| Wappen | Karte | style="background:#FFFFFF;" | Wappen-lind.jpg | Lage der Gemeinde Lindlar in Deutschland.png |
|---|---|
| Basisdaten | |
| Bundesland: | Nordrhein-Westfalen |
| Regierungsbezirk: | Köln |
| Region: | Bergisches Land |
| Kreis: | Oberbergischer Kreis |
| Geografische Lage: | |
| Höhe: | 220-350 ü. NN |
| Fläche: | 85,82 km² |
| Einwohner: | 22.714 (31. Dezember 2004) |
| Bevölkerungsdichte: | 265 Einwohner/km² |
| Postleitzahlen: | 51789 (alte PLZ: 5253) |
| Vorwahlen: | 02266, 02207 S, 02206 H |
| T-DSL: | 02266 Ja, 02207 Nein, 02206 Nein |
| Kfz-Kennzeichen: | GM |
| Gemeindekennzahl: | 053 74 020 |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: | Borromäusstr. 1 51789 Lindlar |
| Offizielle Website: | www.lindlar.de |
| Politik | |
| Bürgermeister: | Hermann-Josef Tebroke (CDU) |
| Mehrheitspartei: | CDU |
| Karte mit wichtigen Ortsteilen | |
| Karte lindlar.png | |
| Karte des Ortskerns | |
| Stadtkarte lindlar.png | |
Lindlar ist eine Gemeinde im Westen des Oberbergischen Kreises in Nordrhein-Westfalen (Deutschland), etwa 30 Kilometer östlich von Köln gelegen.
Das Gebiet um Lindlar ist geprägt von trockenen Höhen und feuchten Flusstälern. Die Bergsättel und Talmulden bilden Wasserscheiden zwischen Sülz und Wupper beziehungsweise Lindlarer Sülz und Olpebach, Lindlarer Sülz und Lenneferbach sowie Lenneferbach und Leppe. Die Hauptflüsse sind also die Lindlarer Sülz, die sic in Hommerich mit der Kürtener Sülz vereinigt und anschließend in die Agger mündet, der Lennefer Bach und die Leppe.
Die Lindlarer Sülz fließt bei Oberhabbach in das Gemeindegebiet, macht bei Brochhagen einen Bogen nach Westen und nimmt in Hartegasse den bei Waldheim entspringenden Breunbach auf. Sie fließt nun weiter durch das Sülztal, nimmt bei Quabach den von Ommerborn kommenden Ommerbach auf und vereinigt sich bei Hommerich mit der Kürtener Sülz zur Sülz.
Der Lenneferbach entspringt nordwestlich von Lindlar und mündet bei Obersteeg in die Sülz.
Die Leppe durchfließt das Leppetal und nimmt bei Kaiserau den Scheelbach auf. Die Leppe mündet in die Agger bei Engelskirchen.
Der restliche Teil der Gemeinde zeigt, mit Ausnahme der Kirchdörfer, noch immer das übliche Bild von Streusiedlungen. Diese zeigen die für das Bergische Land typische Form des Weilers, der sich im Übergang vom Einzelhof zum Dorfgebilde befindet.
Lindlar wird zum „Bergischen Bergland“ gezählt. Die Böden sind wenig ergiebig.
Lindlar wurde erstmals 1109 urkundlich erwähnt. In dem Dokument wurde durch Erzbischof Friedrich I. von Köln die Abgaben der Lindlarer Pfarrkirche an die bischöfliche Hauptkirche von einem Pfund auf zehn Schillinge ermäßigt. Lindlar wird als Lintlo bezeichnet, diese Bezeichnung lehnt sich an „Lindengebüsch“ an. Ferner musste die Lindlarer Kirche dem St. Severinsstift in Köln gehören und musste, dies war zu dieser Zeit üblich, bei einem Fronhof gebaut worden sein. Zu einem Fronhof gehörte auch eine Mühle. Da die Kirche als „im Dorfe gelegen“ bezeichnet wird, müssen noch weitere Gebäude bestanden haben und da eine Kathedralsteuer nur durch eine Pfarrkirche entrichtet werden mussten, musste es sich bei der Lindlarer Kirche um eine Pfarrkirche handeln.
Eine Pfarrkirche wiederum lässt auf einen fest angestellten Pfarrer, den man mit Land austattete schließen. Also muss in Lindlar auch ein Widenhof, also ein Pfarrhof gestanden haben. Da die Kathedralsteuer normalerweise zwischen drei und zehn Schillingen schwankte, Lindlar jedoch urpsrünglich ein Pfund entrichten musste, muss es sich bei Lindlar um eine besonderst große Pfarrei gehandelt haben.
Da Lindlar im Jahre 1109 schon Kirchdorf war, muss der Zeitpunkt der Rodung schon früher angesetzt werden, etwa zwischen 893, dem frühest dokumentierten Zeitpunkt für Rodungen im rheinischen Raum und 1109. Der Zeitpunkt kann jedoch weiter eingeengt werden, da eine Urkunde aus dem Jahre 958 existiert in der dem St. Severinsstift in Köln die Kirche zu "Kaldenkapellen" (= Hohkeppel) übereignet wird. Da die Hohkeppler Kirche nachweislich der Lindlarer Pfarrkirche unterstand, musste diese also zu diesem Zeitpunkt schon bestanden haben, ihre Entstehung ist also für den Zeitraum zwischen 893 und 958 anzusetzen.
Da der Höfeverband Lindlar eine geistliche Grundherrschaft war, und diese so von einer Reihe Rechtshandlungen ausgeschlossen war, brauchte diese die Hilfsleistung einer Vogtei, eines weltlichen Herrschers. Laut einer Urkunde aus dem Jahr 1174 waren die Grafen von Berg die Schirmvögte für Lindlar. In diesem Zeitraum sind Hofgerichte in Steinbach, Steinenbrücke und Heiligenhoven belegbar.
Das Hofgericht zu Steinbach und Heiligenhoven war im Besitz der Grafen zu Berg, das in Steinenbrücke gehörte dem Kloster St. Maria zu Dünwald, wurde jedoch vermutlich erst im ausgehenden 13. Jahrhundert von den Grafen zu Berg übernommen. Es waren also drei Grundherren im Raum Lindlar vorhanden: der Stift St. Severin, der Stift St. Maria im Kapitol und die Grafen von Berg. Jede Grundherrschaft hatte ihren eigenen Herrenhof (Fonthof, Meierhof) in dem das Hofgericht tagte und eine eigene Mühle. Die Mühle des St. Severinstiftes stand im Dorf Lindlar, die des Stiftes Maria im Kapitol in Dürscheid und die der Grafen zu Berg in Scheel.
Dem Hofgericht übergeordnet war das Schultheißengericht, ein solches ist für den gräflichen Herrenhof Steinbach nachweisbar. Dort findet sich auch die alte Flurbezeichnung „Im Galgenbüschchen“.
Die Pfarrkirche zu Lindlar war Mutterkirche der Kirchen in Hohkeppel und Engelskirchen.
Die Kirche war im Mittelalterlichen Lindlar Zentrum des Dorfes. Das Dorf war mit einem kleinen Außengraben und einem mit einer Hecke bepflanzten Wall befestigt. In verschiedene Richtungen befanden sich Durchgänge die durch Falltore, ähnlich Zugbrücken, gesichert waren. Noch heute erinnert der Straßenname „Am Falltor“ an einen solchen Durchgang.
Karte amt steinbach 1660.jpg | Karte amt steinbach.jpg
Im Laufe der Zeit wurde immer mehr Fläche gerodet und urbar gemacht, teils aus freien Stücken der Bauern, teils auf Befehl des Landesherren. Zentren dieser Expansion waren die Fron- und Herrenhöfe. Hier regierten Beauftragte der Grundherren und es musste der Zehnte abgegeben werden. Außerdem bestand die Verpflichtung der Bauern, Hand- und Spanndienste leisten. Die zunehmend auch auftretenden Gerichts- und Verwaltungsarbeiten wurden ebenfalls im Fronhof erledigt.
Der Fronhof in Lindlar wurde erstmals in einer Urkunde aus dem Jahre 1174 als curtis in lintlo erwähnt, bis dahin war er Hebestelle für den oberbergischen Stiftzehnten der Großpfarre Gummersbach-Meinerzhagen. Der Fronhof wurde von einem Meier verwaltet. Dieser musste seine Abgaben am Severinstag an den Stift abliefern. Einem Register zufolge gehörten zum Fronhof noch acht Köttersgüter und es wurden Hafer, Gerste und Flachs angebaut. Schafe und Hühner wurden als Nutztiere gehalten. Noch heute erinnert in Lindlar die Straßenbezeichnung „Im Fronhofsgarten“ an den ehemaligen Fronhof.
Als Zeuge wurde auch ein Henricus aus Novo Castro ausgeführt. Seinen Wohnsitz mit Neuenberg zu identifizieren ist nicht genau belegbar da auch Schloss Burg an der Wupper unter diesem Namen erschien.
Im ausgehenden 13. Jahrhundert wurde die alte Meierverfassung durchbrochen, man setzte sich über die Grundherrlichen Bindungen hinweg indem die Pacht nicht mehr an den Lehnshof sondern an das Kirchspiel entrichtet wurde. Mehrere Kirchspiele wurden nun zu einem Amtsbezirk, an dessen Spitze der Amtmann stand, zusammegefasst. Der Amtmann von Lindlar residierte in der Burg Steinbach, diese ist für das 13. Jahrhundert belegbar, denn als sich Graf Adolf von Berg 1268 mit einem Schreiben an seine „Amtmänner“ wandte, muss das Amt Steinbach und ebenso die Burg Steinbach schon bestanden haben. Näheres zum Amt Steinbach findet sich in der Beschreibung aus dem Jahre 1363 (siehe unten). Das Kirchspiel nun war wieder in kleinere Honschaften unterteilt.
Eine einschneidendes Ereignis machte die Leppe bei Lindlar zur Landesgrenze: im Jahre 1273 verpfändete der Grad Adolf von Berg die Vogtei Gummersbach, wozu auch Gimborn gehörte an den Grafen Everhard von der Mark.
Im Jahre 1311 verkaufte Heinrich, Herr zu Löwenberg die Siedlung Overath an den Grafen Adolf von Berg. Damit wurde Overath ein Teil des Bergischen Landes und wurde so dem Amt Steinbach angegliedert.
In Lindlar tauchten in diesem Jahrhundert die ersten Landwehren auf. Sie bestanden aus Gräben und gestutzten Baum- und Strauchwerk und waren mit teilweise zwei bis drei Gräben und Wällen eine Art unbemannter Wall. Durch Lindlar verliefen vier Landwehrlinien, die eine vom Horpetal an Weyer, Rübach und Holl vorbei. Sie erreichte bei Löhe und Brochhagen das Sülztal. Über Stüttem nun verlief sie weiter bis nach Norden. Die vermutlich älteste Landwehrlinie verlief südlich von Remshagen, damals noch zu Berg gehörend, vorbei, vom Leppetal aus kommend wieder bei Dassiefen entlang der Landesgrenze, an Scheel und Lichtinghagen weiter ins Landesinnere tretend bei Schnipperinghausen jedoch wieder an der Landesgrenze entlang verlaufend.
Lindlar lag an zwei wichtigen Handelsstraßen, der Landstraße Altenberg-Gimborn und Köln-Marienheide. Überreste der alten Hohlwege lassen sich auch heute noch gut im Gelände ausmachen. Zollstationen befanden sich vermutlich schon einige in Lindlar, wenn diese auch erst für das 17. Jahrhundert nachweisbar sind. Sie standen allem Anschein nach in Lindlar-Mühlenseite, am alten Weg nach Engelskirchen sowie in Horpe („am Horper Schlagbaum“).
1363 wurde dann in einer Urkunde vermerkt: „Amt Steinbach mit Wipperfeld, Bechen, Kürten, Olpe, Lindlar, Overath, Engelskirchen, Keppel (Hohkeppel) und dem Kirchspiel Wipperfürth.“ Das Amt Steinbach war eines der ältesten Ämter im Bergischen und wurde nach der Burg Steinbach in Ober-Steinbach benannt. Diese Burg besteht heute nur noch als Ruine. Der Mathematiker und Geograph Erich Philipp Ploennies schrieb in seinem Buch Topographia Ducatus Montani – Abschreibung und Beschreibung des Herzogthums Berg im Jahre 1715:
In Lindlar wurde zu dieser Zeit ein Landgericht eingerichtet, das den gesamten Bereich von Lindlar, Engelskirchen und Hohkeppel erfasste. Bedingt durch die allgemeine Bevölkerungszunahme wurde im Jahr 1440 Hohkeppel und im Jahre 1554 Engelskirchen zu eigenständigen Pfarreien erhoben. Die Ämter- und Honschaftsaufteilung hatte bis in 19. Jahrhundert Bestand, als die Verfassung durch Napoleon reformiert wurde.
Vom 31. März 1629 bis 17. Juni 1634 war Lindlar im Besitz des Grafen Adam von Schwarzenberg, dem Herrn von Gimborn.
Am 17. Dezember 1625 beraubten brandenburgische Truppen die Kirche. In den Jahren 1795-96 hatte der Ort stark unter der Einquartierung der Soldateska zu leiden. Tiroler Scharfschützen und Barko-Husaren wechselten mit französischen Truppen. Unter anderem hatten General Ney und der Stab des Generals Richepanse hier ihre Quartiere.
Bereits 1701 wurde eine erste Apotheke in Lindlar in einem Bericht des evangelische Prediger Hoffmann aus der Delling urkundlich erwähnt.
Am 20. Oktober 1795 jagten die Landleute von Lindlar die Franzosen aus dem Ort, den Lenneferbach hinab bis nach Bensberg.
Reste älterer Erdbefestigungen in Form eines Walles, der sich von Lindlar bis Waldbröl hinzog, sind auf dem Bergrücken nahe der Kapelle an der Klause erkennbar.
Napoleon erhob im Jahre 1806 das Herzogtum Berg zum Großherzogtum. Das Landgericht Lindlar blieb bestehen, wurde jedoch zum Friedensgericht im Kanton Lindlar erhoben. Das Friedensgericht wurde erst 1879 in Amtsgericht umbenannt.
Bereits 1899 wurde in Lindlar die erste Fernsprechanlage installiert. Volksschulen gab es in dieser Zeit in Lindlar (vier, bis 1900 sechs, bis 1912 acht Klassen), Linde (zwei Klassen), Waldbruch (eine Klasse), Süng (zwei Klassen), Frielingsdorf (ab 1883 drei Klassen), Hohkeppel, Schmitzhöhe und Kalkofen. Aufgrund der wachsenden Schülerzahl wurde 1909 ein Neubau der Volksschule Lindlar errichtet. Die 1896 wieder eröffnete „Höhere Schule“ wurde 1914 wegen Schülermangels und zu hohen Kosten aufgelöst.
Aufgrund der Vermächtnisse des Lindlarer Pfarrers Johannes Fischer und des Schreiners Christian Miebach konnte im Jahre 1891 das Lindlarer Krankenhaus eröffnet werden. Die Betreuung übernahmen die Schwestern der „Armen Dienstmägde Christi“ aus Dernbach. Im frühen 20. Jahrhundert entstanden drei Lindlarer Zeitungen: der Bergische Agent (1903), der Bergische Türmer (ebenfalls 1903) und die Lindlarer Zeitung (1912). 1904 bewilligt der Rat den Bau eines Rathauses (heute Haus der Begegnung).
Seit Kriegsbeginn 1939 durften die Kirchenglocken nicht mehr geläutet werden und abends mussten alle Fenster verdunkelt werden. Während des Krieges befanden sich zwei Kriegsgefangenenlager in Lindlar, eines in Lindlar selbst und eines in Hommerich. Insbesondere das Lager Hommerich gelangte zu einer traurigen Bekanntheit, hier starben 42 von 98 russischen Kriegsgefangenen aufgrund von Misshandlungen und Unterernährung. 1942 wurden die Glocken der Kirchen zu Lindlar, Linde, Hohkeppel und Frielingsdorf zum Einschmelzen abgeliefert. Lediglich die Glocken von Hohkeppel überstanden, gelagert in Hamburg, den Krieg. Auch wurde im selben Jahr das Lindlarer Krankenhaus als Reservelazarett in Anspruch genommen. Lindlar galt zunächst als relativ sicher vor Luftangriffen. Erst 1944 fielen die ersten Fliegerbomben auf Lindlarer Gebiet, zunächst auf Schmitzhöhe und Schönenborn, dann auf Hausgrund mit zwei Todesopfern und auf Scheel mit einem Todesopfer. Als 1945 der Kriegsschauplatz sich dem Rhein näherte, wurden am 19. März 1945 bei einem Bombenangriff in Engelskirchen auch 5 Lindlarer Bürger getötet. Im April näherte sich die Front dem Gemeindegebiet und es folgten schwere Luftangriffe, bei denen über 13 Menschen den Tod fanden. Seit dem 12. April 1945 standen die Amerikaner in Frielingsdorf und Engelskirchen und erreichten die Grenzen der Bürgermeisterei Lindlar. Es folgte ein starkes Artilleriefeuer auf den Ort, wodurch 4 Lindlarer Bürger starben, auch das Krankenhaus erhielt 25 Volltreffer. Am 13. April gegen 8 Uhr besetzten die Amerikaner schließlich kampflos Lindlar und rückten weiter bis Wipperfürth vor.
Der Zweite Weltkrieg forderte insgesamt zirka 500 Todesopfer innerhalb der Gemeinde Lindlar (sowohl Zivilopfer als auch Gefallene). Am 9. April 1945, etwa acht Tage vor dem Einmarsch der Amerikaner in Overath, wurden völlig ohne Zusammenhang 10 russische Kriegsgefangene aus Overath von einem Offizier des Volkssturmes in einem Lindlarer Steinbruch zur Sühne für einen Ermordeten Parteimann erschossen. Da die Leichen nur notdürftig mit Schotter bedeckt waren wurden sie alsbald von den Amerikanern gefunden. Die bereits stark verwesten Leichen wurden ausgegraben und in offenen Särgen auf dem Kirchplatz aufbewahrt. Nun wurden alle Bewohner Lindlars gezwungen an den offenen Särgen vorbeizugehen und die Leichen anzuschauen. Amerikanische Kameraleute filmten dies und ein kurzer Bericht wurde in der amerikanischen Wochenschau gezeigt. Der eigentliche Mörder tauchte unter und konnte nie gefasst werden. Die befreiten russischen Kriegsgefangenen nahmen alsbald selbst Rache und erschossen vier Lindlarer.
Durch den Zustrom von meist protestantischen Flüchtlingen wurde die einzige evangelische Kirche um Umkreis, in Delling, schnell zu klein für die Gläubigen. Seit 1949 wurde es den Protestanten gestattet, in den katholischen Pfarrkirchen zu Lindlar und Frielingsdorf einen evangelischen Gottesdienst abzuhalten. Diese Übergangslösung änderte sich erst 1950 mit der Bildung einer eigenständigen evangelischen Kirchengemeinde Lindlar. 1954 wurde in Lindlar die evangelische Jubilatekirche und 1965 in Frielingsdorf die evangelische Rogate-Kirche erbaut.
1964 beschloss der Rat der Gemeinde für ab Ostern 1965 die Einrichtung einer einzügigen Realschule für Jungen und Mädchen, außerdem wurde im selben Schuljahr eine Sonderschule eingerichtet. Zum Schuljahrbeginn 1968/69 wurden die alten Volksschulen aufgelöst und in Grund- bzw. Hauptschulen unterteilt. Nun wurden in Lindlar alle evangelischen und katholischen Volksschulen aufgelöst und wie folgt zusammengefasst: Grundschulen in Lindlar, Frielingsdorf, Kapellensüng und Linde, Hauptschulen in Lindlar und Frielingsdorf. Alle Grundschulen mit ausnahme der Lindlarer waren Gemeinschaftsgrundschulen. In der damaligen Gemeinde Hohkeppel befand sich in Schmitzhöhe eine Grund- und Hauptschule. Anfang der 70er wurde die Winterschule von Lindlar nach Wipperfürth verlegt. 1977 schließlich wurde die Haupt- und Realschule im Schulzentrum am Wilhelm-Breidenbach-Weg untergebracht. Die Hauptschule Frielingsdorf wurde später aufgelöst. Seit 1998 gibt es in Lindlar auch ein Gymnasium, das die Räume der katholischen Grundschule Lindlar bezog. Diese wurde in zwei Grundschulen aufgeteilt. So bestehen heute in Lindlar Grundschulen in Frielingsdorf, Kapellensüng, Linde, Schmitzhöhe, Lindlar-West und Lindlar-Ost, eine Sonder-, Haupt-, und Realschule sowie ein Gymnasium in Lindlar.
Die Bundesbahnstrecke von Lindlar wurde 1966, trotz schärfster Proteste der Gemeindeverwaltung still gelegt, schon 1960 fuhr der letzte Personenzug. Auch die Kleinbahn Marienheide-Engelskirchen wurde 1958 eingestellt. Der Betrieb erfolgte zuletzt auf einem kleinen Stück von Kaiserau bis Engelskirchen. Beide Strecken wurden komplett demontiert.
Im Rahmen der kommunalen Neuordnung am 1. Januar 1975 wurde nicht nur das Amtsgericht Lindlar aufgelöst, sondern auch die Gemeinde Lindlar dem Oberbergischen Kreis zugeschlagen. Die Gemeinde Hohkeppel wurde auf die Gemeinden Overath (vgl. § 10 Nr. 2 Köln-Gesetz), Engelskirchen (vgl. § 13 Abs. 2 Nr. 2 Köln-Gesetz) und Lindlar (vgl. § 14 Abs. 1 Köln-Gesetz) verteilt. Ebenso kamen Teile der Gemeinden Engelskirchen, Gimborn, Olpe und Overath (vgl. § 14 Abs. 2 Köln-Gesetz) hinzu. So gehörte Lindlar seit dem 19. Jahrhundert drei Kreisen an: von 1816-1932 dem Kreis Wipperfürth, von 1932-1974 dem Rheinisch-Bergischen Kreis und von 1975 an dem Oberbergischen. Der Wechsel des Kreises hatte auch auf den Verkehrsauswirkungen, so fuhr in Lindlar nicht mehr die Wupsi (KWS Kraftverkehr Wupper-Sieg AG) sondern die OVAG.
| Jahr | Einwohnerzahl | Jahr | Einwohnerzahl |
|---|---|---|---|
| 1816 | 5.050 | 1974 | 13.831 |
| 1825 | 5.406 | 1990 | 19.307 |
| 1828 | 5.430 | 1992 | 19.800 |
| 1890 | 6.292 | 1995 | 20.945 |
| 1922 | 6.670 | 1999 | 21.750 |
| 1938 | 6.939 | 2002 | 22.581 |
| 1946 | 10.339 | 2003 | 22.646 |
| 1958 | 11.069 | 2004 | 22.714 |
| 1968 | 12.837 | 2005 | 22.388 |
| CDU | SPD | GRÜNE | FDP | Gesamt | |
| 2004 | 19 | 10 | 4 | 3 | 36 |
Das Siegel ist 3,05 Zentimeter groß und aus einer Urkunde vom 4. Dezember 1781 im Band XV des katholischen Pfarrarchivs in Lindlar überliefert.
Erstmalig urkundlich erwähnt wurde Lindlar 1109, eine Urkunde von 958 erwähnt jedoch bereits Hohkeppel (Kaldenkepelle). Da die Gemeinde Lindlar seinerzeit den größten Teil des Hohkeppeler Landgerichtsbezirks ausmachte, konnte das Schöffensiegel Keppel dem Wappen der Gemeinde zugrunde gelegt werden.
Das Recht zur Führung des Wappens erhielt die Gemeinde am 6. August 1935 durch den Oberpräsidenten der Rheinprovinz.
Lindlar verfügt über ein großes Kulturzentrum (über 800 Plätze), in dem regelmäßig Theater- und Musikveranstaltungen stattfinden. Kleinere Veranstaltungen bedienen sich des Ratsaals "Alte Schule" in der Eichenhofstraße.
Die Gemeindebücherei Lindlar verfügt über eine große Auswahl an Büchern und wird von einem Förderverein mitgetragen, so dass die Ausleihe bis heute kostenlos ist.
Die Gemeinde bezeichnet sich selbst als Tourismusgemeinde und sieht sich als Ferien- und Freizeitort. Die historischen Ortskerne von Lindlar, Hohkeppel und Linde sind sehenswert. Außerdem sieht man beim Wandern auf dem umfangreichen Wanderwegenetz häufig eines der Wegekreuze und auch viele kleinere Kapellen.
Gebäude und Denkmäler
Siehe auch: Gymnasium Lindlar
Behördlichen Angelegenheiten des Jugendamtes lassen sich in Lindlar erledigen. Der Oberbergische Kreis hat in der Gemeinde eine Außenstelle eingerichtet. Die Polizeiinspektion Nord des Landrats als Kreispolizeibehörde des Oberbergischen Kreises ist mit einer Bezirksdienststelle präsent.
Die Freiwillige Feuerwehr betreibt vier Einheiten auf dem Gemeindegebiet: Löschzug Lindlar, Löschzug Frielingsdorf-Scheel, Löschgruppe Hohkeppel und Löschgruppe Remshagen
Für touristische Belange wurde LindlarTouristik eingerichtet.
Ferner findet sich in Lindlar die Kreisstellen Oberbergischer Kreis / Rheinisch-Bergischer Kreis der Landwirtschaftskammer Rheinland.
Herz-Jesu-Krankenhaus Lindlar (141 Betten mit Akut-Geriatrie, Urologie und Innerer Medizin,) mit angeschlossenem Ärztehaus und ab 2005 mit einer Geriatrischen Tagesklinik (10 Betten). Seit 1999 Kooperation mit dem St. Josef-Krankenhaus Engelskirchen in Form der Katholische Kliniken Oberberg gGmbH. Noch im Jahr 2007 soll die Anästhesie, Urologie und HNO des Lindlarer Krankenhauses nach Engelskirchen verlegt werden. Seit Ende 2005 ist im Lindlarer Krankenhaus kein Notarzt mehr im Bereitschaftsdienst. Die notärztliche Versorgung wird in den Gemeinden Lindlar und Engelskirchen über das sog. Rendenzvous-System sichergestellt. Das NEF (Noteinsatzfahrzeug) aus Engelskirchen - besetzt mit Rettungssanitäter und Notarzt - kann alle in Lindlar befindlichen Einsatzgebiete anfahren. Lediglich ein RTW (Rettungswagen) ist noch in Lindlar stationiert.
Die Gemeinde verfügt über sieben Sportplätze, ein Stadion mit Rasenplatz sowie eines mit Aschenplatz, sieben Turnhallen, darunter zwei große Dreifachturnhallen und eine Gymnastikhalle und zwei Tennisplätze. Des Weiteren findet sich in Lindlar ein Hallenbad inklusive Sauna, Wellnessbereich und Liege- und Sportwiese, Reitplätze, eine Golf
Auf dem Flugplatz Lindlar kann Segelflugsport betrieben werden. Er liegt im Südteil der Gemeinde an der Nordseite des Bergrückens Holzer Kopf, der das Aggertal zwischen Engelskirchen und Loope im Norden begrenzt.
Lindlar und seine Kirchdörfer verfügen über eine große Anzahl von Vereinen, die zum größten Teil eine lange Tradition haben. Vor allem sind in dieser Hinsicht die Schützen-, Sport- und Heimatvereine zu nennen.
Die Landwirtschaft war der treibende Faktor für die Besiedelung des Gebietes um Lindlar und spielt bis heute eine wichtige Rolle. Zwar hat sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe stark verringert, dennoch ist ein Großteil der Fläche der Gemeinde Lindlar in landwirtschaftlicher Nutzung.
Im Mittelalter wurden nach und nach die ursprünglichen Buchenwälder gerodet und in Landwirtschaftliche Nutzfläche umgewandelt, Wege angelegt und Siedlungen erbaut. Die natürlichen, geschlossenen Waldflächen wurden dabei zerstört, jedoch entstanden auch gleichzeitig neue Naturräume die zu dem heute hohen Artenreichtum an Pflanzen und Tieren im Bergischen Land führten.
In der Vergangenheit zeigte sich die Bedeutung der Landwirtschaft für Lindlar vor allem durch die Landwirtschhaftsschule (vgl. Geschichtesabschnitt) und der 1852 gegründete Landwirtschaftliche Verein.
Die Landwirtschaft hatte in Lindlar eine schwierige Lage, denn das Land war in trockene Höhen und sumpfige Talauen zergliedert. Auf den Höhen waren die klimatischen Bedingungen und die Bodenverhältnisse für den Ackerbau ungünstig, im Tal die große Feuchtigkeit. Die Bevölkerung von Lindlar war jedoch zum großen Teil (bis auf die Bewohner der Industrialisierten Gebiete der Gemeinde) von der Landwirtschaft abhängig und so war es notwendig, auch für die Landwirtschaft nur bedingt geeignete Gebiete zu nutzen. Bis ins 19. Jahrhundert diente die Landwirtschaft zunächst dem Ziel der Eigenversorgung. Zu dieser Zeit wurde etwa ein Drittel der Fläche Lindlars Landwirtschaftlich genutz und ein weiteres Drittel war von Wäldern bedeckt. Durch die Anwendung des Realerbteiles waren die Landwirtschaftliche Nutzflächen oft klein zerstückelt und kaum effektiv nutzbar. Die meisten Höfe erwirtschafteten gerade das Existenzminimum. Die Hofgröße lag meistens zwischen vier und sechs Hektar. Hauptanbaupflanze war die Kartoffel. Sie lieferte die Grundlage für die Ernährung. Tiere wurden wegen des Mangels an Weideland meistens im Stall gehalten und lieferten Milch und Fleisch. Zu den meisten Höfen gehörte ein Stück Wald.
Im angehenden 20. Jahrhundert kam es immer wieder zu staatlich angeordneten Zwangstötungen von rotzkranken Pferden, lungenkranken Rindviehs usw. zur Eindämmung von Seuchen. Am 3. April 1929 wurde vom Kreis Wipperfürth versuchsweise genehmigt Viehmärkte für Rindvieh und Schweine abzuhalten. Die Viehmärkte schienen keinen Erfolg zu haben, für den letzten Viehmarkt im Jahre 1929 wurde von Seiten des Bürgermeisters gefordert "den Viehmarkt besser zu beschicken und zu besuchen als zuvor. Der Viehmarkt ist in Frage gestellt, falls in Zukunft ein stärkerer Auftrieb nicht zu verzeichnen ist. Diese Einrichtung kann nur dann ihren Zweck erfüllen, wenn sie über die Grenzen der Gemeinde hinaus bekannt und von Fremden besucht wird. * Die Landwirte haben es sich selbst zuzuschreiben, wenn diese für sie so wichtige Einrichtung wegen fehlendem Jnteresse eingestellt wird". Dies war dann auch tatsächlich der letzte Viehmarkt.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts kristallisierte sich ein Umschwung von der kleinteiligen Landwirtschaft zur modernen Landwirtschaft. Durch die Beseitigung von Feldhecken, verrohrung und Begradigung von Bächen, Trockenlegungen von Feuchtwiesen und dem Einsatz von umfangreichen technischen Hilfmitteln wie Düngemittel, Herbiziden, etc. kam es letztlich zu einer drastischen Reduzierung der natürlichen Naturräume und letztlich der Artenvielfalt.
Lindlar rot und schwarzbuntes vieh.jpg
Im Dorf Lindlar selbst wurde auf dem Brungerst nicht nur Grauwacke (s.o.) sondern auch Eisenerz gefördert. Die Relikte des Grubenfeldes Astraea, rund 750m nördlich des Dorfzentrums sind in historischem Quellenmaterial und an Befunden im Gelände fassbar. Die Grube befand sich auf dem Gelände der ehemaligen Fabrik Nord-West-Verpackung. Die Bergbautätigkeit ist zum ersten mal in einer Belehnungsurkunde der Gewerken Witze von Steinen und Sohn vom 15. Januar 1772 nachweisbar. Einen Antrag zur ausübung von Bergbautätigkeiten wurde jedoch schon im Jahre 1762 gestellt. Nachweislich bestanden hat die Grube mindestens bis 1806. In einer im Großherzogtum Berg erstellten Liste für den Zehnt-Ertrag wurde die Grube mit einem Roherzertrag von 65 Haufen und einer Arbeiterschaft von dreizehn Knappen erwähnt. Die Erze wurden zur Schmelze nach Abrahamstal geliefert. Bis 1855 ruhte jede Montantätigkeit. Zwischen 1859 und 1882 wurden noch einmal 822t Eisenstein abgebaut. Anfang des 20. Jahrhunderts wandte sich der Lindlarer Bürgermseister mit einer Petition an den Eigentümer, den Bergwerkbetrieb wieder aufzunehmen, da sonst eine Abwanderung von Arbeitern zu befürchten war. Der Bergwerkbetrieb wurde nicht wieder aufgenommen, jedoch siedelte sich, in Erwartung des 1906 genehmigten Eisenbahnbaus, eine Feilenhauerei, und 1935 die Fabrik Nord-West-Verpackung auf dem Gebiet der ehemaligen Grube an. Der Rest der Grube ist heute größtenteils durch den Grauwackesteinbruch am Brungerst überschüttet.
1964 wurde bei Ausschachtungsarbeiten ein unteridischer Stollen am Paffenberg gefunden. Dieser Stollen war 70 bis 80 cm breit und zwischen 1,7 und 1,8 m hoch. Soweit erkennbar führte er etwa 110 m in den Hang hinein. Der Stollen wurde irrtümlich dem 1860 genehmigten Bergwerksfelkd Prometheus zugeordnet, der Stollen muss jedoch aus dem 18. Jahrhundert stammen. Das Eisenstein-Bergwerk Prometheus fand sich jedoch bei "Auf'm Kamp" und "Am Ufer", nordwestlich Ortszentrums. Es lässt sich jedoch nicht sagen, ob der Stollen im 19. Jahrhundert nicht noch einmal befahren wurde. Im Stollen wurde ein Wellbaum mit Kette und Kübel, die Reste einer Leiter sowie eine Holzkarre gefunden. Die Teile wurden zum Teil der Bauhof der Gemeinde Lindlar übergeben und sind heute verschollen, andere befinden sich im Besitz des Grundstückseigentümers. Der Stolleneingang ist heute zugeschüttet.
Lindlar kann auf eine reiche Tradition in der industriellen Verarbeitung von Eisen- und Stahl verweisen. Bereits im 18. Jahrhundert fanden sich in den Tälern frühe, wasserbetriebene Eisenhämmer. Das Sülztal und das Leppetal wurden durch diese frühe Industrialisierung entscheidend geprägt. Beispiel hierfür ist die Inbetriebnahme eines Sülztaler Eisenhammers durch Christian Hamm. Im Sülztal bei Kaiserau finden sich noch heute wichtige Betriebe der Stahlindustrie, die ihre Produkte weltweit exportieren, hierzu zählt unter Anderem das über 125 Jahre alte Unternehmen Schmidt+Clemens.
Lindlar eisenbahn.png | Oepnv lindlar.png in Lindlar]]
Siehe auch Eisenbahnnetz (Oberberg), Leppetalbahn und Sülztalbahn.
Folgende Linien verkehren durch die Gemeinde Lindlar:
Folgende Linien verkehren nur an Schultagen:
Bürgerbuslinien (Fahrten Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags):
Ehrenbürger
Ehrenspange
Verdiente Bürger
Persönlichkeiten, die mit der Gemeinde in Verbindung stehen
Träger des "Lenkeler Bessemsbenger Orden"
Der "Lenkeler Bessemsbenger Orden" wird seit 1978 jährlich von der KG Rot Weiss Lindlar Falkenhof e.V. an den Lindlarer verliehen, der sowohl sein Privat- als auch Berufsleben mit Witz und Humor meistert. Der Orden ist bis weit über die Kommunalgrenzen Lindlars bekannt.