lloyds.building.london.arp.jpg
Lloyd's ist die umgangssprachliche Bezeichnung für ein Unternehmen (Lloyd's of London; nicht zu verwechseln mit Lloyd's Register of Shipping) mit Sitz in London, die vielfach irrtümlich als Versicherungsgesellschaft bezeichnet wird. Tatsächlich betätigt sich Lloyds's lediglich als Versicherungsmakler. Lloyd's wurde im Jahre 1688 in London gegründet.
Lloyd's Register of Shipping (Sitz in Coventry und London) hat einen ähnlichen Ursprung, beschäftigt sich jedoch mit der Klassifizierung und technischen Abnahme von Schiffen, Industrieanlagen, Transportsystemen (Bahn, Flugzeuge etc.), Off-Shore-Bauten etc. (Klassifikationsgesellschaft).Die Tochter Lloyd's Register Quality Assurance ist einer der international führenden Zertifizierer und Gutachter von Qualität-, Umwelt- und Arbeitssicherheitsmanagementsystemen (z. B. nach ISO 9001:2000, ISO 14001:2004, OSHAS, EMAS etc.).
Geschichte
Der Anfang von Lloyd's war ein
Kaffeehaus, welches von einem gewissen Edward Lloyd (erstmalig erwähnt
1688) zuerst in der Londoner Tower Street dann in der Lombard Street geführt wurde. Wie andere Kaffeehäuser wurde es zum Treffpunkt von Geschäftsleuten, darunter solchen, die bereit waren Risiken im Bereich der
Schifffahrt abzudecken. Es wurde zur Gepflogenheit einen Versicherungsgeber im Kaffeehaus zu suchen, da dort mehr als ein Anbieter zu finden war. Dies wurde umso attraktiver, als
1720 durch Rechtvergabe ein faktisches Monopol im Bereich der Versicherungsunternehmen entstand und so private Versicherungsgeber eine wichtige Alternative wurden. Im
18. Jahrhundert entwickelte sich Lloyd's Kaffeehaus zu einem Zentrum für solche privaten Versicherungen. Edward Lloyd starb
1713, das Kaffeehaus bestand unter dem Namen Lloyd's weiter. Ab
1774 residierte Lloyd's nun nicht mehr als Kaffeehaus in der Royal Exchange (bis
1928, danach in eigenen Gebäuden). Um
1811 herum wurde die langsame Umwandlung in ein Unternehmen angestoßen, so z. B. Agenturen gegründet und ihre Aufgaben festgelegt. Die Gründung des Unternehmens Lloyd's erfolgte
1871. Die Gesellschaft erhielt alle Rechte einer normalen Gesellschaft, charakteristisch blieb trotzdem der Schwerpunkt auf dem individuellen Engagement der Versicherungsgeber. In der Gründungsurkunde (Lloyd's Act) wurde die Gesellschaft zunächst auf See-Versicherungen eingeschränkt, was erst
1911 aufgehoben wurde. Lloyd's beruht im Kern nach wie vor auf dem im Lloyd's Act festgelegten Regelwerk.
Lloyd's als Versicherungsmakler
Dabei stehen auf der einen Seite die
Versicherungsnehmer, ursprünglich ausschließlich
Schiffseigner, die für ein Risiko - z.B. den Fall eines Schiffsuntergangs - Prämien bezahlen. Auf der anderen Seite stehen die
Names, quasi die Versicherungsgeber. Tritt der vertraglich definierte Schadensfall ein, sinkt also beispielsweise ein über
Lloyd's versichertes Schiff, werden die Versicherungsnehmer aus dem Privatvermögen der
Names bis zur vertraglichen Höhe entschädigt.
Names
Als Names bezeichnet man die Investoren im Versicherungsgeschäft. Sie verpfänden ihr Privatvermögen (haften also persönlich, daher die Bezeichnung) in bestimmter Höhe für bestimmte Risiken, z.B. einzelne Schiffe. Der Vorteil dieses Investments besteht darin, daß die
Names ihr Risikokapital - solange der Schadensfall nicht eintritt - weiterhin nutzen können: Immobilien können neben den Versicherungsprämien weiterhin Mieteinnahmen erbringen, Barvermögen kann weiterhin angelegt werden.
Kodex
Ein Kodex soll dabei die Ansprüche beider Seiten schützen: Die
Names müssen auch im Schadensfall vor Verarmung geschützt sein, die Ansprüche der Versicherungsnehmer dürfen nicht durch
Parallelgeschäfte der
Names gefährdet werden. Ursprünglich geschah dies durch eine gesellschaftliche Auslese:
Names mussten ein Barvermögen in ausreichender Höhe besitzen.
Durch die gestiegene Nachfrage nach Versicherungen im zwanzigsten Jahrhundert wurden die Regeln komplizierter; theoretisch konnte bald jeder zum Name werden, ein Kodex aus Regeln zum Schutz beider Seiten entstand:
Das eigene Haus wird von Lloyd's nur als Sicherheit akzeptiert, wenn der Name auch im Schadensfall vor Obdachlosigkeit geschützt ist. Auf der anderen Seite darf der Name Sicherheiten wie Barvermögen nicht durch hochriskante Spekulation gefährden.
Syndikate
Innerhalb von
Lloyd's wurde das Geschäft auf zahlreiche Syndikate aufgeteilt, die wie konkurrierende Versicherungsgesellschaften nebeneinander agieren. Um Kompetenzzentren zu bilden, haben sich die Syndikate auf Gebiete wie
Luftfahrt,
Schiffe,
Gebäudeversicherungen,
Rückversicherungen etc. spezialisiert.
Verflechtungen
Im Sinne der
Diversifikation haben
Names ihr Vermögen bei unterschiedlichen Syndikaten für unterschiedliche Projekte verpfändet. Gleichzeitig erforderten hohe Risikosummen (wie bei milliardenteuren Bohrinseln), die durch die
Names einzelner Syndikate nicht abgedeckt werden konnten, komplexe Ketten von Rückversicherungsverträgen zwischen Syndikaten, so dass die
Names nicht mehr nachvollziehen konnten, für welche Risiken sie hafteten.
Geplatzte Blase
Als die Bohrinsel
Piper Alpha nach einem Feuer im Jahr 1988 als Totalverlust verbucht werden musste, zeigte sich auch der Reformbedarf bei
Lloyd's: Die bestehende Kette von Rück-, Rück-Rück- und Rück-Rück-Rück-Versicherungen führte dazu, dass die Gesamtheit der Syndikate infolge des Unglücks ein Mehrfaches des tatsächlichen Schadens abschreiben musste.
Reaktion
Dies lieferte einen weiteren Anstoß zu einer Diskussion über die internen Verfahren von
Lloyd's: Diese waren vor allem von Traditionen geprägt wie der handschriftlichen Eintragung von Versicherungsverhältnissen in die Bücher; im Computerzeitalter ein Hindernis für die Forderung nach Transparenz.
Weblinks
Versicherungsunternehmen
Lloyd's of London | ロイズ | Lloyd's Register | Lloyd's Register of Shipping | Lloyd's Register