reisender zählte 1595 über dreißig Köpfe auf der Brücke. Dieser Brauch endete 1660 nach der Wiedereinsetzung von König Karl II., weil ihm diese Köpfe zu sehr an die Hinrichtung seines Vaters erinnerten.
Old London Bridge, River Thames, 1745.jpg Die Gebäude auf der Brücke bargen eine große Brandgefahr. Im Jahr 1212 oder 1213 brach am Nord- wie am Südende gleichzeitig ein verheerender Brand aus, der die Menschen auf der Brücke einschloss. Es soll damals mehr als 3000 Tote gegeben haben. Ein anderes Feuer zerstörte 1633 das nördliche Drittel der Brücke. Dies führte allerdings dazu, dass der Große Brand von 1666 nicht auf die Brücke übergriff, da dieser Teil durch eine Steinkonstruktion ersetzt worden war.
Bis 1722 nahm der Verkehr auf der Brücke derart überhand, dass der Lord Mayor folgende Anordnung erließ: Alle Wägen und Karren, die aus Southwark in Richtung der Stadt unterwegs waren, mussten auf der Westseite der Brücke fahren und alle Gefährte, die die Stadt verließen, auf der Ostseite. Das ist möglicherweise der Ursprung des Linksverkehrs in England. Zwischen 1758 und 1762 wurden sämtliche Häuser abgerissen und die zwei zentralen Bögen durch einen einzelnen Bogen ersetzt, um die Schifffahrt auf dem Fluss zu erleichtern.
Die Brücke wurde schließlich durch eine neue, aus fünf Bögen bestehende, Steinbrücke ersetzt. Den Entwurf dazu lieferte John Rennie. Die neue Brücke entstand 30 Meter flussaufwärts von der alten und kostete 2.000.000 Pfund. Der Bau wurde in sieben Jahren von John Rennie, dem Sohn des Architekten zwischen 1824 und 1831 fertiggestellt. Die alte Brücke war während der Bauzeit noch in Betrieb, wurde aber anschließend abgerissen.
Rennies Brücke wurde aus Dartmoor-Granit gefertigt. Sie war 283 Meter lang und 15 Meter breit. Die Bauleitung hatte Rennies Sohn John Rennie jr. inne. Die Eröffnung durch König Wilhelm IV. und Königin Adelaide fand am 1. August 1831 statt. Das Königspaar nahm an einem Bankett teil, das in einem provisorisch errichteten Pavillon auf der Brücke stattfand. Die kurz zuvor gebaute HMS Beagle war das erste Schiff, das unter der Brücke hindurchfuhr.
London Bridge, Lake Havasu, Arizona, 2003.jpg Zwischen 1902 und 1904 wurde die Brücke von 16 auf 20 Meter verbreitert, um dem immer stärkeren Verkehrsaufkommen gerecht zu werden. Allerdings überstieg das Gewicht dadurch die Tragfestigkeit der Fundamente und man stellte im Nachhinein fest, dass sie alle acht Jahre um einen Zoll sank. 1924 war die Ostseite 3 bis 4 Zoll tiefer als die Westseite.
Am 18. April 1968 kaufte der US-amerikanische Unternehmer Robert P. McCulloch die Brücke für 2.460.000 USD. Sie wurde abgetragen und Stein für Stein nach Lake Havasu City in Arizona verschifft. Böse Zungen behaupten, er habe eigentlich angenommen, die Tower Bridge zu erwerben und seinen Irrtum erst beim Wiederaufbau bemerkt (McCulloch bestritt dies selbstverständlich energisch). Die Brücke führt seit dem 10. Oktober 1971 über einen Kanal zwischen Lake Havasu und Thomson Bay und ist nach dem Grand Canyon die zweitgrößte Touristenattraktion Arizonas.
Im Jahr 1984 kollidierte das Kriegsschiff HMS Jupiter mit der Brücke und verursachte erheblichen Sachschaden.
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