Die logarithmische Normalverteilung (kurz Log-Normalverteilung) ist eine kontinuierliche Wahrscheinlichkeitsverteilung über der Menge der positiven reellen Zahlen. Sie beschreibt die Verteilung einer Zufallsvariablen , wenn normalverteilt ist.
Definition
Dichtefunktion
Eine stetige
Zufallsvariable unterliegt der
logarithmischen Normalverteilung
mit den Parametern
(Schwerpunkt) und
(Streuung), wenn sie die
Wahrscheinlichkeitsdichte
-
besitzt.
Zweidimensionale Log-Normalverteilung
Sind
und
zwei log-normalverteilte Zufallsvariablen, dann ist
mit dem transformierten
Korrelationskoeffizienten
-
deren gemeinsame
Wahrscheinlichkeitsdichte definiert als
- .
Verteilungsfunktion
Damit hat die logarithmische Normalverteilung die
Verteilungsfunktion
-
Die Verteilungsfunktion der logarithmischen Normalverteilung stellt sich im doppelt logarithmisch geteilten Wahrscheinlichkeitspapier als Gerade dar.
Eigenschaften
Maximum
Die Wahrscheinlichkeitsdichte hat den maximalen Wert von
- .
Erwartungswert
Der
Erwartungswert der logarithmischen Normalverteilung beträgt
xe^{-\frac{(\ln{x}-\mu)^2}{2\sigma^2}}\operatorname{d}x
= e^{\mu+\frac{\sigma^{2}}{2}}
Varianz
Die
Varianz ergibt sich analog zu
e^{-\frac{(\ln{x}-\mu)^2}{2\sigma^2}}\operatorname{d}x
= e^{2\mu+\sigma^{2}}(e^{\sigma^{2}}-1) .
Standardabweichung
Für die
Standardabweichung ergibt sich
- .
Variationskoeffizient
Aus
Erwartungswert und
Varianz erhält man unmittelbar den
Variationskoeffizienten
- .
Schiefe
Die
Schiefe ergibt sich zu
- ,
d.h., die Lognormalverteilung ist rechtsschief.
Quantile
Ist
das p-
Quantil einer
Standardnormalverteilung (d.h.
, wobei
die Verteilungsfunktion der Standardnormalverteilung sei),
so ist das p-Quantil der Logarithmischen Normalverteilung gegeben durch
- .
Insbesondere ist der Median, d.h. der Wert, bei dem die Verteilungsfunktion den Wert 0,5 annimmt, gegeben durch
- .
Je größer die Differenz zwischen Erwartungswert und Median, desto ausgeprägter ist i.a. die Schiefe einer Verteilung. Hier unterscheiden sich diese Parameter um den Faktor . Die Wahrscheinlichkeit für extrem große Ausprägungen ist also bei der Lognormalverteilung hoch.
Charakteristische Funktion
Die
charakteristische Funktion ist für die logarithmische Normalverteilung nicht explizit darstellbar.
Momente
Für die logarithmische Normalverteilung existieren alle
Momente und es gilt:
- .
Momenterzeugende Funktion
Die
momenterzeugende Funktion existiert nicht für die logarithmische Normalverteilung.
Beziehungen zu anderen Verteilungen
In der
Versicherungsmathematik wird die Verteilung der Schadensanzahl häufig mit Hilfe von
Zufallsvariablen modelliert, die der
Poisson-Verteilung, der
Negativ-Binomialverteilung oder der
logarithmischen Verteilung genügen. Dagegen eignen sich zur Modellierung der Schadenshöhe insbesondere die
Gammaverteilung, die
Log-Gammaverteilung oder die
Log-Normalverteilung.
Beziehung zur Normalverteilung
Der Logarithmus einer logarithmisch-normalverteilten Zufallsvariablen ist normalverteilt. Genauer:
Ist
eine
-verteilte reelle Zufallsvariable (d.h. normalverteilt mit Erwartungswert
und Varianz
), so ist die Zufallsvariable
Log-normalverteilt mit diesen Parametern
und
, allerdings bilden diese Parameter nicht Erwartungswert und Varianz von
.
Anwendungen
Black-Scholes-Modell
Die logarithmische Normalverteilung liegt dem
Black-Scholes-Modell zur Preisfeststellung von
Finanzoptionen zugrunde.
Einkommensverteilung
Häufig sind Einkommen lognormalverteilt. Ein Grund ist, dass es einfach viel weniger bestdotierte Positionen gibt, die Hauptmasse sind Jobs mit mehr oder weniger geringem Einkommen, wobei besonders niedrige Einkommen wieder seltener werden. Das entspricht genau dem Verlauf der meisten Lognormalverteilungen. Dieser Umstand kann in jedem operativ funktionierenden Unternehmen überprüft werden.
Schätzung von Umsatzziffern von Unternehmen
Die
Logarithmen aller Fakturenbeträge eines Unternehmens folgen annähernd einer Normalverteilung. Der Abstand zwischen dem Logarithmus des kleinsten und dem Logarithmus des größten Fakturenbetrages repräsentiert annähernd die 6-fache Standardabweichung der Normalverteilung der Logarithmen. Dadurch ist es möglich, auf den Mittelwert oder
Erwartungswert der Fakturenbeträge (s.o.) der Lognormalverteilung zu schließen. Multiplikation dieses Mittelwertes mit der Anzahl der gültigen Fakturen ergibt in den meisten Fällen einen akzeptablen Schätzwert für die
Größenordnung des Umsatzes eines Unternehmens; wertmäßig liegt er tendenziell zu hoch: Da für solche Schätzungen auch das Benfordsche Gesetz (vgl.
Benfordsches Gesetz) gelten muss, sollte eher die Benford-Verteilung verwendet werden. Dabei ist zu beachten, dass die Größenordnungen (Stellenwerte) der Rechnungsbeträge nicht gleichverteilt (s.u.
Gleichverteilung), sondern annähernd
normalverteilt sind.
Versicherungsmathematik
Die logarithmische Normalverteilung wird wegen der oben besprochenen Schiefe und der damit verbundenen Großschadenneigung bei der Modellierung von Risiken häufig als Verteilung der Schadenhöhe eingesetzt. Sind der Erwartungswert E und die Standardabweichung stdev vorgegeben, so erhält man die Parameter der logarithmischen Normalverteilung wie folgt:
-
und
- .
Literatur
Wahrscheinlichkeitsverteilung Statistik
Log-normal distribution | Distribución lognormal | Variabile casuale logonormale | Логнормальное распределение | Sebaran Log-normal