Georg Cassander (1513-1566) bezeichnet erstmals mit dem Begriff Liturgik die wissenschaftliche Reflexion des christlichen Gottesdienstes. Jedoch setzt sich der Terminus erst im 18. Jahrhundert im katholischen und evangelischen Raum durch. Im theologischen Fächerkanon ist die Liturgik Teildisziplin der Praktischen Theologie, ist jedoch mancherorts als Teilgebiet der Historischen Theologie entstanden. Liturgik ist die Gottesdienstlehre, der reflektierte Umgang mit der Liturgie (grch. leitourgía aus laitos und ergon = "Volksdienst"). Liturgie bezeichnete ursprünglich den Dienst der wohlhabenden Bürger an den Armen, der sowohl Armenspeisungen wie auch die Einrichtung öffentlicher Unterhaltung umfasste. Auch kultische Dienstleistungen konnten so bezeichnet werden. In der Septuaginta wird sowohl der Tempeldienst wie auch der heidnische Kult als leitourgia bezeichnet. Von hier aus fand die Begrifflichkeit Eingang in das griechische Christentum, wobei der Begriff erst seit dem 9. Jahrhundert als Bezeichnung des christlichen Gottesdienstes belegt ist. Das latinisierte Liturgia wurde in der westlichen Kirche erst im Spätmittelalter gebräuchlich.
Neben liturgiewissenschaftlichen und kirchenhistorischen Elementen fließen in die Lehre und Forschung der Liturgik auch Erkenntnisse der Ästhetik, der Musikwissenschaft, Theaterwissenschaft, der Volkskunde sowie der Kommunikationswissenschaften ein.
Arnold Angenendt: Liturgie im Mittelalter. Ausgewählte Aufsätze zum 70. Geburtstag, hrsg. v. Thomas Flammer u. Daniel Mayer. Münster: LIT. 1. Aufl. 2004, 2. Aufl. 2005. (= Ästhetik – Theologie – Liturgik. 35.). ISBN 3-8258-7505-9.
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