article

Die Lohnquote ist definiert als das Verhältnis von Einkommen aus unselbständiger Arbeit (Arbeitnehmerentgelt) zum Volkseinkommen und ist ein wichtiger Indikator für die funktionelle Einkommensverteilung, d. h. die Verteilung des Volkseinkommens auf die Produktionsfaktoren "Arbeit" und "Kapital".

Man unterscheidet die Bruttolohnquote, die die Einkommen vor Abzug der Steuern und Sozialabgaben betrachtet, von der Nettolohnquote, die die Einkommen nach Abzug von Steuern und Sozialabgaben zugrunde legt.

Veränderungen der Lohnquote können zum einen auf Veränderungen der Einkommen, zum anderen aber auch auf die Veränderung der Zahl von Arbeitnehmern (früher auch "abhängig Beschäftigte") und von Empfängern von Unternehmens- und Vermögenseinkommen zurückgeführt werden. Um den Einfluss der Einkommensänderungen zu isolieren, berechnet man auch eine so genannte bereinigte Lohnquote, die angibt, wie sich die Lohnquote entwickelt hätte, wenn die Zahl der Empfänger der beiden Einkommenskategorien konstant geblieben wäre.

Bedeutung und Entwicklung


Die Lohnquote hat eine große, aber auch umstrittene Bedeutung in der politischen, insbesondere lohnpolitischen Diskussion, da sie als ein Indikator dafür angesehen wird, in welchem Umfang Arbeitnehmer auf der einen und Empfänger von Unternehmens- und Vermögenseinkommen auf der anderen Seite von der wirtschaftlichen Entwicklung oder von wirtschaftspolitischen Entscheidungen profitieren. Sie ist damit eine der wirtschaftlichen Größen, welche die Tarifparteien bei den Lohnverhandlungen berücksichtigen.

Wegen des großen Anteils der Lohnsteuer am Steueraufkommen insgesamt und der Finanzierung der Sozialversicherungen über die Lohneinkommen spielt die Lohnquote in Deutschland auch eine wichtige Rolle in der Diskussion um Steuergerechtigkeit und die Finanzierbarkeit des Wohlfahrtsstaates.

lohnquote.png Was die längerfristige Entwicklung der Lohnquote in der Geschichte angeht, gab es zuerst eine Position, die von einer langfristigen Tendenz zur Senkung der Lohnquote ausging ("Gesetz der fallenden Lohnquote", Rodbertus). Demgegenüber meinte man später bezogen auf die "bereinigte" Lohnquote eine Konstanz der Lohnquote zu beobachten. Auch Karl Marx erwartete eine immer größere Mehrwertrate, was einer sinkenden Lohnquote entspricht.

In der tatsächlichen Entwicklung stieg die Quote in der BRD von 1970 bis 1982 (=77 Prozent) an. In der Folge fiel sie bis zur Wiedervereinigung deutlich ab, um dann als Resultat der Wiedervereinigung sprunghaft anzusteigen, weil in Ostdeutschland zwar die Löhne niedriger sind, aber die Arbeitsproduktivität noch niedriger ist. Seitdem hat sich wieder ein sinkender Trend durchgesetzt. Betrug die Lohnquote 2001 noch 72 Prozent des Volkseinkommens, so lag sie 2005 nur noch bei 67 Prozent. Es gibt Wirtschaftsexperten, die einen weiteren tendenziellen Fall der Lohnquote annehmen und daraus folgern, dass der produzierte Reichtum an den Arbeitnehmern vorbeifließt (so Stefan Kaufmann, in der Berliner Zeitung vom 27. Januar 2006).

Manchmal wird das Arbeitnehmerentgelt nicht auf das Volkseinkommen bezogen, sondern auf das Bruttoinlandsprodukt, also Volkseinkommen zuzüglich der Abschreibungen und der Produktionssteuern abzüglich der Subventionen. Dann spricht man auch von realen Lohnstückkosten.

Wer berechnet die Lohnquote?


Die Lohnquote wird von der Deutschen Bundesbank laufend berechnet und in ihrem Statistischen Beiheft Nr. 4 zum Monatsbericht monatlich publiziert.

Das Statistische Bundesamt veröffentlicht Daten zum Arbeitnehmerentgelt und zum Volkseinkommen, woraus die unbereinigte Lohnquote ermittelt werden kann. Für Bereinigungen sind darüber hinaus die Zahlen für die Arbeitnehmer und die Erwerbstätigen erforderlich.

Im internationalen Vergleich werden Lohnquoten zum Beispiel in der Ameco-Datenbank der Dienststellen der EU-Kommission veröffentlicht.

Bereinigung


Unbereinigt lautet die Formel der Lohnquote:

Arbeitnehmerentgelt =






- Volkseinkommen

Die um Veränderung der Struktur der Erwerbstätigen (Arbeitnehmer und Selbständige und mithelfende Familienangehörige) bereinigte Lohnquote erhält man, indem man folgende Größe

Arbeitnehmerentgelt im Berichtsjahr =












-- x Anzahl der Arbeitnehmer im Basisjahr Anzahl der Arbeitnehmer im Berichtsjahr

im Zähler mit folgender Größe im Nenner dividiert:

Volkseinkommen im Berichtsjahr =












-- x Anzahl der Erwerbstätigen im Basisjahr Anzahl der Erwerbstätigen im Berichtsjahr

Das Berichtsjahr ist das Jahr, für welches die Lohnquote berechnet werden soll, das Basisjahr ist ein bestimmtes ausgewähltes Jahr, etwa 1995 oder 2000, dessen Erwerbstätigenstruktur konstant gehalten werden soll. Den Formeln ist zu entnehmen, dass im Basisjahr die bereinigte und die unbereinigte Lohnquote gleich groß sind.

Ein Nachteil dieser Bereinigung ist, dass das Niveau der bereinigten Lohnquote davon abhängt, welches Basisjahr man zugrunde legt, da ja die bereinigte Lohnquote für das Basisjahr den gleichen Wert hat wie die unbereinigte. Diesen Nachteil kann man vermeiden, indem man eine andere Bereinigung vornimmt. Für die Differenz zwischen Anzahl der Erwerbstätigen und Anzahl der Arbeitnehmer, das sind die Selbständigen und mithelfenden Familienangehörigen, wird unterstellt, dass sie einen kalkulatorischen Unternehmerlohn in Höhe des durchschnittlichen Arbeitnehmerentgeltes der Arbeitnehmer erhalten. Die Lohnquote wird dadurch höher, weil jetzt die kalkulatorischen Unternehmerlöhne zum Arbeitnehmerentgelt hinzugezählt werden. Der Nachteil dieser Methode besteht darin, dass oft die Selbständigen und mithelfenden Familienangehörigen im Durchschnitt je Kopf ein Einkommen beziehen, das niedriger ist als das Durchschnittsentgelt eines Arbeitnehmers. Insbesondere in Ländern mit sehr hohem Anteil der Selbständigen und mithelfenden Familienangehörigen an den Erwerbstätigen insgesamt, etwa im (landwirtschaftlich geprägten) Griechenland oder im (noch stark landwirtschaftlichen) Japan der 60er Jahre, kann es so zu Lohnquoten kommen, die sehr nahe an 100 % heranreichen, es können sich theoretisch Werte über 100 % ergeben.

Diese Bereinigungsmethode wird zum Beispiel von den Dienststellen der EU-Kommission zur Berechnung von Lohnquoten oder Lohnstückkosten verwendet.

Kritik an der Lohnquote


Die Lohnquote wird häufig als Indikator für eine sozial gerechte Verteilung des Volkseinkommens angesehen; man setzt eine sinkende Lohnquote mit steigender sozialer Ungerechtigkeit gleich.

Demgegenüber stehen folgende Argumente:

  • Die Trennung zwischen Lohnempfängern und Personen mit Kapitaleinkünften ist nicht strikt. Ein Lohnempfänger mit Aktienbesitz oder verzinstem Sparvermögen partizipiert auch an den Kapitaleinkünften. Die derzeitige Forderung nach und Förderung der privaten Altersvorsorge unterstützt diesen Trend.

  • Andererseits sind in der Lohnquote aber auch die Millionenbezüge von Vorstandsvorsitzenden enthalten, wodurch die Lohnquote erhöht wird, während die Quote der Unternehmens- und Vermögenseinkommen gedrückt wird durch niedrige oder sinkende Einkommen von Kleinselbständigen und so genannten Ich-AGs.

Als Fazit kann gesagt werden: Eine sinkende Lohnquote allein beweist zwar noch nicht, dass die Ungleichverteilung des Volkseinkommens zunimmt, sie legt diesen Schluss aber ziemlich nahe.

  • Die Lohnquote selbst sagt nichts aus über:
    • Die Verteilung der Lohnzahlungen innerhalb der Empfängergruppe.
    • Die jeweilige Anzahl an Personen, die zur Gruppe der Lohnempfänger gehört.

Internationaler Vergleich


In den Abbildungen sind die unbereinigten Lohnquoten der Triade dargestellt, der drei größten Volkswirtschaften der Welt. Außerdem sind die bereinigten Lohnquoten auf Grundlage der Erwerbstätigenstruktur 1960 und 2004 abgebildet. Das Niveau der bereinigten Lohnquote hängt also auch von der Wahl des Basisjahres (hier 1960 oder 2004) ab. Schließlich sind die Lohnquoten dargestellt, wenn man sie mit Hilfe des kalkulatorischen Unternehmerlohnes bereinigt.

Bild:LohnquUSAJBRD1.PNG|Quelle: eig. Berechn. nach ameco-Datenbank Bild:LohnquUSAJBRD.PNG Bild:LohnquUSAJBRD2.PNG

Literatur


  • Michael Grömling: Determinanten der Lohnquote im internationalen Vergleich. Sozialer Fortschritt Jg. 53, 2004, Heft 2.
  • Claus Schäfer: Die Lohnquote - ein ambivalenter Indikator für soziale Gerechtigkeit und ökonomische Effizienz. Sozialer Fortschritt Jg. 53, 2004, Heft 2.
  • Thomas Weiß: Die Lohnquote nach dem Jahrtausendwechsel. Sozialer Fortschritt Jg. 53, 2004, Heft 2.

  • Deutsche Bundesbank: Saisonberichtigte Wirtschaftszahlen für Monat .... - Statistisches Beiheft zum Monatsbericht

Siehe auch


Weblinks


Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung | Steuerrecht | Politischer Begriff

Wage share

 

This article is licensed under the GNU Free Documentation License. It uses material from the "Lohnquote".

Home Pageartsbusinesscomputersgameshealthhospitalshomekids & teensnewsphysiciansrecreationreferenceregionalscienceshoppingsocietysportsworld