Lipasen (EC 3.1.1.3) sind Enzyme, die Lipide wie Triglyceride oder Diglyceride zu Glycerin und freien Fettsäuren umwandeln, indem die Esterbindung zwischen Glycerin und Fettsäure katalytisch gespalten wird. Diese Enyzme spielen nicht nur physiologisch eine wichtige Rolle (in dem sie z.B. Fett im Verdauungstrakt hydrolysieren). Im engeren Sinn bezeichnet der Ausdruck in der medizinischen Diagnostik die pankreasspezifische enterale Lipase.
Je nach Lokalisation werden verschiedene Formen unterschieden:
Lipasen werden in der Fettchemie zur Herstellung von Seifen, von Fetten mit verbesserter
Streichfähigkeit und zur Herstellung von Kakaobutteräquivalenten verwendet.
Vielen Waschmitteln wird Lipase zu Erhöhung der Reinigungsleistung beigemischt.
Im Rohmilchkäse wirken sie aromabildend. Butter wird schneller ranzig. Beim Pasteurisieren werden die Lipasen der Milch größtenteils zerstört.
Lipasen werden auch als Biokatalysatoren in der organischen Synthese (z.B. zur Herstellung von Zuckerestern im Industriemaßstab) und in der Lebensmittelindustrie zur Geschmacksstoffherstellung verwendet.
Lipasen können aus einer Vielzahl unterschiedlicher Quellen isoliert werden, wobei für industrielle Zwecke zumeist Schweinepankreaslipase (PPL) oder Lipasen von bestimmten Mikroorganismen genutzt werden. Schweinepankreaslipase ist die am genauesten beschriebene pankreatische Lipase und besteht aus 449 Aminosäuren mit 7 Disulfidbrücken.
Lipase kommt in der Enzymsubstitutionstherapie bei Pankreas-Insuffizienz eine zentrale Bedeutung zu. Insbesondere bei der Mukoviszidose ist die Gabe von Enzympräparaten aus Schweinepankreas-Extrakt, die anhand ihres Lipasegehaltes standardisiert werden, Therapiestandard. In einigen Fällen kommt auch Lipase aus pflanzlichen Quellen (Rhizolipase aus dem Pilz Rhizopus Oryzae, Handelsname: Nortase, Firma Repha, Deutschland) zum Einsatz, die sich durch Stabilität gegenüber der menschlichen Magensäure auszeichnet. Für schwer zu therapierende Fälle wird an rekombinanter humaner gallensäureassoziierter Lipase geforscht (Handelsname: Exinalda, Firma Biovitrum AB, Schweden).
Referenzbereich für Messungen bei 37 °C (Farbtest)
| Serum, Plasma | <60 U/l |
Bei einer akuten Pankreatitis steigt die Lipase an und liegt bereits 5 Stunden nach Einsetzen der Schmerzen über dem Referenzbereich von 60 U/l. In den meisten Fällen steigt der Wert über 180 U/l an und bleibt 3-6 Tage erhöht.
Allgemein ist die Methode der Lipase-Bestimmung weniger gut standardisiert und anfälliger auf Störfaktoren als die Pankreas-Amylase. Deshalb wird bei Verdacht auf Pankreatitis vor allem die Pankreas-Amylase bestimmt. Die Lipase als Ergänzung ist dann sinnvoll, wenn aus technischen Gründen nur die gesamt-Amylase gemessen werden kann oder wenn der Patient mit Plasmaexpandern (Hydroxyäthylstärke oder Dextran 70) behandelt wurde.
Die Lipase wird in der Niere glomerulär filtriert, dann aber nicht ausgeschieden sondern rückresorbiert und abgebaut. Sie erscheint deshalb nicht im Urin, ist aber trotzdem bei Niereninsuffizienz erhöht.
Bei der endoskopischen Untersuchung des Pankreas (ERCP = Endoskopisch Retrograde Cholangiopankreatikographie) steigt die Lipase sofort an, erreicht nach sechs Stunden Werte von bis zu 720 U/l und bleibt bis zu 3 Tage über dem Referenzbereich von 60 U/l.
Lipase | Lipasa | Lipaasi | Lipase | リパーゼ | Lipase | Lipaza | Lipase | Липаза | Lipas | Lipaz