Liubice (auch Leubice genannt) ist der slawische Name Alt Lübecks, einer Vorsiedlung des heutigen Lübecks. Diese ist allerdings nicht die geographische Keimzelle der Hansestadt.
Ab der Mitte des 11. Jahrhunderts erfolgte ein Ausbau Liubices, der zur Entstehung eines großen Siedlungskomplexes im 11. Jahrhundert führte. 1055 und in den nachfolgenden Jahren wurde die alte Burg erneuert. Diese Maßnahme ist mit dem Slawenfürsten Gottschalk verbunden. Nach dessen Tod übernahm Kruto die Herrschaft nicht nur in Wagrien, sondern im gesamten Abodritenverband und in dessen letzten Jahren fallen die Anfänge der Neugestaltung der Burg. 1087 wurde die Wehranlage zum zweiten Mal erneuert. In dieser Zeit wurde die Burg im Westen durch einen 12 m breiten Graben vom Land getrennt, wodurch sie auf einer künstlichen Insel lag.
Zur vollen Blüte kam Liubice unter Slawen"könig" Heinrich. Alt Lübeck war nun ein frühstädtischer Komplex, bestehend aus einer Burg, einem Hafen, zwei Vorburgsiedlungen und einer eigenen, um eine Kaufmannskirche sich entwickelnde Kaufleutesiedlung am anderen Flussufer. In der Burgmitte hebt sich die Kirche von der profanen Bebauung ab. Die ältere, aus Holz gebaute, Kirche weist einen Grundriss von 22 m Länge und 15 m Breite auf. Für den slawischen, aber auch den skandinavischen Bereich ist dieser Grundriss ungewöhnlich. Parallelen sind nur aus Island bekannt. Die Kirche ist architektonisch anspruchsvoller und repräsentativer. Sie diente als Grabstätte und wird in die 90´er Jahre des 11. Jahrhunderts datiert. Die neue Kirche wurde aus Feldsteinen gebaut. Sie war 20 m lang und 11 m breit, war einschiffig und hatte eine halbrunde Apsis. Der Niedergang der Kirche beruht auf der Zerstörung Alt Lübecks durch die Ranen 1128 nach Heinrichs und seiner Söhne Tod. Liubice wird danach als Handelsplatz aufgegeben. Der Name Liubice wurde 1143 vom Grafen Adolf II. von Holstein auf sein, auf einer Halbinsel names Bucu gelegenes Stadtgründungsprojekt übertragen, aus dem das heutige Lübeck hervorging.
Die dort noch ansässigen Abodriten hielten bis ins 13. Jahrhundert hinein vor der Marienkirche im neuen Lübeck ihre Ratsversammlung ab. Im Lübischen Recht haben sich Überreste slawischer Rechtsinstitutionen gehalten.
Mittelalterliche Stadt | Lübecker Geschichte | Archäologischer Fundplatz in Schleswig-Holstein | Kulturdenkmal (Schleswig-Holstein) | Slawen