Lipide (von griechisch λίπος, lípos, „das Fett“) sind eine Sammelbezeichnung für Naturstoffe, die sich in ihrer chemischen Struktur teilweise erheblich unterscheiden, aber aufgrund ihrer geringen Polarität (d. h. die elektrische Ladung ist gleichmäßig im Molekül verteilt) in Wasser unlöslich, in hydrophoben bzw. lipophilen (unpolaren) Lösungsmitteln wie Benzin, Benzol, Ether oder Chloroform hingegen gut löslich sind.
Lipide werden in sieben Gruppen eingeteilt:
Membranlipide wie Glycerophospholipide, Sphingolipide und Cholesterol sind amphiphil, (das heißt, sie haben einen polaren und einen unpolaren Teil) und bilden deswegen in polaren Lösungsmitteln Micellen oder Membranen.
Abhängig von ihrer Verseifbarkeit (durch Laugen) werden die Lipide auch in verseifbar und unverseifbar unterteilt. Verseifbar sind dementsprechend die Fettsäureester und -amide.
Biologische Funktionen
Die biologischen Funktionen der Lipide sind ebenso vielfältig wie ihre chemische Struktur. Sie dienen als
- Brennstoff (β-Oxidation der Fettsäuren)
- Energiespeicher (Triacylglyceride)
- Membranbausteine (Phospholipide)
- Signalmoleküle (Diacylglycerol; IP3-Kaskade)
- Hormone (Eicosanoide; Prostaglandine etc.)
- Fettlösliche Vitamine (Vitamine A, D, E, K)
- Cofaktoren (Dolichol)
- Pigmente (Carotinoide)
Viele Lipide können vom menschlichen Körper selbst synthetisiert werden, aber manche müssen mit der Nahrung aufgenommen werden. Diese werden dann als essentielle Lipide bezeichnet.
Fettsäuren, Wachse, Fette und fette Öle
Die Triacylglycerole (
Triglyzeride) machen mit >90 % den Hauptanteil der Nahrungslipide aus. Sie sind ein wichtiger Energielieferant (1 g Fett enthält 39 kJ = 9
kcal Energie, 1 g
Zucker nur 4 kcal). Weiterhin sind Triglyzeride der wichtigste Speicherstoff des Körpers für Energie (Zucker, d. h. Glucose, wird dagegen in viel geringerer Menge als
Glykogen in der
Leber gespeichert), sie sind ein guter Kälteschutz in der
Haut, und dort schützen sie auch vor Verletzungen, da sie eine Polsterfunktion haben. Alle wichtigen Organe werden durch einen Fettmantel geschützt.
Fettsäuren-beispiel.svg
Fettsäuren
Fettsäuren sind meist unverzweigte Monocarbonsäuren, die aus einer Kette von Kohlenstoffatomen bestehen, an deren einem Ende sich eine
Carboxylgruppe befindet.
Es werden gesättigte Fettsäuren, in denen keinerlei Doppelbindungen vorkommen, und ungesättigte Fettsäuren, die ein oder mehrere Doppelbindungen , die zumeist in cis-Stellung und voneinander isoliert vorkommen, unterschieden. Ein Beispiel für gesättigte Fettsäuren ist die Buttersäure, sie ist zugleich die kürzeste und enthält vier Kohlenstoffatome. Wichtige Vertreter der ungesättigten Fettsäuren sind Ölsäure (einfach ungesättigt) und Arachidonsäure (mehrfach ungesättigt). Je mehr Doppelbindungen eine Fettsäure enthält, desto niedriger liegt ihr Schmelzpunkt. Ungesättigte Fettsäuren können vom tierischen Organismus nur unter Einschränkung synthetisiert werden. Man bezeichnet daher all jene Fettsäuren, die mit der Nahrung aufgenommen werden müssen als 'essentielle Fettsäuren' (s. u.).
Triglyceride.svg
Triglyzeride
Triglyzeride stellen mit einem Anteil von 80% - 90% die größte Gruppe der Nahrungslipide dar. Sowohl Fette als auch Öle sind Dreifach-Ester (
Ester sind Verbindungen nach dem Schema R
1-CO-O-R
2, mehr dazu siehe dort) des
Glycerols und werden als
Triglyzeride bezeichnet. Werden Triglyzeride mit Hilfe eines
Verseifung genannten Prozesses gespalten, entstehen Glycerol und die entsprechenden Salze der Fettsäuren.
Es gibt zwei Arten von Triglyzeriden, einfache und gemischte. Bei einfachen Triglyzeriden sind die Seitenketten (also die enthaltenen Fettsäuren) identisch, bei gemischten sind sie verschieden. Die Ursache dafür, dass Fett fest und Öl flüssig ist, liegt im wesentlich höheren Anteil an ungesättigten Fettsäuren in den Ölen.
Sind in einem Triglycerid die Seitenketten R¹ und R³ verschieden, so treten
Chiralität (das heißt, würde man das Molekül spiegeln, so kommt ein neues Molekül zustande, das nicht durch Drehung mit dem Original in Deckung gebracht werden kann) und damit
optische Aktivität (das heißt, dass eine Lösung einfallendes
polarisiertes Licht dreht) auf.
Wachse
Beewax.svg als Stellvertreter für Wachse]]
Wachse sind
Einfach-Ester von
Fettsäuren, und unterscheiden sich als solche von Fetten und Ölen, die Dreifach-Ester sind. Sowohl der Säuren- als auch der Alkoholteil von Wachsen haben lange gesättigte Fettsäurereste. Im Gegensatz zu Triglyzeriden sind Wachse weniger „ölig“, außerdem härter und poröser.
Eine andere Definition (Deutsche Gesellschaft für Fettwissenschaft) sieht Wachse als Stoffklasse, die ausschließlich über ihre mechanisch-physikalischen Eigenschaften definiert wird. Laut dieser Definition sind Wachse bei 20 °C knetbar, fest bis brüchig hart, sie weisen eine grobe bis feinkristalline Struktur auf, farblich sind sie durchscheinend bis opak (undurchsichtig), aber nicht glasartig, über 40 °C schmelzen sie ohne Zersetzung, wenig oberhalb des Schmelzpunktes sind sie leicht flüssig (wenig viskos), weisen eine stark temperaturabhängige Konsistenz und Löslichkeit auf und sind unter leichtem Druck polierbar.
Membranbildende Lipide
Membranbildende Lipide sind Lipide, die einen
hydrophilen und einen
hydrophoben Teil besitzen. Der hydrophile Teil richtet sich immer zu polaren Lösungsmittel wie Wasser, der hydrophobe Teil richtet sich immer weg von ihnen. Somit können sie
Mizellen (Aggregate aus amphiphilen Molekülen, die sich in einem
Dispersionsmedium (meist Wasser) spontan zusammenlagern) oder
Doppellipidschichten bilden. Aus diesen Doppellipidschichten sind alle
Biomembranen aufgebaut, was membranbildende Lipide zu einer der Grundvorraussetzungen allen Lebens macht.
Phospholipide
Phospholipid.svg |
Phospholipide sind neben
Proteinen der Hauptbestandteil von
Biomembranen. Man unterscheidet sie in
Phosphoglyzeride und
Sphingomyeline. Die Struktur der Phosphogylzeride leitet sich von der Phosphatidsäure ab. Diese wiederum ähnelt derjenigen von Triglyzeriden, mit dem Unterschied, dass sich an der C3-Hydroxylgruppe statt des Acylrestes eine Phosphorylgruppe befindet. Sphingomyeline hingegen unterscheiden sich von Glycerolipiden durch ihr
Sphingosin-Grundgerüst. Die Phosphorsäurediestergruppe aller Phospholipide ist
hydrophil und wird „
Kopf“ genannt. Die Acylreste bzw. der unpolare Teil des Sphingosins werden als „
Schwanz“ bezeichnet und sind
hydrophob. Dieser gegensätzliche Charakter führt zur Bildung von
Lipid-Doppelschichten, bei denen der hydrophobe Teil der Membranlipide nach innen und der hydrophile Teil nach außen zeigen. Die wichtigsten am Aufbau von Biomembranen beteiligten Phospholipide sind die Phosphoglyzeride
Phosphatidylcholin (auch Lecithin),
Phosphatidylethanolamin,
Phosphatidylserin und außerdem
Sphingomyeline. Letztere zählen sowohl zu den Phospho- als auch den Sphingolipiden. Phosphatidylethanolamin und Phosphatidylserin werden auch als
Kephaline bezeichnet. Eine vor allem in der intrazellulären Weiterleitung extrazelluärer Signale (
Signaltransduktion) wichtige Gruppe der Phosphoglyzeride sind die in verschiedenen
Phosphorylierungsstufen auftretenden
Phosphatidylinositole; als Kopfgruppe besitzen sie ein
Phosphoinositol.
Sphingolipide
[[Bild:Sphingolipid_de.svg|260px|thumb|Allgemeine Struktur der Sphingolipide
Verschiedene Reste (R) ergeben unterschiedliche Untergruppen.
Wasserstoff -
Ceramide
Phospho
cholin oder Phospho
ethanolamin -
Sphingomyeline
Saccharid -
Glycolipide]]
Sphingolipide sind ebenfalls Bestandteile von Zellmembranen. Ihr Grundgerüst besteht aus einer
Fettsäure und
Sphingosin. Sie werden unterschieden in die Gruppen der
Ceramide, der
Sphingomyeline und Glycolipide.
Sphingolipide finden sich im
Nervengewebe, sie spielen eine wichtige Rolle in der
Signalübertragung und der Interaktion einzelner
Zellen.
Glycolipide
Glycolipide sind phosphatfreie, sphingosinhaltige Lipide mit einem
glykosidisch an die 1-Hydroxyl-Gruppe des Sphingosin gebundenen
Kohlenhydrat-Anteil. Sie bilden häufig die Außenseite biologischer Membranen, wobei ihr Kohlenhydrat-Anteil auf der
Zellmembran präsentiert wird. Es wird vermutet, dass diese eine Rolle in der
Kommunikation und Interaktion zwischen einzelnen Zellen spielen. Glycolipide werden in
Cerebroside,
Ganglioside und
Sulfatide unterschieden.
Terpenoide
Als
Terpenoide werden Verbindungen bezeichnet, die auf
Isopreneinheiten aufbauen. Zu den Lipiden zählende Verbindungen sind die Steroide und die Carotinoide.
Natürlich vorkommende Steroide gehören zu den Triterpenoid-Derivaten (Triterpenoid bedeutet es besteht aus 30 Kohlenstoffatomen), da sie alle ausgehend von
Squalen biosynthetisiert werden.
Carotinoide werden zu den Tetraterpenoid-Derivaten (40 Kohlenstoffatome) gezählt, sie leiten sich von
Lycopen ab.
Steroide
Steran.svg-Molekül]]
Alle
Steroide haben als Grundstruktur ein System aus vier, üblicherweise
trans-verbundenen Kohlenstoffringen, drei sechseckigen und einem fünfeckigen. Der bekannteste Vertreter der Steroide ist das zu den
Sterinen zählende
Cholesterin. Es ist unter anderem auch ein essentieller Bestandteil aller Zellmembranen mit Ausnahme der Innenmembran der Mitochondrien, und kann somit im erweiterten Sinne auch zu den Membranlipiden gezählt werden.
Gallensäuren, die an der Fettverdauung beteiligt sind, besitzen einen hydrophoben und einen hydrophilen Teil, können somit Fette ummanteln und damit deren Absorption im Verdauungstrakt erleichtern. Sexualhormone sind in den Eierstöcken und den Hoden produzierte Steroide, die die Fortpflanzung und die Ausbildung der sekundären Geschlechtsmerkmale steuern.
Die weiblichen Geschlechtshormone sind Progesteron und Östrogen, die männlichen Androgene (z. B. Testosteron und Androsteron).
Weitere Beispiele sind die Sterine und Sterinester Phytosterin, Ergosterin, Vitamin D und Herzglykoside (z. B.: Digitalis und Strophantin).
Carotinoide
Gammacarotin.svg |
Carotinoide sind
Polymerisationsprodukte von
Isopren, die ausschließlich in Pflanzen hergestellt werden und dort als gelb bis rötliche Farbstoffe fungieren. Sie bestehen meist aus ungesättigten Kohlenwasserstoffketten und deren Oxidationsprodukten, und sind aus 8 Isopren-Einheiten aufgebaut. Sie werden in
Carotine und
Xanthophylle unterschieden. Das bekannteste und am häufigsten vorkommende Carotinoid ist das β-Carotin, auch bekannt als
Provitamin A. Es wird im Körper in
Retinol (Vitamin A) umgewandelt, das eine wichtige Rolle für den
Sehvorgang spielt.
Ernährungsphysiologische Bedeutung
Während manche Lipide vom menschlichen Körper selbst im
Fettstoffwechsel selbst
hergestellt werden können, müssen andere mit der Nahrung aufgenommen werden. Diese bezeichnet man als
essentielle Lipide. Dazu gehören die essentiellen Fettsäuren und die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K.
Essentielle Fettsäuren
Doppelbindungen in der Kohlenwasserstoff-Kette einer Fettsäure, die mehr als 9 C-Atome von der Carboxyl-Gruppe entfernt sind, kann der Organismus nicht eigenständig herstellen. Diese sind jedoch von wichtiger Bedeutung und müssen daher über die Nahrung aufgenommen werden. Deshalb werden sie als essentiell bezeichnet. Zu den Vertretern der essentiellen
Omega-3-Fettsäuren zählen die
Linolensäure,
Eicosapentaensäure und
Docosahexaensäure. Essentielle
Omega-6-Fettsäuren sind die
Linolsäure und die
Arachidonsäure, aus der die
Eikosanoide, die wichtige
Gewebshormone und Mediatoren im Körper sind, synthetisiert werden.
Omega-9-Fettsäuren sind nicht essentiell, da sie aus Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren synthetisiert werden können.
Mögliche Nahrungsquellen für Omega-3- und Omega-6-fettsäuren sind Fische, Leinsamen, Sojaöl, Hanföl, Kürbiskerne oder Walnüsse.
Essentielle Fettsäuren spielen eine wichtige Rolle in vielen Stoffwechselprozessen, und es gibt Hinweise, dass Mängel oder Ungleichgewichte in der Aufnahme der essentiellen Fettsäuren Ursache zahlreicher Krankheiten sind.
Fettlösliche Vitamine
Die fettlöslichen Vitamine sind:
Literatur
- Georg Löffler, Petro E. Petrides: Biochemie und Pathobiochemie. Springer, Berlin 2003, ISBN 3540422951
- Florian Horn, Isabelle Moc, Nadine Schneider: Biochemie des Menschen. Thieme, Stuttgart 2005, ISBN 3131308834
- Charles E. Mortimer, Ulrich Müller: Chemie. Thieme, Stuttgart 2003, ISBN 3134843080
Weblinks
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